Mehrarbeit und Überstunden

Bietet pflegenden und betreuenden Angehörigen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Unterstützung bei Konflikten mit Heimen oder ambulanten Pflegediensten oder fachkundigen Rat in speziellen Fragen zur Pflege und Betreuung.
Antworten
Plüschfussel
Beiträge: 233
Registriert: Mi 29. Dez 2010, 11:40

Mehrarbeit und Überstunden

Beitrag von Plüschfussel » Do 14. Apr 2011, 09:58

Liebe Foris!

Weiß jemand bescheid darüber, wie es nach dem Pflegegesetz mit der Ableistung von Mehrarbeit und Überstunden pflegender Anghöriger aussieht?

Wie Ihr wißt pflege ich seit dem Tod meines Bruders im Januar meine Mutter.
Das läßt sich zwar trotz 80 % iger Berufstätigkeit gut realisieren.
Das Einzige, was mir immer wieder den " Hals " bricht, sind die Überstunden und die Mehrarbeit, die ich wegen der engen Personalplanung immer wieder kurzfristig aufgebrummt bekomme.

Damit komme ich dann mit meinen Aufgaben immer wieder in Verzug und muß umplanen. Für einen alten Menschen ist das aber nichts, wenn ich dessen Duschen oder Baden verlegen muß. Ich sehe, daß das meine Mom sehr depressiv macht.
Sie fühlt sich als unüberwindliche zusätzliche Belastung, wenn ich das immer wieder verschieben muß, weil es auf der Arbeit brennt, wenn sich mal wieder einer kurzfristig krank gemeldet hat und die Leitung angeblich keine Aushilfe bekommen kann.

Meine normale Arbeitszeit möchte ich wie bisher ableisten, also nicht unter 30 Std. pro Woche reduzieren. Aber wenn ich die 13 Schicht anhängen muß, dann kollidiert das sehr stark.

Mittlerweile stehen da seit Januar fast 80 Überstunden und die Stunden von der Hausarbeit der Fachweiterbildung ( 50 Std) wurden mir ebenfalls nicht angerechnet.
Ich hab letzte Woche dem Arbeitgeber die Pflege meiner Mutter offiziell nachgewiesen in der Hoffnung, daß die endlich mal aufhören mit der Quälerei, sie hätten keinen anderen, wenn jemand krank wird auf der Arbeit.

SO kann man aber leider überhaupt nichts planen. Ich versuche seit Februar den HNO Termin für ein Hörgerät für meine Mutter zu legen, oder einen Termin daß sie mal die Blutwerte ( Schilddrüse ) abgenommen bekommt.

Nachdem meine Abteilungsleitung keinen Handlungsbedarf sieht umzudisponieren, fand ich es nötig, den Arbeitgeber persönlich anzusprechen.
Es geht nicht darum die Arbeitszeit zu verringern, die der Gesetzgeber das in das Gesetz geschrieben hat, sonden lediglich darum, daß die mir nicht immer noch mehr aufpacken mit dem fadenscheinigen Argument, es wäre keine Aushilfe zu bekommen und unsere Stationsleitung nimmt eher auf das Freizeitverhalten anderer Rücksicht, bei der Planung als auf pflegende Angehörige.
Die plant immer schon 2 Schichten mehr als ich nach dem Arbeitsvertrag ableisten müßte. Für eine kurze Zeit, ist das ja mal okay, aber das läuft nun schon seit 8 Monaten so.
Ich bin mit dem Pflegefall nicht mehr so flexibel, wie die sich das wünschen würden.


Liebste Grüße Plüsch.
Zuletzt geändert von Plüschfussel am Do 14. Apr 2011, 10:09, insgesamt 1-mal geändert.



Benutzeravatar
Griesuh
Beiträge: 2889
Registriert: So 23. Jul 2006, 15:03
Beruf: GuK, PDL, Inhaber eines ambul. Pflegedienstes, jetzt in Rente
Einsatz Bereich: ambul. Pflege
Wohnort: In Hessen

AW: Mehrarbeit und Überstunden

Beitrag von Griesuh » Do 14. Apr 2011, 10:32

Hi, pflegende Angehörige können sich beim Arbeitgeber für 6 Monate freistellen lassen um Angehörige die pflegebedürftig sind zu versorgen.
gesetzliche Reglungen zur Überstundenbegrenzung gibt es in diesem Fall nicht.

Schaue einmal hier:
http://www.gesetze-im-internet.de/bunde ... gesamt.pdf

oder dort:

http://ratgeber.bkkgesundheit.de/gesund ... en-pflege/


Gute Pflege braucht mehr Zeit

Plüschfussel
Beiträge: 233
Registriert: Mi 29. Dez 2010, 11:40

AW: Mehrarbeit und Überstunden

Beitrag von Plüschfussel » Do 14. Apr 2011, 10:49

Lieber Grisuh!
Das ist toll, daß Du so gut bescheid weißt.
Die Freistellung möchte ich mir aufheben, falls es mit Mutter mal noch schlechter gehen sollte.

Ich denke, aber daß es unlogisch ist, wenn man seine Arbeitszeit begrenzen kann, aber für die Arbeitnehmer die keine Herabsetzung der Arbeitszeit in Anspruch nehmen wollen, keine Regelung trifft, daß die nicht ständig mehr Stunden abliefern sollen.

Weißt Du Grisuh, ich seh das so: Ich bin Hauptverdiener in unserer Familie. Mein Mann ist mit 48 in den Vorruhestand geschickt worden. Der hätte gerne noch weitergearbeitet, aber diese Rentenjahre werden uns später fehlen.

Wenn ich nun meine Arbeitszeit verringere, dann mag das wohl sein, daß die mir mal 6 ,€ Rente bezahlen würden, aber meine Kinder müßten dann in dem Fall evtl. für uns einmal aufkommen, wenn man selbst in so eine Situation käme.

Das verschiebt das Problem zum Zeitpunkt ja nur auf die eigene Situation.
Also möchte ich möglichst nichts an meiner Arbeitzeit verringern.

Andererseits steht in dem Gesetz, daß jede Form der Arbeitszeitverringerung möglich wäre.
Insofern müßte es doch auch möglich sein, daß die einen ganz einfach für ihre Personallöcher nicht immer in Anspruch nehmen.
Ich möchte meine vertraglich vereinbahrte Arbeitszeit ja nur in Anspruch nehmen, nicht mehr und nicht weniger.
Diese Einsprungerei ist ja sowieso Streitpunkt.

Man macht das ja nur damit die Kollegen nicht einseitig belastet werden, was ja im Prinzip Blödsinn ist.
Die 6 Monate würde ich nur benötigen, wenn Mutters Zustand sich weiter verschlechtern würde.
Sonst steh ich in dem Fall mit einem noch größeren Problem da.

Liebe Grüße Plüsch



BiFi
Beiträge: 225
Registriert: Di 26. Feb 2008, 18:03

AW: Mehrarbeit und Überstunden

Beitrag von BiFi » Do 14. Apr 2011, 15:29

Hallo, Plüsch!
Ich verstehe nicht ganz richtig: wirst du im Vorfeld schon mit Mehrarbeit eingeplant ohne Absprache, oder wirst du kurzfristig angerufen zum Einspringen?
Beim ersten würde ich den Betriebsrat aufsuchen, im zweiten Fall weißt du sicher das es keine rechtmäßige Arbeitsanweisung zum Einspringen gibt (ausser bei Notstand, der aber NICHT mit Krankmeldungen zu begründen ist)...
LG



Plüschfussel
Beiträge: 233
Registriert: Mi 29. Dez 2010, 11:40

AW: Mehrarbeit und Überstunden

Beitrag von Plüschfussel » Do 14. Apr 2011, 21:30

Es ist leider beides der Fall und die versuchen das einfach immer wieder und sind penetrant bis zum Abwinken.
Das nutzt leider nichts, wenn es noch soviele rechtliche Bestimmungen gibt, wenn man das der Stationsleitung ( Betriebsratsmitglied) nicht in den Kopf bekommt. Bei Mitarbeitern die noch weniger "forsch" sind, kommen sogar regelmäßige "Dienstverpflichtungen" die sie probiert ins Spiel.
Die ist resistent gegen alle Einwände und rechtlichen Verordnungen.
liebe Grüße Plüsch.



silversurfer
Beiträge: 238
Registriert: Di 28. Sep 2010, 23:45
Wohnort: Bayern

AW: Mehrarbeit und Überstunden

Beitrag von silversurfer » Do 14. Apr 2011, 23:12

Hallo Plüsch

Nicht nur deine SL ist resistent gegen rechtliche Verordnungen,
Mir scheint auch du bist resistent dagegen.
Also besteh auf deine Rechte. Sag "Nein"

Ich hab bei solchen Angelegenheiten (Einspringen, usw,) bei denen die PDL meine Rechte verletzen wollte immer einen Brief geschrieben. In diesem habe ich das jeweilige Gesetz zitiert und Sie aufgefordert mir schriftlich eine Gegendarstellung zu geben, warum das jeweilige Gesetz hier keine Gültigkeit hat. Und glaub mir, Sie hat mir nie schriftlich geantwortet. Aber ich hab mein
Recht bekommen.

Silversurfer



Benutzeravatar
schnitte
Beiträge: 893
Registriert: Mi 31. Aug 2005, 12:02

AW: Mehrarbeit und Überstunden

Beitrag von schnitte » Do 14. Apr 2011, 23:47

hallo plüschfussel,
ich sehe drei möglichkeiten:
1. auf das recht bestehen -> siehe silversurfer, du musst nicht immer einspringen
2. anderen job suchen (wir sind im pflegenotstand, sollen sie sehen wo sie bleiben, oder ob sie dich nicht doch noch behalten wollen zu deinen bedingungen)
3. ich nehme an, dass du bis jetzt pflegegeld beanspruchst. vielleicht solltest du über Kombileistung §38 SGB XI nachdenken, sodass du nur teilweise mal einen ambulanten dienst in anspruch nimmst.



Plüschfussel
Beiträge: 233
Registriert: Mi 29. Dez 2010, 11:40

AW: Mehrarbeit und Überstunden

Beitrag von Plüschfussel » Fr 15. Apr 2011, 10:13

Liebe Schnitte!
Ich habe eine Kombipflege.
Das bedeutet, daß der Pflegedienst morgens und abends für die Mahlzeiten heraus kommt und eine kleine Grundfplege übernimmt. Damit sind dann von den 1040€ - 800 verplant.
Umgerechnet erhält man dann ca 90 - 100 € heraus. Dafür kann man dann zb. die Putzhilfe finanzieren, oder ich müßte zu dem was ich jetzt mache auch noch in dem Haushalt putzen. ;-) ))

Ich werde also versuchen mein Recht durchzusetzen.
Das Problem mit dem Arbeitgeber bin ich bereit auszusitzen, die Kollegen tun mir leid.
Denn es ist wirklich so, daß eine Aushilfe der Schwester die dann für 2 Stationen im Dienst ist nicht dienlich sein kann, weil das Pensum schon für routnierte Schwestern zu hoch ist.
Die Mitarbeiter stehen zu 50 % kurz vor der Rente und die kompensieren diesen Streß eher mit "krank" werden, alsauf die letzten 3 Jahre noch mit ständigem Palawer. Ich glaube, nach den langen Berufsjahren haben die wenigsten Lust mit 60 nochmal zu wechseln, und die denken auch, die finden in dem Alter nichts mehr.
Wenn man hier liest, dann macht das auch nicht viel mehr Mut sich zu verändern.
Ich bin mir auch noch unschlüssig, weil man wirklich von einem Mist in den anderen geraten kann.

Ich werde also mal schauen, was mein Arbeitgeber dazu sagt, unter Umständen auf einen Arbeitsvertrag unter 30 Wochenarbeitstunden bestehen, weil wir dann vollkommen neu verhandeln müssen und die Karten neu gemischt werden müssen.
Der Gesetzgeber hat zwar die Unabdingbarkeit in das neue Pflegegesetz eingebracht und daß ich bei einem Betrieb mit über 15 Mitarbeitern auf eine Reduzierung der Arbeitszeit bestehen kann.
Der schreibt aber natürlich nichts von Mehrarbeit und Holen aus dem Frei.

Das würde aber bedeuten, daß ich einen neuen Arbeitsvertrag bekommen muß, und ob ich den in der privatisierten Klinik haben möchte?

Schauen wir mal, was der Arbeitgeber zu dem offiziell gemeldeten Pflegefall sagt. Vielleicht sieht der ja von alleine ein, daß das nicht okay ist.

Das schlimme dabei ist ja, daß man irgendwann auch mal Zeit haben müßte sich umzuschauen und zu überlegen, wo man arbeiten könnte.
Dazu kommt man aber bei dem Tempo überhaupt nicht.

Ich würde ungerne noch mehr am Hals haben, als ich jetzt am Hals habe, denn das Pensum soll ja ableistbar werden und nicht noch mehr.
Liebe Grüße Plüsch



BiFi
Beiträge: 225
Registriert: Di 26. Feb 2008, 18:03

AW: Mehrarbeit und Überstunden

Beitrag von BiFi » Fr 15. Apr 2011, 13:16

Hallo, Plüsch!
Musste bei deinen Ausführungen an meine ehemalige Gruppenleitung denken.
Die war sehr herrisch und hatte auch ihre eigenen Gesetze was das Einspringen betrifft. Jeder, der den Breuf nicht an die erste Stelle seines Lebens gestellt hat war auf der Mobbing Liste ganz oben. Das war eine harte Zeit und ich kann dich schon verstehen. Viele AG nutzen unser "potentielles Helfersyndrom" aus und spielen ganz bewusst mit dem schlechten Gewissen. Ich kenne das, denn es fällt mir auch teilweise sehr schwer "Nein" zu sagen, bin ich doch selber froh wenn ich nicht allein auf weiter Flur stehe.
ABER: es kann doch nicht sein das die Arbeit VOR der Pflege deiner Mutter steht. So schwer es auch ist, DU musst die Prioritäten setzen!
Mal ein bisschen Provokant: deiner WBL ist es doch sch**ßegal wie du dein Privatleben hinkriegst, hauptsache der Laden läuft! So wie du es schilderst ist das doch ganz deutlich.
Also solltest du anfangen klar zu sagen: "Ich pflege meine Mutter, ich kann nicht. Punkt! Aus! Basta!" Von alleine wird sie das nicht checken, darauf kannst du nicht hoffen. Sicher, in "wirklichen" Notfällen ist Einspringen okay, aber nicht so und andauernd.
Und es ist eine wirkliche Schande das solche Leute im BR sitzen, ich frage mich wer solche Leute wählt!

Bitte fass das nicht als Angriff auf, ich weiß wie schwer das ist! Aber manchmal braucht es klare Worte, war zumindest bei mir so.... :smile
Wünsche dir viel Kraft!
LG



Sirene
Beiträge: 55
Registriert: Sa 16. Apr 2011, 15:55

AW: Mehrarbeit und Überstunden

Beitrag von Sirene » Mo 18. Apr 2011, 13:55

Ist bei uns auch Beruf geht vor Privat. Ich hab soviele Minusstunden, da ich meistens nur kurzen Frühdienst oder kurzen Spätdienst habe und ich bin variabel einsetzbar. Das macht mich auch zum beliebtesten Angerufenen der Einrichtung.

Einfacher Trick Handynummer gewechselt, auf Arbeit gesagt ich hbae kein Handy mehr kann ich mir nicht leisten.

Festnetz ohne AB sehr praktisch. Festnetzt Abends vorm zu bett gehen rausziehen. Da ich schonmal früh 4 Uhr von der Arbeit geweckt wurden bin.

Naja so bin ich selten erreichbar, bin viel mit den kleinen unterwegs oder bei meinen Freund. Von den hat keiner die Nummer. Leider muss man manchmal gemein sein... .



Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste