Fehlertoleranz

Forum für Opfer von Mobbing und Gewalt in der Pflege (und natürlich auch anderen Branchen), Burn-Out und andere psychische Belastungen
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Skjaldar
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Beitrag von Skjaldar » Di 10. Mär 2015, 15:26

Hallo zusammen,

Ich habe den Themenbereich Mobbing ausgesucht weil ich denke das es das am besten trifft, oder potentiell treffen kann.

Es geht um die vielen kleinen Aufgaben die man in der Pflege so hat.

Sei es das auffüllen von Handtüchern/Waschlappen und Inko Material in die Bewohnerzimmer, das zerlegen von Kartons, 1 von 8 anrufen in Praxen usw vergessen bzw. zeitlich nicht geschafft usw.

Solch "kleinigkeiten", die keine direkte Relevanz haben, sondern maximal "ärgerlich" sind, wenn überhaupt.

Wie wird bei euch damit umgegangen. Ist dies direkt ein Grund denjenigen der es mal vergessen hat "anzufahren", oder wird es dann einfach wortlos von der nächsten Schicht nachgeholt?

Bei uns ist es derzeit so, dass daraus ein Staatsakt gemacht wird, aber nur von der Stationsleitung. Man kann 20 Sachen am Tag erledigt haben, die Zeitaufwendig waren, wurde vergessen ein Karton zu zerkleinern und in den dafür vorgesehenen Behälter zu geben, ist der "Tag gelaufen" ;)

Wie ist das bei euch?

LG

Skjaldar



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doedl
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Beitrag von doedl » Di 10. Mär 2015, 16:17

Vielleicht ist das einfach ein Zeichen, dass Euer Team an einem Punkt angelangt ist, wo die Maximalbelastbarkeit erreicht ist. Oder aber die Stationsleitung hat diesen Punkt ohne Euch erreicht- wer weiß.

Versuche ein offenes Gespräch anzuregen

Gruß Doedl


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Skjaldar
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Beitrag von Skjaldar » Di 10. Mär 2015, 16:25

Gespräche im Team bringen etwas, wir sind uns da auch geschlossen einig dass, wenn solche Kleinigkeiten nicht gehäuft auftreten passieren können und kein Ärgernis sind.

Unsere Stationsleitung ist da leider nicht zu erreichen.

Sie zuckt mit den Schultern, und dann ist das eben so. Fehler machen immer andere, macht sie welche, liegt es auch an den Anderen, Punkt. In ihrem Denken ist sie da umunstößlich.

Ich habe mir da schon ein dickes Fell angeeignet, weiß wenn ich mal etwas vergesse, weiß aber auch was ich geleistet habe! ;)

Dennoch ärgerlich das sich dann an solchen Kleinigkeiten aufgezogen wird.

Ich lasse mich auf diesen Kindergarten nicht ein, sonst könnte ich genauso aufzählen was andere nicht tun. Bringt ja nichts ;)

LG



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Elfriede
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Beitrag von Elfriede » Di 10. Mär 2015, 20:44

Da heule ich gleich mal mit !

Unsere (PD)Leitung ist genauso gestrickt.
An ihren Patzern ist immer jemand anders schuld.
^Der Computer, der nicht richtig abspeichert.
^Der Kollege, der eine Info nicht korrekt weitergibt.
^Und wenn alle Stricke reissen, bin ich halt schuld.
Das ist nun mal das Los einer stellv.

Aber was mir wirklich gegen den Strich geht, ist, dass
Chef, Kollegen und Patienten früher über meine
tatsächlichen oder delegierten Fehlleistungen
informiert werden als Frieda


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Benjo
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Beitrag von Benjo » Fr 19. Jun 2015, 02:09

Hallo Zusammen,

bei uns auf der Station herrscht aktuell Personalmangel, arbeiten nur noch mit 50% der zu besetzenden Stellen, nun beginnen auch einige Kollegen aus dem Team aus jeder kleinen Mücke (wie mal einen vergessenen Müllbeutel) einen Elefanten zu machen.

Definitiv ein deutliches Anzeichen der Mehrarbeit die nun auf uns alle zugekommen ist, daher führen wir aktuell regelmäßige Teamsitzungen durch um miteinander anstatt übereinander zu reden, dabei gibt es Kaffee und Kuchen und das ganze wird relativ locker abgehalten (also die Teamsitzung) hier und da auch mal ein kleiner Scherz, einfach um die Stimmung zu lockern, Streitigkeiten werden gleich im Team besprochen und nach Lösungen gesucht um mögliche Eskalationen zu vermeiden (Klappt in 99% der Fälle).

Zwischendurch wenn auch das Interesse im Team besteht unternehmen wir externe Unternehmungen im Rahmen von Team Building, gehen ins Kino etc. das wird von den meisten Teamkollegen auch gerne angenommen, bringt eine Menge Spaß und lenkt vom eigentlichen Stationsalltag massiv ab.

Bei Hospitanten kommt das auch gut an und diese fühlen sich laut eigener Aussage gleich recht wohl bei uns, so konnten wir schon wieder zwei neue Kollegen zum 01. Juli für uns gewinnen, damit sinkt auch wieder die Arbeitsbelastung im gesamten Team.

Also es geht auch anders :)


Viele Grüße
Benjo
Zuletzt geändert von Benjo am Fr 19. Jun 2015, 02:16, insgesamt 1-mal geändert.


Mich kann man dürcken und ausführen denn ich bin ein Altenpfleger.exe :D

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Beitrag von Skjaldar » Fr 3. Jul 2015, 01:05

Das ist toll, dass das bei Euch so gut klappt! :)

Bei uns wird dies dann ausdiskutiert, und als "Fehler" einfach stehen gelassen!

Stressiger Montag, Handtücher in 3 Bew. Zimmer vergessen, Folgeschicht muss unnötige Wege laufen.

Das ist dann das Resultat, dass man dafür viel in der Schicht geleistet hat, viel Stress hatte wird nicht akzeptiert, die Handtücher mussten aufgefüllt sein.

Das war nur ein Beispiel, kein derzeit aktuelles.


Spreche ich es an, wird es wie o.g. zu Tode diskutiert, vergessen diejenigen dies, die dies immer bemängeln, kann das eben mal passieren - eigene Aussage.

Was soll man da noch tun? Dickes Fell!



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Elfriede
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Beitrag von Elfriede » Fr 3. Jul 2015, 20:17

Der Geldbeutel ist -bekanntermassen- die empfindlichste Stelle des Menschen.

Richtet doch eine "Schlamp-Kasse" ein :
Für jede verschlampte Leistung wird ein -zuvor festgelegter-
Geldbetrag fällig. Die Verwendung des Endbetrages dient, aber bitteschön,
nicht der betrieblichen Festivität, sondern (z.B.) für "Brot für die Welt" oder
für die Busfahrkarte des bedürftigen Azubis.


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stormrider
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Beitrag von stormrider » Sa 4. Jul 2015, 11:10

[quote=""Elfriede""]Richtet doch eine "Schlamp-Kasse" ein :
Für jede verschlampte Leistung wird ein -zuvor festgelegter-
Geldbetrag fällig. Die Verwendung des Endbetrages dient, aber bitteschön,
nicht der betrieblichen Festivität, sondern (z.B.) für "Brot für die Welt" oder
für die Busfahrkarte des bedürftigen Azubis.[/quote]
Und was soll das bringen? Erzeugt doch nur noch mehr Druck. Druckentlastung ist hier sinnvoll. Je mehr Druck besteht, desto höher wird die Fehlerquote.

Ich würde mich glatt weigern bei solchen Aktionen, denn sowas brauche ich sicher nicht.



resigniert
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Beitrag von resigniert » Sa 4. Jul 2015, 19:25

[quote=""stormrider""]
Elfriede;176766 hat geschrieben:Richtet doch eine "Schlamp-Kasse" ein :
Für jede verschlampte Leistung wird ein -zuvor festgelegter-
Geldbetrag fällig. Die Verwendung des Endbetrages dient, aber bitteschön,
nicht der betrieblichen Festivität, sondern (z.B.) für "Brot für die Welt" oder
für die Busfahrkarte des bedürftigen Azubis.
Und was soll das bringen? Erzeugt doch nur noch mehr Druck. Druckentlastung ist hier sinnvoll. Je mehr Druck besteht, desto höher wird die Fehlerquote.

Ich würde mich glatt weigern bei solchen Aktionen, denn sowas brauche ich sicher nicht.[/QUOTE]

Danke



Schwester Maria
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Beitrag von Schwester Maria » Fr 25. Sep 2015, 08:10

Ich habe schon mal gehört, dass manche Träger für eine vermeindliche Fehlleistung Überstunden abziehen zur Strafe. Inmeinen Augen ist das sittenwidrig. Die verdienen dann ja noch an Fehlern.



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doedl
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Beitrag von doedl » Fr 25. Sep 2015, 08:49

Das wäre nicht nur sittenwidrig, sondern auch jenseits des Arbeitsrechtes.

Gruß Doedl


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Beitrag von stormrider » Fr 25. Sep 2015, 09:22

[quote=""Schwester Maria""]Ich habe schon mal gehört, dass manche Träger für eine vermeindliche Fehlleistung Überstunden abziehen zur Strafe. Inmeinen Augen ist das sittenwidrig. Die verdienen dann ja noch an Fehlern.[/quote]
Man kann sich wehren und hat das Recht auf seiner Seite.



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Beitrag von Elfriede » Fr 25. Sep 2015, 21:00

Man kann sich wehren und hat das Recht auf seiner Seite.
Oder die Flucht ergreifen. Wenn ein Träger zu solchen Mitteln greift, möchte ich seine "Unternehmenskultur" doch lieber nicht näher kennenlernen.http://forum.pflegenetz.net/images/smilies/music.gif


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Beitrag von stormrider » Sa 26. Sep 2015, 10:16

[quote=""Elfriede""]
Man kann sich wehren und hat das Recht auf seiner Seite.
Oder die Flucht ergreifen. Wenn ein Träger zu solchen Mitteln greift, möchte ich seine "Unternehmenskultur" doch lieber nicht näher kennenlernen.http://forum.pflegenetz.net/images/smilies/music.gif[/quote]
Problem heutzutage ist aber, dass solche Mittel immer mehr um sich greifen. Man wäre also sehr häufig auf der Flucht.
Ich denke wehren ist deutlich besser. Flüchten kann man immer noch. Je mehr Gegenwind die AG spüren, desto eher lernen sie, dass man auch mal auf das Personal eingehen kann.

Ich verstehe die Angst und das Duckmäusertum in der Pflege überhaupt nicht. Haben wir Pflegefachkräfte doch garnicht nötig. Mal ein wenig an der Persönlihckeitsbildung abreiten würde mancher Pflegekraft gut tun. Dann klappt es auch mit dem sich wehren.

Ich mache das schon seit mehr als 10 Jahren und habe nur gute Erfahrung gemacht. Man sollte natürlich konstruktiv vorgehen.



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Beitrag von Schwester Maria » Sa 26. Sep 2015, 15:30

Sich konstruktiv wehren,das haben schon viele versucht, nicht nur um sich selber ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen, sondern auch im Rahmen der so viel zitierten und hochgelobten "Partizipation". Nicht "wir arbeiten bei einer Firma", sondern "wir sind die Firma"! Daher wurden eklatante Mißstände vom Personal "firmenintern" angesprochen, im größeren Rahmen konstruktiv diskutiert, und dann wurden alle einzeln "rausgemobbt". Wer an seinem Persönlichkeitsaufbau gearbeitet hat und ein entsprechendes Selbstbewußtsein an den Tag legte, gepaart mit Fachwissen, war als erster dran. Selbstbewußte Mitarbeiter sind leider bei "manchen" Arbeitgebern in der Pflege gar nicht erwünscht, sondern was man gerne sieht, sind "Erfüllungsgehilfen"



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Beitrag von stormrider » Sa 26. Sep 2015, 19:50

Rausmobben wird aber auch schwierig wenn jemand genug Selbstbewußtsein hat. Da gibt es schon etliche Strategien sich dem Mobbing zu entziehen.

Ich habe in meiner Berufslaufbahn gelernt, dass eben nicht jeder Arbeitgeber macht was er will, sondern nur austestet, wie weit er gehen kann. In Anbetracht der Personalknappheit wird heutzutage nicht mehr so schnell entlassen und erst recht nicht, wenn der AG weiß, dass die übrig gebliebenen nicht mehr Überstunden am Fließband machen.



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Beitrag von Schwester Maria » Mo 28. Sep 2015, 14:44

was ich geschrieben habe, ist auch schon 7 Jahre her, ich glaube auch, dass die Zeiten sich mitlerweile etwas geändert haben



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Beitrag von KerstinKathrin1978 » Do 22. Okt 2015, 18:45

[quote=""Skjaldar""]
Spreche ich es an, wird es wie o.g. zu Tode diskutiert, vergessen diejenigen dies, die dies immer bemängeln, kann das eben mal passieren - eigene Aussage.
Was soll man da noch tun? Dickes Fell![/quote]

Kommt mir irgendwie bekannt vor. Bin erst seit ein paar Monaten in der Pflege, und anscheinend brauche ich noch ein wenig, bis ich ein dickes Fell habe. Aber das wird schon. Mir macht die Arbeit viel zu viel Spaß, um sie mir von seltsamen Leuten, die es bekanntermaßen überall gibt, vermiesen zu lassen.


Wir sind alle aus Sternenstaub gemacht.

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Beitrag von Skjaldar » Do 26. Nov 2015, 01:39

Gute Einstellung,. nur, nichts davon mit nach Hause nehmen, da sollte das Fell dick genug sein! ;)

Ich habe es bei mir gemerkt das ich unbewusst die Dinge in mich rein gefressen habe!

Was ich inzwischen für mich entwickelt habe als gangbarer Weg ist, dass ich mir merke, oder gar mal aufschreibe, wann die anderen etwas "Falsch" gemacht, oder vergessen haben!

Nicht um böse zu sein, sondern um zum einen selber zu merken wo ich stehe, in relation zu anderen MA, und, falls ich mal wieder von der Seite angeschnauzt werde ob meiner "fehler", ich eben kontern kann! Die eigene Nase...usw ;)



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