Mutter richtet sich mit Pflege zugrunde

Bietet pflegenden und betreuenden Angehörigen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Unterstützung bei Konflikten mit Heimen oder ambulanten Pflegediensten oder fachkundigen Rat in speziellen Fragen zur Pflege und Betreuung.
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*Angie*
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AW: Mutter richtet sich mit Pflege zugrunde

Beitrag von *Angie* » Sa 25. Sep 2010, 10:36

Nur kurz, bin auf der Durchreise:

3-Bett-Zimmer sind mir noch nie und in keinem Haus begegnet und auch 2-Bett-Zimmer nur für Paare, für Menschen die NICHT gern allein im Zimmer sind oder Menschen die zur Kurzzeitpflege (also auf vorab begrenzte Zeit) in einem Heim sind.

Für demente Menschen gibt es inzwischen spezialisierte Wohnbereiche, wo man ihnen und ihrem geistigen Verfall a) entgegenarbeitet mit speziellen Therapieangeboten und b) auf Demenz und aller Problematik, die eine solche "Krankheit" mit sich bringt (wie gesteigerter Bewegungsdrang, gesonderte Ernährung, Hin-/Weglauftendenz usw usw) eingestellt ist.
Ex.Personal, das mit Dementen arbeitet, ist optimalerweise dafür speziell geschult.

Vielleicht ist Deine Mutter von den ganzen "Verwahr-Stations-Berichten" im TV so sehr abgeschreckt?

Sicher bekommst Du hier noch gute Ideen ....

LG, Angie :wave


» Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in einer Garage steht. « (Albert Schweitzer)

sophie
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AW: Mutter richtet sich mit Pflege zugrunde

Beitrag von sophie » Sa 25. Sep 2010, 10:49

Hallo,

ich fange mal unten an:

3-Bett-Zimmer gibt es keine mehr. Es gibt auch Sozialhilfeträger die Einzelzimmer finanzieren. Ansonsten Doppelzimmer, die eine vorgeschriebene Quadratmeterzahl haben müssen (unterschiedlich in den Bundesländern).


Ihre Oma hat Pflegestufe I, das bedeutet, dass sie Anspruch auf 4 Wochen Kurzzeitpflege im Jahr hat und nochmals 4 Wochen Verhinderungspflege.
Es gibt mehrere Möglichkeiten diese zu nutzen.
1. Ein ambulanter Dienst übernimmt das.
2. Eine Person eures Vertrauens übernimmt die Pflege für die o.a. Zeit., also zum Beispiel sie (als Studentenjob?)
3. eine stationäre Kurzzeitpflege in einem Pflegeheim


Des weiteren gibt es auch für sonst vielseitige Angebote.
1. niederschwellige Angebote (ist wohl sowas wie die Einzelbetreuung die sie jetzt bekommt)
2. Tagespflege speziell für Demente
3. Nachtpflege (? gibt es nachts Probleme?)


Also es gibt viele Möglichkeiten. Ihre Mutter wurde darüber evtl. auch schon informiert, da bei Pflegebedürftigen, die zuhause gepflegt werden regelmässige Hausbesuche stattfinden,z.B. durch den Pflegedienst, ob die Pflege sichergestellt ist. Diese Besuche dienen nach meinem Verständnis vornehmlich dazu, die Angehörigen zu beraten, ggf. Hilfsmittel anzubieten und auch eben über Entlastungsangebote für Angehörige zu informieren.

Eines sollten sie aber bei aller Mühe bedenken. Ihre Mutter fühlt sich offensichtlich ihrer Mutter sehr verpflichtet und möchte keine Hilfe annehmen. Vergessen sie bei all ihrer Sorge um sie nicht, dass sie ihre eigenen Entscheidungen trifft.

Grüsse
Sophie


An den Fragen die sich dir stellen erkennst du das Leben, an den Antworten die du findest erkennst du dich selbst.

wenn ein Mensch und ein Hund sich im Himmel begegnen, muss sich der Mensch vor dem Hund verneigen (sibirisches Sprichwort)

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AW: Mutter richtet sich mit Pflege zugrunde

Beitrag von Stephanie2010 » Sa 25. Sep 2010, 12:20

hallo

Also ich finde es da toll das deine Mutter deine oma pflegt. Aber im grunde genommen geht das gar nicht. Denn ihr habt eine 3 Zimmerwohnung das ist alles beängt. und deine mutter geht es auch nicht gerade gut allso.



sophie
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AW: Mutter richtet sich mit Pflege zugrunde

Beitrag von sophie » Sa 25. Sep 2010, 15:22

Die Frage ist doch auch, was würde Ihre Oma wollen?

Das sollte bei aller Fürsorge, Liebe und Organisation eines neuen Umfeldes nicht vergessen werden.

Sophie

PS: sorry das musste sein.


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AW: Mutter richtet sich mit Pflege zugrunde

Beitrag von doedl » Sa 25. Sep 2010, 18:06

Hallo Pitti

Dein Problem kenne ich life: den Pflegebedürftigen gehts relativ gut, dafür sind die Pflegenden völlig am Ende!!

Wenn die Mama schon den Einzug in ein Pflegeheim ablehnt- wie wäre es denn mit einem Umzug in eine andere, größere Umgebung?

Alternative wäre auch eine Tagespflege- die Oma wird morgens geholt, verbringt mehrere Stunden in einer Tagespflegeeinrichtung, was für die Mama so richtig Entlastung bedeutet.

Urlaub- warum bitte nicht? Es gibt geeignete Kurzzeitpflegeeinrichtungen, im gleichen Ort dann ein Hotel nehmen und die freien Stunden genießen.

Gibts rundum Demenzgruppen- wenn ja wo? Wir betreiben selbst zwei- und die sind mehr als gut besucht. Die Angehörigen haben ein paar Stunden frei und ihre Ruhe- die dementen Senioren empfinden die Gruppe als sowas wie Stammtisch und genießen die Stunden mit anderen Menschen sehr.

Schenke Deiner Mutter Zeit: sprich informiere Dich rundum, wo es was gibt und schenk ihr einen Gutschein, dass die Oma ein paar Stunden versorgt ist und die Mutter mal ihren eigenen Bedürfnissen nachgehen kann- am besten noch ne Rundummail an alle Bekannten, Freunde, Verwandten, dass die sich an der Aktion beteiligen.

Gruß Doedl


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AW: Mutter richtet sich mit Pflege zugrunde

Beitrag von johannes » Sa 25. Sep 2010, 20:08

Erst werden professionelle Angebote für bestimmte Lebenssituationen systematisch schlecht geredet und anschließend heißt es "ich kann nicht mehr!". Das würde wohl als Überschrift über dieser Lebenssituation stehen. Ist das nicht auch ein Teil von ambulant vor stationär?

Ich wünsche vielen solche zerstörerischen Situationen - nicht weil sie erstrebenswert wären - damit sie mal anfangen, nachzudenken. Das Eine ja, das Andere auf keinen Fall ist für mich eine zu einseitige Betrachtungsweise. Die Treaderöffnerin hat schon Recht - Tagespflege versorgt die Großmutter während der Abwesenheit der Mutter. Die Belastung hat sich kein bischen verringert. In solchen Situationen wäre u. U. stationär eine echte Alternative.

Wer verbietet denn, daß die Mutter ihrer Mutter menschliche Nähe entgegen bringt, ohne selbst die Belastung tragen zu müssen? Miteinander statt gegeneinander in der Pflege hilft wohl den Angehörigen gehörig. Nur - Miteinander (stationär und häuslich) ist wohl out, oder?

Ein Rat? Pittiplatsch möge ihre Mutter gut im Auge behalten, daß sie rechtzeitig bei einem Zusammenbruch eingreifen kann. Pflegeeinrichtungen sollten im näheren Umfeld der pflegebedürftigen Person liegen, um den Bezug zur bekannten Umgebung aufrecht zu erhalten. Die richtige Einrichtung finden geht m. E. nur so, daß man sich verschiedene Einrichtungen von innen anschaut, dortige Bewohner unverbindlich besucht und dabei die Augen offen hält, beobachtet, wieviel Personal rumläuft (tatsächliche Anwesenheit), welche Angebote nicht nur im Aushang angeboten werden, sondern auch tatsächlich stattfinden, wie lange es dauert, bis jemand auf einen Ruf reagiert, usw. Das ist vielleicht mit einigem Aufwand verbunden, der sich später, wenn es erforderlich wird, auszahlen wird.

Von der Systematik her ist das wie bei allen Süchten in der Welt. Dritte müssen warten, bis die betreffende Person zusammenbricht, ganz unten ist, bevor sinnvolle Lösungen möglich werden.
Zuletzt geändert von johannes am Sa 25. Sep 2010, 20:19, insgesamt 1-mal geändert.


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Angie
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Beitrag von Angie » So 26. Sep 2010, 10:08

Hallo Pittiplatsch83,

diese Situation kenne ich nur zu gut aus meiner täglichen Arbeit. Die Angehörigen haben das Gefühl sie müssten rund um die Uhr für die zu pflegenden Angehörigen da sein und vergessen sich selber. Oft sind es gar nicht die Pflegebedürftigen die Angst haben vor Veränderungen, sondern mehr die Angehörigen. Ein Burn Out ist meistens vorprogrammiert.
Ich rate den Angehörigen dann versuchen sie mal mit einem Schnuppertag in meiner Tagespflege wie sie und die Angehörigen sich fühlen.
Eine Schwiegertochter sagte mir nun wir mit unserer Einrichtung wären besser wie jede Antifaltencreme, besser wie 2 Wochen Urlaub. Es sind zwar nur ein paar Tage in der Woche oder im Monat, aber sie kommen wieder zu sich und sehen vieles entspannter. Vor allem sehen sie, dass es auch den Pflegenden gut tut, somit sind beide Seiten entspannter.

Versuche doch mal gemeinsam mit deiner Mutter eine Alternative zu finden, wie eine Tagespflege. Die Kosten für die Tagespflege werden von den Pflegekassen bezahlt und bei manchen Pflegekassen werden sogar über den erhöhten Betreuungsbedarf bei Demenz die zusätzlichen Kosten ( Verpflegung-, Unterkunft- und Investitionskosten) auch finanziert.

LG Angie


Das Motto meiner Tagespflege Anima:Jeder Mensch ist wertvoll

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Beitrag von Stephanie2010 » So 26. Sep 2010, 12:20

hi ja das hört sich wirklich gut an



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doedl
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Beitrag von doedl » So 26. Sep 2010, 12:35

Hi Angie

Du hast es sicher überlesen: die Dame ist doch schon in einer Tagespflege.....

Es geht um die Stunden nach der Tagespflege.

Demenzgruppen sind da keine Alternative, da diese tagsüber stattfinden. Einzelbetreuung in den Abendstunden- das wäre noch das, was mir einfiele- oder eben, wie Johannes schon sagt, die Grundsatzentscheidung doch ins Heim zu gehen.

Seien wir ehrlich, so gut gemeint die Pflege zu Hause in dem Fall ist, aber die Mutter ist fertig mit der Welt, ist ungeduldig mit der Oma- von so ner Situation hat doch keiner einen Vorteil. Dann lieber jeden Abend 1 Stunde Besuch im Pflegeheim, mit einer freundlichen und positiven Grundstimmung- und dann wieder selbst Mensch sein können.

Alles andere wird in der Katastrophe enden.

Gruß Doedl


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