Sprachlos

Bietet Pflegebedürftigen, Angehörigen, Mitarbeitern, ehrenamtlich Engagierten, Berufsbetreuern und allen die Zeuge von Verletzungen der Menschenwürde sind, die Möglichkeit darüber zu berichten sowie Rat und Unterstützung einzuholen. Positive Beispiele und Vorbildhaftes kann hier ebenfalls hervorgehoben werden.
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doedl
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Beitrag von doedl » Mo 15. Mai 2006, 10:31

Hallo Willy

es wäre sehr schön, wenn Du den Sinn dieses Forum begreifen könntest.

Antonia beschreibt eine Situation der häuslichen Pflege, die haarsträubend ist. Sie sagt selbst, sie möchte Rat und Zuspruch von den Kollegen.

Ich glaube nicht, dass es für Ratsuchende hilfreich ist, wenn sie mit Statistiken abgespeist werden, wenn ständig die Vergleiche Heim- häusliche Pflege zitiert werden, wenn die Lösungsvorschläge ausschließlich aus MDK Heimaufsicht, Fussek, Wohngruppen bestehen.

Im Moment posten hier immer weniger Pflegekräfte- meiner Meinung nach deswegen, weil sie es offensichtlich leid sind, auf Fachfragen stereotype Antworten einzelner User zu erhalten.

Der Sinn dieses Forum ist der Austausch, Hilfestellung zu bestimmten Fachfragen, natürlich auch kontroverse Diskussion- keine Frage. Allerdings darf nicht jede Fachfrage zur kontroversen Diskussion- Heim oh wie schrecklich- werden, da die Pflegekräfte schon genug Stress in ihrem Beruf haben und sicherlich keine Lust, hier permanent in Verteidigungsstellung gehen zu müssen.

Ich apelliere also an die Bienengemeinschaft- bitte macht nicht aus jedem Beitrag eine Diskussion über Für und Wider von Heimen contra Wohngruppen, häuslicher Pflege. Es gibt für jede dieser Formen von Pflege ihre Existenzberechtigung.

Wenn schreckliche Dinge in der Pflege passieren, so werden sie nicht dadurch gerechtfertigt, dass es anderswo nicht besser ist! Jeder "Fall" ist einer zuviel, egal wo er geschieht.

Gruß Doedl


Wir müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen wollen- Mahatma Gandhi

Suse2
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Beitrag von Suse2 » Mo 15. Mai 2006, 13:10

Danke Doedl,

ich denke das mit dem was du in Worte gefaßt hast, vielen PFK und PK aus der Seele sprichst!

LG


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t-rex
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Beitrag von t-rex » Mo 15. Mai 2006, 20:02

Für Antonia, so wie du, ich bin geschockt.
Für Biene Willy, wir haben eine Dame zur KZP, von "ganz lieben Angehörigen" bekommen, einen Decubitus Grad 4 wohlgemerkt von zuhause. Aber der Angehörigen ist nichts aufgefallen, wohl ein Fall von Blindheit.
Leider ist dieser Fall nicht selten.

Sei bitte nicht so einbahnstraßendenkend und verteufel alle Pflegekräfte, alle Heime und alle ambulanten Pflegedienste. Es gibt auch gute und nicht wenig.
Allerdings habe ich den Eindruck, für Dich Biene Willy ist alles negativ, schade.
Negatives ist auch im Gedächtnis haltbarer, denn positive Geschehnisse sind selbstverständlich. Nichts, aber auch wirklich nichts ist selbstverständlich.

:hehe ein positivallentierengegenübereingestellter t-rex :evil:


:liebe verliebt und verheiratet :evil:

Antonia
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Beitrag von Antonia » Di 16. Mai 2006, 09:22

Hallo Willy,
Deine Beiträge finde ich total unpassend. Du schaffst es nicht, egal welches Thema, Dich auf dieses zu konzentrieren. Du bist nicht in der Lage nach zu empfinden was und wie der jenige sich fühlt der hier Rat sucht. Ich bin kein kleines junges Mädchen das von Dir einen Rat sucht und angegriffen fühle ich mich von Dir auch nicht. Dazu bin ich schon zu Lage in diesem Beruf und kenne die Angehörigen und Bew. als sehr höflich, hilfbereit und verständnisvoll bis unter aller ................Ich bin einige Jahre im ambulanten Dienst unterwegs gewessen, was ich dort erlebt habe, übersteigt Deine Vorstellungskraft Willy. Wieso kommt immer das Argument die Angehörigen sind überfordert und denen werden Pflegefehler nachgesehen. Auch sie gehen eine Verpflichtung ein, wenn sie Angehörige pflegen.Sie sind nicht nur die Empfänger des Pflegegeldes, der Rente u. sonstiger Einkünfte.
Es wir niemand gezwungen seine Angehörige ins Heim zu geben, sondern zu Hause zu pflegen, ich spreche aus Erfahrung.(Einige kennen meine Beiträge) Natürlich bedeutet das, ich muß finanziell zurückstecken und meinen Angehörigen unterstützen. Es ist so einfach alle Verantwortung dem Heim aufzuladen, würde von jedem Bew. täglich nur ein Angehöriger 2 Std aktiv mithelfen,könnte sich vieles ändern.(Ist in Holland in vielen Heimen möglich)
Willy ich habe schon oft vorgeschlagen mache etwas, gehe in die Heime und baue dort Betreuungsringe auf, arbeite ehrenamtlich mit, tue etwas nicht nur mit dem Mund. Ich habe Dich schon oft gefragt was tust Du aktiv um die Situation zu ändern und nicht nur verbal anzugreifen? Welche Vorschläge hast Du? Wie versuchst Du Mitstreiter zu gewinnen? Uns Pfleger brauchst Du nicht aufzuklären, wer mit wachen Blick seine Arbeit macht, weiß wo der Hase begraben ist. Hier im Forum suchen wir Gleichgesinnte die uns mit Rat und Tat unterstützen. Die uns aufbauen, wenn es uns mies geht und wir verzweifelt und ratlos sind. Hier im Forum habe ich noch keinen Pfleger erlebt, der bewußt einen Bew. beleidigt, verletzt, mißachtet, seine Würde nicht gewahrt hat usw.
Das Forum wird aber von Angehörigen benutzt, die warum auch immer, irgendwann und irgendwo schlechte Erfahrungen mit Pfleger und Heime gemacht haben. Der ganze Frust wird auf uns abgeladen. Bitte geht an die Basis.
Ich habe mir fest vorgenommen, dies war meine letzte Antwort auf Beitäge von unzufriedenen Angehörigen.

Ich danke meinen Kollegen, für den Zuspruch.
Heute kommt der Amtsrichter zu unserer Bew. Es geht ihr etwas besser, Babynahrung wird jetzt vertragen, kein Durchfall u. Erbrechen mehr. Sie erhält alle 2Std kleine Portionen, heute wollen wir vorsichtig mit Trinknahrung, Kartoffelbrei usw. beginnen. Infusion i.c. läßt sie zu.
Gruß Antonia



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Beitrag von doedl » Di 16. Mai 2006, 12:00

Hallo Antonia

es ist zwar nicht viel, was ich aus der Ferne tun kann- aber ich würde der alten Dame gern einen Blumenstrauss zukommen lassen. Wenn Du mir bitte eine Kontonummer angeben könntest und den Kauf veranlassen würdest.

Danke Doedl


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Antonia
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Beitrag von Antonia » Di 16. Mai 2006, 12:20

Hallo doedl,
sehr lieb von Dir, hat mich jetzt sehr berührt. Aber alle Pfleger im Haus, sogar die Geschäftsleitung hat spontan Hilfe zugesagt. Vielleicht lernen wir uns bald kennen, würde mich freuen. Mir tut es gut zu wissen, dort drausen sind Menschen die fühlen mit. Kein Streben nach Sensation sondern Anteilnahme und ihr hört mir zu. Kein Negativer Kommentar von Pflegern.
Danke Euch allen.
Antonia



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Beitrag von snake1167 » Di 16. Mai 2006, 13:39

Hallo Antonia !

Ich habe deinen Beitrag von Anfang an mitverfolgt und muß sagen, dass ich auch völlig sprachlos bin. Und wenn dann noch solch unqualifizierte Kommentare kommen, fällt mir nichts mehr ein. Ich finde es sehr gut, wie Du dich für die Dame eingesetzt hast, so dass es ihr jetzt langsam besser geht.Auf jeden Fall wünsche ich euch, dass es mit der Bew. weiterhin Stück für Stück bergauf geht und dass sie ihren Lebensabend noch etwas geniessen kann.



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Beitrag von doedl » Di 16. Mai 2006, 15:17

Hallo Antonia, hallo Alle

ich denke, alle die den Beitrag von Antonia gelesen haben, hatten Ganzkörpergänsehaut. Möchte Euch eine Geschichte erzählen, die ich- wenn auch schon vor Jahren- in meiner ambulanten Zeit erlebte. Keine Angst- keine neue Schreckensmeldung, sondern was Positives.

Das ganze spielte sich ab in einem kleinen Dorf irgendwo in Oberbayern. Die alte Dame, um die es ging, lebte mit 4 Generationen auf dem Hof, der sowohl Bauernhof, wie auch Wirtshaus beinhaltete. Sie war bettlägerig, so hab ich sie kennen gelernt, und schon uralt. Die Diagnose weiss ich nimmer, ist schon so lange her.

Jedenfalls hatte die alte Frau ihr Leben lang gearbeitet und ihr schlimmstes Leid war es, dass sie nun nutzlos im Bett "herumlag". Ihr Zimmer war zwar Mittelpunkt der Familie geworden- irgendwer wuselte immer dort rum, aber sie sah ihre Existenzberechtigung in Verbindung mit "Arbeit".

Ihre Enkelin (die hatte selbst schon Kinder im Vorschulalter)- ich hör es noch heute- sagte immer Großmuada zu ihr (erinnerte mich an das Märchen Rotkäppchen, ggg). Eines Tages kam ich wieder zur Grundpflege und fand die alte Frau in ihrem Bett liegend vor- bewaffnet mit mehreren Geschirrhandtüchern und zwei Wannen Besteck. Sie war glücklich! Ihre Enkelin hatte das gespülte Besteck aus dem Wirtshaus geholt und über den ganzen Hof geschleift. Die Großmuada trocknete und polierte und ihre Welt war wieder in Ordnung.

Die Enkelin hatte noch nie was von biografieorientierter Beschäftigungstherapie gehört, gggg, aber sie hat instinktiv das getan, was für die Großmuada wichtig war.

Lieben Gruß

Doedl


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Beitrag von snake1167 » Di 16. Mai 2006, 21:03

Hallo Doedl

Deine Geschichte zu lesen war wunderbar und sehr ermutigend.

Ich habe aber vor 5 Jahren etwas in der eigenen Familie erlebt, was diese komplett auseinandergerissen hat.
Mein Großvater hat bei meinen Eltern im Haus gelebt. im Juni 2001 mußt er ins Krankenhaus, wo ihm aufgrund eines diabetischen Fußes und einer Gangrän ein Zeh amputiert werden mußte. Da er aber immer trotz seiner schweren Diabetes und Gicht und ... immer sehr unvernünftig gelebt hat, wußten wir von den Ärzten, dass er sich nicht mehr erholen wird. Also sagten sich meine Eltern, wenn er sterben muss, dann zu Hause, im Kreis der Familie. Meine Schwester, die auch exam. Altenpflegerin ist, damls 22 Jahre alt, eklärte sich bereit ihn bis zum Schluß zu pflegen. Mit Hilfe des Schwagers meines Großvaters, der einen eigenen Pflegedienst leitet, wurde sein Zimmer mit Pflegebett und allen anderen benötigten Sachen ausgestattet. Er kam nach Hause und wurde dort von meiner Schwester gepflegt. Sie ließ sich für die Zeit krankschreiben.
Die Geschwister meiner Mutter( 7 ) kamen um zu sehen, was in seinen Schränken war, das sie wegtragen konnten , sie suchten seine Sparbücher und Versicherungen. Alles in dem Zimmer, in dem er in seinem Bett lag. Sie dachten er bekommt doch eh nichts mehr mit, da er mehr schlief als wach zu sein. Die Arbeit und Pflege meiner Schwester und Mutter machten sie total nieder und schlecht. In den 2 Monaten in denen er zu Hause gepflegt wurde, hatte mein Großvater weder einen Decubitus noch war er exikiert oder total abgemagert. In der Nacht, als er starb saß sie an seinem Bett und hielt ihm die Hand. Ich kann erst heute, nach fast 3 Jahren Ausbildung nachvollziehen, welche Leistung meine Schwester gebracht hat,und wieviel Kraft es sie gekostet haben muss, trotz aller Anfeindungen aus der eigenen Familie, diese zwei Monate durchzuhalten. Nach der beisetzung hörte ich eine Tante von mir sagen, wenn sie ihn aus dem Krankenhaus in ein Heim gebracht hätten, könnte er noch leben. Diese Leute , meine eigene Verwandschaft, seine eigenen Kinder haben sich nie mit den Ärzten unterhalten, haben sich nicht um ihn gekümmert und kamen nur zum wegtragen. Meine Eltern und der Schwager haben sich damals vor meine Schwester gestellt und haben den anderen gesagt, dass er ohne ihre Pflege viel qualvoller und einsamer gestorben wäre. Meine Mutter hat den Kontakt nach dieser Sache zu ihren Geschwistern abgebrochen, obwohl die meißten im selben Ort oder in der Umgebung wohnen.
Aber so kann man sehen, dass nicht nur hier im Forum die Welten von Pflegenden und Angehörigen aufeinanderprallen können, sondern auch in der Familie.
Es wäre doch besser, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen. In der Pflege geht es doch in aller erster Linie um die zu Pflegenden und deren Wohlergehen,oder ?



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Beitrag von Jutti » Di 16. Mai 2006, 22:28

Hallo Snake
es berührt mich sehr, deine Geschichte zu lesen
als AP aber auch als Tochter, Enkelin....
ich habe es für mich so geregelt, solange ein Mensch lebt, atmet, empfindet, gehören alle seine weltlichen Güter ihm und über das Erbe wird erst diskutiert, wenn er nicht mehr unter uns weilt, niemals vorher!!!!
liebe Grüße und Hochachtung vor der Leistung deiner Schwester
Jutti



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doedl
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Beitrag von doedl » Di 16. Mai 2006, 22:46

Hallo Snake

es ist schon wirklich komisch, aber das, was Du da erzählst, habe ich schon oft erlebt.

Die, die sich aufopfernd kümmern um Vater, Mutter, Onkel, werden total im Stich gelassen. Nicht nur das, es kommen auch Vorwürfe! Wenn sie es z. B. nicht mehr zu Hause alleine schaffen und den Pflegebedürftigen ins Heim geben.
Wie konntet Ihr nur???
Oder so wie Du es beschrieben hast- wär der Opa woanders gewesen, würd er noch leben. Echt schlimm sowas.

Ich habe fast 30 Jahre Pflege auffem Buckel- trotzdem war es eine völlig neue Erfahrung für mich, als mein Vater mit Blasenkrebs aus dem KH entlassen wurde und nach Hause kam. Nach Hause hiess für mich allerdings 134 km einfach; für meine Schwester 210 km einfach.

Wir haben uns abgewechselt- sie und ich. Meine Mutter, selbst stark gehbehindert, inclusive Sozialstation waren der Situation am Ende nicht mehr gewachsen. Es hat trotzdem funktioniert. Jede von uns Schwestern tat das, was sie am besten konnte.

Meine Enkelin wurde zu der Zeit geboren- und das grösste Erlebnis in diesem Finalstadium war für meinen Vater, das Kind bei sich im Pflegebett zu haben und sein Händchen in seiner Hand zu halten. Sprechen konnte er zu dieser Zeit schon lange nicht mehr, aber seine Augen sagten mir alles.

Meine Mutter, mit ihren fast 80 Jahren, konnte pflegerisch nichts für ihren Mann tun, aber was tat sie mit ihrem Herzen, mit ihrer Anwesenheit.....Sie hat ihn in den Tod gestreichelt, ihm stundenlang erzählt, wie glücklich sie mit ihm gewesen ist. Wenn es einen guten Tod gibt, dann hat ihn dieser Mann erlebt.

Grüße Deine Schwester und Deine Mutter gaaaaaanz lieb. Ich ziehe vor jedem Menschen meinen Hut, der die eigenen Angehörigen begleitet, ob zu Hause oder im Heim

Hochachtungsvoll

Doedl


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Beitrag von Antonia » Mi 17. Mai 2006, 09:24

Hallo Zusammen,
auch ich möchte meinen positiven Senf dazugeben. Ich hatte hier im Forum schon einmal über meinen Vater (Schwerstpflege) berichtet. Er lebt bei uns im Haus in einer Einliegerwohnung und wird dort betreut. Es gab schwere Zeiten, für ihn und für uns.
In der vorigen Woche gab es Knatsch zwischen uns Beiden, er sagte zum Schluß: Mach die Tür von der anderen Seite zu, ich brauch dich nicht. Ich habe ihn gedrückt und ihm gesagt, das war das schönste Kompliment das du mir machen konntest. Er war ganz erstaunt.Es hat mir aber gezeigt, so wie ich seinen Alltag organisiert habe, fühlt er sich unabhängig.
Er hat mir erklärt ich lebe zwar bei euch, aber wenn ich möchte ohne Euch.
Ich bin sehr stolz auf ihn und bin gerne seine Tochter.
Meine beiden Brüder rufen ihn an, sonst glänzen sie durch Abwesenheit, sie haben nur Angst ich könnte jetzt schon den Schmuck der Mutter und sonstige Sachen an mich reißen.Sie wollen nicht begreifen, alles bleibt bis zum Tod des Vaters an seinem Platz.
Nach seiner Erkrankung meinte mein Bruder nur, du hast es leicht einen Heimplatz zu bekommen. Schon bei der 3 jährigen Pflege meiner Mutter kam aus der Ecke nichts. Sie hat mir ein Tagebuch hinterlassen, der Inhalt und ihr Dank an mich werden mir Trost bis an mein Lebensende sein.
Leider erkrankte mein Mann auch schwer er war aber nur ein paar Monate auf meine Hilfe angewiesen, er durfte aber weiter leben und hat sich einigermaßen erholt.
An meinem Geburstag fahre ich nach Hause und über der Straße ist ein Tuch gespannt mit dem Schriftzug Danke und ein Bild von einer Stelle bei uns im Wald, die ich oft aufsuche. Ich wusste gleich das ist für mich.
Leute bin ich nicht zu beneiden? Es gibt Menschen die mich lieben.
Ich arbeite gerne in der Altenpflege,mir passt vieles nicht, aber ich erlebe viele positive Situationen die mir und meinen Kollegen zeigen, die Strasse wird gebaut wir können sie irgendwann befahren. Wir brauchen niemanden der ständig versucht sie wieder zu zuschütten.
Ich wünsche Euch einen tollen Tag und denkt daran, der Tag an dem ihr nicht gelacht habt ist ein verlorener Tag.
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Beitrag von doedl » Mi 17. Mai 2006, 15:03

Hallo Monika

ich sehe die Situation zwischen Pflegenden und Angehörigen nicht so gespannt, als wie sie sich hier teilweise darstellt.

Vergiss nicht, oft sprechen sich Angehörige und Pflegende Negativerlebnisse von der Seele.

Mir sind in meinen vielen Jahren Pflege nur wenige Angehörige "negativ" aufgefallen; die meisten waren sehr kooperativ und verständnisvoll. Voraussetzung: der ambulante Dienst oder das Heim arbeiten auch korrekt und professionell.

Das Verständnis der Kundenorientierung- und das sind Angehörige sehr wohl- ist in den ambulanten Diensten schon lange vorhanden. Dadurch dass die Pflegekräfte in fremde Haushalte gehen, richten sie sich nach der Ablauforganisation der Familie. Im Heim ist es- bei allem guten Willen- leider nicht so individuell. Die Organisation Heim ist kompliziert und bei weitem nicht so flexibel, wie ich mir das wünschen würde. Aber auch hier gibt es gute Ansätze, wie ich beobachten kann.

Pflegekräfte in den Heimen erkennen aber auch, dass Angehörige wichtige Partner sind- schließlich wissen diese soviel über den Bewohner wie keine Pflegekraft jemals erfahren kann. Sie bestimmen letztendlich auch über den "Ruf" einer Einrichtung- und der ist überlebenswichtig für ein Unternehmen, welches eine so prekäre Sache wie Pflegeleistungen "produziert".

Nicht zu vergessen, Angehörige arbeiten oft ehrenamtlich mit- auch nach dem Tod der eigenen Mutter, des Vaters. Diese Kontakte zu hegen und zu pflegen sollte das Anliegen jedes Heimes sein.

Lieben Gruß

Doedl


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Beitrag von DollscheVita » Sa 20. Mai 2006, 18:23

doedl hat geschrieben:
Im Moment posten hier immer weniger Pflegekräfte- meiner Meinung nach deswegen, weil sie es offensichtlich leid sind, auf Fachfragen stereotype Antworten einzelner User zu erhalten.

Der Sinn dieses Forum ist der Austausch, Hilfestellung zu bestimmten Fachfragen, natürlich auch kontroverse Diskussion- keine Frage. Allerdings darf nicht jede Fachfrage zur kontroversen Diskussion- Heim oh wie schrecklich- werden, da die Pflegekräfte schon genug Stress in ihrem Beruf haben und sicherlich keine Lust, hier permanent in Verteidigungsstellung gehen zu müssen.


Gruß Doedl
Danke Doedl, du spichst mir aus der Seele.
Liebe Grüße an Alle
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