Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Bietet Pflegebedürftigen, Angehörigen, Mitarbeitern, ehrenamtlich Engagierten, Berufsbetreuern und allen die Zeuge von Verletzungen der Menschenwürde sind, die Möglichkeit darüber zu berichten sowie Rat und Unterstützung einzuholen. Positive Beispiele und Vorbildhaftes kann hier ebenfalls hervorgehoben werden.
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johannes
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Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von johannes » So 29. Jan 2017, 13:36

Kann es sein, dass der Ansatz für diese Aussage nicht zutreffend ist? Kommen wir aus diesem Grunde nicht mit der Lebenswirklichkeit des Alters, die sich in dem äußert, was wir Demenz nennen, zurecht?

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass sich der Mensch spätestens im Alter in vielerlei Weise verändert. Ausschließlich in Richtung Verlust von Fähigkeiten.

Die Sehkraft nimmt ab und wir für eine gewisse Zeit durch eine Brille kompensiert.
Die Hörfähigkeit nimmt ab und wird für eine gewisse Zeit durch Hörgeräte kompensiert.
Die Gehfähigkeit nimmt ab und wird durch Gehstock, Rollator oder Rollstuhl kompensiert.
Das Herz will nicht mehr so richtig, die Leistungsfähigkeit nimmt ab und wird für eine gewisse Zeit durch Medikamente kompensiert.

Ja, auch die Leistungsfähigkeit des Gehirns nimmt ab und wird – durch nichts kompensiert.

All dies sind sichtbare Zeichen der Vergänglichkeit des Menschen. Wir beobachten, dass den verschiedenen Zeichen des Alters nicht die gleiche Tragik innewohnt, die man dem Verlust der Hirnleistung beimisst. Genauso wenig, wie die anderen bereits aufgezählten Zeichen des Alters, des Vergehens aufzuhalten sind, ist auch die Demenz aufzuhalten. Es wird aber offenkundig, wie hilflos der Mensch im Grunde ist.

Altern mit allen seinen Begleiterscheinungen ist für uns schwer zu ertragen. So drehen sich viele Diskussionen und Forschungen darum, dies alles in den Griff zu bekommen. Es will jedoch nicht gelingen.

Kann es sein, dass Demenz als Krankheit bezeichnet wird, um der Hilflosigkeit gegenüber dem Vergehen begegnen zu können? Schließlich birgt Krankheit ja die Möglichkeit der Heilung in sich.


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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von silberfee47 » So 29. Jan 2017, 15:30

darüber habe ich mir auch schon oft den kopf zerbrochen.... und als ich deine zeilen gelesen habe ist mir ein spruch aus meinem Poesiealbum eingefallen. damals fand ich den absolut idiotisch und hätte ihn am liebsten aus dem Album gerissen - im laufe der jahre denke ich viel und oft darüber nach....

Oh nutze der Jugend frohe stunden
sie wissen nichts von Wiederkehr
einmal entschlüpft - einmal entschwunden
zurück kehrt keine Jugend mehr.

je mehr ich darüber "sinniert" habe, je mehr ist mir klar geworden, das dieser spruch sogar heute noch im alter anwendbar ist. das im hier und heute leben. heute ist noch immer meine Jugend - morgen weiss ich nicht was ist...

vieles geht im alter einfach nicht mehr zu kompensieren. es ist wie es ist. ich mache das beste draus und das sollte jeder mensch versuchen.

zu deinem letzten satz möchte ich noch hinzufügen: ....die Heilung von sich selbst, von innen. Akzeptanz.


ich lebe mein leben in wachsenen ringen, die sich um die dinge ziehen - den letzten werde ich wohl nicht erringen - aber versuchen will ich ihn. MGorki

Thanos

AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von Thanos » So 29. Jan 2017, 16:29

Hallo,

heute geht man jadazu über bei der Demenz den Fokus weg vom Vergessen, hin zum Abbau der sozialen Kompetenzen zu legen. Ich persönlich finde dies gut. Ab einem bestimmten Zeitpunkt steht auch für die Betroffenen nicht mehr das Vergessen im Vordergrund, sondern der Umstand dass ihre Umwelt ständig mit ihnen aneckt. Und es gibt halt nun mal kein Gerät, kein Ding und auch keine Medikamente, die dies beheben oder ausgleichen können, das können in der Tat nur die Mitmenschen.
Und gerade die Mitmenschen sind bei einer Demenz wichtig, diese müssen die Krankheit akzeptieren und was sie so mit sich bringt. Auch, die eigene Hilflosigkeit (von Betroffenen und Mitmenschen).

Ich denke, dass Problem der Demenz ist immer noch, dass sie als Krankheit des Einzelnen gesehen wird. Die Demenz als Krankheit betrifft sicherlich eine Person primär, aber auch die Personen ringsrum. Auch diese bedürfen der Fürsorge. Bei einer Wunde betrachtet man ja auch das umgebende Gewebe, wieso nicht bei einer Demenz die Mitmenschen?



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*Angie*
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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von *Angie* » So 29. Jan 2017, 22:09

Danke Johannes. Ich bin schon lange Zeit der Ansicht, dass Demenz der tatsächliche altersbedingte natürliche Abbau der Merkfähigkeit ist-vieles andere resultiert daraus. Früher in meiner Kindheit war irgendwann fast jeder alte Mensch tüddelig und zunehmend vergesslich - war nicht mehr in der Lage, neues zu merken (wie zB Namen neuer Urenkel etc) .... Irgendwann wurde dann der Abbau der Merkfähigkeit in eine Diagnose verpackt und somit zu einer behandlungsbedürftigen Krankheit- und ist nun heute das Schreckgespenst der westlichen Welt. Lang lebe die Pharmaindustrie etc pp..... Hirnorganische Erkrankungen (Alzheimer) nehme ich hiervon mal aus. Aber wieso MUSS das Gehirn eines alternden Menschen tiptop und wie ganz junggeblieben funktionieren, während der Alterungsprozess des Rests des Körpers als sehr viel selbstverständlicher angenommen wird.......?
Zuletzt geändert von *Angie* am So 29. Jan 2017, 22:15, insgesamt 1-mal geändert.


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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von stormrider » So 29. Jan 2017, 22:54

Ich verstehe unter Demenz nicht den normalen altersbedingten Abbau der Merkfähigkeit. Nahezu jeder wird mit dem Alterungsprozess vergeßlicher.

Eine Demenz ist für mich wesentlich komplexer, nicht einfach nur Vergeßlichkeit. Auch die Denkfähigkeit an sich nimmt rapide ab, z.B. Lösungen suchen gelingt selbst für einfache Problemstellungen nicht mehr. Die Alltagskompetenz schwindet zunehmend.

Demente Menschen sind mit zunehmender Intensität nicht mehr in der Lage sich selbst zu versorgen. Das kann man oft nicht nur mit Vergeßlichkeit erklären.

Außerdem wird die Altersvergeßlichkeit und die Demenz immer präsenter, weil die Menschen immer älter werden.



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Elfriede
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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von Elfriede » So 29. Jan 2017, 23:02

Ich möchte den Titel mal umformulieren :

Ist Demenz das Vergessen oder das Vergessenwerden.

Viele alte Menschen verfallen in die Depression, weil sie nicht mehr von ihren "Bezugspersonen" (=Familie) wahrgenommen werden, oder weil ihr Erlebnishorizont (verstorbener Freundeskreis / eigene Mobilität) abnimmt.
Der Übergang von Depression zu Demenz - und umgekehrt - ist fliessend und lässt sich auch nicht exakt abgrenzen.

Im christlichen Sinne kommt hier das 4. Gebot zum tragen. (Vater und Mutter ehren)

Als Pflegekraft sind hier meine Möglichkeiten ... äußerst begrenzt.



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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von *Angie* » Mo 30. Jan 2017, 11:55

Naja, Stormrider.....aber ist nicht alles, was Du da aufführst eine Folge davon, dass das Organ "Gehirn" genau so altert wie auch der restliche Organismus auch eines Alterungsprozesses unterliegt? Natürlich bauen die Fähigkeiten ALLESAMT ab-denn das alternde Gehirn ist ja die Steuerungszentrale. Natürlich kann man die "Maschinerie" eines "alten Motors" immer mal wieder etwas leichter zum Laufen bringen (wer rastet der rostet) - hier und dort ein Tröpfchen Öl (Infusion oder Pille) und dann geht's eventuell für kurze Zeit etwas besser. Nur: für WEN muss es besser gehen? Für den Betroffenen, der aufgrund seiner Denk-/Merkfähigkeit meist nicht mehr entscheiden kann? Für die Angehörigen, die das Altwerden dann besser mit angucken mögen? Für die Pflegekräfte, weil ein zu Pflegender vll etwas besser händelbar ist? Für die Pharmaindustrie, die sich am Thema "Demenz" dumm und dämlich verdient? ......warum und für wen muss also "behandelt" werden????? Was wäre wenn man die alten Menschen einfach alt sein und sich in ihrem Lehnstuhl sitzen ließe und statt sie mit Pillen zu dopen für weniger "Vergessen" versorgt man sie liebevoll, teilt ihre natürlichen Erinnerungen und respektiert sie einfach so wie sie sind? Zu oft habe ich erlebt, dass demente Menschen den Pflegern die Tabletten aus der Hand schlugen, den Mund zukniffen um auf ihre Weise zu zeigen, was sie davon hielten-zack wurden sie als aggressiv eingestuft und es gab zu den Pillen noch Sedativa ...... Ich habe persönlich schon mein ganzes Leben mit den Folgen von häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch zu kämpfen, habe auch auch sonst viel erlebt (im letzten Jahr zB sind in meinem direkten Umfeld 12 Menschen gestorben-nicht nur alte). Also I C H möchte im Alter (wenigstens da!!!!) vergessen dürfen, was mir im Laufe meines Lebens widerfahren ist und auch altern dürfen und möchte auch nicht irgendwann als toxischer Sondermüll behandelt..... Na, lassen wir das. Nur unter Schmerzensqualen leiden, das möchte ich möglichst nicht. ......aber vor lauter Regularien und Dokumentationswahnsinn merkt das vermutlich nicht mal jemand und es gibt fein Mel*peron zum sonstigen Cocktail dazu.
Zuletzt geändert von *Angie* am Mo 30. Jan 2017, 12:07, insgesamt 1-mal geändert.


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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von *Angie* » Mo 30. Jan 2017, 12:24

Hi Frieda-ja, Demenz/Depression ist oft fließend im Übergang. Aber: vielleicht ist der Mensch ja gar nicht so depressiv wegen seiner Demenz, sondern deshalb weil er a) sein Umfeld verliert, ihm b) vorgegaukelt wird, dass er es jetzt "besser" haben wird (im Heim) und er ernüchtert feststellt: jetzt bin ich zwar nicht mehr allein, aber gemeinsam einsam tut auch ziemlich weh. ............ich hatte eine Patientin, die war, als ich dort zu arbeiten anfing, bereits 6!!!Jahre im Heim. Mir wurde sie als stumm & stockdement "verkauft", weil sie die 6 Jahre nicht ein Wort mit irgendwem gesprochen hat. Nach ca 1/2 gab sie mir eines Abends freiwillig ihre Zahnprothese und sagte nur einen Satz: ach wissen Sie-ich habe festgestellt, SO komm ich hier am Besten durch, weil man mich in Ruhe lässt ". Ich bin fast umgefallen! Danach hat sie nur noch ein mal einen Satz gesagt-und dann nie wieder. Aber sie hat mich seit ihrem Geständnis immer mal angelächelt oder zugezwinkert.


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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von resigniert » Mo 30. Jan 2017, 12:34

@*Angie*
2 ganz dicke Zustimmungslikes!
Meine ganz persönliche Erfahrung - auch bei den Personen mit schlimmster Demenz haben eine demenzfreie Resource: Emotion, in beide Richtungen



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johannes
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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von johannes » Mo 30. Jan 2017, 14:05

Und ich dachte, ich denke nur allein so. Danke, Angie und resigniert.

Vielleicht noch ein Aspekt:

Stellen wir uns vor, der Mensch war für ein Leben ohne Ende bestimmt. Durch den eigenmächtigen Eingriff in die hierzu erforderlichen Rahmenbedingungen ging ihm die friedfertige Voraussetzung hierfür verloren.

Stellen wir uns jetzt also nach dem Verlust der erforderlichen Rahmenbedingungen vor, der Mensch müsste immer in dem Wissen um seine Verluste leben. Wäre das nicht grausam? So sind einerseits die Begrenzung seines Lebens auf max. 120 Jahre und andererseits auch - gem. diesem Thema - der fließende Verlust seines Bewußtseins Ausdruck von Gnade.

Nun gibt es allerdings auch das Versprechen, dass alles neu werden wird, wenn die Zeit dazu gekommen ist. Dann wird es weder eine Begrenzung des Lebens mehr geben und auch keinen Verlust des Bewußtseins. Manche nennen das "Paradies" - und alle ersehnen es sich.


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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von doedl » Mo 30. Jan 2017, 20:57

Hi Alle

danke Jo für Deinen Input.

Schwester Mary- bei der bekannten Studie eines Alzheimer Forschers- eine Schulschwester, bei der nach ihrem Tod schwerste Veränderungen im Gehirn diagnostiziert wurden , die jedoch zu Lebzeiten einwandfrei "funktionierte"

Dann so selbst Erlebtes- die Frau, die nur noch wirmmernd im Krankenbett lag, der Mann, der bis zur totalen Erschöpfung herumrannte meine eigene Mutter, die völlig verzweifelt im Treppenhaus stand und sagte: ich bin zu blöd, den Fernseher mit der Bedienung anzumachen.....

Und da möchte ich Stormrider recht geben: es geht nicht um Vergessen; es geht darum, dass Menschen ohne fremde Hilfe nicht mehr in der Lage sind normale Dinge zu tun- wie essen, auf Toilette gehen, trinken, die Kaffeemaschine bedienen; Dinge zu denen sie körperlich durchaus in der Lage wären.

Das ist mehr als Vergessen-das ist ganz viel Verlust
Zuletzt geändert von doedl am Mo 30. Jan 2017, 21:20, insgesamt 1-mal geändert.


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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von stormrider » Mo 30. Jan 2017, 22:35

Was ich persönlich besonders schlimm finde, sind die Momente zu erleben, wo diesen Menschen die Defizite oder ein Defizit bewußt wird. Solche Momente gibt es immer wieder. Sie werden zwar im Krankheitsverlauf seltener, aber es scheint bei einigen sehr lange zu dauern, bis keine lichten Momente mehr kommen.

Und schlimm ist es auch, zu erleben, wie Menschen aufgrund der Demenz z.B. keine wirkliche Trauerarbeit mehr leisten können. Meine Schwiegermutter befindet sich 5 Jahre nach dem Tod ihres Mannes immer noch in einem Stadium als wäre sie noch im Todesjahr. Das schon 5 Jahre vergangen ist, nimmt sie nicht mehr wahr. Ihr Josef ist erst vor ein paar Wochen gestorben und alles bleibt sehr schrecklich für sie. Die Geschehnisse "verblassen" nicht, wie das normalerweise der Fall wäre.



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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von johannes » Di 31. Jan 2017, 11:50

Ich betrachte es als eine große Tragik, dass die Menschen nicht vorbereitet werden auf

- das Leben schlechthin
- die Liebe (hier meine ich nicht den allgegenwärtigen Sex)
- die Verantwortung
- die Ehe ~ Partnerschaft als Lebensgemeinschaft
- das Älterwerden mit den verschiedenen Verlusten
- den Tod als unausweichliche Konsequenz eines Lebens ohne Gott
- das Leben, das durch eine Neuorientierung beginnen kann


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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von resigniert » Di 31. Jan 2017, 13:30

du vergisst den Mangel an Liebe (ich meine auch nicht den Sex)
welchen Gott meinst du genau? den des jüdischen Glaubens? dort welche Glaubensrichtung?
den des christlichen Glaubens - dort welche Konfession? gehören der Gott der Mormonen und der Zeugen Jehovas auch dazu? Der des Islam? Meinst du den der Sunniten oder Schiiten, evtl. der wahabiten oder Salafisten?
Welche Hinduistische Gottheit wäre gemeint?

Ich akzeptiere den Tod als unausweichliche Konsequenz des Lebens, das ich in Liebe zu den Menschen (allgemein) gelebt habe. Für mich ist der Mensch mein Gegenüber

PS: Ich habe die Othodoxen, die Jesiten und Aleviten vergessen und garantiert noch sehr viele Andere. Immer geht es um eine andere Interpretation eines Gottes - der dann in der Konsequenz auch ganz anders Ist.

Ich mag insgesamt keine Mission in einem öffentlichem Forum, in dem dies nicht bei der Anmeldung direkt angekündigt wird.
Ich habe selbstverständlich nichts gegen die persönliche Aussage: Ich glaube an...
Zuletzt geändert von resigniert am Di 31. Jan 2017, 13:38, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: mehreres vergessen



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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von *Angie* » Di 31. Jan 2017, 14:23

Ich glaube, hier geht es nicht um das Zerpflücken verschiedener Glaubensrichtungen, die widerum Menschengemacht sind. Da ich gerade am Handy schreibe kann ich nicht gleichzeitig nachsehen, aber jemand schrieb, dass er die Momente als am schlimmsten empfindet, in denen Betroffenen bewusst wird,dass sie ihre Fähigkeiten immer mehr verlieren..... Ich frage mich, was genau dahintersteht-hinter dieser Angst seine Fähigkeiten zu verlieren? Sicherlich kann das belasten-aber belastet es NUR deshalb, weil man seine Fähigkeiten nach und nach einbüßt? Wäre das alles vll viel weniger schlimm, wenn man zu Lebzeiten weiß: egal was mit mir passiert, es ist jemand da, dem ich absolut vertrauen kann und der mir schon hilft und alles tut was getan werden muss? Fiele was auch immer nicht jedem viel leichter, wenn er dieses Vertrauen WIRKLICH haben kann? Das können wir aber nicht, weil Pflege immer mehr beschnitten wird, gekürzt und NOCH mehr zur Ware... Besonders Kranke brauchen diese Verlässlichkeit, dass sie nicht benutzt, gequält oder sonstwas werden, sollten sie wehrlos sein.....wie Kinder, die Urvertrauen haben dürfen. Und all das steht jedem Menschen zu, völlig egal, welcher Religion er abstammt und deshalb ist es völlig wurscht, ob jemand seinen "Gott" Gott, Jehova, Allah, Buddha oder Karl-Gertrud nennt. Es geht ausschließlich um die Würde des Menschen und Mitmenschlichkeit -und Menschen sind wir alle. P.S. Es darf sich jeder an der Diskussion beteiligen und ob jemand in Johannes Beitrag nun n Missionierungsversuch sieht, ist sein eigenes Empfinden. Man muss es ja nicht so sehen ;)


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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von johannes » Di 31. Jan 2017, 15:39

Nun, resigniert,

ich frage mich, warum Du die Diskussion in diese Richtung lenken willst. Es geht nicht um einen Gott irgendeines Glaubens! Gott ist der Lebensspender allen Lebens und damit die Grundlage des Lebens. Somit ist der Tod unausweichlich mit der Trennung vom Lebensspender verbunden. In sofern stimme ich Dir auch zu, dass der Tod eine unausweichliche Konsequenz darstellt.

Allerdings war, ist und wird der Tod niemals die Konsequenz des Lebens sein, sondern immer und ausschließlich die Konsequenz der Trennung vom Leben. Er ist nicht nur bei Menschen, sondern in der gesamten belebten Welt ein unnatürlicher Einschnitt. Dies wird eindrücklich dokumentiert in der Angst vor dem Sterben/dem Tod, die sich auf der ganzen Welt offenbart.

Deine allergische Reaktion auf eine eigentlich unverfängliche kurze Aussage macht deutlich, dass Du offensichtlich damit ein Problem hast. Wie es scheint, trifft Dich meine Aussage über das Nicht-vorbereitet-sein wohl ausgerechnet in diesem Punkt besonders hart.


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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von doedl » Di 31. Jan 2017, 16:55

[quote=""*Angie*""]Ich glaube, hier geht es nicht um das Zerpflücken verschiedener Glaubensrichtungen, die widerum Menschengemacht sind. Da ich gerade am Handy schreibe kann ich nicht gleichzeitig nachsehen, aber jemand schrieb, dass er die Momente als am schlimmsten empfindet, in denen Betroffenen bewusst wird,dass sie ihre Fähigkeiten immer mehr verlieren..... Ich frage mich, was genau dahintersteht-hinter dieser Angst seine Fähigkeiten zu verlieren? Sicherlich kann das belasten-aber belastet es NUR deshalb, weil man seine Fähigkeiten nach und nach einbüßt? Wäre das alles vll viel weniger schlimm, wenn man zu Lebzeiten weiß: egal was mit mir passiert, es ist jemand da, dem ich absolut vertrauen kann und der mir schon hilft und alles tut was getan werden muss? Fiele was auch immer nicht jedem viel leichter, wenn er dieses Vertrauen WIRKLICH haben kann? Das können wir aber nicht, weil Pflege immer mehr beschnitten wird, gekürzt und NOCH mehr zur Ware... Besonders Kranke brauchen diese Verlässlichkeit, dass sie nicht benutzt, gequält oder sonstwas werden, sollten sie wehrlos sein.....wie Kinder, die Urvertrauen haben dürfen. Und all das steht jedem Menschen zu, völlig egal, welcher Religion er abstammt und deshalb ist es völlig wurscht, ob jemand seinen "Gott" Gott, Jehova, Allah, Buddha oder Karl-Gertrud nennt. Es geht ausschließlich um die Würde des Menschen und Mitmenschlichkeit -und Menschen sind wir alle. P.S. Es darf sich jeder an der Diskussion beteiligen und ob jemand in Johannes Beitrag nun n Missionierungsversuch sieht, ist sein eigenes Empfinden. Man muss es ja nicht so sehen ;) [/quote]

Hallo Angie,

Verlässlichkeit, da sagst Du was; Vertrauen, noch ein großes Wort.

Ich weiß nicht, ob das wirklich reicht:

Menschen, die eine große Lebensleistung vollbracht haben, sich dann eingestehen müssen, angewiesen zu sein, SELBST etwas nicht mehr tun zu können... bringt das nicht zur Verzweiflung?

Das Annehmen eines notwendigen Rollenwechsels in der Eltern-Kind Beziehung; vielleicht auch in der Partnerschaft; der Verlust von Selbstbewußtsein, auch von Selbstbestimmung; denn irgendwann muss man als Angehöriger ins Geschehen eingreifen.

Dann kommt vielleicht mal das Bewußtsein: egal wie ich mich darüber ärgere, ich kann es nicht ändern; und bei einigen Menschen dann eine Gelassenheit, sich einzugestehen: OK ich vergesse viel.

Oder wie sagte meine Mutter letzthin:

Ja, ich vergesse ganz viel; viele Dinge sind einfach weg, aber euch (sie meinte uns Töchter) vergesse ich niemals.

Kann ich nur bestätigen: sie weiß, ohne dass ich meinen Namen nenne, sofort wer am Telefon ist; weiß sofort meinen Namen und weiß wohl auch, dass sie in mir das findet, was Du oben genannt hast: Verläßlichkeit und Vertrauenkönnen.

Gruß Doedl


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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von resigniert » Di 31. Jan 2017, 18:00

Johannes, deine Interpretation ist falsch. Ich kann sogar mit vollster Überzeugung CURRO sagen.
Aber mir gefällt es nicht, dies als Wahrheit für jeden zu behaupten. Mir fehlt bei allen diesen Aussagen die zwei Worte: für mich...



überflüssig
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AW: Demenz ist eine Krankheit des Vergessens! - Ist Demenz eine Krankheit des Vergessens?

Beitrag von überflüssig » Di 31. Jan 2017, 18:09

Off-Topic:

[quote]ich frage mich, warum Du die Diskussion in diese Richtung lenken willst.[/quote]
Vielleicht weil du derjenige bist, der seine Einstellung zum Thema Gott und Glauben immer wieder gerne zum Besten gibt?
Üblicherweise lösen diese Beiträge längst keine Reaktion mehr aus.....das war definitiv auch schon anders...
Warum antwortest du nicht einfach auf die (auch kritischen) Beiträge und zwar ohne verschnupft...oder allergisch?...nachzuschieben und (wieder mal) ausufernd zu erklären, was die Menschen die so fühlen wie du, längst wissen?

Noch nie habe ich hier gelesen, dass jemand über Gott oder den Glauben "hergezogen" wäre. Du bist der Einzige, der dieses Thema immer wieder anbringt...vielleicht, um kontroverse Diskussionen auszulösen?

Jeder darf sich hier äußern und wenn jemand deine Aussagen hinterfragt oder gar kritisiert ist auch das erlaubt. Ich finde Meinungsvielfalt gut.

VG überflüssig



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Beitrag von johannes » Di 31. Jan 2017, 21:42

@ resigniert

DU störst Dich an einem Wort. Dann wird es wohl FÜR DICH ein Problem damit geben. Kann es sein, dass es für Dich ein rotes Tuch ist? Wenn dem so ist, geh einfach nicht auf meine Äußerungen ein. Wie Du Dich äußerst, ist Deine Sache. Also schreibe mir bitte auch nicht vor, wie ich mich äußern darf.

Solltest Du Fakten haben, die meine Aussage als falsch belegen, kannst Du sie gern vorbringen. Ansonsten bleiben sie Wahrheit. Und es ist eine Wahrheit, dass der Mensch als solcher nicht zu seiner Verantwortung steht. Andernfalls würde er nicht bereits von Kindesbeinen an sagen: "Das war ich nicht, das war der andere!"

Warum sollte ich die zwei Worte "für mich" verwenden, wo Du sie doch auch nicht verwendest? Ist das Dein Verständnis Toleranz?

Tatsache ist, dass der Mensch nicht zum Sterben geboren wird und bestimmt ist - auch wenn er stirbt. Sein Schöpfer hat eben etwas anderes für den Menschen vorgesehen. Leben! Und er hat alles daran gesetzt, dem Menschen das Leben wieder zu ermöglichen. Ob es Dir nun gefällt oder nicht, steht auf einem völlig anderen Blatt.


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