erste Sterbebegleitung

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Knöpfchen
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erste Sterbebegleitung

Beitrag von Knöpfchen » Do 28. Feb 2013, 20:17

Guten Abend,

ich muss euch hier einfach mal mein Herz ausschütten, denn meine Kollegen sind alle so kalt und abgebrüht (oder tun zumindest vor) und in meiner Familie ist der Tod ein Thema, mit dem man sich höchstens in Form von blutrünstigen Horror- oder Actionfilmen auseinandersetzt. Dieser Beitrag wird sehr lang und wird vielleicht auch ein bischen wirr zum Ende hin, aber ich muss das irgendwo rauslassen, sorry!

Es klingt vielleicht ein bischen komisch, aber ich hatte gestern meine erste „echte“ Sterbebegleitung, die mir doch näher geht, als ich vorher gedacht hätte. Bisher sind „meine“ Bewohner in meiner Abwesenheit und ziemlich plötzlich verstorben. Aber gestern nachmittag ist eine Bewohnerin in meinem Beisein verstorben. Es ging ihr schon die letzten 2-3 Wochen nicht besonders gut, sie mochte dann gar nicht mehr essen und auch bis auf wenige Schlucke über den ganzen Tag nichts mehr trinken, sprach schon lange fast gar nicht mehr.. Nach langen Gesprächen mit Angehörigen und Hausarzt wurde entschieden, keine Magensonde zu legen und auch keine Flüssigkeit über Infusion zuzuführen. Die Angehörigen taten sich schwer, zu akzeptieren, dass die Mutter bald gehen wird, hatten aber auch den Eindruck, sie hätte mit ihrem Leben abgeschlossen und mit immerhin 89 Jahren wollten sie ihr auch nichts Unnötiges mehr antun, nur weil man nicht loslassen kann. (Ich habe großen Respekt vor diesen Angehörigen, dass sie diesen Standpunkt vertreten haben!)

Jedenfalls ging es ihr gestern in der Mittagszeit sehr schlecht. Sie war sehr unruhig, hat immer wieder die Bettdecke beiseite getan, hat kaum noch die Augen geöffnet und die Atmung wurde auch schon unregelmäßig, es waren immer wieder kleine Aussetzer, die sich mit wenigen sehr tiefen Atemzügen abwechselten. Wir haben alle paar Minuten versucht, die Angehörigen zu verständigen, die ca. 20 Autominuten entfernt wohnen, haben aber niemanden erreicht. Meine Kollegen waren alles andere als feinfühlig, sind nicht sehr behutsam mit der Bewohnerin umgegangen, es kamen auch Sprüche wie „So schnell stirbt es sich nicht“ und „(Name der Bewohnerin) du stirbst aber nicht in meiner Schicht, damit kannste warten, bis der Spätdienst da ist, ich bleibe doch wegen dir nicht länger!“

Aber sie hat, wenn sie denn die Augen geöffnet hat, immer so hilfesuchend ausgesehen, hat meine Hand zu sich gezogen und ihr Gesicht in meine Handfläche geschmiegt. Ich hatte Frühdienst und konnte aber einfach nicht nach Hause gehen, alles hat sich dagegen gesträubt, sie allein zu lassen. Ich habe ihre Hand gehalten, sie in den Arm genommen, ihr über das Haar gestreichelt, beruhigend mit ihr gesprochen. Ich musste die ganze Zeit schon mit den Tränen kämpfen, hatte mich aber noch im Griff.

Ich habe neben ihr auf der Bettkante gesessen, sie hat versucht, sich aufzusetzen, da hab ich sie im Sitzen gestützt und sie hat ihren Kopf an meine Schulter gelehnt (das hat sie schon oft gemacht, wenn ich ihr z.B. essen oder trinken angereicht habe). Dann war plötzlich die Unruhe verschwunden, sie saß völlig still und hat mir „ganz wach“ in die Augen gesehen, hat versucht, etwas zu sagen, aber es war nur ein Flüstern, und dann - war da gar nichts mehr. Sie hatte ihren letzten Atemzug getan und ich saß da und habe gewartet, ob sie doch noch einmal Luft holt und mir sind, als hätte man einen Wasserhahn aufgedreht, wie irre die Tränen gelaufen.

Ich habe das Fenster geöffnet (gekippt), das ist doch üblich, man sagt doch, dass die Seele hinaus kann, und habe die Kollegen verständigt und wollte die Dame unbedingt noch mit versorgen, aber das haben sie mir nicht erlaubt und haben gesagt, ich soll da nicht so einen Hermann von machen und nach Hause gehen. Und es wäre ja Winter und wir hätten Frost und die Seele könnte ja raus, wenn es wärmer ist, aber nicht in dieser Jahreszeit.

Ich stand da und wusste überhaupt nicht, was ich sagen sollte, ich war einfach nur entsetzt und habe meine Kollegen nicht wieder erkannt. Und nun kämpfe ich seit gestern damit, und ich kriege das alles nicht aus meinem Kopf. Ich bin 36 Jahre alt, habe mich mit dem Thema Tod und Sterben schon oft auseinandergesetzt und wurde ja auch privat schon öfter damit konfrontiert. Ich kämpfe so sehr mit diesen Eindrücken und kriege das nicht unter die Füße.

Ich hatte im Außenpraktikum im Ambulanten Dienst auch eine Sterbebegleitung, war aber nicht beim Tod dabei, und ich kannte die Person auch erst 2 oder 3 Tage und immer nur für ca. eine halbe Stunde. Die anderen meiner Bewohner sind eben plötzlich verstorben, oder ich kannte sie von Anfang an nur bettlägerig, apathisch, ohne verbale Kommunikation etc.

Ich stehe kurz vor meinem Altenpflegeexamen und bin vielleicht wegen dem Prüfungsstress etc auch ein bischen sehr dünnhäutig im Moment. Und ich denke, meine Güte, der Tod gehört doch dazu und das ist doch gerade bei diesem Beruf klar wie Kloßbrühe, warum bin ich dann jetzt so von der Rolle? Es ist so schwer für mich, nicht nur, weil ich diese Dame sehr gern hatte, sondern auch, weil ich sie fast 2,5 Jahre noch „anders“ kannte, quicklebendig, mobil (wenn auch sehr dement) etc, und ich bin erschrocken, wie sehr sie abgebaut hat und abgemagert ist und über ihren Verfall überhaupt. Sie war nur noch ein Häufchen Elend, aber für mich immer noch ein Mensch, der Hilfe braucht. Und nun ist sie nicht mehr da und hinterlässt eine Lücke. Meine Bewohner sind mir alle ans Herz gewachsen, und vielleicht fehlt es mir nur an professioneller Distanz, aber bei dem Gedanken, dass früher oder später alle gehen (und ich die dann vielleicht noch viel viel länger gepflegt habe), werde ich sooo traurig...

Ich danke euch, dass ihr bis hierhin gelesen habt! Habt ihr einen Rat für mich, wie ich den Kopf wieder halbwegs klar bekommen und damit umgehen kann? Ich bin über mich selbst erschrocken und verwirrt irgendwie.

LG und noch einen schönen Abend!



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doedl
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Beitrag von doedl » Do 28. Feb 2013, 20:57

Hallo Knöpfchen,

wenn ich mir vorstelle, dass es Deine erste STerbebegleitung war, so möchte ich Dir sagen: Du hast es mit viel Herz und Fachkompetenz gemacht- Hut ab.

Denke mal, mir sind auch fast jedesmal die Tränen gekommen, wenn ein Bewohner oder ambulanter Patient verstarb, den ich länger als ein paar Tage kannte. Das ist auch nichts, worüber man sich schämen müsste.

Trotzdem man ja weiß, die Menschen sind alt, sie haben nicht mehr viel Lebenszeit vor sich, trotzdem man sich bei manchen eigentlich wünscht, dass sie endlich gehen dürfen, so ist die Konfrontation mit der Ewigkeit dann doch ein Ereignis, welches nicht nur sprachlos macht, sondern auch die eigene Sterblichkeit, die Ohnmacht gegenüber dem Tod deutlich werden lässt. Deine Bewohner haben alle diesen Weg vor sich- aber auch DU hast diesen Weg vor dir; das macht es so emotional. Wir Pflegekräfte kommen nicht umhin, uns jenseits von Fernsehen, gestellten Szenen mit dem Tod zu beschäftigten.

Das nächste ist ja: nicht nur Du gibst Deinen Bewohnern etwas, sondern die Bewohner auch Dir. Das wird dir künftig fehlen, von daher einfach auch die Trauer, dass etwas nicht mehr da sein wird, weil der Verursacher starb.

Die dummen Sprüche Deiner Kollegen hätten mich genau so gestört; irgendwo ist auch mal Tuck mit forschen Sätzen: du stirbst aber nicht, wenn ich Dienst hab........ naja, mehr Fettnapf geht ja fast nicht mehr.

Knöpfchen, es muss Dir vielleicht nicht aus dem Kopf gehen; vielleicht sollst Du Dich noch viele, viele Jahre an Deine erste Sterbebegleitung erinnern..... ich erinnere mich noch heute an meine erste und das ist gut so gewesen (jedenfalls für mich). Vielleicht musst Du nicht so sarkastisch werden, wie deine KOllegen, vielleicht schaffst du es, sensibel zu sein, zu bleiben und trotzdem nicht daran zu scheitern.....

Kopf hoch Knöpfchen; Deine verstorbene Bewohnerin würde Dir vielleicht quicklebendig verklickern, dass ihr nicht daran gelegen ist, wenn Du soo sehr traurig bist.

Gruß Doedl


Wir müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen wollen- Mahatma Gandhi

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AW: erste Sterbebegleitung

Beitrag von Katshke » Do 28. Feb 2013, 21:53

Ich hoffe sehr, dass auch ich einmal in den Armen eines Menschen sterben darf, dem ich nicht gleichgültig bin.

Du hast das richtig und gut gemacht. Weiter so!

Du darfst trauern, auf Deine Art. Was Du hier geschrieben hast, gehört dazu, vielleicht noch mehr Tränen, Du wirst das sehen. Und Du wirst spüren, wenn die heftige Trauer vorbei ist. Dann kannst Du ruhig und mit Freude an die Verstorbene denken - und daran, dass Du sie gut auf ihrem Weg begleitet hast.

Jedenfalls bist Du nicht allein, es gibt in unserem Beruf sehr viele mitfühlendende und mitdenkende Kollegen, und wenn halt grad die anderen da waren - denen geht es schlechter als Dir, wenn sie nicht mehr fühlen können.
Da ist nämlich in ihnen etwas gestorben, was in Dir noch leben darf, hoffentlich für immer.


Wer den Himmel im Wasser betrachtet, findet Fische auf den Bäumen.

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Knöpfchen
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AW: erste Sterbebegleitung

Beitrag von Knöpfchen » Do 28. Feb 2013, 22:13

Hallo Doedl,

ich danke dir für deine Worte, sie trösten mich doch ein wenig und zeigen mir, dass mein Empfinden nicht ganz so unnormal ist, wie es mir vorkommt. Ich schäme mich auch nicht für die Tränen und die Trauer, bin nur so überrascht, dass es mich gleich so sehr überrollt.

Wir haben uns ja auch in der Schule sehr viel mit dem Thema beschäftigt, und doch blieben Tod und Sterben für mich immer so ein wenig abstrakt. Nun ist es für mich etwas Reales, etwas Greifbares geworden. Komischerweise hatte ich keine Checkliste im Kopf, nach dem Motto, jetzt muss ich das und das und dann das machen, ich hab einfach nur gefühlt und aus dem Bauch heraus gehandelt.

In der Schule haben sie auch gesagt, jede Pflegekraft muss ihren Weg finden, von ihren Bewohnern Abschied zu nehmen und gleichzeitig doch nicht zu vergessen, und dass manche so eine Art Ritual entwickeln. Mir ist da auch schon eine Idee gekommen, wie ich das umsetzen könnte.

Du hast recht, sie war immer ein sehr fröhlicher und sehr zufriedener Mensch, sie würde nicht wollen, dass ich so traurig bin. So werde ich versuchen, in der Nacht ein bischen mehr zur Ruhe zu kommen, und morgen ist ein neuer Tag.

@ Katshke:

es gibt so viele Situationen, in denen ich denke, nein, ich möchte niemals so werden wie Kollege xy, und dann denke ich, vielleicht haben sie sich das auch mal vorgenommen und es ist ihnen nicht gelungen? Nicht mehr fühlen können ist schlimm, aber ich hab manchnal Angst, dass zu viel fühlen auch nicht gut ist, und tue mich schwer, da einen gesunden Mittelweg zu finden. :( Ich bin ja leider schon immer sehr nah am Wasser gebaut, das nervt mich schon manchmal.

Ja, ich war bei ihr und habe sie begleitet auf dem letzten Stück Lebensweg, bin dem nicht aus dem Weg gegangen, und in der Hinsicht bin ich schon auch ein bischen stolz auf mich, dass ich mich dem gestellt habe.

So werde ich versuchen, in der Nacht ein bischen mehr zur Ruhe zu kommen, und morgen ist ein neuer Tag.

LG Knöpfchen

P.S. warum nur ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod eigentlich soo schwer, selbst wenn man Rückhalt durch die Religion hat? :confused:



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johannes
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Beitrag von johannes » Fr 1. Mär 2013, 09:21

Hallo, Knöpfchen,

Dein Umgang mit dieser Bewohnerin war richtig! Kümmere Dich nicht um das, was die anderen sagen. Nicht jeder ist bereit, sich auf Nähe einzulassen, so wie Du es getan hast. Es war gut, daß ausgerechnet Du in den letzten Stunden und Minuten bei dieser Bewohnerin warst.

Wenn Dir die Tränen kamen, ist das völlig normal. Jeder Abschied ist mit Schmerz verbunden. Das kenne ich auch von mir. Niemand braucht sich seiner Tränen zu schämen, erst recht nicht in einer solchen Situation. Tränen sind sogar sehr gut. Sie lösen den Schmerz und spülen die Bitterkeit, die ein solches Ereignis wegen der eigenen Hilflosigkeit mit sich bringt, hinweg. Damit kannst Du anschließend wieder freier atmen.

Schämen müßten sich Deine Kollegen, aber das wird ihnen wohl überhaupt nicht klar sein. Leider haben heute schon sehr viele ihr Herz verloren und wissen gar nicht mehr, was es bedeutet, mit-zu-leiden, also Mitleid zu haben. Mechanisches Arbeiten und Distanz haben nach meiner Überzeugung nicht mit Professionalität zu tun.

Gute Altenpflege bringt es mit sich, daß diese Menschen Dir ans Herz wachsen. Vor allem, wenn Du Nähe zulässt. Nur eiskalte Menschen halten das für eine Schwäche. Schließlich sitzt Du nicht am Fließband und hast mit Schrauben oder Ähnlichem zu tun, sondern mit Menschen! Bewahre Dir Deine Haltung und Du wirst immer wieder in den Spiegel schauen können.

Du fragst, womit Du den Kopf wieder frei bekommen kannst. Das Wichtigste führst Du selbst an - Deinen Glauben. Die Auseinandersetzung mit dem Tod - auch dem Eigenen - ist so schwer, weil er tatsächlich der gravierendste Eingriff ins Leben ist. Weil wir auch keine Mittel haben, ihn zu verhindern.

Der große Apostel Paulus sagte jenen in Thessaloniki:
Ihr sollt nicht trauern wie die Menschen, denen die Hoffnung auf das ewige Leben fehlt.
14 Wir glauben doch, dass Jesus gestorben und auferstanden ist. Darum vertrauen wir auch darauf, dass Gott alle, die im Glauben an Jesus Christus gestorben sind, auferwecken wird. Wenn er kommt, werden sie dabei sein.
15 Denn das hat uns der Herr ganz gewiss zugesagt: Wir, die beim Kommen des Herrn noch am Leben sind, werden gegenüber den Toten nichts voraushaben.
16 Auf den Befehl Gottes werden die Stimme des höchsten Engels und der Schall der Posaune ertönen, und Christus, der Herr, wird vom Himmel herabkommen. Als Erste werden die auferstehen, die im Glauben an Christus gestorben sind.
17 Dann werden wir, die wir zu diesem Zeitpunkt noch leben, mit ihnen zusammen unserem Herrn auf Wolken entgegengeführt, um ihm zu begegnen. So werden wir für immer bei ihm sein.
18 Tröstet euch also gegenseitig mit dieser Hoffnung. (1. Thess.4,13-18 )
Du mußt es Dir nur immer wieder vor Augen führen, daß die Zusagen Gottes auch für Dich gelten. Daraus schöpfst Du die nötige Kraft. Ich kann Dir versichern, bisher hat Gott noch alle seine Zusagen eingehalten - im Gegensatz zu uns Menschen.

Auch wenn es unmodern geworden ist, sich an Gott zu wenden - er ist so modern, auch heute noch für uns da zu sein - auch für Dich.

Du machst Deine Arbeit anders, als Deine Kollegen. Ich kann Dir nur raten, bleib so, wie Du bist. Egal, was die anderen Dir sagen. Du wirst auf längere Sicht zufriedener sein mit Deiner Arbeit. Ich wünsche Dir viel Kraft und Vertrauen.


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Beitrag von Knöpfchen » Fr 1. Mär 2013, 16:43

Hallo Johannes,

auch dir möchte ich für deine Worte danken. Es ist schön, dass es wenigstens hier mitfühlende Pflegekräfte gibt, die auch immer ein offenes Ohr haben!

Mit geht es mittlerweile auch ein wenig besser, gerade weil ich von euch die Bestätigung bekomme, dass nicht ICH diejenige bin, die auf dem Holzweg ist, und weil ihr mich darin bestärkt, mir mein Mitgefühl zu bewahren. Ich wünsche mir sehr, dass ich immer jedem Bewohner einen würdigen Tod ermöglichen kann und das alles für mich nie einfach nur noch zur Routine wird.

Vorhin nach dem Frühdienst habe ich mich noch mit einem Mitschüler auf einen Kaffee getrofffen und mit ihm über alles gesprochen, es hilft einfach ungemein, wenn man seine Worte loswerden kann und nicht alles mit sich allein ausmachen muss.

Es ist nach wie vor ein sehr ungewohntes Bild, das nun leerstehende Bett der Dame zu sehen. Um so mehr freue ich mich, dass auf dem Schränkchen im Flur ein Foto von ihr steht und rechts und links je eine brennende (naja elektrische) Kerze. Das wird stehen bleiben, bis zum Tag nach der Beerdigung. Dieses kleine Ritual hat vor langer Zeit eine der Nachtwachen eingeführt, damit für die Seele der Weg in die Ewigkeit erleuchtet ist. Das ist so eine liebe Geste, und auch die anderen Bewohner schätzen das sehr, halten im Vorbeigehen oft einen Moment inne und schauen auf das Foto. Das ermöglicht auch ihnen, Abschied zu nehmen, denn im Gegensatz zu manch anderen Häusern ist es bei uns nicht üblich, dass sich die Bewohner von den Verstorbenen verabschieden können, bevor sie vom Wohnbereich abgeholt werden.

In der Ausbildung ist Religion nur ein kleines Nebenfach, und manche, die sich im Unterricht abfällig darüber geäußert haben, haben später unter vier Augen zugegeben, dass sie sehr wohl gläubig sind und es ihnen wichtig ist, sie sich aber nicht lächerlich machen wollten und daher nicht dazu stehen mögen. Wenn ich mir nun überlege, was passiert, wenn die alten Menschen, bei denen Religion ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens war, auf eine Pflegekraft trifft, die ihren Glauben verleugnet, sich vielleicht noch lustig macht - ich glaube, die beiden bringen sich um viele Gesprächsmöglichkeiten.

Aber ich möchte jetzt hier keine Diskussion darüber anzetteln, sondern das nur mal so am Rande erwähnen. Mir geht halt diesbezüglich im Moment viel durch den Kopf... Aber zumindest ist die größte Traurigkeit vorbei, und das erleichtert mich auch.

LG Knöpfchen



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Beitrag von johannes » Fr 1. Mär 2013, 17:26

Hallo Knöpfchen,

wenn Du magst, kannst Du ja mal etwas aus meiner Feder lesen, das im Zusammenhang mit dem Sterben unserer Bewohner entstanden ist.

http://www.altenpflege-heute.com/willko ... edskultur/

Vielleicht gibt es dabei ja etwas, das Dir auch in der Zukunft weiterhilft.


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Beitrag von Knöpfchen » Fr 1. Mär 2013, 17:49

Danke Johannes, du hast eine PN.

LG



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Beitrag von johannes » Di 12. Mär 2013, 06:06

Hallo Knöpfchen,

was ist aus Dir geworden ... man hört nichts mehr von Dir


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Beitrag von Knöpfchen » Di 12. Mär 2013, 23:17

Ich hatte die letzten Tage so viel um die Ohren, weil ich so viel ausarbeiten musste für heute, da hatte ich nämlich die letzte Sichtstunde vor den Abschlussprüfungen (Gott sei Dank mit einer guten 2 überstanden!) und, zusätzlich zum tagelangen geteilten Dienst (viele kranke Kollegen) für 2 Bewohner die Mappe ausarbeiten musste, weil die erste Bewohnerin ins Krankenhaus kam und der Termin nicht verschoben werden konnte und ich daher dann das Gleiche nochmal für eine zweite Bewohnerin machen musste.

Aber ich will mich nicht beklagen, es hatte einen Lerneffekt, weil mir Pflegeplanungen nämlich mittlerweile immer leichter von der Hand gehen und der Gedanke "Oh nein, zur praktischen Prüfung nur 3 Tage für eine komplette Pflegeplanung, wie soll das gehen?" nicht mehr ganz so viel Angst macht.

Jedenfalls, langer Rede kurzer Sinn: daher musste ich mich leider sehr rar machen in den letzten Tagen.

LG und noch einen schönen Abend,

Knöpfchen



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Beitrag von johannes » Mi 13. Mär 2013, 00:05

Das ist natürlich vorrangig. Gratulation für die zwei und viel Erfolg für den Rest der Prüfung.


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Beitrag von Knöpfchen » Mi 13. Mär 2013, 15:09

Dankeschön!



andrea
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Beitrag von andrea » Fr 15. Mär 2013, 22:48

Hallo Knöpfchen,
auch ich wünsche dir ganz viel Erfolg.............det wird schon und gratuliere zur supi Note.
:wine :yo


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