Kritische Pflegesituation - Bitte um Rat

Bietet pflegenden und betreuenden Angehörigen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Unterstützung bei Konflikten mit Heimen oder ambulanten Pflegediensten oder fachkundigen Rat in speziellen Fragen zur Pflege und Betreuung.
Caramell
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AW: Kritische Pflegesituation - Bitte um Rat

Beitrag von Caramell » Mi 30. Mär 2011, 02:30

Was Angehörige sind: Personen, die den Pflegebedürftigen näher stehen als ihr!....denn es ist die Mutter/ der Vater/das Kind. Sie sind mit ihnen aufgewachsen, sie waren eine Familie. Sie sind die Familie!! Nur mal so. Und editiert habe ich vor allem um meinen Vater zu schützen....allerdings doch auch aus Wut und da kann ich Trude gut verstehen!
Zuletzt geändert von Caramell am Mi 30. Mär 2011, 03:00, insgesamt 1-mal geändert.



Evilina
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AW: Kritische Pflegesituation - Bitte um Rat

Beitrag von Evilina » Mi 30. Mär 2011, 08:17

Ja natürlich stehen Angehörigen den Bewohnern näher, darum sagte ich ja aus, dass Angehörige sehr wichtig sein können. Von der Zusammenarbeit zwischen Angehörige und Pflegepersonal profitiert der Bewohner! Aber Angehörige sind nicht 24 Std da, oft äussert Bewohner Pflegepersonal etwas ganz anderes, als gegenüber dem Angehörigen.
Unser Hauptaugenmerk liegt auf dem Bewohner, nicht auf dessen Angehörige. Das sehen einige Angehörige anders, sie sind enorm zeitintensiv. Zeit, die dem Bewohner gehört.

Als ich euerer beide Beitrage gelesen haben ( Caramell und Trude) habe ich auch gedacht : oh man , in diesen Heimen geht ja einiges schief. Aber ich konnte auch die Augenhöhe gegenüber Pflegepersonal nicht herauslesen.

Und es ist anstrengend, als Pflegeperson sich immer wieder zu fragen : Handelt der Angehörige nun aus Sorge, aus Frust, aus Wut oder schlechten Gewissen?

Worüber bist du wütend, Caramell? Weil es kritische Fragen gab?
Zuletzt geändert von Evilina am Mi 30. Mär 2011, 09:27, insgesamt 1-mal geändert.



Regina Dettenrieder

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Beitrag von Regina Dettenrieder » Mi 30. Mär 2011, 08:33

Wie wäre es, wenn Angehörige ganz selbstverständlich und verbindlich- in welchem Umfang auch immer - in die Pflege integriert werden könnten?
Weshalb wird es nicht praktiziert, was spricht dagegen?
Wie stehen Sie als Pflegekraft, wie Sie als Angehöriger dazu?

Regina Dettenrieder



thomas09
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Beitrag von thomas09 » Mi 30. Mär 2011, 09:30

Also jetzt Entschuldigung mal.

Leben wir auf dem selben Planeten.

Aber ich kann mir die Welt noch so schön träumen, davon wird nix besser.

Nur Wohlmeinende Angehörige, die sich ausschließlich um das Wohl des Pflgbedürftigen sorgen machen.
Das Angehörige dem Pflgbed. automatisch, qua Verwandtschaftgrad Nahe stehen, würde ich so pauschal auch nicht Unterschreiben wollen.

Liebende Familien, alle verstehen sich - Pappa, Mama, Kind, Geschwister.

Leider habe und erlebe ich immer wieder ganz andere Realitäten und das nicht als Ausnahme.

Angehörige die nicht Können oder Wollen in die Pflege einbezogen zu werden!
Angehörige die max. am Sonntag zu Kaffetrinken mit Oma kommen.
Angehörige die sich untereinander zerkriegen oder schon sind - vor allem wenn was zum Erben gibt.
Erbittert Feindschaften unter Verwandten, die besonders dann zu Tage kommen, wenn Geld in Aussicht steht.
Angehörige die auch lautstark auf dem Gang streiten wer nun das bessere Kind ist und wer häufiger zu Besuch kommt und wer schon immmer mehr geliebt wird oder noch nie geliebt wurde.
Lebenslange Eifersuchten werden direkt oder über Umwege ausgetragen. 5 verscheidene Anrufe am Tag wie es denn Oma geht, weil man nicht miteinander redet und die AP bekommt dann noch Druck, weil der eine Sohn einen Satz mehr weiß wie der andere usw. usw. usw. usw.

Da steht öfters nicht mehr der pflegebed. Angehörige im Vordergrund.
Der wird auch von der eigenen Familie instrumentalisiert um Grabenkämpfe auszutragen, oder dem Angehörigen was zurückzugeben, was ich mich bisher nicht getraut habe.

Wenn man Gelegenheit hat mit Angehörigen sich länger zu erhalten, ist leider eher selten, erschrickt man oft, wieviel Bitterkeit oder sogar Hass sich in einem Leben gegenüber Angehörigen angesammelt hat.

Frau Dettenrieder:
Das ist vielleicht genau die Seite der Medaillie, die den hier schreibenden Angehörigen weitgehend verborgen bleibt.
Woher sollten pflg. Angehörige diesen Einblick auch haben?

Ich erlebe, dass der uneingenützig, treu sorgende, liebende, in die Versorgung eingebunden werden wollende Angehörige nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme darstellt.

Vor diesem Hintergrund sind meine bohrenden und kritischen Fragen vielleicht besser verständlich.

Übrigens - wenn man soweit ist, keine Fragen mehr zuzulassen und mit Ärger quittiert, dann läuft glaube ich was gewaltig schief.

Ich stelle auch primär hier nicht Fragen mit dem Anspruch, dass diese im Forum beantwortet werden sollten.
Nein
1. Frage kann ich beantworten oder lassen
2. Fragen kann ich mir beantworten oder/und anderen muss aber nicht.
3. ich halte es jedenfalls so, dass ich, wenn ich mich nicht dem anderen auseinandersetzen will, hab manchmal einfach keinen Bock dazu, mir die Fragen mitnehme und in einer ruhigen Minute für mich nochmal darüber nachdenke. Vielleicht auch dann evtl. noch mal nen Gesprächspartner suche.

Jedenfalls habe ich gelernt, Fragen/Themen über die ich mich am meisten aufrege/ablehne haben genau ins Schwarze getroffen.
Über diese lohnt es sich nochmal nachzudenken, wenn ich weiterkommen will.

Sonnige Grüße
Zuletzt geändert von thomas09 am Mi 30. Mär 2011, 09:39, insgesamt 1-mal geändert.



Evilina
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AW: Kritische Pflegesituation - Bitte um Rat

Beitrag von Evilina » Mi 30. Mär 2011, 10:03

Fairerweise muss man sagen, dass sich auch viele Angehörige in die Pflege integrieren lassen.

Kritische Angehörige sind auch nicht pauschal als anstrengend anzusehen, im Gegenteil, sie helfen uns manchmal den Blickwinkel zu ändern.

Die Frage ist, wie es gesagt wird und wie zeitintensiv ist es.



Caramell
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AW: Kritische Pflegesituation - Bitte um Rat

Beitrag von Caramell » Fr 1. Apr 2011, 01:32

Übermorgen ist ein Jahr um. Ein Jahr ohne meine Mutter...es kommt mir vor wie 3 Tage und ich wäre so gerne bei ihr. Ich hoffe, ich sterbe jung und sehe sie bald wieder, denn geliebt habe ich nur sie. Wir fahren mit Vater hin...........aber ich mag auch nicht mehr. Ich hab meine Mama so geliebt!

es tut mir leid, wir haben so viel geschafft, aber sie fehlt so! Meine Schwester und ich hatten letzte Woche Geburtstag...............keine Mama, die anruft, keine Mama, die gratuliert, keine Mama die einen umarmt. Vater hat das eh vergessen. Es ist alles so traurig! ALLEIN..........Einsamkeit! Unendliche!
Zuletzt geändert von Caramell am Fr 1. Apr 2011, 02:24, insgesamt 1-mal geändert.



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AW: Kritische Pflegesituation - Bitte um Rat

Beitrag von *Angie* » Fr 1. Apr 2011, 11:34

Off-Topic:

Hallo Caramell,
da kann ich Dich gut nachempfinden - der Freundin meines Sohnes geht es genauso.
Allerdings wurde sie am 2.3. grad erst 22 und ihre Mutter ist vor einem Jahr gestorben.
Trauer verändert sich - lass und gib Dir selbst die Zeit
das alles zu verarbeiten.
Manchmal ist Geduld mit sich selbst das am schwersten zu lernende.

Es war IHR Weg, ist aber nicht der Deinige, auch wenn Dein Weg sehr beeinflusst wird.

Meine Mutter ist nun 14 Jahre nicht mehr da - und ich weiß:
es kann auch wieder ein schönes Leben "danach" geben -
was allerdings nach nur 1 Jahr der Schmerz noch nicht begreifen läßt.
Gehst Du in eine Trauergruppe ?


» Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in einer Garage steht. « (Albert Schweitzer)

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AW: Kritische Pflegesituation - Bitte um Rat

Beitrag von *Angie* » Fr 1. Apr 2011, 12:01

In vielem möchte ich mich Thomas anschließen, denn so ist auch meine Erfahrung - nicht nur in EINEM Pflegeheim.
Leider habe und erlebe ich immer wieder ganz andere Realitäten und das nicht als Ausnahme.

Angehörige die nicht Können oder Wollen in die Pflege einbezogen zu werden!
Angehörige die max. am Sonntag zu Kaffetrinken mit Oma kommen.
Angehörige die sich untereinander zerkriegen oder schon sind - vor allem wenn was zum Erben gibt.
Erbittert Feindschaften unter Verwandten, die besonders dann zu Tage kommen, wenn Geld in Aussicht steht.
Angehörige die auch lautstark auf dem Gang streiten wer nun das bessere Kind ist und wer häufiger zu Besuch kommt und wer schon immmer mehr geliebt wird oder noch nie geliebt wurde.
Lebenslange Eifersuchten werden direkt oder über Umwege ausgetragen. 5 verscheidene Anrufe am Tag wie es denn Oma geht, weil man nicht miteinander redet und die AP bekommt dann noch Druck, weil der eine Sohn einen Satz mehr weiß wie der andere usw. usw. usw. usw.
Unterschreibe ich so zu 100%!
Angehörige die max. am Sonntag zu Kaffetrinken mit Oma kommen
Du hast die Angehörigen vergessen, die nur ein Mal im Monat kommen, um sich von der Oma das Taschengeld von Omas Taschengeld abzuholen und die die fragen, ob man der Oma nicht etwas weniger die Inkos wechseln kann, weil die ja teuer sind. Und dann noch die, die sich beschweren, dass das Gummi der Hose nach 246 Wäschen ausgeleierter ist als vorher und die dann Ersatz einklagen!

Auf meiner letzten Stelle zB gab es EINE Tochter und EINE Schwester, die sich wirklich um ihre Angehörigen kümmerten - 2 Angehörige von 28 Bewohnern. Von den anderen 26 Bewohnern kamen 4 Angehörige alle paar Wochen mal für 1/2 Stündchen, verrichteten ihren Pflichtbesuch, der mit Vorwürfen dem Pflegepersonal gegenüber endete (warum sind die Batterien vom Hörgerät meines Vaters schon wieder leer?)
"Entschuldigung, die letzte Packung haben Sie gemäß Doku vor 8 Monaten mitgebracht und in den letzten beiden Monaten haben wir sie 5 mal angerufen, dass ihr Vater Batterien braucht"

... Hintergrund war dort die Einstellung:
der Vater sagt eh nix mehr - dann muss er auch nix hören und man kann sich das Geld für Batterien sparen.

Solche Erlebnisse, wenn mehrere Geschwister, Kinder, Verwandte da sind kenne ich auch nur zu gut .... Der eine weiß 2 Worte mehr als der andere, PUH - da kann man ganz schön in Schwulitäten geraten. Ich habe das immer so geregelt, dass nur der Auskunft bekam der die Betreuung hatte - wobei das nicht immer deckungsgleich mit dem war, der sich wirklich "sorgte", häufiger kam und über dessen Erscheinen der Bewohner sichtlich erfreut war.

Nach meiner Erfahrung gibt es
- wenige, die mit Herz ihren Angehörigen besuchen und ihn nicht fallen lassen
und wo der Angehörige trotz seines Lebens im Pflegeheim noch immer zur Familie dazugehört
- ein paar mehr, die mit Dauer-Meckerei ihre Verantwortung für alles den PK zuschieben, aber eigentlich auch nicht wollen, dass die PK die Verantwortung übernehmen. Sie sind verbittert und haben ein schlechtes Gewissen, was sie so zu kompensieren versuchen.
- ein paar mehr die sich auf Distanz halten und sich fast nie blicken lassen (ggfs mal zum Sommerfest), das Ganze mit ihrer Arbeit begründen und dass sie sooooooooooooo wenig Zeit haben. Das sind die, die ich dann am Wochenende statt bei Oma auf der Terrasse in den Straßencafes sitzen sehe.
Das sind die die wahrscheinlich am Besten mit der Situation zurechtkommen, weil sie sich ihr weitestgehend entziehen - sie leben ihr Leben weiter.
- und dann gibt es die "Unscheinbaren", die nicht gesehen werden wollen - die schleichen schnell über den Gang, gucken ob Oma noch da ist und lebt, nicken beim Verlassen des Wohnbereichs den PK freundlich und dankbar zu und sind wieder veschwunden.
- ja - und letztendlich gibt es eben die, die offen sind für Gespräche, die sich eigene Gedanken machen, sich mit einbringen. Mit denen man auch als PK offen reden kann, Schwierigkeiten ansprechen.

Wobei ich auch erlebt habe, dass - wenn es Richtung Sterben geht - plötzlich Hektik aufkommt und ganz viele sich um ihren Angehörigen kümmern, weil ihnen plötzlich aufgeht, dass auch SIE selbst nicht mehr viel Zeit haben mit ihrem Angehörigen.

Oft kam es mir vor, als würden Angehörige erwarten, sie geben jemanden mit einer Bedienungsanleitung im Heim ab und GENAU SO hat es dann zu funktionieren -
und zwar ALLES. Sie haben die Vorstellung."Es ist ja 24 Stunden jemand da, dann kann man auch all das tun."
Dabei kennen sie oft die Biografie ihrer Angehörigen nicht, wissen nicht was er gerne ißt, ob er gern mit offenem oder geschlossenem Fenster schläft.
Und wenn ihnen bewußt wird, wie wenig sie eigentlich wissen, bekommen sie ein schlechtes Gewissen und die PK sind schuld und das Heim ist schei**e.

Und ich kenne viele Heime, die versprechen das Blaue vom Himmel und wundern sich dann, dass Angehörige immer nur meckern, weil sie
sich betrogen fühlen und erleben dass sich die Betreiber oder wer auch immer immer nur rausreden und Besserung geloben, die manchmal gar nicht möglich ist.

Ich sag jetzt mal was, was ich noch nie jemandem gesagt habe:
ich hab mal in einem Heim gearbeitet - da habe ich ALLEN die sich für einen Platz interessierten gesagt:
" Wenn Sie ihren Angehörigen wirklich lieben - dann lassen Sie ihn nicht hier!"

Ich lass jetzt mal lieber ...

:wave
Zuletzt geändert von *Angie* am Fr 1. Apr 2011, 12:10, insgesamt 1-mal geändert.


» Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in einer Garage steht. « (Albert Schweitzer)

Plüschfussel
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AW: Kritische Pflegesituation - Bitte um Rat

Beitrag von Plüschfussel » Fr 1. Apr 2011, 12:02

Liebe Caramell!

Das würde Deine Mutter nicht wollen, sondern sie würde sich freuen, wenn Du ein fröhliches und zufriedenes Leben führen würdest und dann wenn sie es könnte zufrieden lächeln, weil sie ihre Aufgabe, die sie hier als Mutter hatte gut erfüllt hat.
In den Kindern leben wir weiter, auch wenn wir sie nicht immer begleiten können.

Deine Aufgabe ist es, daß was Du von ihr gelernt und bekommen hast, an andere Menschen und die nächste Generation weiterzugeben. Erst dann hatte die ganze Liebe, die sie Dir gab einen Sinn und wird mit Leben erfüllt.

Nicht jeder Mensch schafft es soviel Liebe zu hinterlassen, deshalb ist das sehr wertvoll was Du erhalten hast und es ist wertvoll diese Liebe weiterzugeben und zwar hier auf der Erde.

Ein Jahr ist noch nicht sehr lange für eine solche Trauer. Das dauert oft viel länger bis man den Sinn erfassen kann.



Allerliebste Grüße Plüsch
Zuletzt geändert von Plüschfussel am Fr 1. Apr 2011, 12:10, insgesamt 1-mal geändert.



Regina Dettenrieder

AW: Kritische Pflegesituation - Bitte um Rat

Beitrag von Regina Dettenrieder » Fr 1. Apr 2011, 13:33

Um den Themenfaden besser zu behalten möchte ich Sie bitten, dass Sie die Möglichkeit einer "Off-Topic" Markierung nützen. (Sh. *Angie*)
Vielen Dank.

Regina Dettenrieder



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Diphile
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AW: Kritische Pflegesituation - Bitte um Rat

Beitrag von Diphile » Fr 1. Apr 2011, 15:03

[quote=""*Angie*""]
Unterschreibe ich so zu 100%!
Angehörige die max. am Sonntag zu Kaffetrinken mit Oma kommen


Wirklich 100 % ?
Ich gebe euch teilweise Recht, im Heim meines SV sieht man kaum Besucher, und wir sind oft da. Außer uns ist noch ein Mann der regelmäßig seine Mutter besucht.
Aber es gibt auch andere, uns z. Bsp.


Nach meiner Erfahrung gibt es
- wenige, die mit Herz ihren Angehörigen besuchen und ihn nicht fallen lassen
und wo der Angehörige trotz seines Lebens im Pflegeheim noch immer zur Familie dazugehört

Ich würde mal ganz dreist behaupten wir gehören zu dieser Gruppe. Trotz das Vater im Heim lebt wollen wir so viel wie möglich für ihn da sein.

- ein paar mehr, die mit Dauer-Meckerei ihre Verantwortung für alles den PK zuschieben, aber eigentlich auch nicht wollen, dass die PK die Verantwortung übernehmen. Sie sind verbittert und haben ein schlechtes Gewissen, was sie so zu kompensieren versuchen.

Das schlechte Gewissen ist vielleicht auch ein Zeichen, daß man seinen Angehörigen nicht leichtfertig abgegeben hat. Auch Angehörige müssen erst lernen mit dieser Situation umzugehen. Für PK ist es Alltag, für Angehörige, gerade am Anfang, ist es sehr schwer einen lieben Menschen in fremde Hände zu geben.

- ein paar mehr die sich auf Distanz halten und sich fast nie blicken lassen (ggfs mal zum Sommerfest), das Ganze mit ihrer Arbeit begründen und dass sie sooooooooooooo wenig Zeit haben. Das sind die, die ich dann am Wochenende statt bei Oma auf der Terrasse in den Straßencafes sitzen sehe.
Das sind die die wahrscheinlich am Besten mit der Situation zurechtkommen, weil sie sich ihr weitestgehend entziehen - sie leben ihr Leben weiter.

Da muss ich dir recht geben. Schön für diejenigen, die das können, die leben leichter. Wir können es nicht.

- und dann gibt es die "Unscheinbaren", die nicht gesehen werden wollen - die schleichen schnell über den Gang, gucken ob Oma noch da ist und lebt, nicken beim Verlassen des Wohnbereichs den PK freundlich und dankbar zu und sind wieder veschwunden.

Diese sind den PK bestimmt am Liebsten. Nicht maulen, nicht meckern, und dankbar sein.

- ja - und letztendlich gibt es eben die, die offen sind für Gespräche, die sich eigene Gedanken machen, sich mit einbringen. Mit denen man auch als PK offen reden kann, Schwierigkeiten ansprechen.

Dazu gehört aber, daß auch PK offen sind für Gespräche und die Gedanken der Angehörigen ernst nehmen. Und Schwierigkeiten die angesprochen werden nicht als Angriff auf die Arbeit der PK werten.

Und ich kenne viele Heime, die versprechen das Blaue vom Himmel und wundern sich dann, dass Angehörige immer nur meckern, weil sie
sich betrogen fühlen und erleben dass sich die Betreiber oder wer auch immer immer nur rausreden und Besserung geloben, die manchmal gar nicht möglich ist.

Und darüber muss sich dann keiner wundern.

Ich sag jetzt mal was, was ich noch nie jemandem gesagt habe:
ich hab mal in einem Heim gearbeitet - da habe ich ALLEN die sich für einen Platz interessierten gesagt:
" Wenn Sie ihren Angehörigen wirklich lieben - dann lassen Sie ihn nicht hier!"

Uns hätte schon gereicht wenn jemand gesagt hätte, daß ein Mann mit Alzheimer Demenz hier falsch ist.


Ich lass jetzt mal lieber ...

:wave [/quote]

Es gibt bestimmt Angehörige, die "trauen" sich einfach nicht mitzuarbeiten, besonders die ältere Generation. Die überlassen den PK das pflegen und wettern dann zu Hause, kenn ich seeehr gut.
Vielleicht sollte man sie einfach mal ansprechen.
Ich habe kein Problem damit mich nachmittags einfach mit hinzusetzen und mitzumachen. Malen, singen, basteln, Kaffee schlürfen. Auch mal Tisch abwischen oder Geschirr wegräumen. Bis jetzt hat mich da noch keiner aufgehalten. Und auch andere Bewohner, nicht nur die eigenen Angehörigen, freuen sich.
Und es öffnet den Blick auf die Arbeit der PK.

Wenn sich jeder ein Stück zurücknimmt, Verständnis entwickelt für die Situation des jeweils anderen müsste es doch gehen.

LG


LG Di

sophie
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AW: Kritische Pflegesituation - Bitte um Rat

Beitrag von sophie » Fr 1. Apr 2011, 19:27

Hallo,

wieso sollen Angehörige mithelfen, die 3 000 Euro im Monat bezahlen?

Die meisten wollen nicht mithelfen, weil eh schon alles viel zu teuer ist.


An den Fragen die sich dir stellen erkennst du das Leben, an den Antworten die du findest erkennst du dich selbst.

wenn ein Mensch und ein Hund sich im Himmel begegnen, muss sich der Mensch vor dem Hund verneigen (sibirisches Sprichwort)

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