Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Bietet pflegenden und betreuenden Angehörigen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Unterstützung bei Konflikten mit Heimen oder ambulanten Pflegediensten oder fachkundigen Rat in speziellen Fragen zur Pflege und Betreuung.
A.v.Stösser
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von A.v.Stösser » Do 10. Feb 2011, 23:04

Hallo Überflüssig,
dass es anstrengende Angehörige gibt, steht ja wohl außer Frage. Die überwiegende Mehrzahl der Angehörigen reagiert jedoch angepasst. Wir hätte die oft entwürdigenden, kränkenden Versorgungspraktiken in den Einrichtungen nicht, würden sich die erwachsenen Töchter/Söhne in gleicher Weise für ihre hilfebedürftigen alten Eltern stark machen, wie das normalerweise die Eltern für ihre Kinder tun.

Die Frage müsste lauten: Wann und warum werden Angehörige als anstrengend empfunden? Dazu wurden von verschiedenen Usern bereits Antworten gegeben. Meine Antwort:

Wann: Angehörige werden vor allem dann als anstrengend empfungen, wenn sie die Kompetenz und Arbeit der Fachleute in Frage stellen. Also wenn sie offen oder verdeckt Kritik üben.
Warum: Weil das weh tut, weil das an meiner Ehre nagt. Denn wenn ich, die ich es eigentlich besser wissen müsste, weil ich das Pflegen ja gelernt habe - mir von einem Laien Belehrungen anhören muss, da muss ich schon gut über den Dingen stehen, um damit konstruktiv umgehen zu können. Statt sich in diesem Falle mit der Situation auseinander zu setzen, werden Ausflüchte gesucht, alle Vorwürfe abgestritten. Es bilden sich Fronten, statt Miteinander agiert man Gegeneinander. Zumeist unterliegt der Angehörige. Viele geben auf, sagen nichts mehr um kein Hausverbot zu riskieren. Die Fachleute haben hier eindeutig die besseren Karten. Wenn den Pflegenden die "uneinsichtige" Haltung eines Angehörigen zu anstrengend werden, schaltet man halt das Gericht ein. Ehe der Angehörige wie ihm geschieht, die wenigsten kennen sich da aus, wird die Vorsorgevollmacht ausgehebelt, eine Kontrollbetreuung bzw. Berufsbetreuung vorgeschaltet. Mir lliegen gerade aktuell wieder drei solcher Fälle vor - Im Grunde bei allen das gleiche Muster.

Es waren nicht nur die früheren Chefärzte und Stationsschwestern, die meinten keine Kritik dulden zu dürfen. Wir haben es hier mit einem historisch gewachsenen, geradezu genetisch verankerten Rollenverständnis der gesamten Medizin- und Pflegebranche zu tun, das zwar vieles an der füheren Starre verloren hat, aber immer noch deutlich in allen Bereichen zu spüren ist. Mangelnde Kritikfähigkeit zieht sich bis heute durch alle Ebenen. Mit dem Ergebnis, dass kritische Angehörige genauso wie kritische Mitarbeiter in aller Regel gemieden, gemobbt, gekündigt oder gar ausgeschaltet werden.

LG, A.v.Stösser



thorstein
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von thorstein » Fr 11. Feb 2011, 12:00

Unter:
http://www.farbeundlack.de/fileserver/v ... nar_13.pdf

findet sich folgende Typisierung von Angehörigen:
Typen von Angehörigen
 „delegierende Angehörige“ (24%)
- mit oftmals latentem oder offenem Konflikt zum Heim infolge nicht abgeklärter Vorstellungen und Einschätzungen
 „aktiv pflegende Angehörige“ (12%)
- die zum einen durch ihre häufige Anwesenheit zusätzlich Orientierung und Unterstützung ermöglichen, zum anderen aber auch Personen darstellen können, die Pflege und
Verantwortung nicht abzugeben im Stande sind
 „psychisch stabilisierende Angehörige“ (32%)
- wo die gegenseitigen Erwartungen von Angehörigen mit dem Heim meist abgestimmt sind und die Integration des Bewohners am besten gelingt
 „distanzierte Angehörige“ (32%)
– die sich primär auf hauswirtschaftliche Zusatzaufgaben konzentrieren und ein eher gespanntes Verhältnis zum Bewohner haben
Leider weiss ich nicht, wie belastbar diese Zahlen sind. Aber es fällt doch auf, dass die Mehrheit der Angehörigen als problematisch eingestuft werden.

Umgekehrt würde es mich interessieren, ob es eine ähnliche Typisierung auch für Pflegekräfte gibt. Dann könnte man darüber spekulieren, was passiert, wenn bestimmte Typen von Angehörigen und Pflegekräften aufeinandertreffen.



iceage
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von iceage » Fr 11. Feb 2011, 17:05

Hallo zusammen,
trotz allem akademischen Geplänkels zu diesem Thema sollten wir doch auch unsere tägliche Erfahrung mit Angehörigen bedenken.

Dazu mal ein Beispiel aus meiner täglichen Praxis :

Ein 14jähriger wird mit C2-Intox eingeliefert,Blutalkohol 2,1 Promille.
Er wird,nach der Untersuchung,in unseren "Time Out Raum" zum Ausschlafen gelegt,dieser sieht wie übliche Räume dieser Art in jeder Psych. aus.
Nun kommen die Eltern und beschweren sich als Allererstes,warum ihr Sohn nun in so einem Raum liegen muss,sind total empört und drohen mit Beschwerden noch und nöcher.

Fragen sich die Eltern aber,wie der Bengel an soviel Alk kommen konnte und wissen sie überhaupt,was ihr Sprössling abends so alles treibt ?
NEIN :mad: ! Aber bei uns beschweren sie sich über die Tatsache,dass ihr besoffener Liebling,wie jeder andere C2-Intox,in diesem Raum liegt und seinen Rausch ausschläft !

Da brauchts keine wissenschaftliche Abhandlung drüber,warum Angehörige anstrengend sein können,denn gesunder Menschenverstand sagt einem das schon,sobald solche Angehörigen den Mund aufmachen,man braucht also nur zuhören und kann sich sein Bild vom Gegenüber machen,ob nun im KH oder im Heim,denn Angehörige sind überall gleich und auch Menschen wie wir.



überflüssig
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von überflüssig » Fr 11. Feb 2011, 17:29

Hallo Frau von Stösser,
vielleicht haben wir zum Thema einfach unterschiedliche Erfahrungen.
Ich erlebe in der Klinik mehr ein Miteinander,als ein Gegeneinander. In der Regel gibt es zwischen pflegenden Angehörigen und den professionell Pflegenden keine Fronten. Gerade bei Patienten, mit denen krankheitsbedingt eine Kommunikation kaum möglich ist, sind die PK froh, wenn sie die Wohlfühlfaktoren und Rituale durch die Angehörigen erfahren. Das verkürzt und erleichtert die Zeit der Erholung. Sprechen Angehörige Kritik aus, sei es an der Pflege, oder an den ärztlichen Maßnahmen, kenne ich es generell so, dass sich mit diesen Punkten im Gespräch mit den Abgehörigen, wenn möglich unter Beteiligung der Patienten, auseinandergesetzt wird und eine zufriedenstellende Lösung gefunden wird. Ausnahmen bestätigen natürlich diese Regel.
Meine Erfahrungen beschränken sich auf den Intensivstationsbereich und ich empfinde konstruktive Anteilnahme am Genesungsprozess immer als positv und hilfreich. Auch die Kolleg/Innen und die Ärzte sahen und sehen das in der Mehrzahl so. Wir sind aber alle nur Menschen und natürlich findet die PK zu dem einen Patienten bzw. Angehörigen besser eine Kommunikationsbasis als zu anderen. Das ist wie im richtigen Leben, man kann nicht mit jedem gleich gut. Da können auch vermeidbare Konflikte entstehen.
Das wünschenswerte Miteinander wird leider dann zwangsläufig zu einem Gegeneinander, wenn die Wünsche der Angehörigen an die Pflege dem Patienten schaden und der Verwandtschaft auch mit Beweisen nicht klar zu machen ist, dass bestimmte Dinge nicht umgesetzt werden können.
Die Einschaltung eines Gerichtes habe ich selbst in Extremsituationen, wie zB bei der Entscheidung über weitere Maximaltherapie, oder Minimalmassnahmen noch nicht erlebt. So leicht ist es doch nicht über die Köpfe der Patienten bzw. der Bevollmächtigten hinweg zu entscheiden.Sollte es jedenfalls nicht.....
Was die Verfahrensweisen mit kritischen Kolleg/Innen betrifft gebe ich Ihnen uneingeschränkt recht. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Kolleg/Innen, die kein Interesse an ganzheitlicher Versorgung haben und nicht kritikfähig sind, sich durch beruflichen Aufstieg in die „Schreibtischriege“ relativ schnell vom Bett entfernen und somit auch aus der Reichweite von Angehörigen. Diese Damen und Herren bleiben aber den kritischen Kollegen als Vorgesetzte weisungsbefugt und entscheiden über deren Nichtkarriere. Solange sich an der gängigen Berufungspraktik in die „höheren“ Gefilde nichts ändert, wird sich bezüglich der Führungsqualitäten und des Gegeneinander statt Miteinander für die kritischen Kolleg/Innen ( zu denen ich übrigens gehöre, mit allen dazugehörigen Erfahrungen) nichts ändern.
Ich jedenfalls gebe die Hoffnung nicht auf.
VG überflüssig
Zuletzt geändert von überflüssig am Fr 11. Feb 2011, 19:27, insgesamt 1-mal geändert.



mrsanderson
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von mrsanderson » Fr 11. Feb 2011, 19:38

hallo ihr lieben

ich bin zwar nicht so lange in der pflege (seit 2005) habe aber schon erfahrung im nachtdienst, in der amublanten pflege und im stationärem dienst gesammelt.

ich fand es sehr hilfreich mit angehörigen zusammen zu arbeiten. klar ist es manchmal ein kraftakt wenn sie einem auf die finger schauen, aber ich hatte da verständnis für. (ich hatte auch immer das "glück" zu den "anstrengenden" familien fahren zu dürfen) schließlich versorgen wir ihre eltern etc. die angehörigen waren meistens sehr hilfreich in der biografie arbeit, in besorgungen, manchmal konnte ich sogar von ihnen lernen :-) laienpflege hehe, ja man glaubt es nicht was manche für tricks drauf hatten. ansonsten fand ich angehörigen nicht anstrengend, natürlich gab es immer eine ausnahme, aber auch da hat man durch gespräche eine lösung gefunden.
schönen abend



sophie
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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von sophie » Sa 12. Feb 2011, 10:31

Hallo thorstein,

interessante Idee die du hast. Die Frage ist, wo es eine solche Studie / Untersuchung zu finden gäbe. Hast du eine Idee?

Ich habe die Frage mal an jemanden weitergeleitet, der evtl. etwas wissen könnte.

Sophie


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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von iceage » So 13. Feb 2011, 10:13

Guten Morgen,
ich habe mir mal so einige Gedanken gemacht und den Thread im Ganzen nochmal studiert.

Ist schonmal jemand auf den sehr naheliegenden Gedanken gekommen,dass man als Pflegepersonal,egal ob im Heim oder im KH,doch eigentlich mit der Versorgung der Bew./Pat.,dem ganzen Schreibkram,Einarbeitung neuer Kollegen und Schüler,Bezugspflege und Aktentag (Heim),schon reichlich und genug zu tun hat,um sich auch noch mit den Angehörigen im Einzelnen zu beschäftigen ?

Wenn einem im Dienst der Kopf eh schon raucht und die Füsse schmerzen,ist man dann überhaupt noch aufnahmefähig für evtl. Beschwerden von Angehörigen ?

Ich würde mal meinen,nein !
Bei uns im Haus fängt das Beschwerdemanagement bei der Stationsleitung an,welche sich die Beschwerden oder Sorgen der Angehörigen anhört und die dann,im Rahmen einer Dienstberatung,mit den involvierten PKs spricht und dies ohne den alltäglichen Stationsdruck,sondern in Ruhe.
Daraufhin wird dann der Angehörige zum Gespräch eingeladen und die Sache wird geklärt,ohne dass der,so schon stressige Dienst,noch zusätzlich belastet wird.



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Beitrag von juca » So 13. Feb 2011, 13:37

Hallo iceage,
natürlich haben wir im Prinzip und tatsächlich keine Zeit, aber ist es nicht einfacher, Konflikte sachlich direkt zu besprechen und zu klären? , von Anfang an mit den Angehörigen zu reden?
Auch wir haben A. die täglich kommen, direkt ihre Wünsche umgesetzt haben wollen,die Beschwerden direkt bei der PDL anbringen.
Ein gutes Vertrauensverhältniss zu den A. erspart hier glaube ich mehr Zeit als ein gutes Beschwerdemanagement.(was natürlich auch wichtig ist)

Es ist natürlich klasse, wenn eine Stationsleitung so den Kontakt zu den A. hält, scheitert bei uns einfach an der Tatsache, das die WBL nicht oft auf dem Wohnbereich ist und nur F arbeitet, ohne Wochenende.

Ich habe die Erkenntniss gewonnen, gute" gewaltfreie " Kommunikation nimmt vielen Konflikten die Schärfe und die Basis. Der Weg über das Beschwerdemanagemant kann richtig sein, muß es aber nicht.
Keinesfalls dürfen A. das Gefühl bekommen, ich muß nur ordentlich auf den richtigen Tisch hauen, schon klappt es so, wie ich das will.

Bei allem Verständniss für die Angehörigen, sollten und können auch diese ein gewisses Verständniss für uns aufbringen, es würde die Situation enorm entlasten.
Ich weiss, das hier der Wunsch Vater des Gedanken ist, aber die Hoffung habe ich noch nicht aufgegeben.
gruß juca


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AW: Sind Angehörige anstrengend? und wenn ja, warum?

Beitrag von iceage » So 13. Feb 2011, 14:25

Hallo juca,
dann frag ich mich allerdings,wozu Ihr überhaupt WBLs habt,wenn die "kaum auf dem Wohnbereich sind" ?

Bei uns im KH bin ich als SL generell der erste Ansprechpartner für Angehörige,das allein aus dem Grund,damit meine Kollegen ihre Arbeit in Ruhe und vorallem fehlerfrei machen können,ohne durch lästiges Gezänk gestört zu werden.
Komisch,will mal ein Patient ein Päckchen Kaffee oder Blumen oder was für die Kaffeekasse als Dankeschön abgeben,kommen sie auch zuerst zu mir,warum also nicht auch andersrum :confused: .



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Beitrag von juca » So 13. Feb 2011, 15:31

Hallo iceage, das Thema wurde bereits in einem anderen Tread diskutiert.
( Pflege allgemein, Wohnbereichsleitung)

Demnächst findet bei uns im Haus eine Umstrukturierung statt, WBls wird es in dieser Form bei uns nicht mehr geben, :confused:
Natürlich ist auch unsere WBL für Angehörige zu sprechen, heißt aber für uns, das wir doch der erste Ansprechpartner sind, die den Wunsch dann weitergeben.
Gruß juca


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Beitrag von sophie » So 13. Feb 2011, 17:21

Hallo iceage,

bist du 24 h vor Ort? ;-) Ich hoffe doch nicht. Auch wenn deine Stellvertretung im Wechsel mit dir da ist, wird es Zeiten geben, an denen keine von euch beiden vor Ort ist und die Kollegen reagieren müssen.

Im Heim ist der Vorteil, dass man die Angehörigen ganz gut kennt. Ich möchte mal meinen dass zu 95 % die Angehörigen sehr angenehm (wenn auch zeitintensiv) sind. Nur wenige sind sehr anstrengend und noch weniger muss man auch mal Grenzen aufzeigen.

Im grossen und Ganzen sind doch die meisten Angehörigen bemüht, die Pflege zu unterstützen. Wir sollten die Kirche im Dorf lassen.

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Beitrag von iceage » So 13. Feb 2011, 20:16

Hallo Sophie,
als SL fungiert immer einer und die jeweilige SL ist auch in meiner Abwesenheit generell erster Ansprechpartner. Wir haben das so geregelt,dass die Kollegen mit den Pat. davon verschont bleiben und bisher hat's immer gut geklappt.

Was die "Kirche im Dorf lassen" angeht,stimme ich Dir zu.
Jedoch wollte ich nur mal darstellen,wofür PKs primär zuständig sind und das sind nunmal die Pat./Bew. und die Tätigkeiten ringsrum.
Für Beschwerden von Angehörigen oder "anstrengende Angehörige" sollten in erster Linie SL/WBL,PDL und GF zuständig sein undzwar in genau dieser Reihenfolge,denn somit ist eine optimale Pat./Bew.-Versorgung ohne zusätzliche Belastung möglich,was wohl,so denke ich,letztendlich jedem Beteiligten zugute kommt.



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Beitrag von Suse2 » So 13. Feb 2011, 20:42

@ iceage

deine Aussage muss ich jetzt erst mal verstehen??
Was passiert genau, wenn sich eine Angehöriger beschwert??
Der angesprochene MA verweist an die SL??? und die nimmt dann
die Beschwerde entgegen??


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Beitrag von Gelber Engel » So 13. Feb 2011, 21:03

Guten Abend,ich finde Eure Meinungen total interessant.Ich habe selbst täglich Umgang mit Angehörigen und muß sagen,es gibt immer sone und solche.Ich meine wie anstrengend sie sind ,hängt auch davon ab,ob die Belastungsgrenze der Angeh. bereits überschritten ist und weshalb.Ich ziehe den Hut vor jedem pflegenden Angehörigen.

Liebe Grüße



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Beitrag von iceage » Mo 14. Feb 2011, 08:12

Hallo Suse2,
genau so,haste richtig verstanden.
Gleichermassen läuft's auf allen Stationen,nicht nur bei mir,weil,wie schon gesagt,die Kollegen mit dem Stationsalltag schon genug zu tun haben und diesen "Knatsch" nun nicht auch noch haben müssen.



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Beitrag von Suse2 » Mo 14. Feb 2011, 12:02

ich kenne es ganz anders:

die "Beschwerde" nimmt der entgegen, der gerade angesprochen wird, ohne irgendwelche Rechtfertigungen, auf andere MA / Zuständigkeitsbereiche zu schieben usw......

er vermittelt dem Gegenüber erst einmal das er ihn ernst nimmt, nimmt seine Unzufriedenheit entgegen, spiegelt seine Aussage...

oft ist es dann auch schon gut, wenn der Ärger raus ist und das gegenüber sich eben ernst genommen fühlt..


auf jeden Fall wird die "Beschwerde" schriftlich festgehalten, von dem der sie entgegen genommen hat, an die entsprechenden Bereiche weiter geleitet, so dass im Nachhinein eine Klärung erfolgt/erfolgen kann.. durch den entsprechenden Bereich ( im Heim spricht man gerne über Wäsche, oder Kollegen?? :smile )

dazu gibt es ein Formular, welches ausgefüllt wird, früher hieß das mal Beschwerdebegleiter, mittlerweile hat es den netteren Namen Aktionsformular...

das Beschwerdemanagement unterliegt dem Sozialdienst und dieser macht auch einmal jährlich eine entsprechende Auswertung.

nun würde mich interessieren, wie es in anderen Einrichtungen gehandhabt wird..


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Beitrag von juca » Mo 14. Feb 2011, 12:27

Hallo suse, bei uns ist es genauso. Besteht ein Angehöriger auf einen bestimmten Gesprächspartner, wird hier vermittelt.
er vermittelt dem Gegenüber erst einmal das er ihn ernst nimmt, nimmt seine Unzufriedenheit entgegen, spiegelt seine Aussage...

oft ist es dann auch schon gut, wenn der Ärger raus ist und das gegenüber sich eben ernst genommen fühlt..
Genauso sehe ich das auch, da wir meistens alleine auf einem WB arbeiten, ist hier der direkte Weg der einfachste. Sollte auf diesem Weg keine Einigung erzielt werden, geben wir die Beschwerden an die entsprechenden Stellen weiter.
gruß juca


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Beitrag von sophie » Mo 14. Feb 2011, 22:46

Hallo Suse,

bei uns läuft es genauso. Es sei denn, es ist etwas anderes vereinbart.

Sophie


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Beitrag von A.v.Stösser » Fr 18. Feb 2011, 19:51

Ich komme erst heute dazu, den Fortgang der Diskussion zu diesem Thema zu lesen, die sich aktuell auf das Beschwerdeverfahren konzentriert, genauer, wer wo, für die Entgegennahme von Beschwerden zuständig ist.

Dabei bestätigt sich, dass wir in der Pflege leider wieder auf die funktionale Schiene zurückfallen, als die Stationsleitung (den Begriff WBL gabs damals noch nicht - auch in den Altenheimen sprach man bis Anfang der 90iger Jahre von Stationen) alleinige AnsprechpartnerIn für Angehörige, Ärzte etc. war. Dann kam die Zeit als man versuchte Bezugspflege in den Krankenhäusern und Heimen einzuführen (ich habe von 1986-1994 damit überwiegend mein Geld verdient): Jeder Patient/Bewohner erhält eine feste Ansprechnpartnerin - die gemeinsam mit ihm oder/und seinen Angehörigen, die Pflege plant und auch für Absprachen zuständig ist. Die Vorzüge der Bezugspflege, aus Amerika und England unter Primery Nurse bekannt, sind hinreichend durch in Studien belegt. In Deutschland war man hier auf einem guten Weg in diese Richtung. Inzwischen ist man, vor allem in den Kliniken und Krankenhäusern wieder in die Funktionspflege zurückgefallen: Es ist niemand für den einzelnen Bewohner/Patient zuständig, jeder verantwortet nur die Maßnahmen die er durchgeführt hat. Dort wo das so ist, haben Angehörige den meisten Grund zu klagen. Keiner will es gesehen haben, will es gewesen sein, es waren immer die anderen und die Stationsleitung/WBL kann schließlich nur das weitergeben was ihr gesagt wurde. etc. Dort wo ein funktionales System herrscht, laufen Angehörige bei Beschwerden häufig gegen Wände. Bei gut eingeführter Bezugspflege, haben Angehörige ganz selten Anlass sich zu beschweren, auch das ist bewiesen. Bezugspflegende treten ganz bewusst in Beziehung auch zu den Angehörigen.

Da Angehörige wesentlicher Bestandteil der Geschichte (mitunter auch der Krankengeschichte) eines Bewohners/Patienten sind, ist es unsinnig zu sagen, ich bin nur für den Patienten da und kann mich nicht auch noch um die Angehörigen kümmern.

Die Situation in einer Krankenhausnotaufnahme, ist eine ganz andere, wie die auf einem Wohnbereich oder Sozialstation. Insofern sind die Vergleiche die iceage hier anstellt, weil sie hauptsächlich ihre Station im Blick hat, nur teilweise übertragbar.

Mit liebem Gruß an Alle
Adelheid v.Stösser



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Beitrag von sophie » Fr 18. Feb 2011, 21:09

Hallo Fr. Stösser,

sicherlich haben sie in einigen Dingen recht und wenn die Fachkraft-Situation noch wie zu dieser von Ihnen benannten Zeit wäre, dann wäre eine Bezugspflege, wie sie sich jeder wünscht sicherlich möglich. Leider werden heute Wohnbereiche mit 30 - 40 Mitarbeitern gebaut, meist integrative Stationen, auf denen es wegen dem steigenden Demenzanteil sowieso schon zu Konflikten kommt. (Aktuell überlegen wir ob es nicht Sinn macht, die Nicht-Dementen zu separieren (Segretativer Bereich)). Ich kann wirklich sagen, dass wir auch dem Wohnbereich nur selten wirkliche Beschwerden haben. Da wir generell in sehr engem Kontakt mit den Angehörigen stehen, geben die direkt Bescheid, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Ich versuche, dann zu erklären, weshalb es so ist, gebe aber auch offen zu, wenn wir einen Fehler gemacht haben, dies kommt bei fast allen gut an. ....... Natürlich gibt es auch bei uns welche, die eben Motzen, weil sie anderes damit überdecken. Nachdem ich mehrmals dann mit einem positiven Grundgedanken (die Angehörigen wolle nur das Beste und sorgen sich) in solche Gespräche gegangen bin, angeschrien und beleidigt wurde habe ich nun Grenzen aufgezeigt. Mit mir kann man sprechen, ich versuche möglich zu machen, was ich kann. ABER: Ich bin auch ein Mensch und ich erwarte eine höfliche, freundliche Konversation. Kann diese nicht stattfinden, dann können diese Angehörigen sich auch gerne an die HL wenden oder ein entsprechendes Formblatt ausfüllen. Es gibt auch Angehörige, die auf den Kollegen nur rumhacken, diese fertigmachen. Hier habe ich mich WBL als Puffer eingebaut (Gespräch über mich), um die Kollegen vor Angriffen zu schützen.

Sophie


An den Fragen die sich dir stellen erkennst du das Leben, an den Antworten die du findest erkennst du dich selbst.

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