Pflegefachkraft ist seit über 5 Jahren WBL, ohne Schulung

Pflege- und Sozialrecht.
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JackyRiedel
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Pflegefachkraft ist seit über 5 Jahren WBL, ohne Schulung

Beitrag von JackyRiedel » Mo 9. Apr 2018, 20:53

Hallo ihr Lieben,

Ich möchte euch erklären, was 'mein' Problem ist und hoffe, dass ich hier auf Antworten stoße.. Habe mich bereits im Internet informiert, genaue Rechtsgrundlagen finde ich dazu aber nicht. Auch meine Lehrer konnten mir nicht weiterhelfen. Sie sagten nur, dass dies nicht zulässig ist.

Ich bin seit 8 Jahren in der Altenpflege tätig, zunächst als Pflegehelferin und habe mittlerweile eine abgeschlossene Berufausbildung zur Altenpflegerin absolviert.
Unser Wohnbereich wird seit 5 Jahren von einer Altenpflegefachkraft geführt, die keine Schulung zur WBL/PDL absolviert hat. Ich weiß mittlerweile, dass es zulässig ist, den Posten so zu besetzen, jedoch mit der Aussicht, in den nächsten (1-2) Jahren eine solche Schulung zu durchlaufen.
Meine Vorgesetzte sollte die Schulung zur WBL bereits dreimal antreten, dies war auch so von der Einrichtungsleitung geplant. Aufgrund von Krankheit und Mutterkindkur ist es aber bisher nicht dazu gekommen. Komischerweise war dies immer kurz vor dem Antritt der Schulung.
Im persönlichen Gespräch mit ihr, sagte sie mir, dass sie auf die Schulung keine Lust und auch Bedenken hat, ob sie dies überhaupt schafft. Viele elementare Aufgaben, wie z.B. die Dienstplangestaltung übernimmt seit Jahren die stellvertretretende WBL, da sie es, ganz einfach und ehrlich gesagt, nicht hinbekommt, den Dienstplan nach rechtlichen Vorgaben fertigzustellen.
Des Weiteren ruft sie regelmäßig bei der Stellv. WBL an, um nachzufragen, wie irgendetwas funktioniert oder gehandhabt wird. Sie hat keinerlei Empathie ihren untergeordneten Mitarbeitern gegenüber und sieht nicht, was diese alles leisten müssen, wenn sie mit im Dienst ist. Sie zieht über diese her, sitzt selbst bei starker Unterbesetzung und an Feiertagen nach der Grundpflege im Büro, sodass Azubi und Zeitarbeitskraft alleine 27 BW versorgen müssen. Dabei sind eigentlich 4 PK zu planen (aufgrund von Unterbesetzung nicht möglich).
Zudem meldet sie sich regelmäßig kurzfristig und über lange Zeit krank, holt ihre Kollegen ständig aus dem Frei rein, wenn wieder einmal jemand krank ist, ruft dann oft um 8 Uhr an, obwohl derjenige Nachtdienst hatte, denkt aber nicht daran, selbst mal einzuspringen, nicht mal für ein paar Stunden. Sie ist in den ganzen Jahren nur 2x eingesprungen, hat 3 freie Wochenenden im Monat, verlangt aber von ihren Mitarbeitern, dass sie 7 Tage gehen, 1 Tag frei reicht, dann wieder 7 Tage etc. und möchte nicht angerufen werden, wenn sie frei hat oder wenn es Probleme gibt. Wenn sich jemand beschwert, sagt sie, dass die Bereitschaft zum Einspringen da sein muss und dass es keinen anderen gibt!
Ich richte mich an euch, weil ich und viele meiner Kollegen schon lange darunter leiden.. Jedem graut es vor den Diensten mit ihr als leitende Fachkraft, da es einfach nicht zu schaffen ist und man körperlich doppelt so hart arbeiten muss als wenn andere Fachkräfte diensthabend sind. Als ich noch Azubi war, musste ich auch die Medikamentengabe und das Spritzen sowie Wundverbände für sie übernehmen - zusätzlich zum restlichen Pflegealltag.
Es gab Beschwerden bei der Leitung aber da meine WBL alles tut um es der Leitung rechtzumachen, sich nie über die Missstände beschwert und die Dokumente stimmen, hat sich nichts getan, außer, dass für dieses Jahr wieder eine Schulung geplant wurde, welche aber aufgrund von Kur wieder nicht angetreten wird.

Es ist nicht so, dass ich ihr den Posten nicht gönne, im Gegenteil - jede Fachkraft, die motiviert ist, eine gute und kompetente WBL zu sein, würde ich herzlichst willkommen heißen aber ich finde es einfach nicht fair, nicht mehr schaffbar und unglaublich unverschämt ihren untergeordneten Mitarbeitern gegenüber.

Wie ihr sicher merkt, bin ich sehr verzweifelt und hoffe, dass sich jemand mit den Rechten und der Zulässigkeit auskennt und mir weiterhelfen kann...

Ich bedanke mich sehr fürs Durchlesen und freue mich, falls jemand einen Rat weiß...

Viele Grüße,
Jacky



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agidog
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Re: Pflegefachkraft ist seit über 5 Jahren WBL, ohne Schulung

Beitrag von agidog » Di 10. Apr 2018, 07:29

Es gibt immer zwei Seiten:

Die eine, die ungesetzliche Dinge anordnet, die andere, die dann auch springen, weil ... ???

Warum tut ihr das, wenn ihr doch genau wisst, dass es ungesetzlich ist?
Warum geht ihr im Frei ans Telefon?


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Siery
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Re: Pflegefachkraft ist seit über 5 Jahren WBL, ohne Schulung

Beitrag von Siery » Di 17. Apr 2018, 09:28

Die Folgen dieser Handlung könnte sich durch Krankheit bemerkbar machen. Wenn sich da mal so einige Kollegen zusammenschließen würden, würde die WBL in Not kommen. Überlastung darf nicht unterschätzt werden. Irgendwann sollte dann auch die PDL sich Fragen stellen. Leider ist es so dass die "Führungen" nur diese Sprache verstehen.
Und die stellv. WBL sollte mal das Telefon beiseite legen. Ihr solltet der WBL auf diese Weise zeigen dass sie auf EUCH angewiesen ist.

Es gibt IMMER einen der tut, und einen der lässt.


Der Mensch ist die größte Naturkatastrophe aller Zeiten

thomas09
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Re: Pflegefachkraft ist seit über 5 Jahren WBL, ohne Schulung

Beitrag von thomas09 » Di 17. Apr 2018, 10:06

@jacky:
Sie sagten nur, dass dies nicht zulässig ist.
Dann ist das ein Armutszeugnis für deine Lehrer, denn für einen Lehrer und für jede sonstige Fachkraft auch, sollte es selbstverständlich sein seine Behauptungen belegen zu können.

Mir scheint du solltest ein paar Dinge für dich klar bekommen und auseinanderhalten.
Rechtlich:
Ich kenne keine gesetzliche Bestimmung, dass für eine WBL oder SL ein bestimmte Ausb. vorschreiben würde.

Was nützt dir diese Info ob das erlaubt wäre oder nicht, auch und vor allem in Hinsicht auf deine/eure Situation?
Willst du dann deinen AG anzeigen, wenn es so wäre?
Ändert aber die Arbeitssituation nicht, zumindest nicht kurzfristig.

Veränderungen beginnen bei einem Selbst.
Was mache ich mit und warum?
Was bin ich nicht mehr bereit mitzumachen?
Bekommen wir genügend Leute zusammen, dass wir durch "stillen" Protest etwas Ändern könnten
nicht mehr ans Telefon gehen in der Freizeit, zumindest seltener oder nein Sagen
weniger Einspringen
auch mal den Diensttausch verweigern z.B. von F auf S weils brennt etc.

Irgendwann komme ich schließlich zu der Frage - Versuche ich es bei einem anderen AG, oder kann ich damit Leben?
Dann muss ich aber auch damit Leben können und nicht frustriert den ganzen Tag über Station laufen.



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