Erst Durchgangsdelir, dann Demenz, plötzlich Parkinson?

Bietet pflegenden und betreuenden Angehörigen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Unterstützung bei Konflikten mit Heimen oder ambulanten Pflegediensten oder fachkundigen Rat in speziellen Fragen zur Pflege und Betreuung.
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Rosemieke
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Erst Durchgangsdelir, dann Demenz, plötzlich Parkinson?

Beitrag von Rosemieke » Fr 2. Nov 2018, 17:07

Hallo zusammen!
Bin neu hier und erhoffe mir Anregungen und Tipps.
Mein 81jähriger Vater war vor einer Arm-OP im Juli 2018 körperlich u geistig völlig fit. Nach der OP trat das Durchgangssyndrom auf. Aufgrund zunehmender Verwirrtheit u Aggression wurde er in eine Psychiatrie überwiesen. Hier kam es aufgrund der Orientierungslosigkeit vermehrt zu Stürzen. Nach der Einnahme von Melperon u Risperidon ging es meinem Vater schnell viel besser. Er wurde zur geriatrischen Kurz-Reha in ein anderes Krankenhaus verlegt. Dort entließ man ihn einen Tag nach der Aufnahme mit der Begründung, Schrauben im Arm hätten sich durch die vielen Stürze verschoben und das müsse operativ gerichtet werden, bevor man mit der Reha beginne. Sie verlegten ihn einfach in ein anderes Krankenhaus. Nach einer katastrophalen Aufnahme dort wurde mein Vater durch die ganzen Umstände u den erneuten Ortswechsel wieder in hohem Maße delirant. Es folgte eine erneute Verlegung in die Psychiatrie. Er erholte sich erstaunlich schnell u wir haben mit den Chirurgen besprochen, dass wir auf keinen Fall eine erneute OP riskieren würden. Also ging es wieder in das andere KH zur geriatrischen Kurz-Reha, um ihn wieder richtig fit zu machen. Leider konnten wir nicht ahnen, dass die Zustände in dem Krankenhaus zu Verschlechterung des Allgemeinzustands führten. Er erfolgten aufgrund der personellen Unterbesetzung kaum Reha Maßnahmen, mein Vater lag dort nur rum, wurde zunehmend verwirrter. Die Melperondosis wurde daraufhin verdoppelt. Mein sonst so agiler Vater entwickelte sich zu einem regungslosen 'Zombie' (sorry) der kaum noch Aktivitäten selbstständig ausführen konnte. Als wir die Ärzte hierauf ansprachen, hieß es: Entweder wirr oder regungslos. Es gäbe keine andere Möglichkeit. Entsetzt haben wir unseren Vater zum dritten Mal in die Psychiatrie verlegen lassen, auch weil wir ihn dort immer gut aufgehoben gewusst haben. Er hat sich körperlich nicht richtig erholt. Ist sehr geschwächt, aber voll orientiert. Das Melperon ist auf 50 mg runter dosiert. Er erhält jedoch auch Oxycodon wegen der Schmerzen und gefühlte 1000 andere Medikamente. Man sagte uns aber auch, dass eine beginnende Demenz vermutet würde. Nun ist er seit einer Woche zu Hause. Es ist in den ersten drei Tagen so viel besser gelaufen als wir gehofft haben. Er hat sich so gefreut, nach 4 Monaten endlich zu Hause zu sein. Lief durch die Wohnung, war voll orientiert. Es gab immer mal kurze Aussetzer seit Beginn der ganzen Geschichte. Dies wurde einer orthostatischen Dysregulation zugeschrieben. Aufgrund eines Blaseninfekts erhielt er am Montag ein Antibiotika. Bald darauf ging es ihm so schlecht, dass er jedesmal beim Aufstehen das Bewusstsein verlor. Im Liegen ging es dann sofort wieder. Der Zustand ist jetzt so seit vier Tagen. Der Arzt meinte heute, dass mehrere Faktoren dies auslösen können. U. A. auch Nebenwirkungen des ABs und der anderen Medis, denn sonst seien alle Vitalzeichen gut. Er äußerte dann aufgrund der Symptomatik den Verdacht einer Parkinson-Erkrankung u empfiehlt eine umfangreiche neurologische Untersuchung. Wir sind wie vor den Kopf geschlagen
Diese Untersuchung ginge nur stationär, aber wie sollen wir meinem Vater einen erneuten KH Aufenthalt antun? Er ist eh schon am Boden zerstört weil er nicht aufstehen darf. Er tut mir so leid. Und auch meine Mutter. Die trotz Unterstützung durch den Pflegedienst jetzt schon völlig überfordert ist. Kennt jemand ähnliche Fälle oder hat einen Ratschlag für uns? Danke fürs Lesen des langen Textes.
Gruß, Rosemieke



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doedl
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Re: Erst Durchgangsdelir, dann Demenz, plötzlich Parkinson?

Beitrag von doedl » Sa 3. Nov 2018, 07:00

Hallo Rosemieke,

wenns mein Vater wäre, würde ich ihn nicht mehr ins Krankenhaus geben.

Der Blaseninfekt wird bald vorüber sein; sobald das Medikament abgesetzt werden kann, wird sich vermutlich auch der Zustand bessern.

Vielleicht kannst Du ein paar Tage Urlaub nehmen, um Deiner Mutter beizustehen- sieh mal hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Pflegezei ... istellung)

Sprich mit der Pflegekasse, welches Attest sie benötigen; Du erhältst dann eine Freistellung für 10 Tage und Dein Gehalt wird Dir durch die Pflegekasse gezahlt.

Organisiere eine Physiotherapie für zu Hause; man kann eine Reha auch daheim durchführen.
Die Bewußtlosigkeit durch das Aufstehen muss nicht zwangsläufig von einer neurologischen Erkrankung kommen; eine schon vorhandene Durchblutungsstörung im Gehirn reicht für solchen Bewusstseinsverlust schon aus, außerdem sprichst du ja von orthostatischer Dysregulation.
Setzt den Mann immer mal wieder für kurze Zeit am Bettrand auf, damit sein Kreislauf den Lagewechsel besser verkraftet.
Führt im Bett Bewegungsübungen durch- auf dem Rücken liegend Radfahren oder im Sitzen Seilhangeln, das stärkt den Kreislauf.

Gruß Doedl


Wir müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen wollen- Mahatma Gandhi

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