Neue Beraterin kann sich nicht einfühlen

Bietet pflegenden und betreuenden Angehörigen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Unterstützung bei Konflikten mit Heimen oder ambulanten Pflegediensten oder fachkundigen Rat in speziellen Fragen zur Pflege und Betreuung.
Antworten
Nachtwind
Beiträge: 3
Registriert: Mo 5. Mär 2018, 13:59
Beruf: Pflegebedürftige
Wohnort: Raum Augsburg
Interessen: Gothic, Bücher, Computer, Star Trek, Fantasy, Mittelalter, Friedhöfe, Konzerte,Katzen

Neue Beraterin kann sich nicht einfühlen

Beitrag von Nachtwind » Di 6. Mär 2018, 11:39

Hallo erstmal an alle :) !

Vielleicht ist dieser Post etwas ungewöhnlich, da hier kein pflegender Angehöriger, sondern, die Pflegebedürftige selbst schreibt. Ich bin mit 37 Jahren noch relativ jung, seit frühester Kindheit an einer schwer verlaufenden chron. Krankheit erkrankt, Rollstuhlfahrerin,unbefristeten Schwerbehindertenausweis, schon immer "pflegebedürftig".. noch vor der Pflegeversicherung 1995..sehe mich trotzdem als "normale" Frau, bin verheiratet, habe die allg. Fachhochschulreife und einer schul. Ausbildung in einem Fremdsprachenberuf (einfach damit ich sagen kann, ich hab sie :twisted: ).

Nun es geht mir um Folgendes, ich habe vor fast 2 Jahren, eine neue Beraterin für die Beratungstermine der Sozialstation bekommen. Die Frau ist zwar sehr nett, aber ich scheine sie, da sie es bei den Besuchen immer wieder betont hat, zu verunsichern, weil ich "die einzige jüngere,geistig nicht eingeschränkte Körperbehinderte" in ihrem Bezirk bin und sie eben aus der Altenpflege kommt und meine Lebenshaltung und Erwartungen nicht zu denen der sonst vorkommenden Senioren passen.
Meine Mutter und ich dachten uns..ok..die ist eben neu.
Beim nächsten Besuch regte sie an meine Mutter an ob es nicht interessant wäre mich mal in eine Seniorentagespflege zu geben.. :wall oder mal in eine Kurzzeitpflege, damit meine Eltern und mein Mann mal Ruhe hätten... :confused: .
Ich ließ ihr von meiner Mutter dann meinen ganzen "Park" an Hilfsmitteln, von geländegängigem Rollstuhlzuggerät, über elektr. Treppensteiger bis zum Elektromobil fürs Einkaufszentrum zeigen , wies sie darauf hin, das man heutzutage viele Dinge wie Kino, Konzerte, etc. auch als Rollstuhlfahrer besuchen kann..mit meinem Treppensteiger, den man ins Auto laden kann, noch einiges mehr. Mein Mann hat den Dreh raus, was Verladen und Umsetzen angeht.

Sie scheint mich wie ein Alien mit 3 Köpfen zu sehen, und egal wie ich mein Bestreben nach Inklusion als Behinderte erkläre, ist das für sie komisch.

Sie würde auch gerne mal meine Wohnung (mein Mann und ich wohnen unter meinen Eltern) sehen, weil wir sie bis jetzt immer in der Wohnung meiner Mutter empfangen haben. Die Frau ist sehr, sehr, sehr katholisch christlich, hat sie immer betont, und ich ein Goth mit sagen wir mal sehr düsterer totenkopflastiger Einrichtung....das kann nicht gut gehen.

Bald..diesen Monat..kommt sie wieder und mir graut schon vor dem Besuch. Die Sozialstation wechseln will ich nicht, da ich dort schon 20 Jahre beraten werde, und sie immer recht nett waren.

Wie gehe ich bloß damit um?



Benutzeravatar
Griesuh
Beiträge: 2891
Registriert: So 23. Jul 2006, 15:03
Beruf: GuK, PDL, Inhaber eines ambul. Pflegedienstes, jetzt in Rente
Einsatz Bereich: ambul. Pflege
Wohnort: In Hessen

Re: Neue Beraterin kann sich nicht einfühlen

Beitrag von Griesuh » Di 6. Mär 2018, 13:39

Nun, es ist nicht eben Alltag so junge Pflegebedürftige zu haben. Das ist schon gewöhnungsbedürftig.
Was hat aber deren Glauben mit deiner Beratung zu tun? Will sie dich bekehren?

Und dass sie auch einmal deine Wohnung sehen möchte ist völlig legitim , denn du musst dich ja in deiner Wohnung bewegen und sie muss deine Wohnung beschreiben und nicht die deiner Eltern.
Und dass sie dir aufgezeigt hat welche Möglichkeiten der Betreuung es noch gibt ist ja auch nichts schlimmes.
Du musst es ja nicht machen.
hast du schon mal die Verhinderungspflege beansprucht oder die zusätzlichen Entlaszungsleistungen? Wenn ich so deinen Beitrag lese sicherlich nicht.
Ihr verschenkt hier euch zustehendes Geld. Und es ist auch nichts schlimmes, wenn deine Mutter und dein Mann sich einmal erholen und entspannen können. Das ist doch nichts schlimmes.
So ganz verstehe ich deine Aufregung leider auch nicht.
Sie muss dich beraten und informieren welche Leistungen es gibt, wie deine Versorgung leichter und vereinfachter werden könnte.
Das ist nun ein mal der Sinn solcher Pflegeberatungsbesuche.

Lass es auf dich zukommen und gehe das alles ganz, ganz locker an.
Grüße von einem Guk, PDL und vormals Pflegedienstinhaber und jetzt leider selbst Pflegebedürftig.


Gute Pflege braucht mehr Zeit

Nachtwind
Beiträge: 3
Registriert: Mo 5. Mär 2018, 13:59
Beruf: Pflegebedürftige
Wohnort: Raum Augsburg
Interessen: Gothic, Bücher, Computer, Star Trek, Fantasy, Mittelalter, Friedhöfe, Konzerte,Katzen

Re: Neue Beraterin kann sich nicht einfühlen

Beitrag von Nachtwind » Di 6. Mär 2018, 15:01

Sie wollte am Ende einer Beratung mit mir beten, sprach ständig von Gott und ihrem tiefen Glauben. Natürlich kann die Frau glauben was sie will...aber ohne mich.

Und klar sie könnte in meine Wohnung...aber ich denke sie würde sich erschrecken.

Ich wohne mit meinen Eltern in einem Haus und bin ja oft genug in deren Wohnung...also auch häusliche Umgebung.

Und natürlich weiß ich, dass mir Verhinderugspflege bzw.andere Leistungen zustünden...hatte ich/wir noch nie Interesse dran.
Ich lasse mir auch den Strom für meine elektrischen Hilfsmittel nicht von der Kasse bezahlen, eigene Entscheidung.
Und junge Leute sind als "Patienten" seltener...aber ich kam mir wirklich zeitweilig wie ein Objekt aus der Freakshow vor.



Sa-Biene
Beiträge: 457
Registriert: Mi 17. Nov 2010, 13:31
Beruf: AP, Fortbildungsjunkie
Einsatz Bereich: Ambulant
Wohnort: NRW

Re: Neue Beraterin kann sich nicht einfühlen

Beitrag von Sa-Biene » Di 6. Mär 2018, 19:13

Nee Griesuh, ich kann das durchaus verstehen... Mit 37 eine Senioreneinrichtung empfohlen zu bekommen... Das geht gar nicht. Beten bei Beratungsgesprächen geht doppelt nicht. Ich verstehe auch nicht so ganz, wo das Problem der Dame mit jüngeren Patienten ist.
An deiner Stelle würde ich mich an die PDL wenden und das Problem schildern. Entweder jetzt direkt vor dem Gespräch oder du wartest den Besuch ab und ihr versucht noch einmal alle zusammen der Dame klar zu machen, wie euer (Zusammen-)Leben funktioniert. Wenn das nichts bringt, dann das Problem an höherer Stelle sachlich vortragen.

Viel Glück ;)



Suse2
Beiträge: 1923
Registriert: Mi 21. Dez 2005, 19:56
Beruf: AP - PDL - Stellv. HL
Einsatz Bereich: Seniorenheim
Wohnort: NRW
Interessen: Lesen, Schwimmen, Stricken

Re: Neue Beraterin kann sich nicht einfühlen

Beitrag von Suse2 » Di 6. Mär 2018, 19:36

Oh je.. dicht daneben ist auch vorbei..
weder die Tagespflege, noch das "Bekehren"
würde ich mir in der Form gefallen lassen..
ruf doch einfach mal an und frag ob es nicht einen anderen MA gibt, der
das Beratungsgespräch macht.. selbst bei uns auf dem
Dörfli gabs mehrere MA bei dem ambulanten Dienst meiner Wahl

Trau dich.. du bist doch eine taffe Frau...;-)


Auch wer nicht zählen kann, zählt mit!
Auch wer nicht sprechen kann, hat was zu sagen!
Auch wer nicht laufen kann, geht seinen Weg!

Nachtwind
Beiträge: 3
Registriert: Mo 5. Mär 2018, 13:59
Beruf: Pflegebedürftige
Wohnort: Raum Augsburg
Interessen: Gothic, Bücher, Computer, Star Trek, Fantasy, Mittelalter, Friedhöfe, Konzerte,Katzen

Re: Neue Beraterin kann sich nicht einfühlen

Beitrag von Nachtwind » Di 6. Mär 2018, 20:19

Ich verstand auch nicht, warum jüngere Menschen für die Dame ein bisschen ungemütlich sind. Wahrscheinlich weil deren Leben komplizierter ist...mehr Faktoren die man berücksichtigen muss.

Ihre Kollegin kam 10 Jahre lang und alles lief immer nett und problemlos. Hatten wir eine Frage wurde sie immer beantwortet, hatte ich keine erzählte ich eben nur über aktuelle Medikamente und Therapien.

Und beten wollte nie jemand.



Benutzeravatar
Elfriede
Beiträge: 802
Registriert: Sa 2. Aug 2014, 17:19
Beruf: KrSr
Einsatz Bereich: ambulante
Wohnort: Nds/HB

Re: Neue Beraterin kann sich nicht einfühlen

Beitrag von Elfriede » Di 6. Mär 2018, 21:04

Moin Nachtwind !

Suse2 hat recht. Gehe an Die Sozialstation. Das musst Du Dir nicht bieten lassen! :!:



Winkelspinne
Beiträge: 28
Registriert: Mi 7. Mär 2018, 08:49

Re: Neue Beraterin kann sich nicht einfühlen

Beitrag von Winkelspinne » Mi 7. Mär 2018, 11:58

Hallo,
Du fragst wie Du damit klarkommen sollst?

Überhaupt nicht. Ich würde mich beschweren und eine andere Beraterin verlangen.
Nachdem was Du geschrieben hast, hat diese Dame ganz klar den Job verfehlt, und das kann sie nicht
damit begründen das sie aus der Altenpflege kommt (das komme ich im übrigen auch) sondern schlicht
mit mangelnder Sozialkompetenz.

Ob Du behindert bist und daher auf den Rollstuhl angewiesen bist spielt keine Rolle, Du bist geistig klar
also hat sie Dich wie einen normalen erwachsenen Menschen zu behandeln.

Sie spricht also tatsächlich Deine Mutter an ob man Dich nicht in die Tagespflege oder ins Seniorenheim
zur Kurzzeitpflege geben möchte? Und das obwohl Du dabei bist?
Das geht gar nicht. Dinge kann man weggeben aber keine Menschen.

Wäret Ihr zur Beratung in meinem Büro gewesen hätte ich auch über die Möglichkeit der KZP beraten, ganz schlicht weil es immer
mal zu Notfällen kommen kann. Aber ich hätte es Dir erklärt - und zwar nach dem Motto wenn es mal zu einem unvorhergesehenen
Problem kommt haben Sie diese und jene Möglichkeiten. Eine gute Beratung hätte ich auf jeden Fall durchgeführt, auch wenn Du
diese Pflege bisher noch nicht benötigt hast. Die Erfahrung hat mich gelehrt das viele Angehörige/Bewohner sich trotz langer Pflege nicht
auskennen. Ich hatte vor kurzem Angehörige in meinem Büro, die schon sehr lange pflegen und auch schon 2 x KZP genutzt haben, aber
bisher noch nichts vom Entlastungsbetrag wussten. Sie hatten über 3.000 € angesammelt und somit waren KZP und Verhinderungspfl.
für sie lediglich durchlaufende Posten.

Das beten ist für mich ein Angriff auf die Religionsfreiheit und würde mir das auf keinen Fall bieten lassen. Was macht die Dame
denn, wenn sie einen pflegebedürftigen Muslim (ja, gibt es und hatte ich auch schon des Öfteren) vor sich sitzen hat?
Den Exorzisten rufen?

Also ich wünsche Dir viel Erfolg und alles Gute!

Viele Grüße
Winkelspinne



Benutzeravatar
Griesuh
Beiträge: 2891
Registriert: So 23. Jul 2006, 15:03
Beruf: GuK, PDL, Inhaber eines ambul. Pflegedienstes, jetzt in Rente
Einsatz Bereich: ambul. Pflege
Wohnort: In Hessen

Re: Neue Beraterin kann sich nicht einfühlen

Beitrag von Griesuh » Mi 7. Mär 2018, 13:08

Kinners warum die Aufregung?
Ich habe hinterfragt was sie an der PFK beim Beratungsgespräch stört.
Die von ihr zuerst genannten Dinge sind nachvollziehbar.Jetzt kommen aber noch andere Punkte zur Sprache, die vorher nicht genannt wurden.

Missionierung, bekehren und Beten das geht überhaupt nicht. Das hat nichts bei einem Pflegeberatungsbesuch zu tun.
Da gebe ich euch recht.

Auch dass sie in eine Seniorenbetreuung soll, ist daneben.

Es gibt aber auch genug Betreuungen für JUNGE Pflegebedürftige.
Und dass sie auf solche Leistungen hingewiesen wird ist legitim.

Nur das Auftreten der PFK ist völlig daneben.
Spreche mit dem PDL des Pflegedienstes der dir diese PFK geschickt hat und sage, was dich an der Beratung stört.
Gibt es keine Änderung, dann suche dir einen andern ambul. PD.


Gute Pflege braucht mehr Zeit

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast