wie geht es euch damit

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Tessa
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wie geht es euch damit

Beitrag von Tessa » Mi 23. Jan 2013, 05:42

Hallo
Gestern auf meinem Dienst verstarb eine Bewohnerin.
Es war nicht Soo überraschend,alle Angehörige waren da
Dennoch habe ich schlecht geschlafen und immer wenn ich wach werde,muss ich dran denken.
Iwie komisch.
Ist doch nicht normal oder?
Wie ist es bei euch;
Meint ihr,ich muss mit wem drüber redenoder so?
LG



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mfauli
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Beitrag von mfauli » Mi 23. Jan 2013, 06:32

Wenn du dich damit unwohl fühlst, dann solltest du auf jeden Fall mit jemandem reden, z.B. im Team..reden tut immer(meistens) gut, find ich.

Ich hatte damit kein Problem, so zu sagen, aber klar, jeder ist anders.



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doedl
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Beitrag von doedl » Mi 23. Jan 2013, 07:17

Hallo Tessa,

es ist normal, dass der Tod eines Menschen einem beschäftigt; andersrum wäre es schlimm, wenn ein Bewohner,zu dem man als Pflegekraft ja eine Beziehung aufbaute, so ohne jegliche Emotion "weg" ist.

Tod zu erleben, bedeutet auch, sich seine eigenen Vergänglichkeit in Erinnerung zu rufen- das beschäftigt einem ja.

Im nächsten Angehörigen- oder Bekanntenkreis spricht man nicht umsonst von Trauerarbeit; überlege mal, wie lange es teilweise dauert, bis Menschen den Tod eines ihrer Lieben halbwegs verwunden haben.

Ich kann mich noch heute an Tode von Patienten erinnern, die schon mehr als 20 Jahre her sind; so sehr beschäftigte mich das! Es ist absolut normal und ehrt Dich, wenn Du nicht nach dem letzten Atemzug eines Bewohners mit einem Trallala auf den Lippen dem Alltagsgeschehen nachgehst.

Ja, sprich mit jemand darüber; oft tut es gut, mit den Angehörigen zu reden. Die sind nicht nur emotional viel näher am Bewohner gewesen, sondern haben auch aufgrund ihres meist höheren Alters eine sehr gesunde Einstellung zu Tod und Leben. Und sie wissen i.d.R. auch mehr über die Einstellung des Bewohners selbst.

Gruß Doedl


Wir müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen wollen- Mahatma Gandhi

andrea
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Beitrag von andrea » Mi 23. Jan 2013, 11:07

Hallo Tessa
natürlich ist es normal dass der Tod von BW dich bewegt. Das solltest du wirklich nicht einfach wegschieben, weil es verarbeitet gehört.
Ich kenne kaum jemanden den der Tod überhaupt nicht beeindruckt.
Damals während der Ausbildung durfte ich mein Praktikum auf der Palliativstation machen. Dort ist mir auch das erste Mal der Tod begegnet............ich bin nach dem Spät nach Hause gefahren und plötzlich erschien mir diese Dame in der Windschutzscheibe. Damals habe ich auch etwas gebraucht um das überhaupt ersteinmal für mich zu verarbeiten.
Gut, dass ich dort war, weil da hatte ich natürlich alles Menschen, ob Patienten oder Kollegen u. Ärzte, mit denen ich über das Thema Tod sprechen konnte.
Meist ist dies mit anderen Menschen die nicht unbedingt was mit Tod zu tun haben, sehr sehr schwierig.
Mir wurde oft gesagt, dass dies Thema nicht gemocht wird und man ein Anderes anfangen sollte.
Ich selbst habe dann damit angefangen, bewusst Sterbebegleitungen zu machen. Dadurch bin ich den Menschen sehr nahe gekommen, habe gemerkt dass ein jeder eigentlich Angst hat vor dem was da kommt. Konnte jedoch auch beobachten, dass wirklich leidende Menschen mit Eintritt des Todes oder auch schon kurz vorher, irgendwie friedlich und gelöst wirkten. Ich fühlte mich nie schlecht in diesen Zimmern wenn ich dabei war und konnte ohne Probleme die Verstorbenen waschen und anziehen. Anders wenn ich zu einem schon mehrere Stunden Verstorbenen kam, dort empfand ich es kalt und auch ein wenig gruselig.
Ich habe mich, auch in Anbetracht meiner Beobachtungen bei den Sterbegegleitungen, selbst mit meinem eigenen Glauben und Tod auseinadergesetzt und glaube seither, dass der Tod nichts Schlimmes ist sondern Erleichterung für die Schwerkranken oder alten Menschen bringt.
Das ist natürlich nicht jedermanns Ding, jeder findet seinen eigenen Weg. Wichtig ist auf jeden Fall die Auseinandersetzung mit dem Tod. Wie gesagt ich kenne niemande den "Tod" völlig kalt lässt. Also bist du völligst normal :D liebe Grüße andrea


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Tessa
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Beitrag von Tessa » Mi 23. Jan 2013, 12:01

Danke euch.
Ich bin Grad auf den weg zu meiner Therapeutin und werde es,ansprechen

@Andrea
In.der Windschutzscheibe??!! Boa ich hätte nen Herzinfarkt bekommen wie ging es Dir damit?

Es war nicht schlimm oder gruselig,ich konnte es um 15uhr schon vorabsehn und habe den Kollegen bescheid gegeben,das Sie heute noch gehn wird.
Ich habe,aus grusel davor mich in der Ausbildung damit konfrontiert indem ich wenn jmd verstorben war,zu nee Pflegekraft sagte geh mit mir rein ich will ihn sehen,ich muss es lernen,ich hab Angst..
Waschen etc konnte ich diese bew gestern auch,war ehrlich gesagt aber froh das Ne Kollegin dabei war und das Zepter übernahm.
Es war so verdammt schwer,die weinenden Angehörigen.ichhab schon bissel gezittert,bim ein sensibelschen :-)



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johannes
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Beitrag von johannes » Mi 23. Jan 2013, 17:46

Hallo Tessa,

wer zum ersten Mal direkt und bewußt mit dem Tod konfrontiert wird, ist meist sehr stark beeindruckt. Wie doedl schon richtig sagte, sind das die Gelegenheiten, die Dich dazu veranlassen, Dich mit der eigenen Vergänglichkeit auseinander zu setzen. Weil im Tod jedem das Heft des Handelns aus der Hand genommen wird, fühlt er sich so hilflos. Er wird zum Statisten.

Gerade, weil der Tod etwas völlig Unnatürliches ist, beschäftigt er uns immer wieder. Meist dann, wenn tatsächlich jemand gestorben ist.

Die Einen versuchen, seiner Fratze etwas Gutes abzugewinnen, indem sie ihn als eine Erlösung hinstellen, die anderen sehen ihn als das, was er wirklich ist - ein Feind des Lebens. Dabei ist es in der Regel ein Unterschied, ob ein mir nahe stehender Mensch stirbt, oder jemand, zu dem ich keine persönliche Beziehung gepflegt habe. Auch ist es ein Unterschied, ob ein Mensch im Krieg zu Tode kommt (ich greife exemplarisch Hiroshima heraus), bei dem man sich selten kennen lernt oder ob er eintritt in meiner unmittelbaren Nähe, in der ich ihn real erlebe.


Deine Reaktion ist hier also als völlig normal anzusehen. Dein Empfinden wird sich auch aller Voraussicht nach künftig verändern, je mehr Du mit dem Sterben und dem Tod in Berührung kommst. Viele realisieren seine Grausamkeit mit jedem Erlebnis weniger, andere halten vielleicht inne und machen sich ihre Endlichkeit bewußt. Für manche geht das Leben einfach so weiter wie bisher, andere ordnen ihr Leben neu, leben bewußter und erleben ihr Leben damit anders.

Wieder andere kommen über das Erlebte zu den Sinnfragen ihres eigenen Lebens. Vor langer Zeit wurde einmal gesagt:

"Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, damit wir klug werden!"

Der Tod ist ein Scheideweg - nicht nur für den Verstorbenen, sondern erst recht für die Zurückgebliebenen. Wer die Zusage kennt: "Ich lebe, und ihr sollt auch leben!" wird jedenfalls nicht verzweifeln, sondern mit erhobenem Kopf nach vorne schauen. Er hat eine Zukunft! Das läßt auch das Grausame des Todes verblassen.

Kopf hoch!


Ein Mensch existiert nicht - er lebt!
Keiner ist so blind wie der, der nicht sehen will.
Ich vertrete nicht immer die herrschende Meinung - aber ich habe eine Meinung!
Einer sucht für ein Problem eine Lösung - ein Anderer sucht für eine Lösung ein Problem

andrea
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Beitrag von andrea » Mi 23. Jan 2013, 17:47

Oh so schlimm ist es für dich, dass du zum Psychologen gehst. Das tut mir leid
Es war für mich, obwohl ich nicht mehr so jung war als ich die Ausbildung machte, der erste Tote. Und klar habe ich einen wahnsinnigen Schreck bekommen als sie plötzlich in der Scheibe erschien, weiß auch nicht mehr wie ich heim kam.............habe die ganzen letzten Tage mit diesem Patienten durchdacht und dann kam die eigene Auseinandersetzung mit dem Tod.
Wie schon gesagt ich war dort wo ich war, bestens aufgehoben. Auf solchen Stationen führt man an sich schon viele Gesprächen, mit Angehörigen also auch Hinterbliebenen und mit den Sterbenden selbst.
Die Angehörigen wollten das was IST, oft nicht wahr haben ,so dass die Sterbenden sich große Sorgen machten die Familie allein zu lassen oder sich bemühten alle Kräfte zusammenzuhalten nur um dem Willen der Familie sich nicht hängen zu lassen, sondern zu kämpfen,, stand zu halten.
Manchmal wenn die Diagnose gestellt wurde und eine Zeit von ca. zwei Wochen benannt war, kamen die Kinder an ihre Grenzen wenn nichts von dem passierte und ich hatte oftmals das Gefühl, sie würden ihre Lieben, wenn auch unbewusst, dadurch ziemlich unter Druck setzen. (Da gab es auch Gespräche mit den Betroffenen)
Vielleicht kann ich deshalb recht gut ohne zu viel Mitleid mit Angehörigen umgehen. Den Sterbeprozess muss wohl jeder im Endeffekt allein durchlaufen, gut wenn Angehörige es irgendwie schaffen den Weg mit zu gehen und damit echte Unterstützung geben können.
Liebe Grüße andrea und baldige gute Verarbeitung deines Themas


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Tessa
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Beitrag von Tessa » Mi 23. Jan 2013, 18:54

Andrea

Ich gehe nicht wegen den Thema,bin eh in Therapie,und habe die heutige Stunde genutzt nun geht's etwas.danke



davidmueller
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Beitrag von davidmueller » So 24. Feb 2013, 18:29

Einerseits ist es traurig, wenn man das mit erleben muss und andererseits weiß man, dass man etwas tut, was wirklich etwas gutes und sinnvolles ist. Etwas, das über die eigenen finanziellen Einkünfte hinausgeht.
Zuletzt geändert von davidmueller am So 3. Mär 2013, 18:14, insgesamt 1-mal geändert.



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