weglaufen lassen

Pflege- und Sozialrecht.
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Tinkerle
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weglaufen lassen

Beitrag von Tinkerle » Mo 22. Dez 2008, 23:24

Hallo!

Ich war heute total entsetzt...wir haben derzeit einen Dementen mit Weglauftendenz. Die letzten Wochen war er schon des Öfteren außerhalb des Heims unterwegs, Mitarbeiter bzw. Bekannte haben ihn dann zurück gebracht...

Heute kamen mehrere Anrufe, sie haben unseren Bewohner im Nachbardorf gesehen etc. - doch uns ist es ja nicht erlaubt (Freiheitsentziehung) ihn zurück zu holen!

Ich begreife das nicht...man ist verantwortlich für diese Personen und grad ein Dementer mit Desorientierung - wie bitte soll er von alleine zurück finden, oder doch jedes Mal von der Polizei gebracht werden???

Wir haben unseren Anpfiff schon bekommen, da wir ihn gestern vom Dorf zurück geholt haben...

Pfff die Luft musste mal raus, ich war wirklich stinkig :mad:
Finde es irgendwie besch***, dass man eine gewisse Antwortung für unsere Bewohner hat und sie dann im wahrsten Sinne des Wortes laufen lassen soll! Passiert allerdings etwas in der Pflege etc. ist doch der erste Satz, den man zu Ohren bekommt "Schichtleitung hat dafür zu sorgen, bla bla bla...".



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Filienchen
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Beitrag von Filienchen » Di 23. Dez 2008, 10:48

Hallo Tinkerle,

deine Verantwortung besteht aus meiner Sicht darin, gegebenenfalls Rechenschaft ablegen zu müssen, wieso ein dir in Obhut gegebener Bewohner (mit bekannter Weglauftendenz im Zustand der Orientierungslosigkeit) überhaupt abgängig werden kann und welche Maßnahmen du eingeleitet hast.
Zu diesen Maßnahmen zähle ich, den gesetzlich bestellten Betreuer bzw.verantwortlichen Angehörigen zu informieren und natürlich die Vermisstenanzeige bei der Polizei.
Ich gehe mal davon aus, dass der betreffende Bewohner einen erhöhten Aufsichtsbedarf hat und wenn du nachweisen kannst, alles in deinen Kräften stehende getan zu haben, ihn am Verlassen der Einrichtung zu hindern, mußt du dir auch keine Sorgen machen. Die Polizei bringt den Bewohner auch mehrmals täglich über Wochen hinweg zur Einrichtung zurück, wenn es denn erforderlich werden sollte - gehört zu ihren Aufgabenbereichen.

Inwieweit es eine Freiheitsentziehung darstellt, wenn der Aufenthaltsort (nämlich das Heim) klar bestimmt ist, kann ich nicht nachvollziehen.
Sieht für mich gegenwärtig so aus, als würden klare Absprachen und Regelungen für den Mitarbeiterhandlungsbedarf in dem Fall fehlen! Aus deiner Beschreibung geht nur hervor, was ihr nicht dürft.

Grüßle von Filienchen


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-Felicitas-
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Beitrag von -Felicitas- » Mi 24. Dez 2008, 21:45

gdfgdf
Zuletzt geändert von -Felicitas- am Fr 5. Mär 2010, 09:57, insgesamt 1-mal geändert.



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Filienchen
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Beitrag von Filienchen » Do 25. Dez 2008, 18:07

"... oder bei Unterkühlung, Verletzung usw. ins Krankenhaus oder bei Tod ins Leichenschauhaus.
"


... nö, dafür sind andere Institutionen als die Polizei zuständig.

"Die Situation bedarf meiner Meinung nach einer Klärung, z.B. am "Runden Tisch" mit Betreuer, PDL und Stationsleitung gemeinsam.
"


Genau so sehe ich das auch.

Vieleicht kann uns Tinkerle mal noch mitteilen, wer die
Handlungsanweisung "Bewohner ziehen zu lassen" und "Verbot der Rückführung" erlassen hat.

LG Filienchen
Zuletzt geändert von Filienchen am Do 25. Dez 2008, 18:09, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: das zitieren muß ich noch üben


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sonnenschein85
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Beitrag von sonnenschein85 » Fr 26. Dez 2008, 13:44

Hallo Tinkerle...

Bin gerade auf deinen Beitrag gestoßen und echt sprachlos...wenn ich das jetzt richtig verstanden habe sollt ihr die Bewohner laufen lassen bis die Polizei sie wieder bringt?wo gibts denn sowas?
Warum gibt es denn überhaupt Pflegeheime? Angehörige geben ihre lieben in unsere Obhut und wir haben dafür zu sorgen als Pflegekräfte das es ihnen gut geht und ihnen nichts passiert und gerade demente Menschen wissen nicht mehr was sie tun! Mal ne frage mit welcher Begründung sollt ihr sie denn laufen lassen? Damit ihr Wille tolleriert wird (inform der demenz)? Sie sich nicht eingesperrt fühlen?
Seit ihr ein offenes Haus oder ein geschlossenes Haus?
Bei uns ist das genau umgedreht...kommt ein Bewohner abhanden bekommen wir ärger weil er weg ist und es keiner bemerkt hat und innerlich hoffen wir dann das nix passiert!Wir sind für solche Fälle auch gerüstet mit einem Standard wie wir uns verhalten sollen wenn ein Bewohner weg ist indem das ganze Haus suchen fährt etc.

Wenn dein Haus der Meinung ist das ein dementer Mensch weglaufen kann und nicht vom personal gesucht werden muss dann setzt dich mit deinem Team zusammen sprecht darüber wie ihr das seht schreibt eine Gesprächsnotiz an die Heimleitung und versucht euch von der verantwortung zu entbinden wenn was passiert.... Denn wenn das meine Mutter wäre die ihr weglaufen lasst und vom Haus nicht suchen dürft würde ich als Angehörige euch zur rechenschafft ziehen das ihr eure Aufsichtspflicht vernachlässigt habt, wenn meine Mutter vom Auto überfahren wurde oder im Graben läge und verstarb!Ich denke mal es würden alle als Angehörige so reagieren!
Es sind alle Bewohner schutzbefohlene und stehen unter unserer Aufsichtspflicht...es kann immer mal passieren das einer nach hause will und dann egal wie das Haus velässt aber das PK´s drauf warten müssen bis die Polizei sie wieder bringt ist doch echt der wahnsinn!



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doedl
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Beitrag von doedl » Fr 26. Dez 2008, 20:25

Hallo Alle

mich würden ein paar andere Sachen interessieren:

gibts überhaupt einen Betreuer? Wir gehen zu selbstverständlich davon aus- wenn ja, was sagt dieser denn? Wenn nicht, warum nicht?

Für mich gehören da erstmal ein paar grundlegende rechtliche Dinge geklärt, bevor ich dazu Stellung nehmen will (kann).

Grundsätzlich stimme ich meinen Vorpostern aber zu; es kann nicht sein, dass dieser Ball unreflektiert ans Pflegepersonal weiter gegeben wird.

Gruß Doedl


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Knülpf
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Beitrag von Knülpf » Fr 26. Dez 2008, 21:20

[quote=""Tinkerle""]Heute kamen mehrere Anrufe, sie haben unseren Bewohner im Nachbardorf gesehen etc. - doch uns ist es ja nicht erlaubt (Freiheitsentziehung) ihn zurück zu holen![/quote]Freiheitsentziehung ist es nur wenn ihr ihn zwingt, mitzukommen. Ihn suchen, ansprechen, mit seinem Einverständnis zurückbringen dürft ihr jederzeit.



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Beitrag von sonnenschein85 » Fr 26. Dez 2008, 21:28

Ja sicher ist das Freiheitsentziehung wenn man ihn zwingt wieder mit zurück zu kommen aber wenn gefahr droht und die Diagnose mittelschwere bis schwere Demenz steht ist das inakzeptabel!!!
Hatte nämlich auch mal den Fall das wir einen Bewohner mit schwerer Demenz hatten der früher Marathonläufer war und das noch stark ausgeprägt war mit seinem Bewegungsdrang nur Problem war es an diesem Tag das wir 30 grad im Schatten hatten der Bewohner schon Schaum vorm Mund hatte weil er nix trank und die Autobahn noch 1 km weit weg war...



Knülpf
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Beitrag von Knülpf » Fr 26. Dez 2008, 22:38

Das Vorgehen muss einfach geklärt sein. Weglaufen, Orientierungslosigkeit, Selbst- und evtl. Fremdgefährdung... Passiert es zum ersten Mal oder nur ganz selten würde ich noch nicht nach geschlossener Unterbringung schreien. Für solche Fälle sollte ein Krisenkonzept vorliegen und nicht pauschal das naheliegende ohne Alternative verboten werden. Also entweder bekommt ihr Ressourcen, eine Suchaktion zu starten, oder klare Anweisung sofort die Polizei einzuschalten. Ersteres ist eigentlich unkomplizierter und entspricht dem Selbstverständnis der ganzheitlichen Pflege. Wenn der AG diese Leistung definitiv nicht anbietet oder ein Bewohner sich nicht freiwillig zurückholen lässt braucht ihr die Polizei. Kommt es bei einem Bew. häufig vor, dann ist ein offener WB nicht der richtige Platz für ihn.



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