Habe mal eine Frage :)

Bietet pflegenden und betreuenden Angehörigen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Unterstützung bei Konflikten mit Heimen oder ambulanten Pflegediensten oder fachkundigen Rat in speziellen Fragen zur Pflege und Betreuung.
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Caramell
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Habe mal eine Frage :)

Beitrag von Caramell » Mo 19. Sep 2011, 22:27

Hallo Ihr! :)

Ich habe mal eine Frage, die vielleicht etwas ungewöhnlich ist und ganz sicher nicht provozieren soll. Ich möchte es nur verstehen.

Im Heim meines Vaters...auf seiner Station.....sind die Bewohner sehr unterschiedlich krank. Manche sind wohl dement? (glaube ich, denn sie sind nicht vernünftig ansprechbar und verstehen einen auch fast nicht).....manche körperlich und geistig noch sehr fit (können auch sebstständig ihr Haustier versorgen und für sich selber noch einkaufen und Schriftverkehr allein organisieren).....und dann sind da noch die, die geistig fit sind, körperlich nichts mehr können (auch nicht sehen). Dazu gehört mein Vater.

Auf der Station sind 43 Bewohner.

Jetzt meine Frage: Warum diese bunte Mischung? Soll es dazu dienen, sich gegenseitig zu unterstützen? Wenn das so ist, muss ich dem etwas wiedersprechen,denn es ist eher für jeden eine Belastung. Warum belegt man die Stationen nicht nach den diversen "Gebrechen", so dass man gezielt auf 43 Bewohner eingehen kann?

Ich möchte nur gerne den Sinn verstehen, mehr nicht. :)

Viele Grüße Caramell



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Einhorn 41
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AW: Habe mal eine Frage :)

Beitrag von Einhorn 41 » Mo 19. Sep 2011, 23:29

Hallo Caramell
Stell Dir mal vor man würde die Bewohner wirklich selektieren.
Angenommen Dein Vater würde zu seinen bisherigen körperlichen Gebrechen plötzlich dement werden. Würdest Du es beführworten wenn mann ihn dann mit seiner Sehbeeinträchtigung aus dem ihn gewohnten Bereich nimmt?
Viel wichtiger ist es dass die Pflegekräfte auf die Bedürfnisse und Einschränkungen Deines Vaters richtig reagieren.
Eine " gemischte" Station hat sicherlich auch Nachteile, aber eben auch Vorteile.
Das nur eben mal so zum Nachdenken
lg Einhorn 41



Caramell
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Beitrag von Caramell » Mo 19. Sep 2011, 23:57

Hallo Einhorn :)

Danke für Deine Antwort. :)

Also erstmal, selektieren ist so ein Begriff ...hmm...so habe ich das nicht gemeint in der Hinsicht. Ich dachte nur, eine Aufteilung mit den dazu gehörigen speziellen Kräften könnte auch sinnvoll sein um allen das zu geben was sie brauchen.

Würde mein Vater jetzt oder demnächst dement werden, würde ich das schon begrüssen, denn ich wüsste, es würe speziell für diese Krankheit dort für ihn gesorgt werden.

Ich sehe eben ein kleines Defizit in so einer "bunten Mischung". Die sehr fitten (das sind nicht viele) halten sich komplett von der Station fern. Die körperlich sehr eingeschränkten kommen wenig aus ihren Zimmern, wenn man nicht selber da ist und es macht. Die Dementen werden oft sehr angefahren, um z.B beim Mittagessen oder Abendbrot das Ganze nicht ausarten zu lassen. Und das tut mir dann auch mehr als leid!!!!

Nur eine Situation, und sag mir wie mein Vater oder ich darauf hätten reagieren sollen? Es ist Abendbrotszeit, mein Vater saß lange an einem Tisch mit 4 Damen, die wohl dement sind(sag ich mal jetzt so, was sie wirklich haben weiß ich nicht, ausser das sie sehr gemein werden können und nicht verstehen, was man ihnen sagt). Diese Damen haben meinen Vater wüst beschimpft und auch gehauen. Eine Dame stand immer beim Essen, anstatt zu sitzen und ließ sich auch schwer etwas von den Pflegekräften sagen.

Mein Vater konnte dort nicht mehr essen, ihm ist alles vergangen und dass, nachdem wir solange dafür gekämpft haben, dass er überhaupt in den Essaal kommt und etwas essen darf.

Nun sitzt er immer ganz allein an einem gesonderten Einzeltisch vor dem Speisesaal. Sicher wäre es für ihn schöner, jemand würde dort sitzen mit dem er auch noch ein paar Worte reden könnte.

Und die ganz Fitten essen in ihren Zimmern, auch allein.

Und die Dementen? werden immer angemotzt.

Mittlerweile verstehe ich mich mit dem Pflegepersonal sehr gut.....es hat lange gedauert und es lang auch sehr an uns. Ich habe größten Respekt, wie sie das alles hinbekommen und ohne ein lautes Wort geht es eben wirklich nicht. Und das ist nicht böse gemeint, es dient nur dazu, dort die allgemeine "Ruhe" aufrecht zu halten.....musste ich auch erst lernen.

Darum ja mein Gedanke, ob eine gemischte Station so von Vorteil ist. Denn ich denke, für die ganz Bedürftigen könnte man mehr Personal einteilen auf einer einheitlichen Station.

Und nochmals: Sollte mein Vater dement werden würde ich das begrüssen.

Das waren nur meine Gedanken :)

Lg Caramell



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pegean
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Beitrag von pegean » Di 20. Sep 2011, 00:24

manche körperlich und geistig noch sehr fit
Aber wie lange noch ?

Wenn Bew. einziehen kann man nicht vorraussehen wie lange sie bleiben werden .
Da gibt es die die als "schwerstpflegebedürftig" gelten und wo es heißt sie werden nicht mehr lange leben .Aber oft kommt es anders und sie leben noch ein paar Jahre .

Da gibt es die Bew. die beim Einzug eigentlich "nur ein bischen hilfsbedürftig" sind und ein "bischen" dement sind .Aber dann geht es schnell rapide abwärts .

Beim Einzug wird ein Vertrag abgeschlossen in dem auch genau das Zimmer
beschrieben ist .Wenn sich nun der Zustand eines Bew. ändert kann man nicht so einfach sagen der Bew. ist jetzt pflegebedürftig da kann er auch in ein 2-Bettzimmer umziehen .Oder er soll mal eben in einen anderen WB umziehen .
könnte man mehr Personal einteilen
Das muß erstmal vorhanden sein .

LG


Man sollte sich die Ruhe und Nervenstärke eines Stuhles zulegen. Der muss ja auch mit jedem A...h klar kommen!
Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene.(Carl Hilty)

Caramell
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Beitrag von Caramell » Di 20. Sep 2011, 00:44

@ Pegean:

Es war doch nur ein Gedanke und die Frage, was dahinter steckt und ob es einen Sinn hat....mehr nicht. :)

Natürlich kann sich der gesundheitliche Zustand schnell oder weniger schnell ändern. Das ist mir sehr wohl bewusst!

Aber wenn nichts mehr geht, wird man irgendwann auch das AH für seinen Angehörigen wählen müssen, weil er dort besser aufgehoben ist. Und wenn man dement wird, ist es vielleicht auch vom Vorteil, auf einer Station zu sein, die Verständnis hat für die Krankheit und spezielle Pflege..........so wie ich mir wünschen würde, dass mein Vater auf einer Station wäre mit ähnlichen Krankheitsbildern. Ist das denn so falsch?

Es ist doch nur ein Gedankenkonstrukt und ich weiss doch auch, dass es wohl nicht realisierbar ist.

Zu der Sache des WB Umzugs: Jap.........das ist ein Bruch! Weg vom bekannten Pflegepersonal auf eine andere Station. Die man schon vielleicht Jahre kennt. Ich kann mir nur vorstellen, dass es das alles noch schlimmer machen könnte.

Darum ist das alles nicht einfach :( ich mach mir eben nur so meine Gedanken.

Aber vielen Dank für eure Antworten :)

Lg Caramell



Suse2
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Beitrag von Suse2 » Di 20. Sep 2011, 05:39

hallo Caramell

auch unser Haus ist was die Belegung betrifft
"bunt" gemischt

niemand muss umziehen weil sich sein Allgemeinzustand warum
auch immer verändert..

aber was die Mahlzeiten betrifft haben wir schon die Möglichkeit
den BW das zu bieten was sie möchten

es gibt die Cafeteria und 2 Wohnküchen
es gibt BW die eben sehr tolerant sind und denen ein Nachbar
der mit den Händen isst nix ausmacht
aber es gibt auch andere und die haben dann die Möglichkeit
in die Cafeteria zu gehen oder auch gebracht zu werden

jeder kann, keiner muss!!!

ebenfalls gibt es die Betreuungsangebote in homogenen Gruppen

je nach Angebot gibt es immer fitte BW die auch Besuche in der Dmenetenbetreuung abstatten, jeder wie er will eben...


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Beitrag von Einhorn 41 » Di 20. Sep 2011, 10:14

Hallo Caramell
Es tut mir leid für Deinen Vater.
Das Problem liegt hier wohl nicht an der bunt gemischten Station, sondern eher an den räumlichen Gegebenheiten.
Wäre Dein Vater in der Einrichtung in der ich arbeite, so würde er, wenn er selbständig essen könnte, die Mahlzeiten in einem großen Speisesaal mit all den anderen " rüstigen " Bewohner einnehmen.
Die Bewohner die Hilfe oder Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme benötigen, werden von uns in den kleineren Speisesälen auf Station betreut.
Bew. die sich nicht wohl fühlen oder krank sind, oder auch mal nur ihre Ruhe haben wollen, bekommen ihr Essen auf Wunsch auf´s Zimmer.
Wir PK achten darauf dass die Bew. sich wohl fühlen.
Wenn eine Tischgemeinschaft nicht harmoniert, wird dies im Team angesprochen und nach Lösungen gesucht.
Ich wünsche Dir dass auch für Deinen Vater noch eine gute Lösung gefunden wird.
Sprich doch mal mit der PDL dort.
lg Einhorn 41



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Beitrag von fmh » Di 20. Sep 2011, 11:48

Hallo Caramell,

die Thematik, die Du hier ansprichst, wurde und wird in den letzten Jahren immer wieder diskutiert (das Stichwort dazu lautet "segregative / teilsegregative" vs. integrierte Betreuung).

Deine Aussage
[quote=""Caramell""][...]Es ist doch nur ein Gedankenkonstrukt und ich weiss doch auch, dass es wohl nicht realisierbar ist.[...]
[/quote]
muss so auch nicht stimmen. Alle Betreuungsformen haben ihre Vor- und Nachteile. Es gibt inzwischen aber auch schon ausreichend Einrichtungen, die sehr gut mit einem segregativen Betreuungskonzept fahren (falls es Dich interessiert, gibt es HIER den Bericht zu einer entsprechenden Studie) und bei denen die Problematik des notwendigen Umzugs nicht so sehr im Vordergrund steht. Wenn Dich die Thematik interessiert, findest Du unter den genannten Stichworten einiges im Internet...

Das Problem in Deinem Fall scheint mir auch nicht unbedingt die integrierte Betreuung an sich zu sein. Viel mehr klingt es für mich so (soweit sich das aus der Ferne überhaupt beurteilen lässt), als würde das Konzept nicht komplett umgesetzt werden, denn die ingetrierte Betreuung setzt auch voraus, dass Maßnahmen entwickelt werden um das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Demenz zu fördern. Und das scheint mir hier eben nicht der Fall zu sein. Hierfür kann es die unterschiedlichsten Ursachen geben, mit ein Grund wird sicherlich wieder mal der Personalmangel sein (wobei man manche Dinge auch schon ohne erheblichen Aufwand anpassen könnte, z.B. Sitzordnung oder Aufteilung der Tische beim Essen).

Beste Grüße
fmh


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-Felicitas-
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Beitrag von -Felicitas- » Di 20. Sep 2011, 18:41

Hallo, Caramell,

fmh hat ja schon geschrieben, dass es auch Konzepte gibt, bei denen die Menschen mit den selben Krankheitsbildern zusammen wohnen. Dir ist sicher das Stichwort "Dementen-WG" schon beim Schmökern hier über den Weg gelaufen, oder? ;-)

Ich weiss auch von der Großstadt nebenan (naja, was "Groß" heisst, aber das größte hier in der Nähe), dass es dort ein Heim für pflegebedürftige Sehbehinderte / Blinde gibt.

Auch andere besondere Abteilungen sind bereits eingerichtet, z.B. für beatmete und wachkomatöse Menschen...

Ich kannte vor 15 Jahren oder mehr ein Haus, in dem die Bewohner mit einem erhöhten Pflegeaufwand auf eine besondere "Pflegestation" gelegt wurden. Das war für die Bewohner eine angstmachende Sache, denn für sie gings "zum Sterben", wenn sie auf diese Station kamen. So wirklich gerne wollte da niemand hin.

Die integrativen Konzepte scheitern meiner Meinung nach nicht unbedingt immer am mangelnden Personal, mindestens genauso häufig auch an mangelndem Raum. Gemeinschaftsräume verdienen kein Geld, deswegen sind diese Flächen in manchen Einrichtungen auf das absolute Minimum zurechtgestutz. Und wie man dann da eine für alle akzeptable Sitzordnung hinbekommen soll, das ist ein Jonglierspiel für die Pflegenden.

Ich freue mich, dass Du Dir Gedanken drum machst und ich finde, Deine Gedanken aus der Sicht als Angehörige sehr wertvoll, dankeschön!

lg
F.


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