Sturzgefahr in der häuslichen Pflege

Bietet pflegenden und betreuenden Angehörigen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Unterstützung bei Konflikten mit Heimen oder ambulanten Pflegediensten oder fachkundigen Rat in speziellen Fragen zur Pflege und Betreuung.
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doedl
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Re: Sturzgefahr in der häuslichen Pflege

Beitrag von doedl » Fr 4. Aug 2017, 06:51

Hallo Jisa,

Du beschreibst es sehr richtig:

Die Haltemöglichkeiten, Teppiche, Schuhwerk- das ist das eine. Das Ausschlaggebende liegt aber in der Veränderung durch die Krankheit und- wie richtig angesprochen- oft in den verordneten Medikamenten.

Bei meiner Mutter war es ähnlich:
Demenz, ein Mittel (relativ neu auf dem Markt) dagegen, was zur Folge hatte, dass sie unter extremem Schwindel litt.
Was nützt es, wenn ein Medikament im besten Fall die Demenz um ein paar Monate verzögert, der Mensch aber mit Oberschenkelhalsbruch "gesegnet" ist und vielleicht nie mehr laufen kann?

Also drängte ich auf Absetzen und die Stürze waren weg.

Gruß Doedl


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Elfriede
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Re: Sturzgefahr in der häuslichen Pflege

Beitrag von Elfriede » Fr 4. Aug 2017, 21:18

jjsa spricht hier auch eine weitere und äußerst gefährliche Baustelle an:
Die Ärzte kommunizieren nicht miteinander sondern sabotieren die Behandlung gegenseitig.
~~~ I´wie erinnert mich das an ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) ~~~
Wenn da nicht in der Familie des Patienten ein Mensch ist, der das koordinieren kann ...
Au weiha !


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Ralf Glück
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Re: Sturzgefahr in der häuslichen Pflege

Beitrag von Ralf Glück » Sa 19. Aug 2017, 12:01

Ich bin Sturzmentor (AOK) und habe die Beiträge mit Interesse gelesen. Natürlich ist das ALLES richtig, was hier so geschrieben wurde.
Sturzrisikofaktoren reduzieren - aber wie in einem Beitrag zu lesen "Omas Lieblingsteppich" zu entfernen - da gehts dann schon an Omas Emotionen... den Teppich hat sie doch von Onkel "Ernst" ihren Lieblingsonkel geschenkt bekommen.

Ein Bereich wurde bisher gar nicht angesprochen - die Bewegung! Regelmäßige Bewegung - sportives Training - 1-2 mal in der Woche beugt Stürzen und den damit verbundenen Sturzfolgen vor.
Wir konnten in einer Pilotstudie "Sturzprohylaxe" der AOK nachweisen, dass regelmäßiges Training zwar keine Stürze vermeidet, allerdings die Sturzfolgen (Oberschenkelhalsbruch...) wesentlich geringer wurden. Die teilnehmenden Altenheim-Bewohner waren in einem Alter zwischen 80 und 102 Jahre. Das Training wurde von mir und einem Sportlehrer nach dem AOK-Programm in Abwechslung durchgeführt. Die Teilnehmer wirkten im Verlauf der Zeit wesentlich vitaler und lebendiger. Die Sturzfolgen wurden unserer Meinung nach geringer, da sich die Reaktionszeit der alten Menschen beim Stürzen erhöht hatte und Sie sich schneller "abstützen" konnten.
"Na ja, im Altenheim kann das schon sein!" hör ich da jetzt die Einwänden - "Die haben ja Fachpersonal"
Auch zuhause kann man ganz einfach und mit Freuden trainieren. Inzwischen haben wir ein Bewegungskonzept mit Musik entwickelt, die auch der Laie zuhause ganz einfach umsetzen kann. Dazu braucht man kein Sportlehrer oder Sturzmentor zu sein. Im Liedtext ist ganz genial die Übungsbeschreibung enthalten. 2017 wurden wir bei der Altenpflegemesse in Nürnberg als Best-Practice-Beispiel von einer Jury ausgewählt. Wenn Sie noch mehr Informationen benötigen, dann besuchen Sie gerne unsere Webseite. www.gluecksart.de



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Elfriede
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Re: Sturzgefahr in der häuslichen Pflege

Beitrag von Elfriede » Sa 19. Aug 2017, 22:26

Lieber Hr. Glück,

in dem von Ihnen beschriebenem Alterbereich steht leider oftmals die Demenz einer Nachhaltigkeit eines - sporadischen - Trainings im Wege.
Eine passive Prophylaxe (Protektorhosen) ist leider nicht im VDEK-Katalog enthalten.


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Re: Sturzgefahr in der häuslichen Pflege

Beitrag von doedl » Mo 21. Aug 2017, 17:10

Nun, da hat Herr Glück aber recht.

Uns war es wichtig, Bewegungstraining in der Häuslichkeit anzubieten. Möglich über die Betreuungsleistungen; wird sehr gut angenommen.


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Re: Sturzgefahr in der häuslichen Pflege

Beitrag von Elfriede » Mo 21. Aug 2017, 22:38

Macht schon Sinn, wenn man die pflegenden Angehörigen darin schult und unterstützt.


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Re: Sturzgefahr in der häuslichen Pflege

Beitrag von doedl » Di 22. Aug 2017, 08:52

Nein unser Konzept ist ein anderes:

wir haben eine Physiotherapeutin und zwei Trainerinnen für Seniorengymnastik. Im Rahmen der Betreuungsleistungen ist eine Abrechnung des Mobilitätstrainings über die PK möglich.

Das kontinuierliche Arbeiten an der Muskulatur wird m. E. von Fremden besser angenommen, als von den Familienangehörigen. Tag und Uhrzeit sind fest; es kostet was, also macht man mit.

Gruß Doedl


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Re: Sturzgefahr in der häuslichen Pflege

Beitrag von sophie » Fr 25. Aug 2017, 06:26

Hallo Doedl,

dein Angebot klingt sehr interessant. Ich würde gerne mehr darüber erfahren.

LG Sophie


An den Fragen die sich dir stellen erkennst du das Leben, an den Antworten die du findest erkennst du dich selbst.

wenn ein Mensch und ein Hund sich im Himmel begegnen, muss sich der Mensch vor dem Hund verneigen (sibirisches Sprichwort)

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Re: Sturzgefahr in der häuslichen Pflege

Beitrag von doedl » Sa 26. Aug 2017, 08:06

Ist schnell erzählt:

Da Beweglichkeit der Schlüssel für Selbständigkeit ist, Physio oft nicht verschrieben wird, hab ich was konzipiert.

Es geht ausschließlich um aktive Bewegung- also keine Physio, sondern um noch vorhandene Bewegungen. Unsere Trainerinnen gehen 30 Minuten zum Hausbesuch und mobilisieren.

Das ganze wird über die Betreuungsleistungen refinanziert.

Gruß Doedl


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