Mangelhafte Pflege in Heim - was tun?

Bietet pflegenden und betreuenden Angehörigen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Unterstützung bei Konflikten mit Heimen oder ambulanten Pflegediensten oder fachkundigen Rat in speziellen Fragen zur Pflege und Betreuung.
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Alexandra1
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AW: Mangelhafte Pflege in Heim - was tun?

Beitrag von Alexandra1 » So 19. Jun 2011, 18:59

Wenn in diesem Heim alle 4 Wochen die Leitung wechselt , das spricht doch für sich. Das was sich dort nach deinen Schilderungen abspielt ist gefährliche Pflege.Aber eines würde mich doch mal interesieren. Deine Tante lebt immerhin schon 8 Jahre in diesem Heim, die Zustände können ja nicht über diesen langen Zeitraum bestanden haben. Die Frage ist warum in der letzten Zeit deine Tante so schlecht versorgt wird. Herrscht dort akuter Personalmangel oder was ist dort los, das keine Zeit ist die Sondennahrung zuverlässig zu verabreichen bzw. deine Tante zumal sie einen Deku III Grades hat regelmässig zu drehen. Hat sie denn überhaupt eine Wechseldruckmatraze nur so am Rande. Rede erst mal mit der PDL oder WBL über diese Situation. Dann kannst immer noch entscheiden. Pflegekasse informieren, Heimaufsicht, Lokalzeitung und so weiter. Aber Eile ist nach deiner Sachverhaltsschilderung geboten. Oder über einen Heimwechsel nachdenken. Passieren muss auf jeden Fall etwas bevor deine Tante noch gröseren Schaden nimmt als sie schon hat.
Zuletzt geändert von Alexandra1 am So 19. Jun 2011, 19:51, insgesamt 1-mal geändert.



Regina Dettenrieder

AW: Mangelhafte Pflege in Heim - was tun?

Beitrag von Regina Dettenrieder » Mo 20. Jun 2011, 08:36

Liebe Themenstarterin,

in Ihrem Fall kann ich Ihnen empfehlen und anbieten, sich mit dem Pflege-SHV e.V:, Adelheid von Stösser in Verbindung zu setzen.
http://www.pflege-shv.de.

Mut und Tatkraft wünscht
Regina Dettenrieder



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Kati123
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AW: Mangelhafte Pflege in Heim - was tun?

Beitrag von Kati123 » Mo 20. Jun 2011, 10:04

Hier im Forum ist ein solcher Sachverhalt schwer zu beurteilen, da Schilderungen sehr empfindungsabhängig sind. Wir können Ihnen fachliche Auskünfte geben, wie es sein sollte. Mein Weg wäre:

! Ich kann nur empfehlen einen Betreuer einsetzen zu lassen - Antrag beim Amtsgericht einreichen, dann erfolgt das automatisch !
1. Gespräch suchen mit dem Personal und informieren, was ist geplant und wer ist zuständig.( Namen notieren )
2. Gespräch mit der Pflegedienstleitung ( deise verantwortet die Pflege der Heimbewohner und ist zuständig für die Einhaltung der Pflegeabläufe )
3. Wenn sie Betreuer sind: Einsicht in die Dokumentation !
4. Holen Sie sich fachkundige Unterstützung ( Pflegestützpunkte unterstützen sie gerne, ebenso die Pflegekassen - diese zahlen nämlich dafür )
5. Wenn zeitnah keine Besserung eintritt, würde ich nicht lange fackeln und einen Heimwechsel anstreben !

Grundsätzlich zu den Problemen, die Sie schildern:
1. Nahrung: Sollte sich die Nahrung etwas verschieben ist dies nicht ganz so dramatisch, wichtig ist die Gesamteinfuhr / Tag. Manchmal hängt eine Sonde oder ein System ist verstopft... das kann eine PK nicht sofort bemerken. Sprechen sie Ihre Bedenken offen an. Ein Vergessen darf aber nicht geduldet werden.
2. Die Entstehung eines Dekubitus hat mehrere Ursachen.
- unzureichende Ernährung ( besonders Menschen mit Untergewicht und Mangelernährung --> zu wenig Mineralstoffe, Zink, Calcium, Vitamine... )
- fehlende Positionswechsel ( bei einem vorliegenden Geschwür sollten mind. alle 2 Stunden PW erfolgen, eher noch engere Intervalle )
- unzureichende Hautpflege ( gerade Bewohner mit MS haben oft sehr trockene Haut, achten sie bitte auf rückfettende Pflegestoffe )
- unzureichende Flüssigkeitszufuhr ( es sollte einen Plan geben, wieviel Flüssigkeit ihre Tante lt. Arzt braucht )

und: leider ist es so, dass es auch Bewohner gibt, die trotz der Prophylaxen ruck zuck ein Geschwür entwickeln, hier empfiehlt sich eine spezielle Matratze oder Lagerungssysteme mit Microeffekten ( siehe Thomashilfen - spezielle Rahmen... ). Von WEchseldrucksystemen rate ich bei MS ab, da die Spastiken eh schon sehr ausgeprägt sind und ein Wechseldrucksystem spastischen Hypertonus auslösen und verstärken kann, zudem sind Wechseldrucksysteme aus gummiähnlichem Material, so dass es zu Staunässe kommen kann ( MS Bewohner schwitzen viel ! ). Erkundigen Sie sich beim Sanitätshaus und machen sie den Hausarzt darauf aufmerksam. Ich bin sicher, Ihre Tante hat eine entsprechende Pflegestufe, dann stehen ihr auch solche Hilfsmittel zu.

Ich wünsche Ihnen Durchhaltevermögen.

Kati


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Kati123
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AW: Mangelhafte Pflege in Heim - was tun?

Beitrag von Kati123 » Mo 20. Jun 2011, 10:11

Ich habe Ihnen mal eine entsprechende Seite für spezielle Bettsysteme rausgesucht:

http://www.thevo.info/

Hier finden Sie ausschließlich Hilfsmittel, die rezeptierbar sind, also nicht abwimmeln lassen :D Klicken Sie auf den Button PRODUKTE...

Die THEVOautoaktiv Betten habe ich in unserer Einrichtung eingeführt und kann diese sehr empfehlen. Sie können sich rechts auch ein VIDEO ansehen, wie solche Betten funktionieren.


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*Angie*
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AW: Mangelhafte Pflege in Heim - was tun?

Beitrag von *Angie* » Mo 20. Jun 2011, 10:46

[quote=""Martina10""]Doch doch, es gibt eine Wechseldruckmatratze, zum Glück.
Wie Kati schon begründet halte auch ich eine Wechseldruckmatratze bei MS nicht für sinnvoll. Aber wenigstens hat sie schonmal die - besser als nichts kann man da nur denken. Viele Ausbildungsstätten vermitteln, dass bei vorhandener Wechseldruckmatratze NICHT gelagert werden muss, weil eben die Matratze durch den Wechseldruck das schon leiste.... auch das habe ich anders gelernt. Vielleicht liegt aber in dieser Un-bzw Fehlkenntnis die Ursache, dass sie nicht wirklich gelagert wird?
Meine Cousine ist besagte Sachwalterin und ratlos. Keiner nimmt sie wirklich ernst, da wie schon erwähnt keine gerichtlich bestellte SW.
[/quote]

Sachwalterin ............. das klingt als kämen Sie aus Österreich?

Wie ist es dort mit Betreuungsrecht - JEDER kann hier in Deutschland eine Betreuung beantragen.

Ihre Cousine wird an den Umständen wahrscheinlich deshalb nichts ändern, weil sie nicht die Betreuerin ist (also kurz gesagt: rechtlich NICHTS ZU SAGEN HAT!)b
Sie wird viel mehr Erfolg in allem haben, wenn sie die GESETZLICHE Betreuung hat - und zwar sollte sie die zwingend beantragen für die Bereiche Gesundheitsfürsorge, Aufenthaltsbestimmung, möglicherweise auch für alle anderen Bereiche wie Finanzen, Behördenangelegenheiten usw.

Ich selbst habe gerade eine Betreuung einrichten lassen, es war dringend und hat von der Antragstellung an keine 2 Wochen gedauert, da hat die Betreuerin schon ihre Arbeit aufgenommen.

OHNE die gesetzliche Betreuung wird Ihrer Cousine kaum jemand zuhören, da sie eben NICHT der gesetzliche Vertreter ihrer Mutter ist.
Da denken sich dann scheinbar alle:
"Ach, was will die denn - die hat doch gar nichts zu sagen"

Betreuung bedeutet, die "Vormundschaft übernehmen im Sinne des Betreuten/Pflegebedürftigen", also ihn in seinem Sinne zu vertreten, wenn er es selbst nicht mehr kann!

Tun Sie bzw Ihre Cousine das: -> gesetzliche Betreuung beantragen!


Wenn Sie dazu noch Fragen haben, gern.

:wave


» Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in einer Garage steht. « (Albert Schweitzer)

lonicera66
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AW: Mangelhafte Pflege in Heim - was tun?

Beitrag von lonicera66 » Mo 20. Jun 2011, 20:03

Liebe Martina,

leider sind mir die Procedere einer Anzeige in Österreich zu diesem Thema nicht bekannt...

Aber, nach Verwaltungsrecht in D, sind die Vormundschftsgerichte und auch andere unterstehenden Institutionen gesetzlich Verpflichtet, einer Meldung nachzugehen und den angezeigten Sachverhalt zu prüfen.

Dies setzt natürlich eine ordnungsgemäße Anzeige nach den entsprechenden Richtlinien voraus. Hier in D. könnte ein Rechtspfleger am zuständigen Gericht beraten.(ist jedoch k e i n e verbindliche Rechtsberatung)
Anzeigende wäre dann hier der gesetzliche Vormund der Bewohnerin.

Ansonsten bliebe hier in D noch die bereits erwähnte Anzeige des Heimes beim medizinischen Dienst der Krankenkassen oder evtl. beim Gesundheitsamt und/oder Krankenkasse.
Entsprechende Stellen gibt es doch sicher auch in Österreich?
Zuletzt geändert von lonicera66 am Mo 20. Jun 2011, 20:09, insgesamt 1-mal geändert.


liebe Grüße
Loni

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