Eine shwere Entscheidung

Bietet pflegenden und betreuenden Angehörigen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Unterstützung bei Konflikten mit Heimen oder ambulanten Pflegediensten oder fachkundigen Rat in speziellen Fragen zur Pflege und Betreuung.
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johannes
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AW: Eine shwere Entscheidung

Beitrag von johannes » Mi 28. Jul 2010, 08:33

Hallo Sabrina44

Die meisten Menschen denken, daß die Pflege zuhause das Ei des Kolumbus sei, ein Heim dagegen das Schlechteste, was einem passieren kann.

1. Rahmenbedingungen

Zuhause ist dort, wo man sich wohlfühlt.

Das hängt nicht von der Hausnummer in einer bestimmten Straße ab. Genausowenig von der Etage, in der man lebt. Ein Pflegebedürftiger wohnt üblicherweise nur noch in einem einzigen Raum, selbst wenn die "Wohnung" fünf Zimmer hat. Dies gilt vor allem für jene, die bettlägerig sind.

Zu einem Zuhause gehören vor allem individuell eingerichtete "Vier Wände", in denen das eigene Leben wiedergespiegelt wird. Mobiliar und Accessoires sind hier gefragt.

2. Pflege

a) die praktische pflegerische Arbeit ist in einer Privatwohnung nicht anders, als im Heim. Hingegen wird sie in einem Heim zumeist professioneller umgesetzt, allein schon dadurch, daß Fachkräfte vorhanden sind, die ihr Handwerk gelernt haben.

b) die praktische pflegerische Arbeit wird im Heim einfacher zu handhaben sein, weil die Räumlichkeiten großzügiger sind und mehr Hilfsmittel zur Verfügung stehen.

c) durch Berufstätigkeit und familiäre Verpflichtungen wird notwendige pflegerische Tätigkeit fast immer auf kleine Zeitfenster konzentriert. Der Wunsch nach etwas zu trinken z. B. muß warten, bis die Angehörigen wieder zuhause sind. Toilettengänge erfolgen z. B. nicht dann, wenn sie nötig sind, sondern dann, wenn sie möglich sind.

3. Zwischenmenschliche Beziehungen

a) im häuslichen Umfeld werden sie häufig bis an die Grenzen belastet, weil durch die Pflegesituation und "ein schlechtes Gewissen" Spannungen entstehen, die oft nicht abgebaut werden können.

b) im Heim weißt Du Deinen Vater in einer 24-stündigen Betreuung. In aller Regel werden seine Bedürfnisse zeitnah erfüllt.

c) Dein pflegebedürftiger Vater erhält auch von Dir und der Familie so viel Zuwendung, wie ihr einsetzen könnt und wollt. Dies jedoch ohne emotionale Belastung durch ständige Vorwürfe, Zeitdruck - Du mußt zu der und der Zeit bei Deinem Vater sein - und dadurch bedingte Hetze, die fertig macht.

d) Dein Vater kann auch vom Heim aus, soweit es sein Pflegezustand zulässt, jederzeit zu Besuch in die Familie kommen. Ein Besuch, wie häufig er auch stattfindet, enthält nicht die Belastung des ständigen "Verpflichtetseins" ohne Unterbrechung und läuft daher auch viel entspannter ab.

e) Ein Besuch im Heim kann mit dem Heimweg jederzeit verbunden werden oder auch in der berufsfreien Zeit.

Das größte Problem wird jedoch das schlechte Gewissen sein. In unserer Gesellschaft wird so getan, als sei es ein Verbrechen, einen pflegebedürftigen Angehörigen in einem Heim versorgen zu lassen. Das macht oft ein schlechtes Gewissen. Wer allerdings die Situation positiv betrachtet, wird schnell feststellen, daß das Heim dann eine gute Alternative darstellt, wenn der Beruf und die Familie einen breiten Raum einnehmen.

Ich bin der Ansicht, daß ein Platz im Pflegeheim eine gute Möglichkeit darstellt, Familie, Beruf und Pflege unter einen Hut zu bringen. Entscheidend ist die persönliche innere Einstellung hierzu.

Vielleicht haben diese Gedanken Dir geholfen, ich wünsche Dir eine gute Entscheidung.

Gruß

Johannes



thomas09
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AW: Eine shwere Entscheidung

Beitrag von thomas09 » Mi 28. Jul 2010, 10:45

Liebe Sabrina,

dein Engagement in allen Ehren, aber das wird über kurz oder lang nicht gut gehen

Familie
Beruf
pupertierende Kinder?
Demenzkranke Mutter
Pflegebedürftigen Vater

Dem kannst du nicht gerecht werden, irgendwas leidet, entweder Familie, Beruf, Kinder oder die Eltern.

Bedenke auch der Pflegebedarf für beide Elternteile wird sicherlich in den nächsten Monaten/Jahren mehr werden.

Ich denke du musst dich für eins von beiden Entscheiden, sonst gehst du kaputt.

Ich weiß es ist nicht leicht, aber du wirst beides alleine nicht schaffen.



DieJuli
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Beitrag von DieJuli » Mi 28. Jul 2010, 11:01

Wow, kriegt ihr Provisionen für Heimvermittlungen? Gibt es den Vorsatz "Ambulant vor Stationär" nicht mehr?


Liebe Sabrina,
wie die anderen schon eindrucksvoll geschrieben haben, ist es nicht einfach, seine Eltern zu Hause zu versorgen... gerade ein demenzkranker Mensch braucht ständig jemanden, der ihn von "Dummheiten" abhalten kann. Dementsprechend ist es schon einmal wichtig, wieviel dein Vater davon noch leisten kann... Schlaganfall ist nicht gleich Schlaganfall! Kann er noch sprechen und sich im Rollstuhl fortbewegen? Ist die Wohnung weitgehend barrierefrei eingerichtet?

Vielleicht holst du dir einen Pflegedienst ins Haus, der kann deine Eltern kennenlernen, die Wohnung anschauen, und dir vorschlagen, was du leisten musst und was dir abgenommen werden kann. Wenn du gut beraten wurdest, von jemandem der die Situation vor Ort sieht, kannst du auch gewissenhaft entscheiden, was für dich und deine Eltern die beste Versorgung wäre!

Liebe Grüße,
by Juli



Suse2
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AW: Eine shwere Entscheidung

Beitrag von Suse2 » Mi 28. Jul 2010, 11:01

[quote=""Sabrina44""]Mein Name ist Sabrina, ich bin 44 Jahre alt und stehe vor der Entscheidung meine Eltern zu pflegen oder in ein Heim zu geben.

Mein Vater hatte einen Schlaganfall. Er hatte bisher meine an Demenz erkrankte Mutter versorgt und das ist nun nicht mehr möglich.

Keine leichte Entscheidung. Weil ich selbst Familie habe und berufstätig bin.

Ich erhoffe mir hier moralische Unterstützung.

Freundliche Grüße
Sabrina[/quote]


Hallo Sabrina...

ich denke das ist eine Entscheidung die nur du für dich alleine
nach Abklärung der Gesamtsituation treffen kannst....

und ich denke das du hier

http://pflegendeangehoerige.plusboard.de

ganz viel Hilfe und Informationen bekommen kannst


Auch wer nicht zählen kann, zählt mit!
Auch wer nicht sprechen kann, hat was zu sagen!
Auch wer nicht laufen kann, geht seinen Weg!

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*Angie*
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Beitrag von *Angie* » Mi 28. Jul 2010, 12:43

Danke Suse, das wollte ich grad genau so einstellen! :yo


Was ich aber noch anmerken möchte - denn wir haben das gerade "familiär" auch hinter uns:
Ist der Angehörige extern versorgt (bei uns war es im Hospiz), so können die
Besuche frei von Druck und Pflege gestaltet werden - sprich:
Besuche können schön gestaltet werden und sind nicht durch all die
auch schweren und belastenden Situationen und Momenten getrübt.

Man verspricht oft etwas, zB dass man die Eltern niemals weggibt ...
aber man verspricht es oft dann, wenn man überhaupt gar nicht weiß, was damit alles
auf einen zukommt. Man verspricht es zu einer Zeit, als man selbst in einer
ganz anderen Lebenssituation war ...

Überlege genau ob es wirklich verantwortungsbewußt ist, 2 !!!!!!!! Menschen zuhause pflegen zu wollen,
von denen der eine früher oder später eine 24-Stunden-Beaufsichtigung benötigt aufgrund
fortschreitender Demenz.

Ich bin die letzte die dazu rät jemanden in ein Heim zu geben,
ABER: 2 Menschen pflegen und das alleine - 24 Stunden am Tage?
Davon einer dementiell erkrankt?
Bei einer Person hätte ich gesagt: okay - versuch es, es kann auch sehr bereichernd sein.

Aber selbst das ist, wenn man noch arbeitet, nicht vereinbar ...

Da muss man sich meines Erachtens schon entscheiden:
entweder zuhause pflegen ODER arbeiten gehen - sonst geht man drauf.
Irgendwas nebenher zu machen (sei es "nebenher pflegen" oder "nebenher arbeiten")
wird nicht funktionieren.

Ich wünsche Dir eine gute Entscheidung - AUCH für Dich selbst,
denn Du hast auch noch ein Leben, vergiss das nicht!

LG, Angie
Zuletzt geändert von *Angie* am Mi 28. Jul 2010, 13:07, insgesamt 1-mal geändert.


» Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in einer Garage steht. « (Albert Schweitzer)

Heim-Mitwirkung
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AW: Eine shwere Entscheidung

Beitrag von Heim-Mitwirkung » Mi 28. Jul 2010, 15:02

[quote=""DieJuli""]Wow, kriegt ihr Provisionen für Heimvermittlungen? Gibt es den Vorsatz "Ambulant vor Stationär" nicht mehr?


Liebe Sabrina,
wie die anderen schon eindrucksvoll geschrieben haben, ist es nicht einfach, seine Eltern zu Hause zu versorgen... gerade ein demenzkranker Mensch braucht ständig jemanden, der ihn von "Dummheiten" abhalten kann. Dementsprechend ist es schon einmal wichtig, wieviel dein Vater davon noch leisten kann... Schlaganfall ist nicht gleich Schlaganfall! Kann er noch sprechen und sich im Rollstuhl fortbewegen? Ist die Wohnung weitgehend barrierefrei eingerichtet?

Vielleicht holst du dir einen Pflegedienst ins Haus, der kann deine Eltern kennenlernen, die Wohnung anschauen, und dir vorschlagen, was du leisten musst und was dir abgenommen werden kann. Wenn du gut beraten wurdest, von jemandem der die Situation vor Ort sieht, kannst du auch gewissenhaft entscheiden, was für dich und deine Eltern die beste Versorgung wäre!

Liebe Grüße,
by Juli[/quote]

DANKE für die Anmerkungen, denen ich mich nur anschließen kann! Ich habe den Eindruck, dass hier im Forum zu wenig nach Hintergründen gefragt wird.

@Sabrina: Die persönliche Entscheidung einen Angehörigen zu Hause zu versorgen ist von vielerlei Umständen abhängig. Siehe auch [Rehabilitation nach Schlaganfall >>]

Je nach Bundesland gibt es auch die Pflegestützpunkte, in denen man sich umfassend informieren lassen kann, ggf. bei den Pflegekassen nachfragen. Alternativ die UPD (Unabhängige Patientenberatung Deutschland) kontakten unter Tel. 0800 / 0 11 77 22 oder http://www.upd-online.de. Oder anrufen beim http://www.patiententelefon.de/ Tel. 040 / 030/ 44024079.

Auch interessant: [Freistellung zur Pflege - Ansprüche für Beschäftigte ab 1.7.2008 >>]
(Quelle: http://gesundheit-soziales.verdi.de/bra ... likationen)


Ich hoffe das hilft weiter *daumendrück*
Zuletzt geändert von Heim-Mitwirkung am Mi 28. Jul 2010, 15:45, insgesamt 1-mal geändert.



Jürgen123
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Beitrag von Jürgen123 » Do 8. Dez 2011, 12:14

Hallo Sabrina,

ich kenne deine Lage nur zu gut. Ich befand mich in derselben, als meine Mutter damals pflegebedürftig wurde. Es ist keine leicht Entscheidung, aber was soll man machen, wenn man selbst berufstätig ist und nicht die Zeit hat, die eigene Mutter so zu versorgen, wie sie es verdient hat und auch braucht. Demnach habe ich mich entschieden, für sie ein Heim zu finden, wo sie die nötige Hilfe bekommt und sich auch wohlfühlt. Ich hab mich damals durch sämtliche Internetportale gekämpft und bin schließlich auf eines gestoßen, was ich als sehr hilfreich empfand. Die Seite heißt pflege.de und dann kannst du zB bei Pflegeheime Hamburg eingeben und schon bekommst eine Reihe von Heimen und kannst sie dir anschauen. Vielleicht hilft dir das weiter.
Grüße, Jürgen



Elsner
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AW: Eine shwere Entscheidung

Beitrag von Elsner » Di 17. Jan 2012, 11:28

Hallo Anie,

wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem Oma-Hilfsdienst gemacht -die sitzen im Raum Norddeutschland und haben ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. 2 Damen kümmern sich abwechselnd um unseren Vater zuhause und er ist sehr zufrieden. http://www.oma-hilfsdienst.de

Ein Heim wäre für uns nicht in Frage gekommen,

Viele Grüße
Klaus



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doedl
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Beitrag von doedl » Di 17. Jan 2012, 20:09

Hallo Sabrina,

viele nützliche Hinweise wurden durch meine Vorposter ja schon gegeben.

Meine Mutter ist 85, hatte vorletztes Jahr auch einen Schlaganfall und ich bin ex. Altenpflegerin- trotzdem hätte ich die Pflege nicht so ohne weiteres übernommen.

Mach Dich über den Pflegestützpunkt schlau, welche Angebote es in Deiner Region gibt- stell unbedingt Antrag auf Pflegeeinstufung Deines Vaters, auf erhöhten Betreuungsbedarf Deiner Mutter.

Such Dir eine geeignete Haushaltshilfe, die täglich kommt und sich um das Drumherum kümmert- sie fängt immens viel ab. Engagiere einen geeigneten Pflegedienst, hole Dir Betreuungskräfte für Demenzkranke oder sieh Dich nach Gruppenangeboten, Einzelbetreuung oder Tagespflege für Deine Mutter um.

Der Papa ist kurz nach Schlaganfall rehafähig- da geht noch immens viel- also um eine Reha kümmern, danach unbedingt Krankengymnastik zuhause, Logopädie falls nötig, Ergotherapie falls nötig.

Kümmere Dich um Entlastungsangebote für Angehörige- Nachbarschaftshilfe, Verhinderungspflege, stundenweise Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege. Wenn Du selbst in Aktion trittst, dann brauchst Du dringend Freiraum, sonst machst den Job nicht lange.

Gutes Gelingen bei all Deinem Tun

Doedl


Wir müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen wollen- Mahatma Gandhi

Plüschfussel
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Beitrag von Plüschfussel » Di 17. Jan 2012, 23:32

Liebe Sabrina!

Mußt Du das denn sofort entscheiden, oder hast Du Zeit zunächst eine ambulante Versorgung zu organisieren um "unter Vorbehalt" auszuprobieren, ob Du das coordiniert bekommst und auch schaffen kannst?

Wie sieht es mit Deiner Gesundheit aus?
Gibt es vielleicht Erkrankungen deinerseits, die eine regelmäßige Versorgung gefährden könnten?

Sind vielleicht noch andere Alternativen wie ein betreutes Wohnen möglich?
Vielleicht läßt Du dich von einem Pflegedienst einmal beraten, der sich die Gesamtsituation ansieht.

Ist ausreichend Geld oder Vermögen vorhanden, damit man einiges "wegdelegieren" kann,- zb. hauswirtschaftliche Tätigkeiten und Putzarbeiten.
Das könnte durchaus auch so aussehen, daß Du eine Hilfe in Deinem Haushalt hast, damit Du dich entlasten lassen kannst um die gewonnene Zeit anderweitig zu nutzen.

Neben der Pflege oder Betreuung auch noch für mehrere Haushalte zuständig sein, kann sehr zeitaufwendig sein.

Kann man zb. verschiedene Sachen so organisieren, daß man diese direkt ins Haus geliefert bekommt, oder ergibt das schon finanzielle Probleme, wenn man die Wasserkästen und Getränke ins Haus liefern läßt, anstatt die beim Discounter günstiger kaufen zu müssen, usw.

Ich habe zb. meine Mom zu versorgen und zu managen und die Schwiegereltern ebenfalls, die aber noch ein wenig agiler sind, als meine Mom.

Dann zählen auch Dinge,die auf den ersten Blick sehr "klein" aussehen, daß man diese wegdelegieren kann.
Eine Rundumversorgung mehrerer Pflegefälle alleine zu meistern zu wollen, halte ich für äußerst ungesund und man muß auch noch "Luft" in der Organisation haben, sodaß man wenn man zb. selbst einmal wegen einer Grippe ausfällt, nicht noch auf allen vieren dahin kriechen muß, wenn man schon lange nicht mehr kann.

Bist Du die einzige Person, die in der Familie für die Pflegefälle zuständig sein muß, und beteiligen sich etwaige andere Kinder oder Familienangehörige an der Versorgung?

( Bei uns war es so, daß jeder gerne für die Pflege bei der Pflegekasse gemeldet worden wäre, um die Rentenbeiträge erstattet zu bekommen, aber keiner der Geschwister war letzendlich bereit dafür auch etwas von der Pflege zu übernehmen.)

Wie wirkt sich die Demenz Deiner Mom aus? Läuft sie fort? Besteht eine erhöhte Sturzgefahr? Bringt ihr Verhalten Gefahren mit sich, weil sie zb. fremde in die Wohnung einläßt, oder besteht eine Brandgefahr, weil zb. Kochplatten angeschaltet gelassen werden.
Wie sicher und altersgerecht ist die Wohnsituation? ect pp.

Wie sind die Transporte zu Untersuchungen, zu Ärzten geregelt? Reicht ein Hausnotruf aus oder muß der alte Mensch eine 24 Stunden Betreuung haben?
Was kann Dein Vater nach dem Schlaganfall noch, welche Behinderungen hat er behalten?
Wieviel und welche Pflege wird überhaupt benötigt?

Das ist aus dem kurzen Beitrag leider alles nicht zu entnehmen um Deine Situation beurteilen zu können.

Letztlich muß das nicht der Endzustand der Situation sein, in der Du dich gerade befindest.

Sollen die Eltern im eigenen Haus versorgt werden oder zu Euch ziehen? Wo soll die Versorgung stattfinden?
Letztlich: wie sehen Deine Kinder das Problem und wieviel Aufmerksamkeit, Arbeitsaufwand ,Zeit und Zuwendung benötigen die eigenen Kinder?
Hilft der Ehepartner mit und wie ist das Verhältnis des Ehepartners zu den Eltern, auch das könnte ein Problem sein, daß sich negativ auswirkt, denn
Dein Partner muß diese Entscheidung ebenfalls mittragen.

( Ich finde es immer ganz wichtig, daß man sich beizeiten überlegt, wie man mit den Kindern und Schwiegerkindern umgeht, denn die sind es
tatsächlich die eines Tages meinen Altenheimplatz aussuchen müssen. - Wenn man zb. zeitlebens unter eine "bösen" Schwiegermutter gelitten hat, dann ist das unzumutbar, daß im Alter dann "frei Haus" geliefert zu bekommen.-sorry,- aber mir geht zb. manchmal die Hutschnur hoch, wenn ich mich
um jemanden ständig kümmern soll, der die letzten 30 Jahre damit verbrachte mir das Leben so schwer wie möglich zu machen. Da nutzt er auch nichts wenn die nun ständig erzählen, wie lieb das doch vom mir ist sich zu kümmern. Das möchte ich eigentlich eher weniger hören, sonst stößt es mir dabei noch saurer auf.)

Letztlich ist das unter Umständen wirklich zuhause zu organisieren, aber es ist alles andere als fein, wenn man sich in allen Belangen derart einschränken muß, oder wenn man müde vom Dienst kommt sofort nochmals los muß, weil es unvorhergesehene "Katastrophen" gibt.

Wie "wehleidig" ist der Pflegefall, jammert er nur herum, oder ist das in einem erträglichen Maß zu bewältigen?

Wenn jedes Pickelchen oder jedes Zipperlein dazu führt, daß jedesmal Katastrophenalarm seitens Deiner Pflegefälle gespielt wird, dann kann das äußerst übel werden. Sind Deine Pflegefälle geduldig und auch mal bereit auf eine nicht so wichtige Besorgung zu warten, oder muß alles am besten schon gestern passiert sein?

Ich denke, daß es oft ganz besonders auf den "Pflegefall" den man versorgt selbst ankommt, ob das für beide Seiten erträglich gestaltet werden kann und ob das zu schaffen ist.

Mit den nötigen Handgriffen und Besorgungen ect. habe ich zb ein kleineres Problem. Die "künstlich " herbeigeführten Katastrophen gehen eher an
die Nerven, bei denen man auf den ersten Blick sehen kann, daß das eine reine Beschäftigungstherapie für mich werden soll; wenn man zb. die eine Wunschliste abgearbeitet hat und dann schon sofort die nächste Liste bereitliegt, damit man ja immer gut zu tun hat und unterwegs dafür ist, sodaß man das Gefühl erhält niemals "fertig" zu sein und alles erledigt zu haben.

liebe Grüße plüsch
Zuletzt geändert von Plüschfussel am Mi 18. Jan 2012, 00:04, insgesamt 1-mal geändert.



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fmh
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AW: Eine shwere Entscheidung

Beitrag von fmh » Mi 18. Jan 2012, 08:50

Off-Topic:

Ich wollte nur kurz darauf hinweisen, dass der Ursprungsbeitrag aus dem Juli 2010 stammt. Die Userin war seitdem auch nicht mehr aktiv. Insofern ist es fraglich, ob sie den freundlichen Werbeversuch im Dezember 2011 überhaupt noch gelesen hat...


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