Warum gibt es Beurteilungsbögen und wozu dient die Vorschlagsnote?

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youngold
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Ausbildungsplan und Nachweisheft

Beitrag von youngold » Mi 10. Mär 2004, 23:27

Hallo Reiki150,

deine Fragen und Sorgen könnten mit meinem Buch AUSBILDUNGSPLAN
UND NACHWEISHEFT FÜR DIE PRAKTISCHE ALTENPFLEGEAUSBILDUNG
beseitigt werden. Es orientiert sich an das neue Altenpflegegesetz,
aber ganz gleich, auch wenn du noch nach dem alten Gesetz (vor
dem 01.08.2003) ausgebildet wirst, dient es zur systematischen und
vor allem lehrreichen praktischen Ausbildung. Es enthält:
Ausbildungsrahmenplan
- Gesetzliche Bestimmungen
- Objektive, konstruktive Beurteilung
- Benotung nach dem Schulnotensystem
- Einarbeitungscheckliste
- Nachweis der Lernzielkontrolle / Tätigkeitskatalog
- Vor-, Zwischen- Abschlussgesprächen
- Beurteilungsbogen. (direkte und spezielle Pflege)
- Protokollierung der Praxisanleitung und -begleitung
- Anwesenheitsnachweis und Zulagenberechnung
- Jahresplanung (nach Kalenderwochen.

Es wäre schön, wenn Du das mal Deinen Verantwortlichen
(Mentor, PDL, Heimleiter, Lehrer...) zeigen könntest. Dann kannst
du deine praktische Ausbildung schwarz auf weiss nachvollziehen.
Ich wünsche Dir jedenfalls ganz viel Erfolg dabei!!!!

Herzliche Grüße
Friedhelm Henke
http://www.gutes-alter.de



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Hachi
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RE: Warum gibt es Beurteilungsbögen und wozu dient die Vorschlagsnote?

Beitrag von Hachi » Mi 10. Mär 2004, 23:29

Original von reiki150

Sorry, ich glaub wirklich das meine Haare nur zum färben das sind.
"Blondinen kann man nicht einfärben" :lol ...hat mal jemand gesagt. Nee, Scherz beiseite: Ein "sehr gut" ist, nicht nur in meinen, sondern auch in den Augen meiner damaligen ersten Anleiterin (und die war richtig gut!) nur schwerlich in der Ausbildung, insbesondere der praktischen, zu erreichen. Ich würde mir selbst auch diese Note verweigern, da die Messlatte sehr hoch liegt (bedingt durch meine Erfahrungen in der Ausbildung)...an dieser Stelle: Schönen Gruß an meine Novizinnen, die sich immer noch über ein "gut" freuen dürfen ;-) Und ganz wichtig dabei: Je höher diese Messlatte hängt, desto höher die Qualität! Je eher man sich daran gewöhnt, desto weniger muss man sich ärgern, reiki150. :yo



andrea
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Beitrag von andrea » Do 11. Mär 2004, 06:43

Hi,
ich finde auch dass ein "sehr gut" eigentlich fehl am Platze ist denn wir sind schließlich im Praxiseinsatz um zu lernen. Die Notengebung wird leider völlig unterschiedlich von den einzelnen Anleitern gehandhabt. Eine Einrichtung sagt ein "sehr gut" beinhaltet ein völlig fehlerfreies Arbeiten (gibt es das :lol) die andere Einrichtung gibt sich richtig Mühe und da kommt dann eben ein "Gut" oder "befriedigend" heraus. Im Endeffekt hat man von der sehr guten Beurteilung wenig, zumindestens ich fand es irgendwie nichtssagend. Anleiter beurteilen wohl auch meist nach Sympathie und Arbeitswillen. Wenn man sich einfügt, gut mitarbeitet hat man schon gewonnen. Auf die eigentlichen Lernziele achten sie meist nicht. Die Schulen wissen das auch und werden diese Beurteilungen sicher nicht überbewerten. Genauso solltest du deine Beurteilungen auch nicht überbewerten. Die wenigsten Anleiter sind in der Notengebung ausgebildet , sie sind keine Dozenten sondern AP oder KP etc. Also ärger dich nicht, du weißt am besten wie du bist, was du kannst und was du von deinen Aufgaben der Schule gut in die Praxis einbringen konntest. Wie gesagt, die Vornoten sind für das Examen nicht sehr hilfreich. Liebe Grüße


„Rechthaben ist erst eine Kunst; wenn auch die anderen glauben, dass mans hat!”

Dodger
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Beitrag von Dodger » Mo 15. Mär 2004, 08:03

Hi
also das mit dem Sehr gut halte ich für sehr grenzwertig, die Leistung zu erbringen ist in meinen Augen unmöglich, es würde heissen das man immer auf alles achtet, und das machen die wenigsten.

Im allgemeinen würd ich sagen fördert auch das sehr gut nicht unbedingt die motivation der Schüler, den wenn einer schon sehr gut ist, was sollte er dann verbessern?

Gruss
Dodger



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youngold
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RE: Warum gibt es Beurteilungsbögen und wozu dient die Vorschlagsnote?

Beitrag von youngold » Mi 24. Mär 2004, 18:12

Hallo,

ich finde dieses Thema sehr spannend und
möchte nochmal etwas dazu sagen. Zur Zeit
bearabeite ich die 2. Auflage meines Titels
Ausbildungsplan und Nachweisheft für die
praktische Altenpflegeausbildung nach dem
bundeseinheitl. AltPflG.

In den Beiträgen wurde bislang oft
die Vergabe der Note "sehr gut" sowie,
die fehlende Einspruchsmöglichkeit der
Auszubildenden kritisiert.

Es tut mir leid, dass gerade in der Erwachsenen-
bildung (und da kann man auch selbst bei
17jährigen wohl schon von sprechen) leider
doch immer wieder so unmögliche Beurteilungen
stattfinden. Leute, die in der Pflege arbeiten
putzen andere herunter und kennen nicht einmal
die Grundsätze der GEMEINSAMEN Reflektion!!!

Das sind bekanntlich jene:
1. Eine Beurteilung erfolgt nie im stillen Kämmerlein,
sondern GEMEINSAM mit dem (erwachsenem!!!!) Schüler
und wird ausführlich mit ihm/ihr besprochen. Ich wunder
mich oft, wie die Pflegekräfte miteinander umgehen und
zweifel an deren sozialen Kompetenzen, wenn ich höre
wie es den Auszubildenen in den Einrichtungen ergeht.
Gott sei Dank gibt es aber auch sehr viele gute und
objektive Praxisanleiter, die diese Probleme am eigenen
Leib erfahren haben und es jetzt (nach dem Rollenwechsel
vom Schüler zum Anleiter) viel besser machen, als die
denen sie damals UNTERLEGEN waren. Der Spruch,
"Wie du angeleitet werden/beurteilt werden möchtest,
so leite auch den anderen an / beurteilte auch den anderen"
gilt hier ganz besonders


2. Eine Beurteilung (oder lasst uns bitte auch Reflektion
dazu sagen) soll immer positive und negative Aspekte
enthalten. Eine Reflektion (wie z. B. auch eine Pflegeevaluation)
zeigt professionelles Arbeiten. Keiner ist der Pflegegott und
jeder macht etwas falsch. Auch wenn Kritik nicht "runter geht
wie Butter", sondern manchmal im Halse stecken bleibt, muss
ich sie wissen. Daraus lerne ich und das ist in der Lehre bes.
wichtig. Aber: Kritik muss nachvollziehbar (begründet sein)
und darf nicht pauschal sein.
Darum habe ich in den Kriterien-
bögen viele einzelne Merkmale aufgeführt die zu eine objektiven
Note führen. Manchmal haben die Einrichtungen keine Zeit oder
keine Lust (wie ich auch oft den Eindruck habe), die ganzen
Merkmale zu reflektieren. Dieser Verantwortung darf sich die
Anleitung nicht entziehen!!! Ich weiss manchmal nicht, wie
die das verantworten können, wie sie in einer Beurteilung
nichts ankreuzen und einfach "ungenügend" unten drunter
schreiben, wobei der Schüler sagt, er habe wie ein Pferd
dort in der Einrichtung gearbeitet!!!!!!

Wenn ich einer Schülerin nur negatives sage,
ist das unmenschlich und destruktiv. Die Note müsste
dann jedenfalls überall 6 sein! Und eben das überall
wage ich mal zu bezweifeln. Naja,vielleicht, weil ich an
das gute im Menschen glaube und darauf aufbauen
möchte. Die Beurteilung darf jedenfalls kein kleinmachen
sein. Das ist unpädagogisch hoch zehn!
Eine Beurteilung darf jedoch auch nicht zu mild erfolgen.
So ist z.B. das Thema "sehr gut" geklärt (finde ich). Denn
"sehr gut" vergebe ich nur sehr selten. Nur wenn mich
die Leistung so umhaut, dass ich selbst noch etwas
gelernt habe. Eigentlich ist "sehr gut" eine schlechte Note,
denn man kann nichts mehr dazulernen. Dabei geht die
Ausbildung doch noch weiter! Gut, vom Ausbildungs-
stand her betrachtet (und genau daran soll man sich
halten, gibt jeder dann (wenn die Leistung den Anforderungen
in besonderem Maße entspricht) natürlich auch ein "sehr gut".
Man sollte es nicht überbewerten, bzw. traurig sein, wenn
man nur ein "gut" bekommen hat, finde ich. Das "gut" ist
meistens realistischer. "Sehr gut" dagegen oft geprahlt.

So, das musste ich mal loswerden.

Wer immer noch Lust zum Lesen hat der bekommt hier
einen Auszug aus meinem Buch. Vielleicht sollten die
10 Regeln in jeder ausbildenden Pflegeeinrichtung eingerahmt
aufgehangen werden.

Und übrigens: Über konstruktive KRITIK würde auch ich
mich (wie gesagt!!!) sehr freuen. Ich kann nur
daraus lernen!!!

Alles Gute und viele Grüße
Friedhelm Henke
http://www.gutes-alter.de
:wave


Für die Benotung der Leistungen gilt:
„sehr gut“ (1):
wenn die Leistung den Anforderungen in besonderem Maße entspricht.
„gut“ (2)
wenn die Leistung den Anforderungen voll entspricht.
„befriedigend“ (3)
wenn die Leistung im Allgemeinen den Anforderungen entspricht.
„ausreichend“ (4):
wenn die Leistung zwar Mängel aufweist, aber im Ganzen den Anforderungen
noch entspricht.
„mangelhaft“ (5):
wenn die Leistung den Anforderungen nicht entspricht, jedoch erkennen lässt,
dass die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind und die Mängel in
absehbarer Zeit behoben werden können.
„ungenügend“ (6):
wenn die Leistung den Anforderungen nicht entspricht und selbst die
Grundkenntnisse so lückenhaft sind, dass die Mängel in absehbarer Zeit nicht
behoben werden können.

Objektive und konstruktive Beurteilung
Voraussetzung für effektive Lernsituationen ist eine vertrauensvolle Beziehung. Als Grundlage der gemeinsamen Arbeit dient die gegenseitige Wertschätzung. Erst dann können sich beide einer lehrreichen kritischen Auseinandersetzung öffnen und die Arbeit realistisch bewerten. Stimmt „die Chemie“ zwischen Anleiter/in und Schüler/in nicht, wirkt sich dieses negativ auf die gesamte praktische Ausbildungsphase aus! Umgekehrt kann auch zuviel Sympathie blind machen und den Blick verstärkt oder ausschließlich auf positive Aspekte richten. Insbesondere professionelle Pflegekräfte sollten bei jeder Beobachtung, die sie im Berufsalltag machen, zwischen subjektiver und objektiver Beurteilung unterscheiden können. Die objektive Beurteilung ist ein fortwährender Prozess und ergibt sich nicht aus Momentaufnahmen. Darum ist eine wiederholte Beurteilung (mindestens einmal im Zwischengespräch und ein zweites Mal im Auswertungsgespräch) notwendig. Empfehlenswert ist die Protokollierung von Praxisanleitungen von Pflegekräften der Einrichtung und Praxisbegleitungen seitens der Pflegeschule (Vordrucke siehe ab S. ...). Sie sollten in jeder praktische Ausbildungsphase mindestens einmal in erfolgen. Wichtig ist, dass der/die Schüler/in die konstruktive Kritik der examinierten Pflegekraft nachvollziehen kann und nach der abschließenden gemeinsamen Reflexion gezielt an weiteren Lernsituationen gearbeitet werden kann.
Zehn Regeln für ein konstruktives Feedback
1. Wer etwas kritisiert muss dies sachlich und konkret begründen können!
2. Auch positive Aspekte müssen beim Feedback berücksichtigt werden!
3. Die Aussagen müssen möglichst am Beispiel verdeutlicht werden!
4. Grundsätzliche „Diagnose“-Stellungen müssen unterlassen werden!
5. Die eigenen Emotionen müssen verdeutlicht werden!
6. Das Feedback muss direkt (nicht indirekt über andere, sondern in Ich-form) erfolgen!
7. Das Feedback muss im Dialog der Beteiligten (kein Monolog) stattfinden!
8. Das Feedback muss von beiden Seiten als Hilfe angenommen werden!
9. Das partnerschaftliche Gespräch muss von beiden Seiten besonders betont werden!
10. Beide Gesprächspartner müssen Offenheit und Toleranz zum Zuhören besitzen!



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