Delegation von bestimmten Tätigkeiten

Pflege- und Sozialrecht.
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Mia
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Delegation von bestimmten Tätigkeiten

Beitrag von Mia » Do 1. Feb 2007, 10:51

Hallo!

Ich hätte da mal eine Frage..

Welche Aufgaben sind eigentlich nur ärztliche Tätigkeiten, die an exam. Ap deligiert werden können, und welche Aufgaben dürfen nur exam. AP durchführen, die sie aber auch an APH deligieren können?

Ich hätte da gerne ein paar Beispiele, da bei es bei uns in der Einrichtung zur Zeit ein kleines Streitthema ist, da auch Aufgaben, die der Arzt an AP deligiert hat, auch von APH ausgeführt werden (nachdem sie von AP an APH deligiert wurden).

Ich hoffe ich habe mich verständlich ausgedrückt... :smile

vielen dank, und Gruß

Mia



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Hummel
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AW: Delegation von bestimmten Tätigkeiten

Beitrag von Hummel » Do 1. Feb 2007, 17:40

Aufgaben vom Arzt, die nicht delegierbar sind :

- i.v Injektion (intravenös) In die Vene
- i.a Injektion (intra arteriell) In die Arterie
- i.a Injektion (intra artikulär) In das Gelenk

Delegierbar sind:

- i.m Injektion (intra muskulär)
- s.c Injektion ( subcutan) In das Unterhautfettgewebe
- i.c Injektion (intracutan) In die Haut
- v.g Injektion In den mittleren Gesäßmuskel

Vielleicht hilft dir das ein wenig weiter...!!?? :)


"Tschuldigung, Sie haben eine Banane im Ohr..??!!..."Ich kann Sie nicht verstehen, ich habe eine Banane im Ohr ...!! :)

Dirk Höffken
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Alle haben Recht und keiner hat Recht!

Beitrag von Dirk Höffken » Do 1. Feb 2007, 22:06

Hallo Mia,

die Überschrift drückt die Problematik bei diesem Thema mehr als deutlich aus:

Alle haben Recht und keiner hat Recht!

Bekannte Pflegerechtler wie z.B. Böhme, Roßbruch, Großkopf und Klie vertreten z.T. gänzlich andere Ansichten. Weder Gesetzgeber noch Rechtssprechung helfen an dieser Stelle wirklich. In den letzten Monaten bezog ich mich gerne auf den Artikel von H. Böhme und M. Hasseler in Der Schwester/Der Pfleger 08/2006 - Standortbestimmung Pflege -.

Zu dem Artikel merkt Herr Lutz Barth, Ass. jur. - RA a.D, in einer gleichnamigen Stellungnahme auf dem IQB – Internetportal im Dezember 2006 u.a. an:


... „Nun wollen wir hier nicht verschweigen, dass es auch seinerzeit im Jahre 1984 und vor allem auch in der Folgezeit durchaus andere gewichtige Stimmen in der rechtswissenschaftlichen Literatur gab und vor allem auch gegenwärtig noch gibt, die die Delegationsvoraussetzungen und damit auch die Kompetenzverteilung und damit Haftungszuordnung kritischer sehen, als die beiden Autoren des hier zu besprechenden Aufsatzes.

Von einer „herrschenden Lehre“ und damit einer einheitlichen „medizin- und/oder arztrechtlichen“ Lehrmeinung kann derzeit überhaupt keine Rede sein, bleiben doch gewichtige Fragen offen.“ ...


Leider kann man seiner Auffassung nicht viel entgegensetzen, auch wenn ich sie nicht teile. Pflegekräfte suchen aber nun mal ständig nach absoluten und damit einfach anwendbaren Regelungen, was von Juristen häufig übersehen wird. In absehbarer Zeit wird hier eine Übersicht der gängigen Rechtsansichten und einige Anmerkung dazu zu finden sein. Das Problem ist damit natürlich nicht gelöst. Jeder, insbesondere die Leitungsebene, wird sich seine eigene Meinung bilden müssen!

Durch Weglassen oder Hinzufügen weiterer Sachverhaltsangaben kann sich die rechtliche Beurteilung jedoch ändern, so dass die Aussagen innerhalb dieses Forums lediglich eine erste rechtliche Orientierung in der Sache darstellen und keinesfalls den Gang zu einem Rechtsanwalt ersetzen können.

Ich hoffe, Ihnen mit diesem Überblick geholfen zu haben und verbleibe
mit freundlichen Grüßen

Dirk Höffken
Zuletzt geändert von Dirk Höffken am Do 1. Feb 2007, 22:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Mia
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AW: Delegation von bestimmten Tätigkeiten

Beitrag von Mia » Fr 2. Feb 2007, 13:26

tja, nun bin ich immer noch nicht weiter, was ich denn deligieren darf, was nicht...
und wie ist das mit dem Spruch "wenn ich mich davon überzeugt habe, das die APH es kann, darf sie es auch durchführen?" da gibt's ja auch unterschiedliche Meinungen...
es geht mir um so Sachen wie SK anhängen/umhängen, PEG/SPK Verbände, RR Kontrolle, Verbände von oberflächlichen Wunden, richten von s.c. Infusionen...

Hätte gerne mal eure Meinung, was ihr deligieren würdet, und auch, was ihr vom Arzt deligiert bekommt.

Vielen dank

Mia



Dirk Höffken
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Nachfrage

Beitrag von Dirk Höffken » Fr 2. Feb 2007, 14:11

Hallo Mia,

vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich wie folgt beantworte:

Ihr Frust ist durchaus nachvollziehbar. Insgesamt bleibt hier aber nur die Möglichkeit die gewichtigen Experten im Pflegerecht wiederzugeben. Böhme, Roßbruch, Großkopf, Klie u.s.w. kann man ggf. auch vor Gericht zitieren. Meine Ansicht zählt da nicht. Leider sitzen diese Experten z.T. in einem juristischen Elfenbeinturm.

Solange keine für die Pflege nachvollziehbaren/praktikablen Lösungen vorhanden sind, sollte man die Delegation von ärztlichen Tätigkeiten eher eng auslegen. Das bedeutet z.B. für Pflegeheime:

1. Behandlungspflege nur von formell qualifizierten Pflegefachkräften (mind. 3-jährige Ausbildung). Selbstverständlich muss auch die materielle Qualifikation vorhanden sein!

2. Von z.B. intravenösen Injektionen sollte, ohne Anwesenheit des Arztes oder eines Notfalls, grundsätzlich abgesehen werden.

In Krankenhäusern gilt dies nach der hier vertretenen Ansicht nur modifiziert.

Ich hoffe diese Aussage hilft etwas weiter und verbleibe
mit freundlichen Grüßen

Dirk Höffken



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