Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Bietet Pflegebedürftigen, Angehörigen, Mitarbeitern, ehrenamtlich Engagierten, Berufsbetreuern und allen die Zeuge von Verletzungen der Menschenwürde sind, die Möglichkeit darüber zu berichten sowie Rat und Unterstützung einzuholen. Positive Beispiele und Vorbildhaftes kann hier ebenfalls hervorgehoben werden.
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DollscheVita
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AW: Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Beitrag von DollscheVita »

Hallo Ronja,

[quote=""ronja19650""]Fallbesprechung funktioniert nur bei einem eingespielten team,[/quote]

Schade, dass ihr keine Fallbesprechung macht.

[quote=""ronja19650""]arztinfo ist meist dürftig, den interessiert das eher selten [/quote]

Was interessiert den Arzt selten, das sein Patient gewalttätig ist, das er leidet, das er Mitbewohner beleidigt?

[quote=""ronja19650""]lass ich mich auch nicht auf diskussinen ein sondern schweige bei jeglicher verrrichtung?
...schweigen fällt da sehr schwer, wie also ignoriest du das und gehst diskussionen aus dem Weg? ...verbringst du dann 45 min schweigend und lässt dich beschimpfen? oder trällerst du fröhlich ein liedchen vor dich hin, was den pat noch mehr in rage bringt.
so einfachist das glaube ich nicht, auser man gehört zu den übermenschen. nimms nicht persönlich aber erfahrungsgemäss läuft es anders ab, obwohl deine beschreibung meinem wunschdenken entspricht.[/quote]

Nein, ich schweige nicht bei den Verrichtungen. Habe auch nicht behauptet, dass das leicht ist. Dieses wäre für mich auch eine Form von Gewalt. Es gibt jedoch einen großen Spielraum und hängt von der individuellen Situation ab.
Ich lasse mich nur nicht auf das Machtspiel einer Diskussion ein. Es geht nicht darum, ob der Bew. oder ich Recht hat.......
Habe kein Patentrezept.
Wir versuchen jeden Tag aufs Neue, den Bew. mit den bipolaren Störungen, zu beruhigen, zu lenken, abzulenken, Med. Gabe vor oder nach der Morgenpflege, mit 1 oder 2 PK zu versorgen, verbale Aggressionen lassen wir bis zu einem gewissen Grad zu. Ist eine (seine) Möglichkeit des Lebensausdrucks. Dieses habe ich zum Beispiel in einem anthroposophisch geführtem Heim erfahren.

Wie läuft es denn "erfahrungsgemäß" bei euch?
Zuletzt geändert von DollscheVita am Mi 14. Nov 2007, 22:43, insgesamt 1-mal geändert.


LG - DollscheVita -

ronja19650
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AW: Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Beitrag von ronja19650 »

Hallo DollscheVita,
Schade, dass ihr keine Fallbesprechung macht
leider gibt es bei uns nicht nur keine Fallbesprechungen, sondern auch Infos laufen nicht unbedingt reichlich.
Was interessiert den Arzt selten, das sein Patient gewalttätig ist, das er leidet, das er Mitbewohner beleidigt?
Ich habe noch keinen Arzt gesehen, den es interessiert das Mitbewohner oder Mitarbeiter beleidigt werden, bei gewaltätigen Angriffen sieht es natürlich anders aus.

Individuelle Pflege, so wie das bei Euch der Fall ist, findet äusserst selten statt und ist von den Leuten abhängig die verantwortlichen Dienst haben. Die einen lassen mit sich reden, das man den Mew. auch ruhig mal die Medis nach dem Frühstück geben kann, das ich auch mal jemandem im Bett seinen E-Drink anreichen kann, damit er sich nicht gleich bei der GP wieder übergibt usw. Wie gesagt leider nicht alle. Der Rest reisst seine Arbeit ab und sieht zu das er möglichst schnell fertig wird. Zusammen oder zu zweit ist ebenso abhängig von den Leuten die mit im Dienst sind. Kann passieren, das du jemanden bittest dir zu helfen und der lehnt mit den worten ab "ich muss erst meine leute fertig machen". ferner fehlt bei uns mehr einsatz von seiten des sozialen dienstes,wir warten manchmal wochenlang auf biographien und gerade wenn bewohner neu sind reagieren sie oft aggresiv auf die umstellung.

na ja , scheint bei euch anders zu sein und ist auch mal schön so etwas zu lesen. aber verrat mir, wie machst du es wenn der bew gar nicht diskutieren sondern einfach nur schimpfen und ausfallend werden will? du kannst doch schlecht dagegen anreden oder ständig von etwas anderem anfangen. was machst du wenn er sich nicht ablenken lässt und sich nicht beruhigt?

LG ronja



Fafnir09557
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AW: Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Beitrag von Fafnir09557 »

Hallöchen,

also ich wurde auch schon geschlagen, gekniffen etc. Oftmals sind es ja wirklich demenzkranke Bewohner, wo man schlicht und einfach drüber weg sieht, weil man ja das Krankheitsbild kennt. Meist rührt diese Aggressivität von der Ängstlichkeit und Hilflosigkeit der Bewohner.

Allerdings habe ich auch schon die Erfahrung gemacht, dass geistig voll orientierte Bewohner gegenüber dem Pflegepersonal aggressiv wurden... und das ist meiner Meinung nach häufig charakterbedingt. Es gibt nun einfach mal bösartige Menschen...das hat auch nichts mit dem Alter zu tun.

LG, F.



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Bort Simpson
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AW: Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Beitrag von Bort Simpson »

[quote=""ronja19650""]hatte eine pat die grundsätzlich bei der intimpflege aufs übelste geschimpft hat.. von wegen ..."macht euch wohl spass" ..."zieht ihr euch dran hoch usw." ...schweigen fällt da sehr schwer, wie also ignoriest du das und gehst diskussionen aus dem Weg? [/quote]

Was mir so spontan zu diesem Beispiel einfällt ist,dass die Bewohnerin womöglich sich schämt auch im Intimbereich von einer anderen Person gepflegt zu werden,sich aber nicht traut dieses zu sagen. Habt ihr es vielleicht mal probiert sie die Intimpflege selbst durchführen zu lassen und dabei aus dem Bad oder dem Zimmer zu gehen?

Zitat:..."Oftmals sind es ja wirklich demenzkranke Bewohner, wo man schlicht und einfach drüber weg sieht, weil man ja das Krankheitsbild kennt. Meist rührt diese Aggressivität von der Ängstlichkeit und Hilflosigkeit der Bewohner..."


Ich hatte gerade heute eine Fortbildung zum Thema Demenz und dem Umgang mit Demenzkranken und habe zur Zeit auch eine Bewohnerin mit fortgeschrittener Erkrankung zu versorgen.
Am Anfang meiner Ausbildung war ich auf einem anderen Wohnbereich,wo es einfach oberste Priorität hatte die Bew. ,egal wie,spätestens bis 8:30 Uhr am Frühstückstisch sitzen zu haben. Neben anderen Bewohnern hatte ich damals auch eine Demenzkranke zu versorgen und es war immer sehr schwer sie zur GP zu motivieren und zudem saßen mir meine Kollegen auch immer im Nacken ich sei zu langsam und sollte nun mal endlich besagte Frau X endlich aus dem Bett holen...und wie ihr euch vorstellen könnt aufgrund dieser Konstellation immer mit zweifelhaftem Erfolgt. Das Ergebnis war,dass die Pflege für die Bew. keine schöne,angenehme Geschichte war und ich nach der GP immer völlig ausgelaugt war.
Nun habe ich den WB gewechselt und vieles läuft besser. Die Bewohnerin mit fortgeschrittener Demenz wird dann versorgt ,wenn sie es möchte.
D.h. wenn sie auch noch bis 10 oder 11 Uhr im Bett liegen möchte nimmt sie ihr Frühstück halt im Bett zu sich. Natürlich kann es auch mal sein,dass sie schon gegen 7 Uhr aus dem Bett möchte und natürlich ist auch das möglich.
Meißtens ist es so,dass sie nach dem Frühstücken im Bett wach ist und aufstehen möchte und die GP für sie auch ein schönes Erlebnis sein kann(nach eigener Aussage der Bew.).
In unserer Fortbildung haben wir von einem Pflegeheim gehört,welches die sog.Essenszeiten völlig abgeschafft hat. In diesem Heim ist es so,dass über den gesamten Tag "Essenszeit" ist und auch über den ganzen Tag Grundpflege durchgeführt wird.
Ich denke dieses Modell ist die einzige Möglichkeit die ständig zunehmenden Zahl an Demenzkranken in stationären Einrichtungen angemessen zu versorgen.
Für Demenzkranke,die womöglich auf verbalem Weg(z.B. bei Wernicke-Aphasie,bei der das Sprachverständnis gestört ist)nur noch schwer zu erreichen sind spielt die nonverbale Kommunikation eine extrem wichtige Rolle.
Es hängt also viel von dem Verhalten der Pflegekräfte ab,ob sich dieses Bewohnerklientel wohl fühlt. Wird auf die Bedürfnisse des jeweiligen dementen Bew. geachtet wird die Anzahl aggressiven Verhaltens minimiert. Aufgabe der Pflegekraft muss es also sein den Bewohner durch gezielte Biografiearbeit gut kennen zu lernen, um sein Verhalten deuten zu können und für den Bewohner bedrohlich(oder als bedrohlich empfundene Situationen)zu vermeiden.



ronja19650
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AW: Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Beitrag von ronja19650 »

Guten Morgen Bort,
find ich toll, das es bei Euch so gut klappte. Besagte Pat. ist aber nicht an Demenz erkrankt, sondern mit 98 Jahren geistig noch total fit. Wobei ich mir heute nicht mehr sicher bin welcher Zustand der angenehmere ist wenn man gepflegt wird.
Die individuellen Pflegezeiten und das abschaffen der Essenszeiten find ich klasse, wäre super wenn sich so etwas mehr durchsetzen würde. Allerdings stelle ich mir das anhand der normalen "Stosszeiten" in der Pflege sehr schwierig vor. Wie seit ihr denn in den Schichten besetzt? Bei uns wäre es sehr schwierig GP erst in der Spätschicht durchzuführen.
Was das Essen angeht ist es z.B. so, das wir einen 93 jährigen depressiven ,nicht dementen Bewohner haber, der es an manchen Tagen vorzieht einfach im Bett zu bleiben. Der Grossteil des TEams verweigert ihm dann das Essen und versucht ihn damit zu erpressen sich in den Speiseraum zu begeben. Ich finde das total bescheuert, aber sie reden sich damit raus das er sonst nicht mehr aus dem Bett käme, was absoluter Quatsch ist. Eine Kollegin und ich habens ausprobiert und siehe da, manchmal mag er einfach nur im Bett frühstücken und kommt dann zum Mittag angetrabt. Mir gehen da echt die Nackenhaare hoch... aber da kommt man nicht gegen an.
LG
Ronja



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Bort Simpson
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AW: Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Beitrag von Bort Simpson »

Hi Ronja,
bei uns funktioniert dies auch nur in diesem einen speziellen Fall und wie ich geschrieben habe auch nicht auf allen Stationen des Hauses. D.h. unser Haus ist noch nicht dahingehend umgestellt,dass Essen und Pflege über den gesamten Tag mit eingeplant ist...unser Chef hat lediglich gesagt er habe von so einem Haus gehört und nun müsste man sich ja mal Gedanken über die Organisation und Struktur des eigenen Hauses machen.
Im Moment ist es noch so,dass wir nicht zu jeder Tageszeit so besetzt sind,dass wir GP über den ganzen Tag realisieren könnten(ausgenommen in Notfällen,wie z.B. Bew.hat sich eingenässt usw...).
D.h. Morgens sind wir für 17 Bew. 3 PK und davon bleibt eine nur bis 9 Uhr.
Nachmittags ist man von 13 Uhr bis 17:15 Uhr alleine für diese 17 Bew. zuständig und dann kommt noch eine PK zur Abendversorgung vorbei.

Und nun zu "deinem" depressiven Bewohner:
Diese Methoden jemanden zu erpressen gehört sich nicht und ausserdem bringt es auch bei Depressiven nichts,sondern bewirkt eher noch das Gegenteil. Natürlich kann man in einem gewissen Rahmen einen Depressiven zur aktiven Teilnahme am Stationsleben motivieren allerdings ist es in den depressiven Phasen so,dass der betroffenen Patient wirklich gewisse Dinge nicht kann...und dazu kann auch das Aufstehen und Waschen sein.
Körperlich besteht sicherlich keine Einschränkung,die das "Nicht-Können" erklärt allerdings sind diesen Menschen dann einfach von der psychischen Seite her nicht dazu in der Lage.
Also was deine Kollegen ist absolut schwachsinnig und zeigt einfach,dass sie nicht viel Ahnung von ihrem Beruf haben und das ist traurig und schon fast lächerlich!



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DollscheVita
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AW: Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Beitrag von DollscheVita »

Hallo Ronja,
ja - wir haben ein relativ angenehmes Arbeitsklima, vergessen einige leider viel zu oft.

Zu deiner Frage:
wie machst du es wenn der bew gar nicht diskutieren sondern einfach nur schimpfen und ausfallend werden will? du kannst doch schlecht dagegen anreden oder ständig von etwas anderem anfangen. was machst du wenn er sich nicht ablenken lässt und sich nicht beruhigt?


Ich meine damit, ich gehe nicht auf sein Schimpfen ein, diskutiere nicht über sein Gesagtes. Es ist unterschiedlich, von Stillsein, Berührungen, Erläuterungen meiner Pflegetätigkeit, Paraphrasieren bis zum kurzen Befehlston ist alles drin.
Aber ich habe kein Patentrezept.

Schönes stressfreies Wochenende!


LG - DollscheVita -

Jutti
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Wohnort: NRW

AW: Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Beitrag von Jutti »

..............
es gibt entgegen der Lehrmeinung auch kein Patentrezept, das man lehren oder posten könnte. Man ist wie man ist, das Gegenüber ebenso!
Manchmal passt es, das erlernte anzuwenden, manchmal muss man improvisieren aus Bauchgefühl und ab und zu passt es trotzdem nicht. Ist halt so, es begegnen sich Menschen. Das ist bei aller Wissenschaft halt nicht immer zu analysieren in der Situation, wenn überhaupt, nur nachher.
lG
Jutti



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querfeuer
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AW: Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Beitrag von querfeuer »

Hi Martin_83,

[quote=""Martin_83""]Bei dementen Bew. ist damit immer zu rechnen zeitweise nett und freundlich, und auf der anderen Seite können sie handgreiflich werden und agressiv.
Aber wer hat gesagt das die zu pflegenden immer nett und freundlich sind.

Ausserdem jeder hat sich den Beruf selbst ausgesucht, also muss auch damit gerechnet werden das nicht jeder in uns den Retter in der Not sieht.[/quote]

sorry bitte, aber deiner Argumentation kann ich nicht folgen. Noch arbeite ich zwar nicht in dem Beruf, bin noch in der theoretischen Ausbildung, aber eins steht in jedem Fall fest: Wenn ich ihn dereinst ausübe, habe ich mir diese Situation nicht ausgesucht.

Lass mich aber mal von meiner persönlichen Situation abgehen. Was ist meine Aufgabe als Pfleger? Doch wohl klar definiert die Ausübung von Pflege, nicht aber der Ausverkauf meiner eigenen Würde. Als Pfleger habe ich quasi eine Dienstleistung auszuüben. So, wie ich es z.B. auch von meinem bisherigen Beruf in der Gastronomie kenne. Die Unterschiede sind nicht sehr groß. Ob ich nun für ein Hotel ein Frühstück ins Zimmer bringe, oder für ein Pflegeheim, die Tätigkeit ist die gleiche. Ich verkaufe für die Institution, für die ich gerade tätig bin, eine Dienstleistung.

Was ich einst meinen Auszubildenden in der Gastronomie erklärt habe, dass es ihr Job ist, Speisen und Getränke zu verkaufen, nicht aber ihre Würde zu verkaufen, hat hier die gleiche Gültigkeit. Sicher, einem besoffenen und Busen grapschenden Gast gegenüber kann ich mich anders gegenüber zur Wehr setzen, als einem dementen Bewohner. Und die Schwellen der Toleranz müssen auch sicherlich anders gelegt werden, aber grundsätzlich muss ich nicht damit rechnen. Sonst hätte ich jeder Auszubildenden erklären müssen, dass sie sich ja ihren Beruf ausgesucht hat und ergo damit rechnen muss, das sie von einem Gast befummelt wird.

BTW: Die Zeit, in der Menschen sich ihren Beruf uneingeschränkt frei wählen konnten, ist leider vorbei.

Take care, querfeuer



ronja19650
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AW: Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Beitrag von ronja19650 »

Hallo querfeuer,
Als Pfleger habe ich quasi eine Dienstleistung auszuüben. So, wie ich es z.B. auch von meinem bisherigen Beruf in der Gastronomie kenne. Die Unterschiede sind nicht sehr groß. Ob ich nun für ein Hotel ein Frühstück ins Zimmer bringe, oder für ein Pflegeheim, die Tätigkeit ist die gleiche. Ich verkaufe für die Institution, für die ich gerade tätig bin, eine Dienstleistung
Mit dieser Einstellung solltest Du die Ausbildung gar nicht erst zu Ende machen, denn so bist Du völlig fehl dort.
Natürlich übern wir eine Dienstleistung aus, ganz klar, der kleine feine Unterschied liegt nur darin, das ich einen Gast dem ich ein Bier bringe nicht zur Toilette begleite oder wasche. Du dringst in der Pflege bis aufs äusserste in die Intimsphäre eines anderen fremden Menschen ein, das ist wohl kaum mit dem Job als Kellner zu vergleichen, denn als Kellner brauche ich wenig bzw. gar kein Feingefühl und kümmere mich wohlkaum um das befinden meiner Gäste, ausser um das leibliche Wohl.
Ausserdem sind Bewohner auch keine Gäste, so wie in einem Lokal, sondern wir sind in den Häusern "Gäste", denn unsere Bewohner zahlen eine Menge Geld für ihr zu Hause.
Was ich einst meinen Auszubildenden in der Gastronomie erklärt habe, dass es ihr Job ist, Speisen und Getränke zu verkaufen, nicht aber ihre Würde zu verkaufen, hat hier die gleiche Gültigkeit
Verkaufen denn die Bewohner ihre Würde? Schleisslich entblättern sie sich ganz vor uns, und wie steht es da deiner Meinung nach mit der Würde? Im Rahmen der Dienstleistung am Menschen gehört das dazu?
Und die Schwellen der Toleranz müssen auch sicherlich anders gelegt werden, aber grundsätzlich muss ich nicht damit rechnen.
Die Schwellen der Toleranz sollten echt völlig anders gesetzt werden. Und vor allen Dingen ... GRUNDSÄTZLICH SOLLTEST DU DAMIT RECHNEN...
Du hast es zum grössten TEil mit dementen , debilen Senioren zu tun, nicht mir Kneipengängern.

Die Zeit, in der Menschen sich ihren Beruf uneingeschränkt frei wählen konnten, ist leider vorbei.
Ja leider, aber warum kommt ihr dann in die PFlege wenn ihr gar nicht wollt, das entnehme ich deinem leider. Wir haben es schwer genug und auf Kollegen mit dieser Einstellung kann sicher jeder verzichten, ob Mitarbeiter oder Bewohner.

Deine Aussagen machen mich so wütend, ich geh erstmal rauchen.. ist ja wirklich irre.

Gruss
Ronja



ronja19650
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AW: Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Beitrag von ronja19650 »

Was machst du eigentlich? Einen Basispflegekurs um deinen Vater zu pflegen?
Nachdem du irgendeine Qualifizierung hast?

showthread.php?p=73211#post73211

Dein Vater tut mir jetzt schon leid..



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querfeuer
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AW: Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Beitrag von querfeuer »

Hi Gast und auch hi ronja,

sorry bitte, aber irgendwie habt ihr nicht ganz verstanden, auf was ich heraus wollte.

@Gast ich_nicht

1. Ein Teil der zu erbringenden Dienstleistungen sind bei Leibe und bei Laibe miteinander vergleichbar. Davon, dass die Berufe miteinander vergleichbar sind, sprach ich bisher nicht, werde ich auch nicht tun.

2. Wer sprach von Trinkgeld??? :confused: Ich jedenfalls nicht, ich erwarte es nicht, und würde es auch nicht wollen. Und das ich einen renitenten Bewohner nicht an die frische Luft setzen kann, ist mir so klar wie dir.

@ronja19650
Mit dieser Einstellung solltest Du die Ausbildung gar nicht erst zu Ende machen, denn so bist Du völlig fehl dort.
Danke für deinen verständnisvollen Zuspruch.
Natürlich übern wir eine Dienstleistung aus, ganz klar, der kleine feine Unterschied liegt nur darin, das ich einen Gast dem ich ein Bier bringe nicht zur Toilette begleite oder wasche. Du dringst in der Pflege bis aufs äusserste in die Intimsphäre eines anderen fremden Menschen ein, das ist wohl kaum mit dem Job als Kellner zu vergleichen, denn als Kellner brauche ich wenig bzw. gar kein Feingefühl und kümmere mich wohlkaum um das befinden meiner Gäste, ausser um das leibliche Wohl.
Ausserdem sind Bewohner auch keine Gäste, so wie in einem Lokal, sondern wir sind in den Häusern "Gäste", denn unsere Bewohner zahlen eine Menge Geld für ihr zu Hause.
Uuuuups, das wußte ich ja noch gar nicht, na dann sorry bitte, war mir vollkommen neu :smile . Öhm, mal im Ernst, was Neues hast du mir bislang damit noch nicht erzählt.
Verkaufen denn die Bewohner ihre Würde? Schleisslich entblättern sie sich ganz vor uns, und wie steht es da deiner Meinung nach mit der Würde? Im Rahmen der Dienstleistung am Menschen gehört das dazu?
Ich bitte um Nachsicht, aber im Zusammenhang mit dem von mir angefügten Zitat verstehe ich den Sinn dieser deiner Worte nicht.
Die Schwellen der Toleranz sollten echt völlig anders gesetzt werden. Und vor allen Dingen ... GRUNDSÄTZLICH SOLLTEST DU DAMIT RECHNEN...
Du hast es zum grössten TEil mit dementen , debilen Senioren zu tun, nicht mir Kneipengängern.
Auch nichts neues, und nein, ich muss nicht grundsätzlich damit rechnen. Wenn dem so wäre, dann würde das bedeuten, dass alle Senioren grundsätzlich renitent sind, und das möchte und kann wohl kaum einer hier ernsthaft unterschreiben wollen.
Ja leider, aber warum kommt ihr dann in die PFlege wenn ihr gar nicht wollt, das entnehme ich deinem leider.
Da entnimmst du meinen Worten leider etwas falsches, sorry, einziger hier sinnvoller Kommentar: "Hier irrte Goethe".
Was machst du eigentlich? Einen Basispflegekurs um deinen Vater zu pflegen?
Nachdem du irgendeine Qualifizierung hast?
Was ich mache, hast du wohl, so entnehme ich dem angehängten Link, bereits gelesen. Ich werde meinen Vater nach der Absolvierung des Basispflegekurses in seinem eigenen Haus pflegen, und danach, wenn die Natur irgendwann ihren natürlichen Weg gegangen ist, wieder in meinen alten Beruf zurück kehren. Wir, meine Geschwister möchten ihn nicht weiter in einem Heim abgestellt gammeln sehen, in dem die Betreuung auf Grund eklatanter Unterbesetzung des Personals einfach nur entwürdigend ist.
Dein Vater tut mir jetzt schon leid..
Weniger tolerante Menschen sehen in diesen Worten eine ziemlich böswllige und massive Beleidigung.

Take care, querfeuer


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ronja19650
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AW: Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Beitrag von ronja19650 »

Was ich mache, hast du wohl, so entnehme ich dem angehängten Link, bereits gelesen. Ich werde meinen Vater nach der Absolvierung des Basispflegekurses in seinem eigenen Haus pflegen, und danach, wenn die Natur irgendwann ihren natürlichen Weg gegangen ist, wieder in meinen alten Beruf zurück kehren. Wir, meine Geschwister möchten ihn nicht weiter in einem Heim abgestellt gammeln sehen, in dem die Betreuung auf Grund eklatanter Unterbesetzung des Personals einfach nur entwürdigend ist.
Das heisst also, du bist Kellner und nicht Altenpflegeschüler? Ein Basispflegekurs wie er heute selbst von der VHS angeboten wird, macht Dich nicht zum Altenpflegeschüler und es ist wirklich eine kluge Entscheidung wieder zu kellnern, damit bleibt so manch einem alten Menschen sicher viel erspart.
Auch nichts neues, und nein, ich muss nicht grundsätzlich damit rechnen. Wenn dem so wäre, dann würde das bedeuten, dass alle Senioren grundsätzlich renitent sind, und das möchte und kann wohl kaum einer hier ernsthaft unterschreiben wollen.
Alle Senioren sicher nicht ,aber ein Grossteil derer ide im Heim untergebracht sind, denn oft ist das der Grund weshalb sie da sind.

Siehst Du das ist der Unterschied zwischen Dir und einem Altenpflegeschüler.... die lernen mehr als Leute lagern und rückenschonend zu transferieren.



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querfeuer
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Beitrag von querfeuer »

Hi ronja19650,
Das heisst also, du bist Kellner und nicht Altenpflegeschüler?
nein, das heißt es nicht. Ich war mal, aber lange genug liegt es zurück, Kellner. Es wäre beschämend für meinen Lehrherrn wie auch viel mehr noch für mich, wenn ich nach 28 Jahren Tätigkeit i der Gastronomie und etlichen Weiterbildungsmaßnahmen immer noch Kellner wäre.

Es heißt, dass ich für eine überschaubare Zeit meinen gewohnten Beruf aufgebe, um mich der ganztägigen Pflege meines Vaters zu widmen.
Ein Basispflegekurs wie er heute selbst von der VHS angeboten wird, macht Dich nicht zum Altenpflegeschüler und es ist wirklich eine kluge Entscheidung wieder zu kellnern, damit bleibt so manch einem alten Menschen sicher viel erspart.
Deine Bissigkeit und weitere Beleidigungen erspar dir bitte, und mir ebenfalls. Sollte ich eine mir fremde, und daher nicht bekannte Terminologie falsch verstanden haben, und daher unwissentlich missbraucht haben, kann mir das gerne mitgeteilt werden. Ich bitte dann aber um gemäßigten Ton, wie er im zivilisierten Mitteleuropa gebräuchlich ist.

Immer noch lächelndes und freundliches "take care", querfeuer


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ronja19650
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Beitrag von ronja19650 »

Hi ronja19650,

möglicherweise hast du eine nicht gut durchdachte Ansicht von den Berufen der Gastronomie, nein, nicht möglicherweise, ich sehe das sogar als erwiesen an. Sonst könnte es kaum zu solcher Äußerung wie dieser: "denn als Kellner brauche ich wenig bzw. gar kein Feingefühl und kümmere mich wohlkaum um das befinden meiner Gäste, ausser um das leibliche Wohl." kommen.

Kurz gesagt, das war wohl nichts, ein glatter und sauberer Fehlschluss.
spar dir deine PN wenn es was zu diskutieren gibt kannst du das gerne hier tun. gastronomie ist ein weitläufiger begriff und es ist noch nicht so lang her da wurde eine bestimmte dienstleistung aus diesem bereich ja auch als dienstleistung anerkannt.

schuster bleib bei deinem leisten heisst es ja immer...



Zephalagie
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Beitrag von Zephalagie »

Liebe(r) querfeuer,

sei mir bitte nicht böse aber wenn ich Deine Worte hier lese fällt es mir wie Schuppen von den Augen und das "Warum" der Ausgangsfrage ist beantwortet. Ein AltenpflegerIN lernt 3 Jahre; nicht nur Pflege sondern auch den korrekten Umgang mit dem "Patienten" und dessen Angehörigen und noch vieles vieles mehr.

Wenn nun jemand die Hilfeleistungen an einem solchen "Patienten" als Dienstleistung sieht und dementsprechend mit ihm/ihr umgeht ist mir sehr schnell klar warum die "Patienten" aggresiv reagieren.

Warum bist Du der Meinung mit einem Basispflegekurs das gleiche fachlische Wissen wie eine WIRKLICH examinierte APH oder AP zu haben?



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querfeuer
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Beitrag von querfeuer »

Hi Zephalagie,
Warum bist Du der Meinung mit einem Basispflegekurs das gleiche fachlische Wissen wie eine WIRKLICH examinierte APH oder AP zu haben?
wie käme ich dazu? Bei allem Respekt, aber wie und wo habe ich das behauptet? Sorry, ich habe das mit keinem Wort behauptet, und würde mir auch den Teufel tun, eine solche Meinung zu vertreten. Das wäre genau das gleiche, als wäre jemand der Meinung, das er, wenn er in seiner Studienzeit mal im Café um die Ecke gekellnert hat, das Wissen eines Restaurantfachmanns mit dreijähriger Ausbildung hat.
Wenn nun jemand die Hilfeleistungen an einem solchen "Patienten" als Dienstleistung sieht und dementsprechend mit ihm/ihr umgeht ist mir sehr schnell klar warum die "Patienten" aggresiv reagieren.
Ok, gehen wir es mal ganz trocken an. Die Definition Diernstleistung ist:

Eine Dienstleistung im Sinne der Volkswirtschaftslehre ist ein Ökonomisches Gut, bei dem im Unterschied zur Ware nicht die materielle Produktion oder der materielle Wert eines Endproduktes im Vordergrund steht, sondern eine von einer natürlichen Person oder einer juristischen Person zu einem Zeitpunkt oder in einem Zeitrahmen erbrachte Leistung zur Befriedigung eines Bedürfnisses.

Alles Klar?

Klar umgesetzt: eine Körperreinigung ist eine Dienstleistung, da von einer natürlichen Person (Pfleger/In), zu einem Zeitpunkt (z.B. nach IKM Wechsel) oder in einem Zeitrahmen zur Befriedung eines Bedürfnisses (BW soll und muss und will wieder sauber sein) erbracht.

Ebenso klar umgesetzt: eine aufgetragenes und später abgetragenes Schinkensandwich samt einer Flasche Bier in einem Hotelzimmer ist eine Dienstleistung, da wieder mal von natürlicher Person (Servierer/In), zu einem Zeitpunkt oder in einem Zeitrahmen (Dauer von der Bestellung bis zum Verzehr) zur Befriedung eines Bedürfnisses (Gast hatte Hunger, wollte das Zimmer aber nicht verlassen) erbracht.

Und bevor es zu weiteren Missverständnissen kommt, im letzten Beispiel steht nicht der Verkauf des Schinkensandwich samt Bier als Leistung da, sondern die ganze dazu notwendige, und in die Preiskalkulation einfließende Palette von der Bestellannahme über Fertigung bis hin zur Auslieferung.

Ich ziehe mich hier nun zurück, meine Meinung zum eigentlichen Thema habe ich dargestellt, alles weitere läge sonst bereits im OT Bereich.

Take care, querfeuer


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ronja19650
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Beitrag von ronja19650 »

@ Zephalagie,

bringt nichts, hier hat einer die Weisheit mit dem Schaumlöffel gefressen...
Respektier einfach das es solche Leuts eben gibt, der redet uns eh besoffen und wir regen uns nur auf... du weisst doch, wir sind nicht da um die welt zu ändern, gibt halt solche und solche...

LG und schönen Sonntag



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DollscheVita
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AW: Pflegekräfte werden oft Opfer von Gewalt

Beitrag von DollscheVita »

Hallo querfeuer,
zuerst einmal Respekt vor deiner/eurer Entscheidung. Deine Bereitschaft, deinen Mut und dein Engagement verdienen nicht heruntergewürdigt zu werden.

[quote=""querfeuer""] Ich werde meinen Vater nach der Absolvierung des Basispflegekurses in seinem eigenen Haus pflegen, und danach, wenn die Natur irgendwann ihren natürlichen Weg gegangen ist, wieder in meinen alten Beruf zurück kehren. Wir, meine Geschwister möchten ihn nicht weiter in einem Heim abgestellt gammeln sehen, in dem die Betreuung auf Grund eklatanter Unterbesetzung des Personals einfach nur entwürdigend ist. [/quote]

Es tut mir für deinen Vater und für euch leid, dass ihr in diesem Heim so schlechte Erfahrungen machen mußtet.

Ja - !!! der Pflegenotstand macht sich deutlich bemerkbar. Dieses ist ein gesellschaftliches Problem und Gewalt verschafft sich hier einen Ausdruck.



Ich habe hier noch einen Link wo du als pflegender Angehörige ernst genommen wirst:

http://pflegendeangehoerige.foren-city.de/


Habe übrigens vor 5 Jahren auch noch im Dienstleistungsgewerbe (Einzelhandel) gearbeitet. Gebe dir Recht, dass der Dienstleistungsgedanke aus keinem "Gewerbe" wegzudenken ist.

..........-frei deinem latainischem Spruch zufolge:
Glücklich, - ....den Grund der Dinge zu erkennen.

Bitte korrigiere mich, wenn er anders gemeint war.


LG - DollscheVita -

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