Pflegeheim vs. Arbeitgeber

Pflege- und Sozialrecht.
Hier gepostete Beiträge und Antworten ersparen im Ernstfall nicht den Gang zum Anwalt!
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amethyst
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Pflegeheim vs. Arbeitgeber

Beitrag von amethyst » Do 5. Nov 2015, 11:23

Hallo an alle!

Ich bin ganz neu in diesem Forum und brauche mal einen Rat. Vor einem Jahr musste meine Mutter ganz kurzfristig ins Pflegeheim, weil mein Vater und ich mit der Betreuung und dem medizinischen 'Drumherum' komplett überfordert sind. Meine Vater ist fast 80 und man merkt ihm sein Alter an... er wird langsam schwieriger (um es vorsichtig auszudrücken), ich bin voll berufstätig im Schichtdienst, leide an einer chronischen Schmerzerkrankung und bin nach unfreiwilliger 1jähriger krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit froh wieder in meinem Job Vollzeit durchstarten zu können.
Allerdings komme ich, aufgrund meiner Erkrankung leider auch sehr schnell an meine eigenen körperlichen Grenzen. Mein Vater hat sich in den letzten Monaten um meine Mutter gekümmert, sie fast täglich besucht, sie zu anstehenden Arztterminen begleitet ... natürlich in Absprache mit dem Pflegepersonal. Ich wurde in der ganzen Zeit, obwohl ich selbstverständlich meine Telefon-No. angegeben hatte, nie kontaktiert. Bin also davon ausgegangen, dass alles seinen normalen Gang geht.
Im ersten Halbjahr 2015 wurde an der Nase meiner Mutter eine Wucherung festgestellt, die der Behandlung bedurfte. Vorerkrankung war bekannt, diese hatte sich so verschlimmert, dass ein erneuter Arztbesuch nötig war. Dieser fand jetzt vor etwa 6 Wochen statt. Mit dem Resultat, dass sie in einer etwa 50 km entfernten Klinik operiert werden muss.
Das Pflegepersonal kontaktierte mich deswegen und besprach mit mir auch, dass es wohl für das Pflegepersonal besser wäre, wenn mein Vater NICHT meine Mutter begleiten würde, da er angeblich mit der Sache überfordert sei. Ich informierte die Schwester, dass ich berufstätig sei, auf ein Seminar müsse und danach das Weihnachtsgeschäft beginne, sodass es mir aus beruflichen Gründen nicht möglich ist meine Mutter zu begleiten. Ich bin im Einzelhandel tätig und die letzten 3 Monate des Jahres sind mit der dünnen Personaldecke Stress pur. Man sagte mir, ich brauche mich um nix kümmern. Das Pflegeheim würde alles regeln. Wenn ich vom Seminar zurückkäme würde man alles weitere mit mir besprechen. Ich war erleichtert. Als ich vom Seminar zurückkam tat sich etwa 2 Wochen lang nichts. Vorgestern hatte ich die Stationsschwester am Telefon, die mir mitteilte, sie würde jetzt ("'Tschuldigung... wieso denn jetzt erst???) einen Termin mit der Klinik machen und ich MÜSSTE mir frei nehmen um meine Mutter begleiten. Den Einwand, dass ich aus beruflichen Gründen verhindert bin und im Weihnachtsgeschäft NICHT so einfach frei nehmen kann, konterte sie damit, dass ich GESETZLICH VERPFLICHTET bin meine Mutter zu begleiten.
Mir wurde noch gesagt, dass der Arzttermin meiner Mutter wegen meiner unkooperativen Haltung abgesagt werden würde mit der Begründung, dass ich die Mitarbeit verweigere. Mein Vater kann meiner Meinung nach meine Mutter ebenfalls begleiten, aber dass lehnte die Stationsschwester ab.
Mein Arbeitgeber ist - für mich verständlicherweise - sehr verärgert, hat er doch durch meine chronische Krankheit schon etliche Fehlzeiten und ein Jahr krankheitsbedingten Ausfall hinnehmen müssen.
Meine Fragen wären jetzt:
1. Gibt es dieses Gesetz, das mich zwingt meine Mutter zu begleiten tatsächlich? Ich habe nämlich bei meiner Recherche nichts finden können.
Und kann mir jemand die §§ nennen, damit ich vor meinem Arbeitgeber hieb- und stichfeste Argumente habe...
2. Darf das Pflegeheim meinen Vater als Begleitperson ablehnen, wenn es mir aus beruflichen Gründen nicht möglich ist meinen Pflichten nachzukommen?

Ich möchte Ärger mit dem Pflegepersonal vermeiden, ich möchte, dass meine Mutter gut versorgt ist und man einen guten Umgangston mit allen Beteiligten führen kann. Im Moment habe ich aber das Gefühl zwischen allen Stühlen zu sitzen. Ich bemühe mich, es jedem recht zu machen, aber leider bin ich nicht in der Lage mich zu zerteilen.
:confused: Hat jemand einen Rat ??? ... ich wäre echt dankbar!

Vielen Dank schon mal
Eure amethyst



sophie
Beiträge: 3769
Registriert: Mi 11. Jan 2006, 23:24

AW: Pflegeheim vs. Arbeitgeber

Beitrag von sophie » Do 5. Nov 2015, 13:41

Hallo Ametyst,

schau doch mal, was diesbezüglich im Heimvertrag steht.

Leider hast du kein Bundesland angegeben. In RLP beispielsweise steht im LWTG etwas dazu.

Sophie


An den Fragen die sich dir stellen erkennst du das Leben, an den Antworten die du findest erkennst du dich selbst.

wenn ein Mensch und ein Hund sich im Himmel begegnen, muss sich der Mensch vor dem Hund verneigen (sibirisches Sprichwort)

Thanos

AW: Pflegeheim vs. Arbeitgeber

Beitrag von Thanos » Do 5. Nov 2015, 17:08

Hallo,

Du bist in Deiner Lage nicht zu beneiden und ich denke da ist wirklich etwas Fingerspitzengefühl wichtig.

Ich persönlich würde es mir hier ganz einfach machen.
Ich würde mich schriftlich an die Pflegedienstleitung wenden und ihr kurz schildern, dass die Stationsleitung meinte es sei meine gesetzliche Pflicht meine Mutter ins Krankenhaus zu begleiten und dass meine persönlichen Umstände (Arbeitstätigkeit) hier keine Rolle spielen würden und nur die Erkrankung der Mutter, gemäß den Aussagen der Stationsleitung, verschlechtern würden. Ich würde mich im Übermaß dafür bedanken, dass mir so direkt die Augen geöffnet wurden und ich würde Besserung geloben. Gleichzeitig würde ich das Geständnis abliefern, ohne Hilfe meinen Pflichten nicht nachkommen zu können. Ich würde fragen, ob sie mir die Paragraphen nennen können in denen stehen würde, dass ich gesetzlich verpflichtet sei meine Mutter in Krankenhaus zu begleiten, damit ich mit Hilfe dieser Paragraphen einen schriftlichen Antrag zur Freistellung beim Arbeitgeber einreichen könne. Ich würde auch Fragen, ob die Pflegeeinrichtung bereits Vordrucke dafür hat, da derartige Vorkommnisse sicherlich nicht all zu selten seien.

Ich denke mal, es wird sicher eine freundliche Antwort kommen in der sich alles aufklären wird. Aus meiner Sicht ist das der einfachste Weg und wenn man zwischenzeitlich noch mal die Worte Schock, Verwirrung und Unsicherheit erwähnt, öffnet man allen Beteiligten eine schöne Hintertür und alle können diese unangenehme Situation beenden ohne das Gesicht zu verlieren.



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AW: Pflegeheim vs. Arbeitgeber

Beitrag von Elfriede » Do 5. Nov 2015, 18:41

Der Ansicht von Thanos kann ich nur anschliessen.
Zudem würde ich mich auch noch entschuldigen, dass ich es sträflich versäumt habe, eine Überleitung gemäss "Expertenstandard Entlassungsmanagement" organisiert zu haben.


Es gibt keine dummen Fragen - nur dumme Antworten.

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AW: Pflegeheim vs. Arbeitgeber

Beitrag von pegean » Do 5. Nov 2015, 19:58

2. Ist ein Arztbesuch zwingend außerhalb der Einrichtung notwendig und eine notwendige Begleitung durch Dritte nicht möglich, hat der Heimbetreiber die Begleitung für den Bewohner sicherzustellen. Dies gehört als Hilfe bei der Mobilität zu den allgemeinen Pflegeleistungen.
http://openjur.de/u/353589.html

LG


Man sollte sich die Ruhe und Nervenstärke eines Stuhles zulegen. Der muss ja auch mit jedem A...h klar kommen!
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AW: Pflegeheim vs. Arbeitgeber

Beitrag von johannes » Do 5. Nov 2015, 20:21

Thanos, Du bist Spitze. Das hätte ach von mir sein können :)


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AW: Pflegeheim vs. Arbeitgeber

Beitrag von erläuchtung » So 8. Nov 2015, 07:27

Welche Pflegestufe hat Deine Mutter?

Wenn ein KH - Aufenthalt für eine OP notwendig ist, stellt der behandelnde Arzt vor Ort in der Regel eine Einweisung aus und einen Transportschein.
Sinnvoll wäre es, den Transport vorher noch von der Krankenkasse genehmigen zu lassen ( veranlaßt in der Regel der Wohnbereich) .

Anschließend erfolgt die Terminabsprache mit dem Krankenhaus und es wird entsprechend dann für den geplanten Termin der Krankentransport bestellt.

Eine Begleitperson ist somit nicht erforderlich.



amethyst
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AW: Pflegeheim vs. Arbeitgeber

Beitrag von amethyst » So 15. Nov 2015, 18:31

Hallo ihr Lieben!
vielen lieben Dank für die Antworten, die mir echt weiterhelfen werden ... in Zukunft. Glücklicherweise hat sich am letzten Donnerstag die ganze für mich echt unangenehme Geschichte etwas entzerrt. Das Pflegeheim meldete sich bei mir telefonisch und teilte mir mit, dass ein Vorgesprächstermin im Krankenhaus in diesem Jahr NICHT mehr stattfinden kann.
Und im neuen Jahr kann ich nun etwas flexibler reagieren, schließlich ist der Weihnachts- und Silvesterstress dann vorbei!!! Habe schon mit einem Kollegen gesprochen, dass wird dann kein Problem mehr sein, einen freien Tag zu kriegen oder einen Urlaubstag einzureichen!!!
Trotzdem finde ich die Antworten sehr hilfreich, denn so werde ich für das nächste Mal dann gewappnet sein...

Hier noch ein paar Antworten für:

a) Sophie: Meine Mutter liegt in einem Pflegeheim in Niedersachsen.

b) erläuchtung: Meine Mutter hat im Moment noch Pflegestufe II, wird aber
wohl recht bald auf Pflegestufe III hochgestuft werden.


Liebe/r pegean! Vielen Dank für das Zitat - da lässt sich doch im Ernstfall was mit anfangen... :D

Liebe/r Thanos und liebe Elfriede! Vielen Dank für die großartige Lektion in Sachen Fingerspitzengefühl! :D Diese wird - mit Sicherheit - auch in der einen oder anderen Situation Anwendung finden ... :D



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