Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Bietet pflegenden und betreuenden Angehörigen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Unterstützung bei Konflikten mit Heimen oder ambulanten Pflegediensten oder fachkundigen Rat in speziellen Fragen zur Pflege und Betreuung.
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juca
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Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von juca » Sa 5. Feb 2011, 17:16

Mit den Angehörigen haben viele Pflegekräfte ein Problem. Und dieses Problem dürfte seine Wurzel im Krankenhauspflegeverständnis von Anno dazumal haben, als es üblich war, Angehörige bei allem Verrichtungen am Patienten vor die Tür zu schicken. Dieses Thema würde ich gerne mal gelegentlich vertiefen.
A.v.Stösser

Hallo, ich möchte die Idee gerne aufnehmen, weil einige meiner Kollegen den Umgang mit bestimmten Angehörigen meiden,diese teilweise ignorieren und auch nicht ernst nehmen.Wir hatten hier schon oft Konfliktgespräche untereinander.
Grundsätzlich schicke ich keine Angehörigen vor die Tür. Nach einer kurzen Info entscheiden diese selbstständig, ob sie im Zimmer bleiben möchten, oder lieber nach draußen gehen.
Selbst sehr fordernde Angehörige, versuche ich , in Gesprächen ernst zu nehmen, auch das Gespräch zu suchen. Es kann nur von Vorteil sein, das Angehörige mit ins Boot geholt werden, der Umgang ist einfacher, und vielleicht brauche ich irgendwann ihre Unterstützung.
Das soll nicht heißen, das ich mich der Meinung aller Angehörigen anschließe.
Aus Erfahrung kann ich sagen, das das Verhalten von Angehörigen verschiedene Gründe haben kann: von Angst, was passiert hier mit.., über ich zahl soviel, da kann ich auch erwarten, dass..., bis ich habe Angst, weil ich nicht weiß wie es weitergehen soll.
Gespräche sind hier zwar sehr zeitintensiv, bewirken aber eine ganze Menge. Auch die Bewohner sind ausgeglichener und ruhiger.
Welche Erfahrungen habt ihr gemacht, wie geht ihr mit " schwierigen Angehörigen " um?
Gruß juca


Was du mir sagst, das vergesse ich.
Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich.
Was du mich tun läßt; das verstehe ich.

Konfuzius

silversurfer
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von silversurfer » Sa 5. Feb 2011, 19:11

Darum!

Sie fühlen sich oft überlastet, hilflos, enttäuscht, allein, traurig, verärgert und haben das Gefühl versagt zu haben. Dies kann später im Heim zu folgenden Situationen führen:

 Erleichterung und gänzlicher Rückzug von der Betreuung
 Überfürsorglichkeit dem alten Menschen gegenüber, bewusst oder unbewusst aus Schuldgefühlen heraus, die oft die Unselbstständigkeit des Menschen fördert und ihn auch überfordert.
 Konflikte mit dem Pflegepersonal

Und da hilft nur noch

Beschwerdemanagement

Jeder Konflikt stellt ein Problem dar, das grundsätzlich lösbar ist. Eine gemeinsame Lösung bringt allen Vorteile. Beschwerden sind häufig die Folgen ungeklärter Konflikte. Genau betrachtet sind Beschwerden ein Ausdruck von Unzufriedenheit. Sie haben das Ziel, auf ein als schädigend empfundenes Verhalten aufmerksam zu machen, eine Wiedergutmachung für erlittene Beeinträchtigungen einzufordern und eine Änderung des kritisierenden Verhaltens zu bewirken.
Beschwerdemanagement umfasst die Planung, Durchführung und Kontrolle aller Maßnamen, die eine Organisation im Zusammenhang mit Beschwerden ergreift. Es will Kundenzufriedenheit wiederherstellen, negative Auswirkungen von Unzufriedenheit verringern und die in Beschwerden enthaltene Hinweise nutzen.

Beschwerdemanagement hat zum Ziel:
 Mitarbeitende im zielführenden Umgang mit Anregung und Kritik zu stärken
 (Fehler)Kosten zu minimieren
 Kundenvertrauen zu stärken
 Anregungen und Wünsche aufzugreifen
 Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeiter stärken

Es zeigt sich, dass z.B. Angehörige der Einrichtung immer dann ein hohes Maß an Vertrauen und Verbundenheit entgegenbringen, wenn sie eine angemessene Lösung ihrer Probleme erfahren haben.
Beschwerdemanagement kann ohne die Mitarbeiter nicht funktionieren. Sie müssen es tragen und umsetzen. Jeder Mitarbeiter sollte sprachlich und menschlich in der Lage sein, eine Beschwerde so entgegenzunehmen, dass die Beschwerdesituation angstfrei und sachlich erlebt wird. Weiterhin setzt Beschwerdemanagement Vertrauen voraus. Das Team benötigt die Gewissheit dass Beschwerden zum Alltag gehören. Der Eingang einer Beschwerde sollte nicht in erster Linie dazu führen, einen Schuldigen zu suchen, sondern eine Lösung für ein Problem zu finden.

Beschwerden zu bearbeiten, setzt neben fachlicher und strategischer auch ein hohes Maß an sozialer Kompetenz voraus. Das heißt, die Fähigkeit zu besitzen, mit Menschen in Spannungsfeldern umzugehen, wie sie überall dort auftauchen, wo Menschen an die Grenzen ihrer Selbsthilfekompetenz stoßen, wo Netzwerke in die Zerreißprobe geraten oder Überforderung sich nicht immer vermeiden lässt.
Die Ziele des Beschwerdemanagements lassen sich am leichtesten erreichen, wen für unzufriedene Kunden leicht zugängliche Beschwerdewege geschaffen werden, eine sach- und fachgerechte Bearbeitung erfolgt und Beschwerden systematisch ausgewertet werden.
Ein lebendiges Leben in einer Altenhilfeeinrichtung kann entstehen, wenn sich alle Beteiligten mit ihren Wünschen, Vorschlägen und Ideen unter dem Dach der Unernehmensphilosophie einbringen können. In dieser Hinsicht haben Führungskräfte Vorbildfunktion. Die Formen der Beteiligung sind so vielfältig wie die Menschen, die in und mit der Einrichtung leben und arbeiten.

Und

Überfürsorglichkeit dem alten Menschen gegenüber, bewusst oder unbewusst aus Schuldgefühlen heraus, die oft die Unselbstständigkeit des Menschen fördert und ihn auch überfordert

Und darum bitte ich die Angehörigen bei manchen Pflegehandlungen ( individuell nach Bewohner) vor der Tür zu warten


Gruss Silversurfer
Zuletzt geändert von silversurfer am Sa 5. Feb 2011, 19:37, insgesamt 1-mal geändert.



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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von ilios1966 » Sa 5. Feb 2011, 19:42

Hallo

Ich kann MA verstehen, wenn sie bestimmte Angehörige meiden.
Dennoch ist mein Einstellung so geartet, dass ich favorisiere auf Angehörige aktiv zuzugehen und das Gespräch zu suchen. Also nicht reagieren sondern agieren.
Die Angehörigen fühlen sich so ernst genommen und mit einbezogen.
Es kann nicht immer für alles eine Lösung gefunden werden, aber man kann sich annähern oder Verständnis erlangen.

Es gibt nicht für alles eine Patent Lösung, aber Kommunikation ist eine große Chance Krisen nicht erst entstehen zu lassen.

Lg ilios


Ich bin nicht nur für das verantwortlich was ich sage,sondern auch für das was ich nicht sage!

Hohenstein
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von Hohenstein » Sa 5. Feb 2011, 19:54

Hmmm, wir versuchen die Angehörigen soweit wie möglich einzubeziehen. Aber es gibt Angehörige die Vertrauen haben und mit denen sinnvolle Gespräche möglich sind. Und man zu einer guten Lösung kommt, bei Problemen.
Ich empfinde es als sehr schwierig, wenn Angehörige Ärzte sind, das haben wir gerade, die tun so, als könnten und wüssten wir in der Pflege gar nichts und kommen nur zum kontrollieren.
Oder eine Angehörige, die kommt jeden Tag zu ihrem Mann( was eigentlich super toll ist) aber sie denkt eben dass NUR ihr Mann bei uns im Heim wohnt, und sie mischt mit ihrem Gejammer,wie schlimm doch alles ist, unsere dementen Bew. auf und Gespräche mit anderen Angehörigen oder Bew. ist kaum möglich, da sie sich in jedes gespräch reinmischt.

Aber die meisten Angehörigen sind dankbar, dass sie Beratung und Aufklärung vom Team haben. Und die Angehörigen sind voll integriert ,wenn sie da sind (setzen sich einfach dazu beim Kaffee, oder unterstützen mal beim TF in den RST oder Essen reichen)

Aber viele sind einfach hilflos und überfordert mit der Situation, dass ihr Angehöriger im Heim ist und natürlich spielen da Schuldgefühle sicher oft auch eine Rolle.



sophie
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von sophie » Sa 5. Feb 2011, 20:23

Hallo,

ich bin auch der Meinung, dass Angehörigen einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden des BW´s sind. Es sind seine sozialen Kontakte - ihnen vertraut er.

Dass Kollegen Angehörige meiden, kann ich nachvollziehen. Einige fühlen sich überfordert, andere auch mal bevormundet.
Für manche Angehörigen benötigt man eben auch Fingerspitzengefühl oder muss Grenzen aufzeigen können.
Wichtig bleibt: ein Asprechpartner muss da sein und eine offene Gesprächskultur muss herschen.

Ich sehe Angehörige, auch die Unanangehmen, als Unterstützung des Teams.

Sophie


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BEngel
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von BEngel » So 6. Feb 2011, 00:48

Ich freue mich immer sehr für unsere BewohnerInnen, wenn sie Besuch bekommen. Ob wir mit dem Besuch gut klar kommen empfinde ich eher als zweitranging, da es ja darum geht, dass sich der/die BewohnerIn wohl fühlt und sehr freut, wenn an ihn/sie gedacht wird.
Ich finde es äußerst lobenswert, wenn Angehörige mit in die Versorgung der Angehörigen einbezogen werden, aber ich sehe da auch definitiv Grenzen. Oftmals muss ich Angehörige dulden, die beim Wechseln von Einlagen, etc. direkt daneben stehen. Das ist so ausgemacht (bin ja ganz unten in der "Nahrungskette". Wenn ich jedoch daran denke, dass mir meine Tochter oder meine Nichte beim frisch machen auf meine Genitalien starrt und fragt, ob wohl "was drin" sei, wird mir persönlich ganz übel. Der Gedanke hat sich bei mir festgebissen. Das würde ich für mich nicht wollen und hätte aber ein genauso blödes Gefühl, wenn ich sagen würde, dass sie hinausgehen soll. Daher glaube ich, dass solche Situationen vielleicht sogar nur mit dem Bewohner unter vier Augen geklärt werden sollten. Wenn es nicht gerade eine von der Laune her sehr wechselhafte Person ist steht ja nicht zur Debatte, ob eine Demenz hier mit bedacht werden muss. Die Entscheidung des HBs sollte meiner Meinung nach im Hier und Jetzt (in diesem Fall) respektiert werden.


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pegean
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von pegean » So 6. Feb 2011, 01:12

Oftmals muss ich Angehörige dulden, die beim Wechseln von Einlagen, etc. direkt daneben stehen.
Oftmals haben aber diese Angehörigen das vorher selbst gemacht .
Wenn möglich "dirigier " die Angehörigen neben das Bett und unterhalt Dich einfach mit dem Bew. und den Angehörigen über irgendetwas .Jedenfalls so daß sich die beiden ins Gesicht schauen .
Oder Du spannst die Angehörigen einfach mit ein .Wenn die Bew. z.Bsp. gedreht werden muß stellt Du die Angehörige auf die andere Seite .Sie hält dann die Bew. und Du legst die Einlage an.
Auch so beim Toilettengang :An gehörige hält -wenn sie es noch kann-und Du erledigst das Nötige .
mit dem Bewohner unter vier Augen geklärt werden sollten.
das kannst Du doch ruhig selbst mal fragen .
Oder sprich mit der Bezugspfl.kraft. Gemeinsam kann man doch eine Lösung finden.

LG
Zuletzt geändert von pegean am So 6. Feb 2011, 01:19, insgesamt 1-mal geändert.


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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von Griesuh » So 6. Feb 2011, 07:29

Hi Leute, ihr habt Probleme. Wenn die Angehörigen im stationären Bereich
1-2 x die Woche im Heim einen Besuch ab statten.
Im ambulanten Bereich haben wir die Angehörigen bei jedem Kundenbesuch mit dabei. Warum sollen die nicht mithelfen bei der Versorgung? Denn wir als PD sind nicht 24 Std. vor Ort. Bis zu unserem nächsten Besuch versorgen die Angehörigen ihren Pflegebedürftigen mehr oder weniger gut doch auch selbst.
Deshalb werden bei uns die Angehörigen soweit als möglich mit in die Versorgung eingebunden.
Stressig wird es nur, wenn die Angehörigen alles besser wissen und oder ständig selbst an den Verbänden rumbasteln bzw. es trotz mehrfacher Anleitung und Unterweisung nicht schaffen z. B. 2 Stdl. zu lagern.
Oder wen der ebenfalls betagte Ehepartner, cerebral selbst nicht mehr auf der Höhe ist und die restliche Verwandtschaft diese dann auch noch hippelig macht. Dann kommt freude auf.


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Beitrag von überflüssig » So 6. Feb 2011, 09:46

Hallo zusammen,
Und dieses Problem dürfte seine Wurzel im Krankenhauspflegeverständnis von Anno dazumal haben, als es üblich war, Angehörige bei allem Verrichtungen am Patienten vor die Tür zu schicken.
Sicher muss man im stationären Bereich nicht bei allen Verrichtungen die Verwandtschaft vor die Tür schicken, aber es gibt Maßnahmen, bei denen auch die engsten Angehörigen nichts zu suchen haben. Dazu gehören sämtliche Maßnahmen, die die Intimsphäre des Gepflegten berühren. Wenn ich BZ messe muss niemand den Raum verlassen, aber wenn ich am Intimbereich arbeite, sorge ich dafür, dass dies nicht öffentlich passiert. Im ambulanten Dienst, wo die Angehörigen in Abwesenheit des PD die Verrichtungen vornehmen, sieht es vielleicht anders aus.
Wobei ich sagen muss, dass in meinen Einsätzen im ambulanten PD( Nebenjob), sich die Frage nie stellte, denn die Kunden waren eigentlich immer allein, also keine Angehörigen in Sicht....
Nach meiner Erfahrung kann man auch mit den „schwierigsten“ Angehörigen ein Gespräch führen und auch Verständnis bekommen. Wichtig ist mE, dass die Konversation auf Augenhöhe stattfindet, jedenfalls hat sich das für mich bewährt. Ich gehe mit allen Angehörigen nach einem meiner Lebens-Mottos um, nämlich:
Was du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
Damit fahre ich eigentlich immer gut.
VG überflüssig



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Griesuh
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von Griesuh » So 6. Feb 2011, 10:26

Hi Überflüssig: welche alleinlebenden Kunden habt ihr im ambul. denn versorgt?

Du schreibst: ... die Kunden waren eigentlich immer allein ...........

Wie ist das möglich? bettlägerig, nicht steh u. Gehfähig, nicht alleine Essen können, inkontinent usw. und Keine Angehörigen die ihn ausserhalb der Pflegebesuche des PDs versorgen?
Da kann was nicht stimmen an deiner Aussage.
Solche Kunden die alleine leben und die evtl. 1-2 mal in der Woche Hilfe beim duschen erhalten ansonsten noch alles alleine können, sind sicherlich auch keine Kandidaten für`s Heim.


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Beitrag von Tinkerbell1896 » So 6. Feb 2011, 10:31

Angehörige können anstrengend sein-sowie Angehörige Pflegekräfte als anstrengend empfinden können...

und warum?

weil wir alle nur Menschen sind-und Jeder hat seine Last zu tragen, ob klein oder groß-ob das nun Änsgte, Sorgen,Kummer, Streß oder was auch immer sind...

Individuell muss man als Pfelgekraft abschätzen, ob man Angehörige bei pflegerischen Maßnahmen rausbittet oder nicht. Ich selbst mache es davon abhängig, was gemahct werden muss... und in welchem Zustand der BEw/Pat ist.


Hier ein Beispiel:

Bew. präfinaler Zustand, Angehörige vor Ort, teilweise extra aus dem Ausland angereist um zu begleiten. Bew. musste von uns versorgt werdem-im Intimbereich- und hier haben wir die Angehörige nicht rausgeschickt, weil wir gemerkt haben, als wir Bew. gedreht haben, dass die Atmung zwischenzeitlich aussetzte-wir wollten vermeiden, dass Bew. verstirbt während die Ang. vor der Tür hätten warten sollen...

Bei Intimversorgungen im alltäglichen Ablauf bitte ich Angehörige stets raus i. d. Regel...es gibt aber auch Außnahmen.

Ich denke sowas ist immer individuell zu entscheiden...


Durchhalten, auch wenn's mal beschissen läuft!

(siehe Foto)

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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von überflüssig » So 6. Feb 2011, 11:31

Hallo Griesuh,
Off-Topic:

ich habe in meinen Einsätzen Menschen versorgt, die nicht rund um die Uhr Betreuung benötigten. Es sind ja nicht alle Kunden bettlägrig, nicht gehfähig oder und nicht in der Lage die Mahlzeiten selbstständig einzunehmen.
Und es waren auch tatsächlich bettlägerige Kunden dabei, die durch den PD versorgt wurden, wenn die Verwandtschaft arbeiten war. Vielleicht hätte ich deutlicher herausstellen sollen, dass diese Menschen nicht ganz allein, also ohne Versorgung durch Angehörige waren, sondern dass eben nur in der Zeit, die ich dort war eben keine Angehörigen anwesend waren.
Zusätzlich hatte ich versucht zu differenzieren, dass es Unterschiede zwischen ambulanten Kunden und „Heim-Krankenhaus-Kandidaten“ gibt. Dies ist mir jetzt hoffentlich gelungen.
VG überflüssig
Zuletzt geändert von überflüssig am So 6. Feb 2011, 20:29, insgesamt 1-mal geändert.



sophie
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von sophie » Mo 7. Feb 2011, 16:53

Off-Topic:

Hallo Griesuh,


[quote]Wie ist das möglich? bettlägerig, nicht steh u. Gehfähig, nicht alleine Essen können, inkontinent usw. und Keine Angehörigen die ihn ausserhalb der Pflegebesuche des PDs versorgen?
Da kann was nicht stimmen an deiner Aussage.
[/quote]

Hier möchte ich dir widersprechen! Das gibt es leider häufiger. Ein "Horrorszenario" ist mir noch gut im Gedächtnis. Frau, bettlägerig, mit PEG und BDK, lag in einem Zimmer, dort stand ein Bett und ein Kleiderschrank. Die Dame lebte ganz alleine in ihrem Haus. Der Sohn kam alle zwei Tage vorbei. Der PD 4 mal tgl. Die Nachbarn, haben "nach dem Rechten gesehen". Das Haus war komplett ausgeräumt und die Tapeten schon von den Wänden entfernt.

Mit meinem heutigen Wissen wäre ich vermutlich zur Kranken/Pflegekasse gegangen, da meine damaligen Chef´s nicht den Hintern in der Hose hatten (oder auch die Euros nicht missen wollten) um etwas zu unternehmen.


Ein ähnlicher Fall (ohne ausgeräumte Wohnung) mit Polin wurde durch den Dienst 1 mal tgl besucht, der Sohn wohnte 200 km entfernt.

Mir fallen auf Anhieb mehrere dieser Ausnahmen ein.

Nur bei wenigen, waren die Anghörigen bei der Pflege vor Ort und diese waren zum Teil sehr anstrengend.


Auch im Heim gibt es Angehörige die täglich kommen um die Arbeit zu kontrollieren. In Extremfällen bis hin zur Anzahl der Correga-Tabs. (Tochter ist selbst in psychiatrischer Beh.). Diese Angehörigen müssen ebenso begleitet werden wie die zuhause, denn wenn ich meine Mutter jahrelang zuhause versorgt habe, es aber jetzt nicht mehr kann, dann haben die Betroffenen sehr oft ein schlechtes Gewissen.

sophie


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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von DollscheVita » Mo 7. Feb 2011, 17:28

Ja - Angehörige können m. E. in den ersten 3 Monaten nach Neuaufnahme häufig als sehr anstengend empfunden werden.
Weil von Selbstzweifeln geplagt ob dieses wohl der "richtige" Schritt war, mit zu "hohen" Erwartungen an Pflegepersonal und stationäre Einrichtung und dem nicht Loslassen wollen oder können.
Kommunikation auf Augenhöhe, aufnehmen von Wünschen und Bedürfnissen sind in der ersten Zeit Hauptthema.
Überzogene Forderungen klarstellen, dass stationäre Pflege kein Zuhause ersetzen kann, das keine 1 zu 1 Pflege leistbar ist.

Mit 98% der Angehörigen und Betreuer klappt dieses prima. Ca. 2% müssen so verbraucht werden, weil selbst kognitiv schon eingeschränkt oder eben sehr unzufriedene, selbstgefällige oder rechthaberische Menschen sind.

Wir haben Angehörige die sind tägl. 3x da, 2 übernehmen auch die GP und IKM Versorgung.
Mit einer Angehörigen klappte es so gar nicht. Niemand fand einen Zugang zu ihr. Sie drohte ständig mit der Heimaufsicht (dort war sie schon bekannt, weil ihr Mann vorher schon in anderen Heimen war), Gespräche wurden nur noch mit der Heimleitung und mit der Bezugspflegekraft geführt. Diese war für den Bew. keine gute Situation, weil er diese ständigen Spannungen mitbekam und sich auch auf das Pflegepersonal übertrug.

Grundsätzlich bitten wir keinen Angehörigen vor die Tür, wir fragen, ob sie dabei sein möchten. Wir haben nichts zu verbergen und erfahren oft viel Zuspruch nachdem Angehörige gesehen haben wie wir z.B. mit Fäkalien umgehen.


LG - DollscheVita -

Sarasim
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von Sarasim » Mo 7. Feb 2011, 18:42

Ich muss gestehen, dass es mir ziemlich seltsam vorkommen würde, würde mich eine Pflegerin oder ein Pfleger vor die Tür schicken, während meine Liebste versorgt wird.
Er kommt durchaus mal vor, dass ich, wenn ich morgens erst später aus dem Haus gehe und der Pflegedienst bereits da ist, noch kurz bei der Grundpflege dabei bin. Ich käme niemals auf den Gedanken, kontrollieren zu wollen, wenn ich mir aber etwas abgucken kann, wie ich meine mehr oder weniger gute Pflege verbessern könnte, schau ich gerne hin. Ich erinnere noch, wie mich eine Pflegerin (damals noch im Krankenhaus) bat, das Zimmer zu verlassen, während sie meine Liebste versorgt, aber ich habe sie dann kurz gebeten, mich doch dabei sein zu lassen, da ich ihre Arbeit ja später selbst zu machen habe (aufgrund einer schweren Aphasie und des damals noch notwendigen Trachäostomas konnte Nicole nicht für sich sprechen und sagen, dass es o.k. ist).
Bitte geht entspannt mit Angehörigen um (natürlich weiß ich, dass es unter denen eine Menge fürchterlicher Nervensägen gibt) und macht Eure Arbeit weiterhin mit Ruhe und Selbstvertrauen, die Angehörigen schätzen Euch und Eure Arbeit oft mehr
als Ihr denkt.

Sarah
Zuletzt geändert von Sarasim am Mo 7. Feb 2011, 19:39, insgesamt 1-mal geändert.



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schnitte
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von schnitte » Di 8. Feb 2011, 00:04

hi juca, teile grundsätzlich deine einstellung, dass offene gespräche mit angehörigen nur allen nutzen.
aber es gibt anstrengende angehörige. für mich sind es diejenigen, die ich wohl auch im privatleben einfach meiden würde. ich habe wirklich geduld für alle ängste und fragen und kein problem mich diesen zeitaufwändig zu widmen. was ich nicht leiden kann, ist wenn angehörigen selbst schon die psychische hilfe suchen (bei depressionen, ms ähnliches). die sollten sich selbst eingestehen ein pflegefall zu werden, oder sehen was sie noch können und handeln, statt zu jammern. letztlich pflege ich doch den heimbewohner und werd nicht für bezahlt den krankheiten der angehörigen nachzugehen.
und was ich nicht leiden kann, sind bevormundende, respektlose angehörige., die sich so entweder gegenüber den heimbewohnern so verhalten (ne mutti, du musst doch aufs klo, sags doch, nu geh doch und stell dich nicht so an) oder gegenüber dem pflegepersonal (einfach so tun als hätte man nix zu tun, weil man nicht zu sehen ist, beachten aber nicht, dass pflege hinter verschlossenen türen stattfindet; und einen keine 5 min. pause gönnen, keine übergabezeit berücksichtigen, oder einen wirklich abwertend behandeln ud sich hochnäsig verhalten)



Regina Dettenrieder

AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von Regina Dettenrieder » Mi 9. Feb 2011, 16:32

Lassen Sie mich die Sichtweise eines pflegenden Angehörigen zur Profi-Sicht dazulegen.
Bei dem Stichwort "Krankenhauspflegeverständnis" fällt mir als Pflege-Laie und Mutter das Beispiel "rooming-in" auf der Entbindungsstation ein.
Gehen wir ca. 40 Jahre zurück, da war es schlichtweg undenkbar, dass ein Neugeborenes am Bett - geschweige denn im Bett der Mutter den einwöchigen Klinikaufenthalt verbrachte. Mit dem Betreten der Klinik übergab sich damals die Gebärende dem med. Personal, das die alleinige Wissens-, Pflege- und Versorgungsherrschaft über Mutter, Vater (während der Geburt bestenfalls auf dem Gang) und Kind hatte, bis zur Stunde der Entlassung.
Dann plötzlich - wie vom Himmel gefallen- sollte die Mutter natürlich die Erst- und Bestzuständige für ihr Neugeborenes sein und der Vater selbstverständlich seine Vaterrolle ausfüllen können. Dass das so nicht stimmig sein kann, sieht im Nachhinein wohl jeder.
Im Lauf der Zeit haben die Eltern ihre natürliche Zuständigkeit von Anfang an eingefordert und das rooming-in ist ebenso wie die Hausgeburt wieder normal geworden.
Die Vorteile für alle Beteiligten sind unzweifelhaft belegt.

Auf die med./pflegerische Versorgung möchte trotzdem niemand verzichten - da, wo sie notwendig ist. Die Zuständigkeit ganz abgeben allerdings auch nicht.

Hier sehe ich Parallelen zur Altenpflege.
Warum soll der/die Angehörige plötzlich außen vor bleiben, wo er/sie doch bisher "gut genug" war, zu pflegen und zu versorgen. Warum soll er plötzlich alles abgeben, nur weil der "Wohnraum" seines Angehörigen sich geändert hat, die Beziehung aber doch bleibt und dieser Mensch ihm vertraut ist und bleibt?
Und wie fühlt sich wohl der Gepflegte, wenn gleichzeitig mit dem Wohnraum-Wechsel auch die Bezugsperson zwangsweise wechseln muß? Wenn er evtl. in dem Konflikt steht, sich entscheiden zu müssen zwischen Profi- und Angehörigenpflege?
Keiner wollte auf die Profi-Pflege verzichten, dort wo sie nötig ist.Beides zusammen gibt eine runde Sache, da schließe ich mich meinen Vorgängern an.
Dazu gehören geeignete Rahmenbedingungen, die diesen Mix zulassen, keine Frage.
Was wäre dabei, wenn die Medikamente von Angehörigen hergerichtet werden würden? Zuhause konnten sie das doch auch.
Was wäre dabei, wenn sie ihren Angehörigen baden würden? Zuhause taten sie das doch auch?
Was wäre dabei, die Zimmernachbarin zum Sonntagskaffee mit heim zu nehmen, das machen Nachbarn untereinander doch auch?
Es ließe sich viel aufzählen.
Sie sagen: die Haftung, das Risiko..... Natürlich, das steht dem natürlichen Umgang im Weg.
Jedoch: Hürden, die aufgebaut wurden, können auch wieder abgeschafft werden, sh. rooming-in.
Ein Umdenken in diese Richtung halte ich für gewinnbringend.

Regina Dettenrieder
Pflege-SHV



iceage
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von iceage » Mi 9. Feb 2011, 17:43

"Krankenhauspflegeverständis"...eigenartige Wortschöpfung :confused: .
Im KH ist es doch fast überall Gang und Gäbe,dass die Pat.,im Gegensatz zum Heim,in einem 3-oder 4-Bettzimmer liegen,maximal 2-Bettzimmer,wenn man nicht gerade Privatpatient ist.
Wenn ich nun in einem 3-Bettzimmer,wo im Moment gerade die Angehörigen aller 3 Patienten zu Besuch sind,eine Massnahme durchführen muss,dann ist es doch aus Sicht der Intimsphäre,des Datenschutzes und des Platzbedarfes nur logisch,dass ich die Leute nach draussen bitte !
Natürlich können die eigenen Angehörigen bleiben,aber meine Erfahrung ist eben die,dass diese dann gleichfalls den Raum verlassen.

Woraus lässt sich nun aber ein Grund ableiten,diese Verfahrensweise zu missbilligen,so,wie es hier scheinbar der Fall ist ?

Es gibt reichlich Unterschiede zwischen Heim und KH,welche man hier nicht ausseracht lassen darf und deswegen kann niemand in einem Heim von
"Krankenhauspflegeverständis" sprechen !



A.v.Stösser
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von A.v.Stösser » Mi 9. Feb 2011, 20:48

Einige von Ihnen erinnern sich bestimmt noch an die Zeit, als Angehörige nur zu den offiziellen Besuchszeiten von 14-16.00 Uhr ihr Kind, Mutter, Vater, Oma, Opa, Bruder,Schwester, Freund oder Freundin im Krankenhaus besuchen durften. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich selbst während meiner Ausbildung - regelmäßig die Durchsage gemacht habe: "Die Besuchszeit ist jetzt beendet, wir bitten alle Besucher sich zu verabschieden." Nur in ganz wenigen Ausnahmefälle, wurde hier eine Ausnahme erlaubt, vor allem bei Sterbenden - wenn ein Einzelzimmer zur Verfügung stand. Ich erinnere mich auch noch an das Geheule der Kinder auf der Kinderstation, wenn die Mütter gehen mussten, weil die Meinung vorherrschte, dass die Anwesenheit der Mutter die Eingewöhnung des Kindes behindere. Dann gab eine Zeit des Umbruchs in der das Besuchsthema diskutiert wurde, wobei vor allem die älteren "Schwestern" ein Chaos befürchteten, wenn den ganzen Tag über irgendweche Angehörigen in den Zimmern sind. Andere stimmten gegen eine Auflockerung, wegen der Mitpatienten in den zumeist drei- und vierbettzimmern, die weniger Besuch hatten.
Nachdem dann die ersten Häuser angefangen hatten, die Besuchzeiten zu lockern, zogen andere nach - bis diese schließlich ganz verschwunden waren.
Damit verschwand jedoch nicht automatisch die Haltung gegenüber den "Besuchern" aus den Köpfen der Pflegenden. Selbst Ärzte taten sich lange sehr schwer damit, die nächsten Angehörigen einzubeziehen, etwa bei Therapieentscheidungen. Was der "Herrgott in Weiß" angeordnet hatte, durfte nicht in Frage gestellt werden. "Was hat der Doktor gesagt, was wird mit mir gemacht?", wurden wir dann oft nach der Visite gefragt. Wer sich in ein Krankenhaus begab, musste seine Selbstbstimmung an der Pforte abliefern, so die Kritiker in den 70iger, 80iger Jahren. Nur ganz wenige Patienten, Angehörige und Pflegekräfte trauten sich einem Arzt zu wiedersprechen - wenn sie dessen Anordnung fragwürdig fanden. Solche "schwierigen" Patienten/Angehörige hatten einen entsprechend schweren Stand. Es war ganz klar, wer im Krankenhaus das Sagen hatte, nämlich der Chefarzt und die jeweilige Stationsschwester.

Ich verkürzte die Historie ein wenig und erinnere an die Anfänge der Altenpflege, die sich ja aus der Krankenpflege entwickelt hat. Wobei die Pflegeausbildung auf das Krankenhaus bezogen war - darum meine Wortschöpfung: "Krankenhauspflegeverständnis". Als die mit diesem Patienten/Angehörigenverständnis geimpften Krankenschwestern/Pfleger in den 80iger-90iger Jahren leitende Positionen in den Altenheimen übernahmen, der Beruf der Altenpflege gibt es noch nicht so lange, führten sie dort ähnliche Verhaltensmuster ein. Nicht nur, dass Anfangs der Bewohner als Patient bezeichnet wurde. Bis heute lassen sich Haltungen gegenüber Patienten/Bewohnern und Angehörigen beobachten, die sich vor diesem Hintergrund pflegerischer Prägung erklären.

Um hier nochmals kurz auf das Beispiel der Tochter zurückzukommen, die enttäuscht vom Pflegepersonal selbst versucht, ihre Mutter vor dem Verhungern zu retten. Ohne im Einzelnen zu wissen, was dort abläuft, kann doch jeder erkennen, dass sich diese Angehörige völlig alleine gelassen und überfordert fühlt mit der Situation. Jetzt kann man vielleicht unterstellen, dass sie so schwierig ist - und sich gar nicht helfen lassen will. Ich tippe eher darauf, dass es niemand je versucht hat, diese Tochter mit ihren Ängsten, Erfahrungen und Vorstellungen ernst zu nehmen und gemeinsam mit ihr nach einer gangbaren Lösung zu suchen. Das passt nämlich nicht ins Rollenverständnis der Pflege, weder in den Krankenhäusern, noch in den Heimen, noch zu Hause. Solange da noch im Hinterkopf das Denken herrscht: Ich habe schon genug mit der Pflege des Patienten/Bewohner zu tun und kann mich nicht auch noch mit den Problemen der Angehörigen befassen, bin ich im Denken auf der Körperpflegeschiene unterwegs und missachte die Beziehungsebene.

Ich stelle mir die Rolle der Pflegeprofis im Verhältnis zu den pflegendenen Laien ganz anders vor, als sie derzeit praktiziert wird. Doch dazu vielleicht später mehr.

Liebe Grüße in die Runde
A.v.Stösser



überflüssig
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von überflüssig » Mi 9. Feb 2011, 21:28

Hallo Frau von Stösser,
erlauben Sie mir den Hinweis, dass es in diesem Thread um die Frage geht ob Angehörige schwierig sind und wenn ja warum?
Mir ist bewusst, dass sich dieser Thread aus dem entstand, in der die Tochter wegen ihrer hungernden Mutter um Rat fragte.
Hier jedoch war die Fragestellung eher allgemein gehalten und sollte mE nicht unbedingt im Zusammenhang mit dem Hilferuf der Tochter gesehen werden.
Aus meiner beruflichen Krankenhaus-Erfahrung kann ich nicht bestätigen, dass die sich Patienten und oder Angehörigen von heute den Anordnungen der Ärzte einfach unterordnen.
Viele fragen nach, kritisieren konstruktiv und im Zeitalter von www, wo jeder im Internet alles nachlesen kann, fühlen die Menschen sich sicherer bei Nachfragen, denn sie können sich Hintergrundwissen anlesen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
Es mag gut sein, dass es PK gibt, die noch antiquarische Vorstellungen bezüglich des Umgangs mit den anvertrauten Menschen und deren Angehörigen haben.
Ich selbst erlebe es aber in der Mehrheit anders. Die Menschen werden ernst genommen. Bei den Patienten, die zu Hause auf eine bestimmte Art gepflegt und versorgt wurden, wird durchaus versucht auf diese Gewohnheiten einzugehen und sie beizubehalten. Nur bei „Pflegefehlern“ wird das Procedere zum Wohle des Patienten geändert.
Was die Hierarchiestruktur in den Abteilungen selbst betrifft haben Sie Recht, in vielen Bereichen ist es so, wie Sie sagen. Dem Chefarzt und der Stationsschwester wird von den jeweiligen Nachgestellten nicht widersprochen. Wer dies tut ist Ruck Zuck Persona Non Grata....
Das muss anders werden, aber solange wie die angehenden Leitungen in Vorstellungsgesprächen blenden können und innovative Kollegen unerwünscht sind, wird das schwer, fürchte ich.
VG überflüssig
PS: Bitte verzeihen Sie, dass ich über Patienten rede, aber ich arbeite als Krankenschwester und deshalb an diesen Terminus gewöhnt.



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