Referat " Agnes Karll " ( Biographie )

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Dirk Höffken
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RE: Referat " Agnes Karll " ( Biographie )

Beitrag von Dirk Höffken » Di 30. Dez 2003, 13:23

Hallo Kurt.

Das wird relativ schwierig, denn es gibt nicht allzu viel Literatur zu dem Thema. Bei ausschließlich deutschsprachiger Literatur wird es dann noch mal komplizierter.

Vorschläge:

1. Der Agnes Karll-Verband und sein Einfluss auf die Entwicklung der Krankenpflege in Deutschland. - Ein Beitrag zur Geschichte der Pflegeberufe und eines Berufsverbandes
- Ruth Elster - Mabuse-Verlag (2000)

2. Agnes Karll : Ihr Leben, Werk u. Erbe - Margarete Lungershausen – Staude (1964)

3. Agnes Karll : d. Reformerin d. dt. Krankenpflege ; e. Wegweiser für heute zu ihrem 50. Todestag am 12. Februar 1927 - Anna Sticker - Kohlhammer (1984)

4. Agnes Karll : ihr Leben u. Wirken - Helene Blunck – 1981 – (14 S.)

So weit ich mich Erinnere wird die Rolle der Agnes Karll hier sehr Verzerrt wiedergegeben. Das ist aber ein generelles Problem bei geschichtlicher Aufarbeitung. Es wird viel zu stark Personalisiert.

MfG DH

Zitat:
Je jünger ein Land, um so mehr bemüht es sich darum, eine Geschichte zu haben. (Friedrich Sieburg)



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Angie
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Beitrag von Angie » Di 30. Dez 2003, 19:28

Hier hab ich ein paar Informationen

Agnes Karll wurde am 25. 03.
1868 in einem kleinen Dorf in der Lüneburger Heide geboren.
Mit 19 Jahren begann sie 1887 ihre Ausbildung an einem hannoverschen Krankenhaus. Hierbei musste sie sehr
schnell feststellen, dass zur damaligen Zeit Krankenschwestern von ihren Arbeitgebern ausgenutzt
wurden und teilweise bis zu 20 Stunden täglich ihren Dienst zu verrichten hatten. Außerdem bestand für die
Krankenschwester nicht einmal im Ansatz eine leistungsgerechte Bezahlung sowie ein ausreichender Renten-
/Krankenversicherungsschutz, der zur damaligen Zeit bei anderen Berufen durchaus schon üblich war. Auch nach
einem Wechsel des Arbeitgebers machte sie die gleichen Beobachtungen. Agnes Karll hat im letzten Jahrzehnt des
Jahrhunderts mit mehreren Weggefährten immer wieder Stellungnahmen, Schriften und Aufsätze zur Situation der
Krankenschwestern verfasst, um die Gesellschaft auf diese Problematik hinzuweisen. Bei der Generalversammlung
des Bundes deutscher Frauenvereine im Jahre 1902 wurden von Agnes Karll eine dreijährige einheitliche
Ausbildung für den Beruf der Krankenschwester bzw. des Krankenpflegers, eine staatliche Prüfung und ein staatliches Zeugnis gefordert. Diese Forderungen sind teilweise erst 1965 verwirklicht worden.
1903 wurde von Agnes Karll die Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands gegründet, die
zunächst nur 300 Mitglieder umfasste. 1904 war Agnes Karll maßgeblich an der Gründung der International
Council of Nurses (ICN) beteiligt, dessen Präsidentin sie 1909 wurde. 1907 wurde die erste Prüfungsordnung für
Krankenschwestern erlassen, die eine einjährige Ausbildung, eine mündliche, schriftliche und praktische
Prüfung vorsah. Am 12. 02. 1927 starb Agnes Karll. Der Berufsverband löste sich 1938 auf und wurde nach dem
zweiten Weltkrieg neu gegründet. Heute werden die Interessen der Mitarbeiter im Pflegedienst z. B. vom
Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe wahrgenommen.


Der Einfluß Agnes Karlls
Agnes Karll (1868-1927) gilt als die Reformerin der deutschen Krankenpflege und wird als die deutsche Florence Nightingale bezeichnet. Als Gründerin der Vorgängerorganisation des DBFK, Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands (BO), hatte sie maßgeblichen Anteil an der Professionalisierung der Pflege.
Sie hatte selbst als Krankenpflegerin in einem Mutterhaus des Deutschen Roten Kreuzes erfahren müssen, wie wenig systematisch die praktische und theoretische Ausbildung war, und wie ungenügend sie für die praktische Tätigkeit war.
Auch mußte sie die vollständige Inanspruchnahme durch das Mutterhaus miterleben, als privates und finanzielles Interesse vollkommen in den Hintergrund gelangt war.
Hier begann ihr Reformgedanke, z.B. durch einen Zusammenschluß der Krankenpflegerinnen und die Schaffung von Heimen, die soziale Situation deutlich zu verbessern.
Jedoch war ihr schnell bewußt, daß dieses nur leichte Verbesserungen schaffen würde. Sie brauchte Verbündete. Diese sah sie in den Vertreterinnen der Frauenbewegungen, mit denen sie auch zeitlebens engen Kontakt pflegte


Ich hoffe ich konnte dir helfen

LG Angie


Das Motto meiner Tagespflege Anima:Jeder Mensch ist wertvoll

Dirk Höffken
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Beitrag von Dirk Höffken » Di 30. Dez 2003, 23:00

Hallo Angie .

Die Aussage das Agnes Karll die Reformerin der deutschen Krankenpflege war, kann man akzeptieren oder auch nicht. Den spätestens wenn man den Einfluss auf die konfessionelle Krankenpflege untersucht kommen da Zweifel auf.

So steckten z.B. die Mutterhäuser Ende des 19. Jahrhunderts sowieso in einer Krise, da zum einen die altehrwürdigen Formen nicht mehr den Bedürfnissen der jungen Frauengeneration entsprachen und gleichzeitig der Bedarf an Frauen, die sich für die Pflege ausbilden lassen wollten, anstieg. Auch lag es z.B. im Interesse der Ärzte das qualifizierte weibliche Hilfskräfte zur Verfügung standen. Der Reformprozess in der Krankenpflege war bereits durch die gesellschaftlichen Umbrüche vorprogrammiert.

Agnes Karll war zweifellos am Reformprozess in der Krankenpflege beteiligt. Ihr Einfluss ist aber meines Wissens nach bis in die Gegenwart nicht vollständig Aufgeklärt.

Letztendlich muss man sich sowieso Fragen, ob es möglich ist, historische Erkenntnisse anhand biographischer Darstellungen zu gewinnen. Eine Person kann den komplexen Gang der Geschichte nicht alleine Beeinflussen. Sie kann Bestenfalls die Geschwindigkeit mitbestimmen.

MfG DH

Zitat:
Die Ungerechtigkeit der Geschichte besteht darin, daß wir die gleichen Augen und Ohren haben wie unsere Vorfahren, obwohl wir weit mehr hören und sehen als sie. - Ernst R. Hauschka (dt. Essayist)



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