Fotos vom Intimbereich mit Smartphone

Bietet Pflegebedürftigen, Angehörigen, Mitarbeitern, ehrenamtlich Engagierten, Berufsbetreuern und allen die Zeuge von Verletzungen der Menschenwürde sind, die Möglichkeit darüber zu berichten sowie Rat und Unterstützung einzuholen. Positive Beispiele und Vorbildhaftes kann hier ebenfalls hervorgehoben werden.
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Gnap
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Fotos vom Intimbereich mit Smartphone

Beitrag von Gnap » Di 26. Apr 2016, 10:12

Guten Tag, mir ist letzte Woche etwas passiert womit ich nicht weiß wie ich damit umgehen soll.

Vorgeschichte:
Um die Geschichte kurz zu umreißen, der Intimbereich eines Bewohner war laut Aussage eines Kollegen mehrere Tage nicht gepflegt worden.

Da sich andere Kollegen und auch unter anderem ich dieses nicht vorstellen konnten, denn dieser Bewohner wurde von uns in der vergangenen Woche gepflegt, zückte die Person zur Übergabe ihr Smartphone und zeigte mehrere Bilder des Geschlechtsteils welches angeblich Tagelang nicht gewaschen worden sei.

Ja, sie hat recht, gepflegt sieht anders aus! Es war jedoch noch in einem Stadium welches ohne jegliche Gefährdung war.

Frage:
Jetzt liegt mir es total Schwer im Magen, dass wohl wie selbst verständlich von betreffender Person Fotos von Intimbereichen gemacht werden ohne das auch nur im geringsten die Privatsphäre des Bewohners beachtet wird.

Normal haben wir zum Fotos machen einen abgeschlossenen Apparat im BTM-Fach auf der Station liegen welcher ausschließlich zum dokumentieren für Wunden und dessen verlauf gedacht ist, hier für unterschreiben die Bewohner / Betreuer o.ä. bei Einzug sogar ein Papier damit wir dieses dürfen.

Der Beweggrund das der entsprechende Pflegende ein Foto mit seinem Smartphone gemacht hat ist leider auch sehr offensichtlich, da sich die ganze Geschichte an einem Wochenende abspielte war die Wohnbereichsleitung nicht zu gegen. Die beiden sind gut mit einander befreundet und es wäre nicht das erste mal das die Wohnbereichsleitung Fotos zeigt das z.B. über die Weihnachtsfeiertage keine Wäschesäcke abgeholt wurden ihre Aussage damals "Ich habe meine Augen und Ohren überall".

Wie soll ich mit der Situation umgehen?
- Der entsprechenden Person habe ich es schon gesagt, diese lachte nur und sagte ich lösche das bei Zeiten schon.

- Der Wohnbereichsleitung? Hier bin ich mir ziemlich sicher, dass diese ja eh schon Mitwisser ist.

- Der PDL? Wäre dann wohl der direkte Dienstweg...

- Dem Betreuer? Soll der sich doch Gedanken drum machen wie mit der Situation weiter umgegangen wird?

- Anzeige bei der Polizei?

- Oder doch einfach alles auf sich beruhen lassen und diese Person unter dem Deckmantel der WBL weiter machen lassen?

Stehe hier echt vor einem Rätsel welches mir seit ein paar Tagen Kopfzerbrechen macht.



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B-Tina :-)
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Beitrag von B-Tina :-) » So 1. Mai 2016, 14:41

Ach du Sch... :mad:

Aus meiner Sicht ist das ein klarer Verstoß gegen den Datenschutz und Grund für eine Abmahnung. Egal, aus welchem Grund das Foto gemacht wurde. So was geht gar nicht!

Abgesehen davon, dass private Handys während der Arbeitszeit m.E. ohnehin verboten sind. Ist demnach wohl nicht überall so.

Ich würde
1. Gedächtnisprotokoll schreiben
2. WBL ansprechen, und zwar unter Zeugen (die Kollegen, welchen dieses Foto mit präsentiert wurde)
3. das Gespräch protokollieren
4. wenn WBL keine Einsicht zeigt und keine Konsequenzen erfolgen: PDL um ein Gespräch bitten, wiederum mit Zeugen

5. last but not least wegen der mangelhaften Pflege ein Teamgespräch anregen, denn so was geht auch nicht.
Wenn wegen Zeitdruck ausnahmsweise mal einen Tag die Füße nicht gewaschen werden, mag das tolerabel sein; nicht jedoch ein ungepflegter Intimbereich.



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*Angie*
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AW: Fotos vom Intimbereich mit Smartphone

Beitrag von *Angie* » Mi 4. Mai 2016, 23:24

Sorry, aber ICH würde direkt zur PDL und Einrichtungsleitung gehen und dort um ein gemeinsames Gespräch bitten -
denn meines Erachtens geht SO ETWAS gar nicht!

Die Hinzuziehung von Zeugen halte ich für schwierig, da die meisten
in derartigen Situationen leider erfahrungsgemäß den Mund dann halten (so, wie Du, Gnap, ja auch im vorletzten Satz für Dich selbst überlegtest).

Diese pflegebedürftigen Menschen sind uns ANVERTRAUT, sie haben keine Lobby!
Wenn jeder die Klappe hält, dann macht dieses Vorgehen bald "Schule".

Ich möchte der Kollegin, die die Fotos wohl als Beweis gemacht hat, nichts Böses unterstellen. Dennoch zeigt die Situation deutlich, dass für derartige
"Dokumentation" wohl anderweitig bei euch keine klare Regelung besteht???
Und diese Situation zeigt deutlich, dass da eine klare REGELUNG her muss.

Ich bin ganz geschockt, wenn ich das lese, das jemand hier noch fragt, ob er das weitergeben soll.

Ich selbst bin Opfer schwersten Missbrauchs - und wenn ich so etwas lese, dann macht mir das tatsächlich Angst, was später mit mir wohl noch passieren wird, sollte ich Bewohnerin eines Pflegeheimes sein :(

Was würdest DU Dir denn wünschen, wenn Du besagte Bewohnerin wärest?

Dass jemand H I N T E R Dir steht und für sowas Abhilfe schafft???
Oder dass alle den Mund halten und morgen Fotos der Geschlechtsorgane wehrloser Menschen via whats app verschickt werden?

Es DARF überhaupt nicht sein, dass auch nur ein Bewohner mit einem privaten Handy einfach so fotografiert wird - egal ob angezogen oder nackt oder sonst wie.

UNFASSBAR!


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Beitrag von Sylph » Mi 8. Jun 2016, 18:26

Ich kenne auch so eine schlimme Geschichte. Eine Kollegin hatte im Spätdienst einen alten dementen bettlägerigen Mann eine bunte Strumpfhose angezogen damit ihr Kollege im Nachtdienst etwas zum Lachen hatte.
Das sind keine Ausnahmen leider, übrigens sollten privaten Handys während der Arbeitszeit verboten sein.



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*Angie*
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Beitrag von *Angie* » Di 14. Jun 2016, 14:45

Ich frage mich immer:
und was haben die restlichen Kollegen dann unternommen
gegen ein solches NoGo?

Hast Du zB etwas unternommen?

Oder regen sich die meisten Kollegen zwar auf, tragen aber solche Vorkommnisse dann doch stillschweigend mit?

Fragen über Fragen ...


» Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in einer Garage steht. « (Albert Schweitzer)

Sylph
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Beitrag von Sylph » Mi 15. Jun 2016, 16:35

Hallo Angie,

Ich war nicht dabei als das passiert ist. Die haben es mit Stolz erzählt und ich habe mich darüber empört und dies auch geäussert. Dann würde mir erzählt das es öfteres solche Aktionen gibt gegen die Langeweile.......

Ich habe mich mal beschwert über eine Köchin im gleichen Betrieb die eine demente wehrlose Frau die nur noch ihren Kopf bewegen konnte, im Gesicht angebrullt hat mit "Halt doch endlich mal die Klappe"
Erstens habe ich sie selbst auf ihr Verhalten angesprochen und sie war der Meinung das es irgendwann reicht und es daher eine normale Reaktion ist. Dann bin ich zur Cheffin gegangen weil ich der Meinung war das diese Köchin nichts gelernt hat aus unseren Gespräch, und habe über den Vorfall inklusive die Köchin ihre Reaktion mit ihr gesprochen. Am nächsten Tag sagte die Köchin mir, als wir uns im Flur trafen das ich jetzt fällig bin.....und fing sie an mit mobbing. Natürlich habe ich das auch wieder die Cheffin berichtet aber ich war alleine und Niemand der mich geholfen hat. Jetzt bin ich kein Weichei Angie und lasse mich nicht mobben aber irgendwann reicht es. Ich wollte nicht mit solche unterentwickelte Menschen weiter arbeiten und habe gekündigt. Diese Köchin war nicht ein Einzelfall, es waren und sind bestimmt noch immer viele Arbeitnehmer dort die sich genau so benehmen.
Da lag mal eine Frau im sterben und die Zimmertur war geöffnet und noch keine 5 Meter weiter im Flur stand das Radio laut an mit HipHopMusik. Das Radio würde immer um 6.30 Uhr Morgens angeschmissen weil es sich dan besser arbeiten lässt. Dan konntest du es ausschalten aber noch keine zwei Minuten später lief es wieder laut weiter. Ich war damals Dementenbetreuerin in diesem Heim und ein Kollege hat mal mitbekommen wie eine PFK eine demente Frau geduscht hat die dan auf den Duschstuhl ohne Pott Stuhlgang hatte und ihre Kleidung beschmutzte. Die PFK beschimpfte sie als schmutziges Schwein. Der Kollege hat sich beschwert bei der Cheffin aber nichts ist passiert.....Sowohl die Köchin als diese PFK arbeiten beiden noch dort.....

Ich arbeite jetzt schon über 10 Jahren in der Pflege, aber was ich hier Alles schon erlebt und gehört habe darüber kann ich ein Buch schreiben.
Ich komme ursprunglich nicht aus Deutschland habe in ein anderes Land meine Ausbildung als Pflegefachkraft gemacht und jeder der nicht mit kam dürfte die Ausbildung nicht weiter machen. Bei der Prüfung sind auch nicht Alle durchgekommen so wie in der Schule wo ich meine Ausbildung hier in Deustchland gemacht habe. Hier in Deutschland musste ich nochmals eine Ausbildung(Altenpflege) machen weil meine ja nicht annerkannt wird und es war zum heulen, so ein niedriges Nivo. Da wundert es mich nichts das es solche Idioten gibt und solche Exzessen in der Pflege.
Sorry, das musste ich mal los werden. Eins weis ich ganz genau, nie wieder zurück ins Altenheim. Da haben diese Idioten die Macht und jeder Bewohner der abhänglich ist von Anderen hat die A....karte.
Zuletzt geändert von Sylph am Mi 15. Jun 2016, 16:42, insgesamt 1-mal geändert.



Veggiemal
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Beitrag von Veggiemal » So 7. Aug 2016, 22:59

[quote=""*Angie*""]Ich frage mich immer:
und was haben die restlichen Kollegen dann unternommen
gegen ein solches NoGo?

Hast Du zB etwas unternommen?

Oder regen sich die meisten Kollegen zwar auf, tragen aber solche Vorkommnisse dann doch stillschweigend mit?

Fragen über Fragen ...[/quote]


Ich kenne auch so eine Situation. Da hat eine Pflegehelferin mit ihrem Smartphon ein intimes Photo gemacht und der Schichtleitung gezeigt, weil angeblich der Frühdienst unsauber gepflegt hat.

Das Thema ging zur WBL die sich enorm wegen der unsauberen Pflege aufregte aber weniger wegen dem Bild.
Die Pflege wird dann so angeprangert und nicht das anfertigen unerlaubter Bilder, dass man hier von einem verwaschen der Realität sprechen muss. Sowas ist einfach verboten und gehört angezeigt oder man geht zur Beschwerdestelle für Altenpflege in der jeweiligen Stadt. Die kümmern sich auch gerne darum.

Wenn ich mal im Heim leben muss, dann lehne ich intime Bilder von mir ab.



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Beitrag von silberfee47 » Mi 14. Sep 2016, 09:04

:confused: amb. dienst oder heim?

gerade bei einem dermassen heiklem Thema....
für mich gäbe es kein wenn und aber - PDL, HL gegebenenfalls anzeige bei der Polizei, wenn das nicht geklärt wird.


ich lebe mein leben in wachsenen ringen, die sich um die dinge ziehen - den letzten werde ich wohl nicht erringen - aber versuchen will ich ihn. MGorki

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Beitrag von Sylph » Mi 14. Sep 2016, 10:32

Oft haltet PDL oder HL die Hand über den Kopf vom Personal weil sonst erst richtig die Klärgrübe sich öffnet. Viel besser ist es gleich die Angehörigen zu informieren.

Dieses Benehmen, Bilder machen mit Smartphones von wehrlosen Heimbewohner/Patienten hat nicht nur zu tun mit Einbruch auf Intimsphäre es ist auch ein leider akzeptiertes Verhalten in unsere Gesellschaft immer und überall Bilder zu knipsen.

@Veggiemal: Dann hoffe ich du bist in der Lage dich dagegen zu wehren.


LG, Sylph



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Beitrag von Elfriede » Fr 21. Okt 2016, 22:30

Grundsätzlich :

Eine Fotodokumentation kann sinnvoll sein. (z.B. Wundversorgung)
Sie bedarf allerdings klarer Richtlinien.
Diese werden in einem Pflegestandard festgelegt (z.B. "mit welchem Gerät", "Einwilligung zur Speicherung und/oder der Weitergabe an den MDK oder die Kasse durch den Patienten oder seinen gesetzlichen Betreuer").
Verstösst ein Mitarbeiter gegen diesen Standard, sind arbeitsrechtliche Konsequenzen obligat.
Wenn ein solcher Standard nicht vorhanden ist, oder unzureichend implementiert wurde, ......
Zuletzt geändert von Elfriede am Fr 21. Okt 2016, 22:51, insgesamt 1-mal geändert.


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