Noch mal Demenz

Bietet Pflegebedürftigen, Angehörigen, Mitarbeitern, ehrenamtlich Engagierten, Berufsbetreuern und allen die Zeuge von Verletzungen der Menschenwürde sind, die Möglichkeit darüber zu berichten sowie Rat und Unterstützung einzuholen. Positive Beispiele und Vorbildhaftes kann hier ebenfalls hervorgehoben werden.
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johannes
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Noch mal Demenz

Beitrag von johannes » Fr 10. Feb 2017, 12:20

Kann es sein, dass dieses Thema nur von einer Seite betrachtet werden darf? Für mich ist dieses Thema noch nicht beendet. Wenn resigniert nicht mehr mitdiskutieren möchte, ist es ihr doch freigestellt. Ich wurde privat angeschrieben, weil es offensichtlich doch noch Aspekte gibt, die der Diskussion würdig sind.

Hier wurde das Leistungsrecht mit eingeführt. Dieses betrache ich wohl als einen gesonderten Betrachtungsbereich, der durchaus bedeutend werden kann. Unter dem zu betrchtenden Aspekt aber in eine völlig andere Richtung führt. Für mich ist Leistungsrecht und Lebenssituation durchaus differenziert zu betrachten. Ich spreche daher den Kostenträgern gegenüber auch nicht von Demenz im Bereich Leistungsrecht (Kranken-, Pflegekassen), sondern von "eingeschränkter Alltagskompetenz", die ja viel mehr umfasst als die zunehmende Einschränkung der Hirnleistung.

Hier geht es doch um die Thematik Alterungserscheinung oder Krankheit. Ich denke, wir machen es uns zu einfach, wenn wir willkürlich bestimmte Jahresangaben zu Grunde legen, um zu sagen, es sei Krankheit oder Alterungserscheinung. Wenn ich das richtig sehe, geht es doch um biologische Vorgänge, die betrachtet werden sollten.

Es gab in der Vergangenheit eine grobe Faustregel, die besagte, dass in den ersten +/- 20 - 25 Jahren des Lebens der Zellaufbau beim Menschen größer ist als der Zellabbau (Voraussetzung für Wachstum), in den folgenden +/- 20 - 25 Jahren der Zellauf- und Zellabbau sich die Waage halten und danach ebenfalls +/- der Zellabbau schneller voranschreitet (Voraussetzung für den Alterungsprozess).

Hieraus kann abgeleitet werden, dass der Alterungsprozess durchaus bereits ab 45 - 50 Jahren beginnen kann, auch wenn er dann noch nicht so offensichtlich als Alterungsprozess zutage tritt und dementsprechend eingeordnet wird, wie in höherem Alter. Auch ist zu berücksichtigen, dass der Alterungsprozess immer individuell zu betrachten ist.

Während bei einem Menschen die körperlichen Merkmale im Vordergrund stehen, sind es bei einem anderen die geistigen Merkmale. Dennoch handelt es sich in solchen Fällen nicht um Krankheit, sondern tatsächlich um Alterungsprozesse mit mehr oder weniger Auffälligkeit. Krankheitsbedingte Ausfallerscheinungen sollen auf diesem Hintergrund völlig außer Acht bleiben, da deren Ursache in der Regel bekannt und nachvollziehbar ist.
Zuletzt geändert von johannes am Fr 10. Feb 2017, 12:25, insgesamt 1-mal geändert.


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AW: Noch mal Demenz

Beitrag von überflüssig » Fr 10. Feb 2017, 14:10

Altersvergesslichkeit oder Demenz...genau das ist die Frage. Das eine ist eine Krankheit...das Andere nicht.
Es steht (glaube ich) außer Frage, dass das Gehirn unseren Körper steuert und überleben lässt. Verändert sich hier etwas in die falsche Richtung bekommt der Betroffene Probleme.
Dabei macht es einen Unterschied, ob ich mal vergesse, wo ich den Schlüssel hingelegt habe, oder ob ich nicht mehr weiß, wer und wo ich bin.

Die Altersvergesslichkeit ohne Krankheitswert beinhaltet mehr oder minder stark ausgeprägte kognitive Einschränkungen, hervorgerufen durch den altersbedingten Abbau von Gehirnstrukturen. Dies muss nicht zwingend ein Hinweis auf eine beginnende Demenz sein, aber es kann. Geistiges Altern findet nicht plötzlich statt.

Bei der Demenz ist eine klare Progression der Vergesslichkeit zu beobachten.
Wenn selbst Merkhilfen und Notizzettel nicht mehr helfen, wenn Störungen im Denk- und Urteilsvermögen zu beobachten sind, wenn die Orientierung verloren geht usw., dann ist die Person nicht einfach nur ein bisschen tüddelig. Dann sprechen die Diagnostiker von einer Demenz, also von einer Erkrankung, die es dem Betroffenen, je nach Stadium, unmöglich machen kann ohne Pflege/Aufsicht zu leben.
Die sichere Diagnose wird unter Zuhilfenahme von CT, MRT, oder Liquoruntersuchung gestellt, um nur einige zu nennen. Im MRT sieht man beispielsweise schon sehr früh eine Temporallappenatrophie, die, wenn überhaupt, bei „nur“ Vergesslichkeit nicht so früh, bzw. so ausgeprägt zu sehen ist. Im Liquor finden sich Abbauprodukte vom Hirnnervenzellen, die dort einfach nicht hingehören.

Vor diesem Hintergrund möchte ich.... Zitat:“ krankheitsbedingte Ausfallerscheinungen“ nicht außer Acht lassen, jedenfalls nicht, wenn die, sich im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses stattfindende Altersvergesslichkeit.....einer Demenz gegenüber gestellt wird. Salopp formuliert sind das eine „Äpfel“ und das andere „Birnen“.

Natürlich gibt es auch Krankheiten, die eine Demenz „vortäuschen“, quasi „maskieren“ (Pseudodemenz)
VG überflüssig



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doedl
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AW: Noch mal Demenz

Beitrag von doedl » Mo 13. Feb 2017, 20:14

Du hast es auf den Punkt gebracht!!


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stormrider
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AW: Noch mal Demenz

Beitrag von stormrider » Di 14. Feb 2017, 11:17

überflüssig hat es perfekt formuliert.
abgesehen davon habe ich johannes nach Schließung des anderen Threads auch via PN geschrieben, dass es sehr gefährlich ist, eine Demenz nicht als Krankheit zu bezeichnen, weil dann die Krankenkassen durchaus auf die Idee kommen können, dass eine Demenz nicht in ihren Bereich fällt.



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