Antifolterstelle soll deutsche Altenheime prüfen

Bietet Pflegebedürftigen, Angehörigen, Mitarbeitern, ehrenamtlich Engagierten, Berufsbetreuern und allen die Zeuge von Verletzungen der Menschenwürde sind, die Möglichkeit darüber zu berichten sowie Rat und Unterstützung einzuholen. Positive Beispiele und Vorbildhaftes kann hier ebenfalls hervorgehoben werden.
Suse2
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AW: Antifolterstelle soll deutsche Altenheime prüfen

Beitrag von Suse2 » Mi 16. Jan 2013, 21:37

natürlich würde es solche Problem nicht lösen
ich fänds auch nicht toll wenn überall Cams wären..

die Frage ist, wie kann man solche schlimmen
Vorfälle verhindern??

warum passieren sie überhaupt??


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hauptstadtpfleger
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AW: Antifolterstelle soll deutsche Altenheime prüfen

Beitrag von hauptstadtpfleger » Mi 16. Jan 2013, 21:44

suse2 hat im grunde genommen alles gesagt: recht am eigenen bild + verletzung der privatsphäre.

eine ausnahme gilt für personen der zeitgeschichte. wenn also dieter bohlen deine oma pflegen würde, könntest du schon ein paar schnappschüsse machen... ebenfalls in einem begrenzten rahmen, der jedoch etwas weiter ist als bei gewöhnlichen menschen.

darüber hinaus muss man bedenken, dass diese überwachung sämtliche personen betrifft, die die räume betreten. jeder würde automatisch heimlich gefilmt.

aufgrund der tatsache, dass die heimliche überwachung von personen einen erheblichen grundrechtseingriff darstellt, bedarf es zum beispiel bei derartigen überwachungsmethoden im rahmen polizeilicher ermittlungen immer einer richterlichen prüfung des einsatzes.

selbst bei einem bestehenden verdacht ist die schwelle unheimlich hoch. es kommt immer darauf an, wie konkret dieser verdacht denn überhaupt ist, denn sollte er sich als falsch herausstellen, ist der überwachte mitarbeiter opfer einer straftat geworden und der eingriff ist noch nichteinmal im nachhinein irgendwie gerechtfertigt.


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AW: Antifolterstelle soll deutsche Altenheime prüfen

Beitrag von oLove » Mi 16. Jan 2013, 21:59

Guten Abend,
Also ich find den Name Antifolterstelle schon ganz schön heftig,da Folter für mich systematisches Verletzen/Misshandeln/Terrorisieren mit einem bestimmten Ziel (Aussagen bis hin zur sadistischen Selbstbefriedigen) ist und sowas hab ich in meinen gut 2 1/2 Jahren Ausbildung nicht erlebt ( kenne aber auch nur 2 Heime und 4 Wohnbereiche), allerdings hab ich kein Problem damit wenn unangekündigte Kontrollen durchgeführt werden. Ich habe in dem ersten heim wo ich meine Ausbildung angefangen hab schon Dinge erlebt die mensch als verletzend, missachtend und unmenschlich bezeichnen kann,nicht von allen MA und auch nicht permanent, allerdings gab es eine Spätschicht und eine MAinn die ich nicht vergessen werde und ich hab versucht zu intervenieren und(weil erfolglos) die MAinn der HL gemeldet mit der Konsequenz das Sie gegangen worden ist (ich allerdings auch, da ich das Gefühl hatte von nun an beäugt zu werden und der PDL hab ich ganz ehrlich auch nicht so ganz getraut da er so tat als wären all die Dinge die ich der HL mitteilte nicht so, z.b. das von einigen PFK die BW nur geduzt wurden und Fr. Müller war die Müllerin und so). Und eben diese eine MAinn hatte mal ,vor dieser besagten Schicht zu mir gesagt,ich solle heut mal aufpassen da die Heimaufsicht im Haus wäre,als ich fragte worauf denn ? sagte sie: naja ordentlicher Umgang und so,- darauf hab ich sie angeschaut und gefragt was an meinem Umgang nicht in Ordnung wär,darauf sie ,na du weist schon ! - ne wusste ich nicht, ich hab da keinen geduzt,niemandem gesagt das er/sie "Fett" sei,zum Essen genötigt usw.
In dem Heim wo ich jetzt bin , gibt es auch immer mal diskussionen darüber, was jetzt bevormunden ist bzw. gibt es auch zw. bestimmten Personen ,PFK - BW so Machtspiele ,wie: wenn sie ausgetrunken haben dürfen sie Rauchen ,
aber .... sei Dank ist die Mehrheit bei uns für Selbstbestimmung der Bw und schreitet in solchen Fällen bzw. kommt bei der nächsten Teamsitzung auf den Tisch. Allerdings gibt es ein Fal in unserem Haus den ich als absolut unmenschlich empfinde: Ein Mensch Hat sich vor ca. 10 Jahren zu hause aufs Sofa gelegt und gesagt ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr- hat nichts mehr gegessen und getrunken, nicht mehr aufgestanden - Verweigerung total- ,der Partner und die Kinder haben wohl alles versucht, schlussendlich wurde eine PEG gelegt und seitdem vegetiert der Mensch vor sich hin,totale Kontrakturen ,Augen sind fast immer geschlossen (nur das weise ist manchmal sichtbar) ,Mund ist ständig offen,Zunge halb draussen, insgesamt nur noch grausam - absolut keine eigenbewegung, nichts . Kinder wollten wohl vor ein paar Jahren das die Sonde wegkommt, haben aber keine Vorsorgevollmacht,Pat.verfügung gabs da noch nicht, wer was davon hat das Sie immer noch so vor sich hin"siecht" (sorry für das Wort) weis ich nicht? -die Medizin? die Sondennahrungshersteller? keine Ahnung, nur würde ich mir wünschen das sowas auch als "Folter" erkannt werden würde,und sich ein "Ethik"rat findet der sagt - lasst sie sterben.



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AW: Antifolterstelle soll deutsche Altenheime prüfen

Beitrag von hauptstadtpfleger » Do 17. Jan 2013, 00:35

@Anton-68:
Off-Topic:

1. es geht mir nicht um deine meinung, die sei dir unbenommen. ich habe lediglich versucht, dich auf einen fehler in deiner argumentation hinzuweisen. das milgram-experiment und die zustände in deutschen pflegeeinrichtungen haben nichts gemeinsam.

2. ich diskutiere auch nicht über wikipedia und fachliteratur, weil es da nichts zu diskutieren gibt.

3. da frau heinisch meiner meinung nach das richtige getan hat, sehe ich keinen grund über sie zu diskutieren.

4. der hinweis auf den denunzianten-button ist nur eine freundliche reaktion auf eine frage deinerseits an die mods bezüglich eines postings das ich im paralellthread gepostet habe. ich persönlich halte dieses verhalten für kindergarten passend, obwohl ich selbst mich nicht einmal im kindergarten so verhalten habe...

5. ich hoffe, die jungen foristen lernen ihre meinung zu vertreten, auch wenn sie unpopulär ist. nichts ist heute einfacher, als eine populäre meinung zu vertreten, auch wenn sie vollkommen falsch ist und im internet gehört noch nicht mal ein mindestmass an mut dazu.

so, das ist mein endgültig letztes posting zu den oben angesprochenen themen in deine richtung. von meiner seite ist dazu nunmehr alles gesagt.


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Katshke
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AW: Antifolterstelle soll deutsche Altenheime prüfen

Beitrag von Katshke » Do 17. Jan 2013, 08:21

[quote=""Suse2""]
die Frage ist, wie kann man solche schlimmen
Vorfälle verhindern??

warum passieren sie überhaupt??[/quote]

So, dass genau ist meiner Meinung nach der Knackpunkt. Und da scheint es so zu sein, dass die Bedingungen in der Pflege ganz allgemein Gewalt begünstigen.

Das Abhängigkeitsverhältnis, in dem die Pflegebedürftigen stehen - solche Geschehnisse wie weiter unten beschrieben mit dem Rauchen nur nach dem Essen sind ein Beispiel dafür.

Der Druck von allen Seiten, sowohl in der ambulanten Pflege als auch im Heim, der auf den Pflegekräften lastet - Zeitdruck, Dokumentationsdruck, gesellschaftlicher Druck (die bösen lassen die Leute hungern...)

Die Sinnkrise - viele Altenpfleger z.B. wollen nicht nur waschen, waschen, verbinden, verbinden, sondern auch mal Zeit für einen Schwatz und überhaupt die Möglichkeit, Menschen wie Menschen und nicht wie Werkstücke zu behandeln - die morgendliche Waschstraße entwürdigt auch die Pflegenden, nicht nur nur die Pflegebedürftigen. Und die, die sich besonders einsetzen, die immer wieder unter schwersten Bedingungen Menschlichkeit nicht nur einfordern, sondern auch zu leben wagen, erfahren oft eine Sinnkrise, weil sie sehen, wie wenig sie im Grunde bewirken.

Die schlechte Bezahlung - Pflege ist Schwerstarbeit, körperlich, geistig, seelisch. Und immer noch gehen viele mit 1050 brutto für 30h wöchentlich nach Hause.

Die fehlende Unterstützung Wer kümmert sich darum, die Risiken der Schichtarbeit, die noch dazu meist keiner Regelmäßigkeit folgt, für die Gesundheit der Pflegenden zu mildern? Ich kriege immer wieder die Krise, wenn in Diskussionen über zwölf Tage Dienst am Stück die Leute schreiben, dass das ja rechtmäßig ist. Das mag ja rechtmäßig sein, aber gesund ist das nicht. Und mit solchen Diensten gehe ich nicht bis ich 67 bin, pflegen.

Mangelndes Fachwissen - ich will niemandem zu nahe treten, aber was ich da unter Kollegen schon mitbekomme, Leute, die nach fast zwei Jahren in der Intensivpflege immer noch nicht wissen, was es für Beatmungsformen gibt, nicht vorhandene Kenntnisse über Kommunikation... es ist ein weites Feld.

Das sind zwar alles keine Gründe, den Frust und die eigene Hilflosigkeit an den Schwächsten, den zu Pflegenden, auszulassen, jedenfalls keine rechtfertigenden Gründe, aber Ursachen meiner Meinung nach schon.

In der Häuslichkeit, bei den pflegenden Angehörigen, treffen diese Ursachen m.E. auch zu, hier und da vielleicht anders gewichtet, aber im Grundsatz schon.

Es braucht schon sehr viel persönliche und menschliche Stärke, um immer und jederzeit ohne Gewalt auszukommen, wenn man immer wieder Essen anbietet und das dann ins Gesicht gespuckt bekommt, wenn Menschen mit Kot schmieren, wenn man beschimpft wird etc.

Die Antifolterstelle, die übrigens für alles mögliche und nicht nur für Heime zuständig sein soll, kann da nicht viel tun.

Einzelne können da auch nicht viel tun, vielleicht vor Ort Beispiel sein oder die eine oder andere Geschichte aufdecken, aber solange in der Gesellschaft, in der wir leben, nur die Spitze des Eisbergs und selbst die nur von Zeit zu Zeit in den Medien thematisiert wird, aber die strukturelle Gewalt (ja, ich halte die Gewalt für strukturell, bedingt durch die Verhältnisse) unangetastet bleibt, wird immer wieder Erschreckendes zutage treten.

Vielleicht gibt es eine Lösung, wenn der Druck noch größer wird, wenn noch weniger Leute bereit sind, unter den derzeitigen Bedingungen zu pflegen, vielleicht auch nicht, denn schlecht sind die Bedingungen seit Jahrzehnten.

Profit und Pflege passen meiner Meinung nach nicht zusammen, Pflege braucht Zeit und Ressourcen, die über Satt-Sauber hinausgehen, und momentan ist oft nicht einmal Satt-Sauber möglich.

Es gibt Gegenbeispiele, wie z.B. Johannes Heim. Aber auch da wäre unter günstigeren Rahmenbedingungen manches leichter.



andrea
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AW: Antifolterstelle soll deutsche Altenheime prüfen

Beitrag von andrea » Do 17. Jan 2013, 12:30

Hallo,
ein super Beitrag und ich kann alles unterschreiben.
Es gibt jede Menge Pflegekräfte die versuchen sich aufzulehnen, jede Menge die resigniert damit aufhören, den Beruf an den Nagel hängen oder sich mit einem burn out zurückziehen.
Solange es kein gemeinsames Aufbäumen gibt wird Pflege so weiter gehen wie jetzt und vielleicht noch schlimmer werden.
Du schreibst vielleicht wollen noch weniger Menschen in die Pflege............auch das ist doch gut eingeplant, warum sonst sucht man schon jetzt außerhalb Deutschlands wegen angeblichem Pflegenotstand.
Da werden dann Mensche eingesetzt die mit dieser Arbeit das Überleben sicher gestellt haben......ich bin sicher da wird getan was erwartet wird unabhängig obs Gewalt ist oder nicht.
Das finden wir heutzutage ja schon so oft wieder. Eine Antifolterprüfung wird wahrscheinlich genauso viel bewirken wie unangemeldete MDK Prüfungen, die ja auch nicht das Übel an der Wurzel packen sondern ehr noch mehr Druck ausüben.
Nein der einzige Weg etwas zu verändern ist Gemeinsam aufstehen ohne Ausnahme. Nur das zu organisieren würde uns als kleiner Baustein des Ganzen sicher mißlingen.
Gruß andrea


„Rechthaben ist erst eine Kunst; wenn auch die anderen glauben, dass mans hat!”

oLove
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AW: Antifolterstelle soll deutsche Altenheime prüfen

Beitrag von oLove » Do 17. Jan 2013, 19:38

Hallo,
die Ursachen für Gewalt und Aggression in der Pflege find ich auch sehr wichtig zu erkennen,zu benennen und versuchen zu verändern,da sich das nur positiv für alle im Pflegealltag auswirken kann.
Und oft sind es die Rahmenbedingungen: Zeitdruck- der gar nicht sein müsste, Personalmangel - der auch nicht sein müsste, Überlastung der MA usw.,habe selbst schon erlebt wie die Geduld nachlässt ,wenn man 12 Tage durcharbeitet, wenn man Krankgeschrieben ist (bis Freitag,weil WE laut Dienstplan frei und Mo Frühdienst) und am Mittwoch (3.Tag der Krankschreibung)schon die Pdl anruft und fragt ob man schon am Samstag einspringen könnte? - Nö! ,da vergeht einem schon die Lust auch wenn man gern zur Arbeit geht.
Was mir allerdings aufgefallen ist,bei den Ma (siehe oben,mein letzter Beitrag),das das oft Menschen sind die ihr eigenes Handeln nicht reflektieren,z.B. hat die MAinn aus der 1. Einrichtung vor dieser besagten Schicht(ich hab bewusst keine Einzelheiten erzählt) ,mir mal auf die Frage Warum sie diesen Beruf ausübt,gesagt- für sie ist Beruf = Berufung : so,so, bei den beiden PFKs auf dem WB wo ich arbeite,die immer mal so "Machtspiele"(mit dem Rauchen) ausüben,die sind völlig überzeugt von sich, es gab auch schon andere Situationen,wo der eine eine BWinn die ständig versucht hat aufzustehen ,obwohl sie extrem Sturzgefährdet ist und allein nicht mobil ist, dauernd ermahnt hat endlich sitzen zu bleiben(und der Ton! Grrrr) ,ohne Sensibilität , ohne Achtung - ich bin dann meist hingegangen und hab mich neben sie gesetzt und mit ihr geredet,beruhigt uso.- nur das Ding war das die Frau das nicht tat um uns zu ärgern oder weil sie aufstehen wollte ,ne sie hatte auf Grund der Medikamentation(kam grad aus dem KH) eine Sitzunruhe(NW eines Neuroleptika) - das hab ich den dann auch gesagtund das sie entweder neu eingestellt werden müsste oder wir uns entsprechende Handlungs alternativen einfallen lassen müssen.
Und zum Thema Pflegepersonal aus dem Ausland bzw. über A-amt, meine Erfahrung(wie gesagt meine) ist : a)ich kenne 3 Fachkräfte aus Osteuropa und die sind alle TOP, lassen sich ehr weniger gefallen als viele D - also die sind schneller bei den Chefs und sagen ihre Meinung als andere und gegenüber den BW absolut respektvoll ( wobei ich denke das das daran liegt das die eine noch familiärere Sozialisation kennengelernt haben)
b) ich geh von mir und dem Grossteil meiner Klasse aus (Umschüler vom A-amt), sehr motivierte Menschen mit genug Lebenserfahrung die den Beruf erlernen WOLLTEN, nicht dazu gedrängt wurden(von Amtswegen),
wollte ich nur mal loswerden , weil ich sowas oft "höre".
LG o, bis vllt später .....



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AW: Antifolterstelle soll deutsche Altenheime prüfen

Beitrag von legolas » Fr 25. Jan 2013, 07:30

hallo alle zusammen,

ich habe mir diesmal nicht die mühe gemacht alle beiträge zu lesen.
zum einen muß ich gleich zum dienst und die antworten wiederholen sich meistens.

wie einige wissen arbeite ich in der forensik (maßregelvollzug) habe davor aber auch in pflegeheimen und im ambulanten bereich gearbeitet.
trotz daß ich mit straftätern zu tun habe, erlebte ich mehr gewalt verbal und brachial im altenpflegebereich, ausgehend von beiden seiten.
die ursachen sind schon oft genug benannt worden.

dennoch ist es für mich nicht nachvollziehbar, daß die träger und leitungen an der falschen stelle "sparen".
wir bekommen regelmäßig deeskalationskurse angeboten und diese werden auch gut genutzt. ich selbst konnte immer wieder sehr viel für mich mitnehmen.

bei einem kurs fragte ich mal den mentor, warum er sich nicht in altenpflegeeinrichtungen anbiete, da ich dieses für mehr als dringend notwendig halte. seine antwort war, daß er dies schon getan habe aber aus kostengründen sei er abgelehnt worden.

was will man noch dazu sagen? komischerweise erscheint sowas aber auch in keiner presse oder anderen publikation.

lg legolas



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Griesuh
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AW: Antifolterstelle soll deutsche Altenheime prüfen

Beitrag von Griesuh » Fr 25. Jan 2013, 08:11

Hi legolas, so ganz kann ich deine Aussage nicht stehen lassen besonders in diesem Bereich deiner Aussage:
dennoch ist es für mich nicht nachvollziehbar, daß die träger und leitungen an der falschen stelle "sparen".
und weiter schreibst du: bei einem kurs fragte ich mal den mentor, warum er sich nicht in altenpflegeeinrichtungen anbiete, da ich dieses für mehr als dringend notwendig halte. seine antwort war, daß er dies schon getan habe aber aus kostengründen sei er abgelehnt worden.
In etlichen Bundesländern gab es schon die Fortbildungsverpflichtung zu Freiheitsentziehenden Maßnahmen ( FeM) so wie die Fortbildungsverpflichtung zur Gewaltprävension schon lange.
Jetzt wurde die Fortbildungsverpflichtung zu diesen Themen im Pflege Neuausrichtungs Gesetz ( PNG) Bundeseinheitlich für Pflegeeinrichtungen festgeschrieben, mit dem, leider muss ich sagen unnützen vermerk -- näheres regelt das Landesgesetz!!!!.
Alle Pflegeeinrichtungen müssen jetzt regelmäßig, so denn es im Landesgesetz steht, ihre MA zu diesen Themen Fortbilden. ( das Regelmäßig wird als 1 x jährlich interpretiert)
Diese Fortbildungsmaßnahmen sind bei den Qualitätsprüfungen durch den MDK nach zu weißen.
Unabhängig davon ist das Thema Gewaltprävension und FeM bestandteil der Pflegeausbildung. Deshalb sollte jeder Pflegekraft diese Thematik schon von der Ausbildung her bekannt sein.

Das ist das eine.

Das andere ist der Kostenfaktor.

Du hast deinen Mentor gefragt, warum er diese Kurse nicht in Pflegeeinrichtungen anbietet.
Seine Antwort war korrekt.
Denn so ein freier Dozent schlägt hier preislich erbarmungslos zu. So eine Fortbildung kann eine Pflegeeinrichtungung einige Tausende Euros kosten.
Deshalb greifen die Pflegeeinrichtungen lieber auf die von Ihren Berufsverbänden angebotenen Fortbildungen zurück, die eben auch und das weitaus kostengünstiger als diese freien Dozenten es jemals könnten,
Fortbildungen anbieten.

Mit dieser Fortbildungsverpflichtung für Pflegeeinrichtungen zu Gewaltprävension und FeM ist nur die eine Seite erfasst.

Die privat pflegenden sind immer noch aussen vor.
Denn im häuslichen Bereich,
ich sage es wieder, auch wenn es einigen nicht gefällt, erfolgt weit mehr Gewalt und FeM am zu pflegenden als in den Pflegeeinrichtungen.
Nicht, dass die Angehörigen das bewusst machen würden.
Jedoch erkennen sie nicht wo fängt Gewaltanwendung schon an und wo beginnt eine Freiheitsentziehendemaßnahme.
Deshalb schlage ich vor, dass alle Personen die bei einer Begutachtung im häuslichen Bereich als Pflegepersonen benannt werden, genau so verpflichtend diese Kurse zur Gewaltprävension und FeM absolvieren müssten.
Zuletzt geändert von Griesuh am Fr 25. Jan 2013, 08:44, insgesamt 1-mal geändert.



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AW: Antifolterstelle soll deutsche Altenheime prüfen

Beitrag von legolas » Mo 28. Jan 2013, 23:49

hallo griesuh,

danke für deine berichtigung. bin jetzt ca. 6 jahre aus der altenpflege und konnte nur von den erfahrungen in meinem umfeld berichten.
dennoch stehe ich mit meinen ehemaligen kollegInnen im regelmäßigen kontakt. diese arbeiten immer noch in dieser privaten einrichtung.
in diesem heim wird wirklich "gespart", da die Betreiber nur auf profit aus sind.

wenn, wie du schreibst, mittlerweile gewaltprävention zur gesetzlichen pflicht geworden ist, sollte sich doch hoffentlich bald mal was bessern.

daß du freiheitsentziehende maßnahmen hier rein wirfst, finde ich nicht korrekt, da es eigentlich um nicht legale gewalt zwischen pflegenden und zu pflegenden geht.
aber das wäre auch mal ein interessantes thema zum diskutieren.



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Beitrag von Griesuh » Di 29. Jan 2013, 06:57

@ legolas du schreibst:
daß du freiheitsentziehende maßnahmen hier rein wirfst, finde ich nicht korrekt, da es eigentlich um nicht legale gewalt zwischen pflegenden und zu pflegenden geht.
Sehe ich so nicht . Denn Freiheitsentziehende Maßnahmen sind auch eine Form der Gewalt.
Der Pflegebedürftige wird GEWALTSAM, sei es durch Fixurung oder andere FeM, an seiner Bewegungsfreiheit behindert.
beide Themen greifen Nahtlos ineinander und sind deshalb kaum trennbar.
deshalb werden sogar die Foertbildungen zu FeM und Gewaltprävension zusammen gefasst.



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Beitrag von legolas » Di 29. Jan 2013, 12:05

ich gebe dir recht. freiheitsentziehende maßnahmen sind eine form der gewalt. jedoch müssen sie ärztlicherseits begründet und richterlich angeordnet werden. sie sollen dem fremd- und eigenschutz dienen.
weiterhin sind sie engmaschig zu kontrollieren (sitzwachen) und zu protokollieren.
es geht doch, gibst du mir recht?, um den mißbrauch solcher maßnahmen, vorsätzliche gewalt, gewalt durch fahrlässigkeit und versagen und, und und.....
darum stimme ich dir auch zu, daß weiterbildungen in sachen gewaltprävention und FeM erfolgen müssen. aber auch deeskalation muß geschult und trainiert! werden.



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AW: Antifolterstelle soll deutsche Altenheime prüfen

Beitrag von doedl » Di 29. Jan 2013, 18:45

Hallo Griesuh,

Du weißt es wahrscheinlich nicht, aber ich habe viele Jahre als Selbständige Seminare in Pflegeeinrichtungen gehalten (mache das auch heute noch in etwas eingeschränkterer Form); aber der Kostenfaktor ist es nicht, was Freiberufler ausschließen würde. Ein In House Seminar ist immer noch viel kostengünstiger auf alle Teilnehmer gerechnet, als eine außerhäusige Fortbildung für 1-2 Mitarbeiter.

Insgesamt wurde die Fortbildungswilligkeit - nach meiner Einschätzung- weniger; und meistens sind es QM relevante Themen (muss ich ja nicht aufzählen hier), weniger Themen die die Unternehmensentwicklung begünstigen.

Gruß Doedl


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AW: Antifolterstelle soll deutsche Altenheime prüfen

Beitrag von Rebecca1969 » Mo 4. Feb 2013, 13:46

Hallo,
ich denke dass eine der Hauptursachen für Gewalt in der Pflege tatsächlich im Zeitdruck liegen. Das sollte einfach keine Entschuldigung sein, besonders wenn man etwas Einfühlungsvermögen besitzt. Ist aber leider nicht so. Ich vermute der eine oder andere stumpft immer mehr ab.
Ich habe auch festgestellt das ein " Ich bin gut in meinem Job" für viele mit- "Ich bin schnell- ich schaffe morgens .... Bewohner" ( Hab das extra so formuliert) verbunden ist. Das war schon zu Schulzeiten so.
Also eine MA duscht morgens vier Bewohner- die Kollegin denkt sich.....oh, da muss ich aber mithalten- das kann ich doch auch.....
Und weil man dann so fix sein möchte- ist keine Zeit auch nur auf klitzekleine Wünsche einzugehen. Da stört den Pfleger dann, wenn der Bewohner mit dem Tempo nicht mithalten kann. Wenn er mithelfen möchte- und dabei seine Hände im Weg hat....oder am Ende sogar Wünsche hat.
Jemand wie ich, ist dann vergleichsweise langsam und muss damit klarkommen, dass die Kollegen das nicht so toll finden.
Und dann ist ja noch das Problem, dass man nur begrenzt Zeit zur Verfügung hat, weil genügend Arbeit vorhanden ist, die getan werden muss.
edit: ich füge noch einen link zu einem weiteren Welt- Artikel bei, der etwas auf unsere Probleme eingeht:
Die Ursachen für die Missstände liegen jedoch darin, dass zu wenig Geld im System steckt, die Heime nicht so viele Pfleger bezahlen können, wie eigentlich gebraucht würden, und deren Einkommen auch noch viel zu niedrig sind.

Die Probleme liegen nicht darin, dass es zu wenige Kontrollen gäbe. Trotzdem sind die nun angekündigten Antifolterkontrollen ein Signal für die Alten, das hoffnungsfroh stimmt: Wir lassen euch nicht allein.
http://www.welt.de/debatte/kommentare/a ... ystem.html
Wäre interessant wissen, was diesbezüglich tun wird.....
Zuletzt geändert von Rebecca1969 am Mo 4. Feb 2013, 14:01, insgesamt 1-mal geändert.


Ich bin ein Träumer. Denn ein Träumer ist einer, der seinen Weg nur bei Mondlicht findet, und seine Strafe ist, daß er den Morgen vor der übrigen Welt dämmern sieht.

Oscar Wilde
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Beitrag von doedl » Do 7. Feb 2013, 18:54

Hi Alle,

gestern war ich auf einer Veranstaltung mit der BW Ministerin für Soziales; interessant war (neben einigen anderen Dingen) auch ein Beitrag eines Angehörigen, der regelrecht erbost war über die Meldung, Antifolterstelle.

Er meinte, allein der Name sei im Zusammenhang mit der Altenpflege derart daneben, es handele sich doch wohl nur um einen üblen Medienscherz (dem leider nicht so ist)

Gruß Doedl


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Beitrag von Pflegelobby » Di 9. Apr 2013, 21:21

Weiß man schon was neues?
Da fühlt man sich ja regelrecht unwohl wenn man in einem Beruf arbeitet in dem es eine Anti-Folter-Stelle gibt...
Die sollten lieber mal eine Folterstelle für die Leute einrichten die sich den quatsch ausdenken. Dann sollten die mal richtig durchgekitzelt werden!


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Beitrag von silversurfer » Di 9. Apr 2013, 22:33

Hallo zusammen
Habs letzte Woche von der PDL erfahren.
Auch die Sozialhilfeträger wollen in Zukunft prüfen ob wir "richtig" pflegen.

Wird ja immer intressanter.
Heimaufsicht, MDK, Antifolterstelle, Sozialhilfeträger.

Mir ist s ja eigentlich egal wer wann zur Kontrolle kommt.
Wenn die sich nur mal einig wären was sie sich unter "Pflege" vorstellen.


Gruss Silversurfer


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