Überlastungsanzeigen

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ex.martin
Beiträge: 5
Registriert: Mi 3. Sep 2008, 13:01

Überlastungsanzeigen

Beitrag von ex.martin »

hallo zusammen,
wer kennt sich mit überlastungsanzeigen im alten- /pflegebereich aus? (kenne dies bisher nur aus dem krankenhaus.

wie ist das gegenüber der heimleitung abzuklären bzw. wie sind überlastungsanzeigen rechtlich verankert?sind sie dies überhaupt?

folgende problematik:wochenende auf der dementenstation, 3 pflegekräfte, 20 bewohner, frühdienst.heisst: 3,5 stunden für 7 bewohner.
auf selbständigkeit bzw. erhalten und fördern der ressourcen sollte explizit bei dementen geachtet werden.da am woe der bekannte zeitdruck herrscht, bleibt nicht viel anderes übrig als die grundpflege selbst zu übernehmen um möglichst schnell zum nächsten bewohner zu kommen.
in der dokumentation steht dann: die maßnahmen zur grundpflege wurden von pflegekraft übernommen.egal ob der bewohner diese umsetzen könnte oder nicht.
da diese problematik im team noch nicht angesprochen wurde, verkniff ich mir den eintrag: die maßnahmen zur grundpflege wurden von pflegekraft übernommen, da zeitdruck (oder so etwas in der art).

die doku ist in erster linie für den mdk (richtig?), das team und die einrichtung, wie verhalte ich mich nun wenn wieder so ein woe vor der tür steht, bzw. ich vor dem pc sitze und meine eintragungen zwar wahrheitsgemäß, aber nicht begründet (zeitdruck) eingebe?
ist hier eine überlastungsanzeige relevant???

vielen dank für antworten.....gruß...martin.


Lieber daheim im Heim als allein daheim!

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Jutta und Peter
Beiträge: 1624
Registriert: So 24. Nov 2002, 23:46
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AW: Überlastungsanzeigen

Beitrag von Jutta und Peter »

Hallo martin!

Musterschreiben und Informationen zu Überlastungsanzeigen speziell in Pflegeberufen findest Du in unserem Download-Bereich.

Zur Frage, wie Du damit umgehst, schlagen wir vor, gründlich über das Konzept nachzudenken:
- Müssen die Bewohner wirklich jeden Tag zur Selbständigkeit angeleitet werden? Was passiert, wenn als Standard festgelegt wird, daß die Bewohner sich am WE in der Regel nur das Gesicht waschen?
- Muß die Grundpflege zu einer bestimmte Tageszeit durchgeführt werden?

Das sind nur ein paar Gedanken zur Anregung...

Gruß


Jutta und Peter
Webmaster Konfliktfeld Pflege

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ex.martin
Beiträge: 5
Registriert: Mi 3. Sep 2008, 13:01

AW: Überlastungsanzeigen

Beitrag von ex.martin »

Hallo !
Danke für die Antwort.Einige Überlegungen werde ich mir auf jedenfall machen.Wie ich zum Beispiel eine für mich zufriedenstellende Pflege durchführen kann, ohne mit Lügen und schlechtem Gewissen die Einrichtung nach dem Dienst verlassen zu müssen.

Gruß...martin.



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Kati123
Beiträge: 1707
Registriert: Sa 28. Jul 2007, 14:25

AW: Überlastungsanzeigen

Beitrag von Kati123 »

@Dirk: Es geht nicht darum, dass eine Überlegung angestellt werden sollte, ob die Selbständigkeit angeleitet werden sollte, sondern, ob es überhaupt möglich und zumutbar für die Menschen ist, dass für 20 Demenzkranke 3 Pfleger vorhanden sind. Demenzkranke können sich in den meisten Fällen nicht gedulden, verstehen nicht, dass sie jetzt noch liegen bleiben dürfen und man später nochmal kommt, lassen sich nicht schnell versorgen, weil der nächste schon nackend über den Flur rennt und seine Kinder sucht. Auf einer normalen Station ist dies sicherlich gut regelbar mit etwas Freundlichkeit und Zeitplanung, aber das kann man im Dementenbereich vergessen. Außerdem ist es wichtig, dass die Leute einen nahezu gleichmäßigen Ablauf haben, um Irritationen zu vermeiden. Es sollte alltägliches vollzogen werden und möglichst kein Streß entstehen, da sich dieser auf die Menschen überträgt. In solchen Fällen wundert man sich dann auch, dass die Leute unruhig sind oder es zu Stürzen kommt. Und man darf nicht vergessen, dass Demenzpflege auf einer anderen Grundlage basiert, als die normale Altenpflege. Es kommt darauf an, ob hier Konzepte vorliegen, die eingehalten werden sollten ( man kann nicht 5 Tage nach Kitwood arbeiten und 2 Tage Routinepflege einbauen ). Das macht die Arbeit gleich wieder kaputt die man über die Woche leistet. Die Ziele der Demenzpflege sind anders gelagert, als in der normalen Betreuung und Pflege auf einer "normalen " Station.

Aber zum Thema: Überlastungsanzeigen sollten wohlüberlegt und zu belegen sein. Es reicht nicht aus, nach Gefühl zu argumentieren, sondern es sollte nachvollziehbar sein, dass die erforderliche Arbeit mit dem eingesetzten Personal nicht leistbar ist. Dies zeigt sich z.B. an hohen Ausfallzahlen des Personals, an unerledigten Arbeiten, an Verschiebungen von Leistungen in nächste Dienste, an vermehrtem Auftreten von Stürzen, Wunden etc., an Lücken in der Dokumentation....

Eine Überlastungsanzeige darf im Prinzip jeder stellen. Es gibt rechtlich eine Handhabe im Arbeitsgesetz, die den AN sogar verpflichtet den AG umgehend zu informieren, wenn eine Überlastung der Arbeitskapazität vorliegt ( wurde hier schon ausführlich besprochen ). Es gibt Vorlagen für Überlastungsanzeigen, die ich auch zu nutzen empfehle. Ein kleiner Tip: Eine Überlastungsanzeige sollte sachlich, formal und immer positiv ausfallen. Es sollte also immer erkennbar sein, dass der AN Willens ist, die Leistung zu erfüllen und den AG weiterhin in vollem Maße unterstützt.

Gruß Kati


Menschen mit Phantasie langweilen sich nie :hehe

Altenpflege - come in & burn out... :D

Hametum
Beiträge: 37
Registriert: Do 22. Jun 2006, 21:45

AW: Überlastungsanzeigen

Beitrag von Hametum »

Habe nochmal einen Link einer früheren Diskussion angefügt.

Sollte alle nötigen Infos zur Überlastungsanzeige enthalten.

Gruß
Hametum


http://forum.pflegenetz.net/showthread.php?t=10275



Benutzer 1685 gelöscht

AW: Überlastungsanzeigen

Beitrag von Benutzer 1685 gelöscht »

Hallo,

wie denkt denn dein Team über die Situation auf der Station?


Als Begründung " keine Zeit oder zuwenig Personal" in den Pflegebericht zu schreiben, halte ich aus zwei Gründen für Bedenklich.
1. Dein AG könnte denken dass zu gegenüber dem Unternehmen nicht loyal bist und arbeitsrechtliche Konsequenzen einleiten, da solche Einträge natürlich auch vom MDK gelesen werden.
2. zweitens ist es für die persönlich ein juristisches Problem. Du hast dann ggf. gefährliche Pflege verrichtet. D.h. du wusstest davon und hast sozusagen mit Vorsatz gehandelt. Gleichzeitig hast du aber, solange du keine Überlastungsanzeige schreibst, niemanden informiert, das heisst, deine PDL, HL oder Geschäftsführer können sagen "ich wurde nicht informiert, dass die Pflege auf Station A nicht gesichert ist!" und wieder hast du die A...karte.


Das soll dich nicht auffordern eine Urkundenfälschung zu begehen. Nein im Gegenteil. Wende dich an deine WBL und sprich dein Problem im Team an. Vielleicht haben deine Kollegen ähnliche Gedanken. Formuliert diese bedenken gegenüber der PDL (im Gespräch mit Gesprächsprotokoll). Dann könnt ihr nachweisen, ihr habt darauf aufmerksam gemacht.
Überprüft eure Dokumentation: Sind eure Leute gut eingestuft? Was kann man da noch verbessern? Habt ihr schon Leistungen aus dem neuen Pflegezeitgesetz beantragt? Das macht bei 50 BW eine Planstelle für Betreuung aus. --> diese könnte euch dann auch am WE helfen etwas Ruhe in den Ablauf zu bringen.

Grüsse
Sophie



petermaennchen
Beiträge: 20
Registriert: Mi 6. Feb 2008, 11:20

AW: Überlastungsanzeigen

Beitrag von petermaennchen »

Bei uns sind die Überlastungsanzeigen inzwischen (leider) wieder aus dem Alltag verschwunden, da der Arbeitgeber einmal erfolgreich zurückgeschlagen hat! Eine Kollegin hat unter anderem Ihre Dokumentation nicht geschafft und dies auf der Anzeige vermerkt. Daraufhin gabs eine Abmahnung! Man kann anderes liegenlassen, die Dokumentation jedoch, ist "zeitnah" zu führen!
Daraufhin hat die Kollegin geklagt und verloren!
Seitdem traut sich keiner mehr ran, an die Überlastungsanzeigen!
Offenbar muß man wirklich sehr genau bedenken, wozu man sie einsetzen kann und will!



ferdi
Beiträge: 994
Registriert: Di 10. Mai 2005, 18:55

AW: Überlastungsanzeigen

Beitrag von ferdi »

Gesundheits- und Sozialwesen

Überlastungsanzeige
Zu wenig Personal hat nahezu zwangsläufig zur Folge, dass die Pflegerinnen und Pfleger die zu leistende Arbeit nicht mehr ordnungsgemäß aus eigener Kraft erledigen können. Ist das der Fall, muss eine Überlastungsanzeige abgegeben werden. ver.di hat Informationen zu Überlastungsanzeigen zusammengestellt und eine Muster-Überlastungsanzeige erarbeitet.

Sinn und Zweck einer Überlastungsanzeige:
Die Überlastungsanzeige ist eine schriftliche Mitteilung an die Pflegedienstleitung bzw. den Arbeitgeber. Ziel ist es auf eine oder mehrere bestehende erhebliche Überlastungen für die Beschäftigten hinzuweisen. Grundlage dafür ist das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Nach § 15 und § 16 des ArbSchG ergibt sich die Pflicht der Beschäftigten, den Arbeitgeber auf mögliche Schädigungen oder Gefährdungen von Patienten/innen hinzuweisen:
Auszug aus dem Arbeitsschutzgesetz:
§ 15 ArbSchG:
(1) Die Beschäftigten sind verpflichtet, nach ihren Möglichkeiten, sowie gemäß der Unterweisung und Weisung des Arbeitgebers für ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Sorge zu tragen. Entsprechend Satz 1 haben die Beschäftigten auch für die Sicherheit und Gesundheit der Personen Sorge zu tragen, die von ihren Handlungen oder Unterlassungen bei der Arbeit betroffen sind.
§ 16 ArbSchG:
(1) Die Beschäftigten haben dem Arbeitgeber oder dem zuständigen Vorgesetzten jede von ihnen festgestellte unmittelbare erhebliche Gefahr für die Sicherheit und Gesundheit sowie jeden an den Schutzsystemen festgestellten Defekt unverzüglich zu melden.

Die Überlastungsanzeige dient dazu, den Arbeitgeber auf organisatorische Mängel hinzuweisen, so dass diese unverzüglich beseitigt werden können.
Eine Überlastungsanzeige ist eine schriftliche Information an die Pflegedienstleitung bzw. den Arbeitgeber über Arbeitsbedingungen, die zu Schäden der anderen Vertragspartei oder der Patienten/innen führen können. Dabei bleibt aber die Verpflichtung der Beschäftigten erhalten, ihre Arbeit weiterhin mit größtmöglicher Sorgfalt zu erledigen.
Eine Überlastungsanzeige ist immer dann zu verfassen, wenn die zu leistende Arbeit nicht mehr ordnungsgemäß aus eigener Kraft erledigt werden kann.
Es ist dringend zu empfehlen, sofern noch möglich, sich im Vorfeld mit der Personalvertretung, Mitarbeitervertretung oder dem Betriebsrat zu besprechen.
ver.di hat eine Muster-Überlastungsanzeige erstellt. Sie kann hier heruntergeladen werden:

http://gesundheit-soziales.verdi.de/sea ... he+starten

ferdi



wuselchen
Beiträge: 381
Registriert: Di 20. Feb 2007, 22:56

AW: Überlastungsanzeigen

Beitrag von wuselchen »

Hallo,

bin grad über die Suchfunktion auf dieses Thema gestoßen.

Auch ich beschäftige mich grad mit dem Thema Überlastungsanzeigen und bin mir unsicher ab wann diese gerechtfertigt ist.
Jetzt lese ich hier das auf einer Demenzstation mit 20 BW 3 Pflegekräfte im Frühdienst sind....handelt es sich hier um einen beschützten Bereich? Ansonsten ist das ja ein Traum.

Ich bin für 2 Wohnbereiche a 11 Bewohner zuständig. Der eine WB ist ein offener Demenzbereich, der andere ein normaler WB. Nun hat sich auf dem "normalen" WB das Klientel stark verändert, sprich es sind alles BW die nicht selbständig aufstehen können. Wenn ich jetzt mal genauer darüber nachdenke sitzen alle im Rollstuhl. Dazu kommt ein Bewohner mit einem Gehirntumor, sprich eigentlich müsste man noch Sterbebegleitung machen. Die Frage ist nur wie das zu schaffen ist. Normalerweise ist auf diesem WB der Pflegehelfer, ich als PFK gehe meist auf den Demenzbereich. Trotzdem muss ich ja zwischen den WB rumspringen da ja noch Verbände, Stoma und Medikamente gemacht werden müssen.

Ich hab jetzt einfach mal meine 11 BW genommen und diese durch meine reine Arbeitszeit von 7 Stunden (=420 Min.) geteilt und komme auf 38 min. die ich pro BW habe. Da habe ich aber noch nicht eingetragen, keine Arztanrufe, keine Medis auf beiden WB´s ausgeteilt usw.

Ist das alles nur halb so schlimm und eine Frage der Organisation?



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