Bett -> Rollstuhl -> Bett, wie oft am Tag für Pflegepersonal zumutbar?

Bietet pflegenden und betreuenden Angehörigen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Unterstützung bei Konflikten mit Heimen oder ambulanten Pflegediensten oder fachkundigen Rat in speziellen Fragen zur Pflege und Betreuung.
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Anton-68
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Bett -> Rollstuhl -> Bett, wie oft am Tag für Pflegepersonal zumutbar?

Beitrag von Anton-68 » Fr 3. Jun 2011, 09:53

Mein Bruder liegt nach einem Schlaganfall (Gehirnblutung) mit Pflegestufe 2 in einem Pflegeheim.
Seine rechte Seite (Arm, Gesäß, Bein) ist gelähmt und er hat noch eine leichte Schluckstörung
und auch eine Sprachstörung (http://de.wikipedia.org/wiki/Wernicke-Aphasie).
Er hält es auch noch nicht lange im Rollstuhl aus.
Hat 5 Monate lang flach gelegen.

Es ist schon richtig Arbeit, ihn vom Bett in den Rollstuhl zu bekommen.

Ich möchte, daß er jeweils zeitnah zu den Hauptmahlzeiten in den Rollstuhl kommt und danach wieder ins Bett, bis er sich an den Rollstuhl gewöhnt hat und ein längeres Sitzen darin auch aushält.
Das Pflegepersonal aber will nur zwei sogenannte Rollstuhltage einführen, wobei die jeweilige Verweildauer durchaus mehrere Stunden (5!) betragen kann.

Meine Frage:
Welchen Arbeitsaufwand kann ich dem Pflegepersonal zumuten?
Zuletzt geändert von Anton-68 am So 5. Jun 2011, 12:21, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: "Sprachstörung" im Text zugefügt



Bluebirdy
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AW: Bett -> Rollstuhl -> Bett, wie oft am Tag für Pflegepersonal zumutbar?

Beitrag von Bluebirdy » Fr 3. Jun 2011, 12:53

Hallo Anton 68
Der Pflegedienst muss die Transfers nicht alle alleine machen.

War dein Bruder in einer Reha nach dem Schlaganfall?
Dort sollte er die Mobilisation geübt haben;
wenn er noch nicht zur Reha war - erkundige dich mal nach einer Möglichkeit
diese jetzt noch zu bekommen.
Neben dem Pflegedienst kann Mobilisation auch von Ergotherapeuten und oder Physiotherapeuten durchgeführt werden.
Diese können auch die pflegenden Angehörigen anleiten im Transfer.
Evtl. kommen auch technische Hilfsmittel in Betracht.

Was sagt denn der behandelnde Arzt dazu?

LG Bluebirdy



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Anton-68
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Beitrag von Anton-68 » Fr 3. Jun 2011, 13:10

Hallo Bluebirdy,

Früh-Reha erfolgte in einer speziell dafür eingerichteten Station eines Krankenhauses.
Transfer vom Bett in den Rollstuhl wurde mittels Rutschbrett (und alternativ auch mit kraftvoller Umarmung einer stämmigen Pflegekraft) eingeübt.

Aber er kann sich nicht alleine anziehen und bedarf der Hilfe einer Pflegekraft, um in den Rollstuhl zu gelangen.

Der zeitweilig das Pflegeheim besuchende Hausarzt hält sich vornehm im Hintergrund zurück (das ist mein subjektiver Eindruck).

Damit kein Irrtum entsteht:
Mein Bruder liegt in einem Pflegeheim mit Vollstationärer Pflege.


Gott gebe mir die Demut, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

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Beitrag von Analir » Fr 3. Jun 2011, 13:34

Hallo Anton-68,

vorweg kurz erwähnt sei, dass ich keine Ahnung der rechtlichen Seite habe. Ich antworte hier also aus rein menschlich-beruflicher Sicht, dies mit meiner Meinung. ;)

In unserem Haus erhält jeder Bewohner die für ihn individuelle Betreuung und Hilfe. Wenn wir ihren Bruder als bei uns betreuen würden, dann würde er aufbauend täglich zu den Mahlzeiten mobilisiert werden. Wenn nötig anfangs nur zu einigen Mahlzeiten, später bei besserer Belastbarkeit öfter und/oder länger.

Wenn zur Mobilisation, als dem Transfer in den Rollstuhl notwendig, arbeiten wir mit 2 Pflegekräften und/oder Hilfsmitteln, wie Stehlifter z.Bsp.

Ich persönlich finde es falsch Ihren Bruder nur tageweise, dann aber direkt für mehrere Stunden zu mobilisieren. Mal ganz aus dem Leben gegriffen - ein Sportler läuft auch nicht nur 1x die Woche und dann direkt einen Marathon. Tägliches üben des sitzens über eine stetig steigende Zeitdauer halte ich für viel sinnvoller. Ebenso wichtig finde ich für die Menschen in einem Pflegeheim die Integration in die Wohngruppe, also die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Und da ist es einfach schön, wenn anfang wenigstens die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen werden können.

Bei uns bewährt sich dieses Prinzip immer wieder!

Lange Rede, kurzer Sinn - Ihr Bruder und auch sie selbst können durchaus ihre Wünsche äußern und erwarten, dass anfangs mehrere Transfers Bett/Rollstuhl erfolgen. Vielleicht wäre es auch eine Idee den Hausarzt persönlich zu sprechen und zu befragen. Erhält ihr Bruder denn in der Pflegeeinrichtung auch Krankengymnastik/Physiotherapie? Das würde ich auf jeden Fall empfehlen. Dann hat man auch gleich noch einen Profi an der Hand, der Wert auf geregelte Mobilisation legt.

Alles Gute, A.



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Beitrag von -Felicitas- » Fr 3. Jun 2011, 13:41

Das "Vertikalisieren" (in die Senkrechte bringen) von Patienten ist sehr wichtig, da gebe ich Dir Recht.

Aber Deinem Bruder eine halbe Std. vor dem Essen und eine halbe Std. nach dem Essen diese körperliche Kraftanstrengung abzufordern (so ein Akt ist nicht nur für die Pflegenden anstrengend, sondern auch für Deinen Bruder), das halte ich nach 5 Monaten für überfordernd und verfrüht.

Bei wieviel Aktivität war Dein Bruder VOR dem Umzug ins Heim? Von diesem Punkt an sollte aufgebaut werden, und zwar langsam. Nur weil die Pflege heute die Mobilisierung zu jeweils den Essenszeiten ablehnt heisst das nicht, dass dies für die nächsten Jahre in Stein gemeißelt ist.
Es ist ein Prozess, abgestimmt auf Deinen Bruder.

Frühreha schön und gut - wenn der Hausarzt sich höflich zurückhält und Du (bzw. die Verwandten Deines Bruders) sich auch zurückhalten, dann wird es keine Reha geben für ihn. Man muss da manchmal dosiert penetrant werden, und ich denke, für ihn könnte sich ein Aufenthalt in einer stationären Rehaeinrichtung lohnen.

Hier ist ein link zu den Rahmenbedingungen für eine stat. Reha bei neurologischen Schädigungen. Insbesondere die Seite 16 kann Dir einen ersten Überblick darüber geben, welche Maßnahmen Deinem Bruder schon zuteil wurden und welche jetzt eigentlich folgen sollten.
Diese Empfehlungen sind von einer bundesweiten Arbeitsgruppe, in der Vertreter der Kassen, der Rententräger und der Ärzte gesessen haben im Konsens erarbeitet worden, es sollten ich somit alle daran halten. ;-)

lg
F.


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Beitrag von Angie » Fr 3. Jun 2011, 14:53

Hallo Anton 68

ich sprech nun mal aus eigener Erfahrung (hatte selber einen bösen Schlaganfall) und als PDL.
Als selber Betroffene hatte ich damals ein super geniales Bett, indem das untere Teil weggezogen werden konnte und ich das normale Sitzen wieder im Bett ohne umsetzen erlernen konnte. Daher bin ich von diesen Betten bis heute überzeugt.
Als PDL und Heimleitung versuche ich meinen Klienten immer stabiliesierendes Sitzen im Bett am Anfang ohne zu mobilisieren, bis das Gleichgewicht wieder soweit stabilisiert ist, bis ich den Transfer als Betroffener gut selber mitorganisieren kann.
Auch in einem Bett bzw an die Bettkante kann man dies sehr gut üben, mit passenden Stütze des Oberkörpers funktioniert dies gut.

LG Angie


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Beitrag von schwarzer sonnenstrahl » Fr 3. Jun 2011, 16:26

hey ho,

wir haben eine bewohnerin auf unserer ebene:

7.00 bett-->rolli
13.00 rolli-->bett
15.00 bett-->rolli (wenn sie nicht nachmittags geduscht wird, denn das erfolgt im lifter)
19.00 rolli-->bett
die ist über 120kilo schwer.

und jemand anderes den setzen wir zumm mittag entweder an die bettkante und lassen ihn dann so das richtige sitzen wieder bisschen spüren(wir müssen dabei sitzen bleiben) oder wenn er will, dann holen wir ihn auch in rollstuhl raus.

früher hatten wir auch ne bewohnerin die wir zu jedem essen, toilettengang raus holen mussten(auch hemiparese) und dazwischen hat sie sich jeweils hingelegt... wollte an nix teil nehmen...
---------------------

wenn ich krank bin und dann es mir besser geht, geb ich doch auch nicht gleich gas!man rechnet doch jede getane arbeit ab.


ich schreibe hier alles in kleinschrift, weil man beim sprechen auch nicht großspricht!

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Beitrag von Suse2 » Fr 3. Jun 2011, 18:55

wir würden es individuell der Tagesform des Bewohners anpassen und langsam steigern, notfalls eben auf 4 mal Bett/ Rolli und Zurück

hat er denn einen Pflegerolli den man zum Liegen verstellen kann,
so könnte er länger auf bleiben?


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Beitrag von Anton-68 » Fr 3. Jun 2011, 19:06

[quote=""-Felicitas-""]Das "Vertikalisieren" (in die Senkrechte bringen) von Patienten ist sehr wichtig, da gebe ich Dir Recht.

Aber Deinem Bruder eine halbe Std. vor dem Essen und eine halbe Std. nach dem Essen diese körperliche Kraftanstrengung abzufordern (so ein Akt ist nicht nur für die Pflegenden anstrengend, sondern auch für Deinen Bruder), das halte ich nach 5 Monaten für überfordernd und verfrüht.

lg
F.[/quote]

Hallo Felicitas,

mein Wunsch nach 3 mal kurz ist ja schon erheblich reduziert zu den
Vorstellungen der Pflegedienstleitung mit ihren "2 Rollstuhltagen".
Da wird er dann morgens um 8 Uhr in den Rollstuhl gesetzt und kommt so nach
3 bis 5 Stunden wieder ins Bett.
Und mit viel Glück geht die gleiche Chose am Nachmittag schon wieder los.

Mit dieser Taktik wurde er ja schon soweit konditioniert, daß er gar nicht mehr
in den Rollstuhl will.

Ich hab ja auch nichts dagegen, wenn man langsam anfangen würde und ihn
zunächst nur zeitnah zu einer Mahlzeit in den Rollstuhl und an den Tisch setzen würde.
Dabei habe ich auch im Auge, daß mein Bruder sich im Bett beim Essen oft
recht heftig verschluckt (Dysphagie), beim Sitzen im Rollstuhl am Tisch aber nicht.

Meine Frage geht eher dahin, wie viel Arbeitslast man den Pflegekräften
im Einzelfall zumuten kann.

Natürlich unter der Voraussetzung, daß der Pflegling (und seine Kondition) "mitspielt".

Grüße aus dem Norden,
Anton


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Beitrag von Anton-68 » Fr 3. Jun 2011, 19:26

[quote=""Suse2""]wir würden es individuell der Tagesform des Bewohners anpassen und langsam steigern, notfalls eben auf 4 mal Bett/ Rolli und Zurück

hat er denn einen Pflegerolli den man zum Liegen verstellen kann,
so könnte er länger auf bleiben?[/quote]

Danke Suse,

ich werde dich im Pflegeheim zitieren, aber natürlich anonymisiert. :eek:
Mein Bruder hatte zunächst einen Pflegerolli, der ihm auch gut bekam.
Aber dann bekam er seinen "eigenen" Rolli, der zwar leichter ist,
aber wohl nach Null-Acht-Fuffzehn-Manier ausgesucht wurde.
Der läßt sich leider nicht in der Neigung verstellen.

Ein kleines Problem kommt noch hinzu:
Ich habe kaum Rechte überhaupt um etwas zu bitten.
Der amtliche Betreuer und auch der Hausarzt halten sich vornehm zurück
und scheinen einiges so ein wenig dem Zufall und der Sachkundigkeit der
Pflegeheimleitung zu überlassen.

Grüße aus dem Norden,
Opa Anton ;)


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Beitrag von Analir » Fr 3. Jun 2011, 19:59

Lieber Opa Anton :D

hat Ihr Bruder die Pflegestufe 3?

Ansonsten gilt für mich ganz klar - in der vollstationären Pflege sollte und muss einem Bewohner jede pflegerische Handlung zu teil werden, die er benötigt. Das ganze immer darauf ausgerichtet, dass er sich weitestgehend erholt bzw. verbliebene Ressourcen erhalten bleiben. Wenn es hierzu am Anfang mehrere Transfers bedarf, dann ist das eben so. Dann muss das vom Pflegeteam auch übernommen werden. Hier gilt meiner Meinung nicht - die Pflegekräfte empfinden das als zuviel Aufwand, sonders es sollte gelten - individuelle Bewohnerbetreuung!

Wir haben seit 1 Jahre eine Dame bei uns wohnen, die wir morgens mit dem Rollator ins Bad begleiten. Nach der Pflege wird sie im Rollstuhl (mit Hilfe) zum Frühstück begleitet. Nach dem Frühstück ins Zimmer, Transfer auf ihren Sessel. Bis zum Mittag auf Wunsch 2 Toilettengänge mit Hilfestellung der PK und jeweils zurück auf den Sessel. Zum Mittag Transfer in Rollstuhl, zum Essen, danach auf Toilette (also mit Transfer, weils allein nicht geht), danach in Rolli zurück, zum Bett, Transfer ins Bett. Nach der Mittagsruhe Transfer in Rolli, Toilette, Kaffee trinken am Tisch im Rolli, danach zurück ins Zimmer, Sessel usw. usf.

Die Dame möchte es so, es trainiert, sie fühlt sich wohl und für uns lautet das Fazit... es geht! ;)

Was mir noch eingefallen ist - vielleicht ist es hilfreicher, wenn Ihr Bruder für sich spricht. Überzeugen Sie ihn dass er sich trauen soll etwas zu sagen. Allerdings sollten sie auch akzeptieren, dass Ihr Bruder vielleicht (noch) nicht gewillt ist, sich in den Rollstuhl setzen zu lassen. Auch Brüder sind unterschiedliche Wesen und vielleicht denkt er ja ganz anders, als Sie? Ist aber nur meine zw. Ihren Zeilen rausgelesene Vermutung.
Zuletzt geändert von Analir am Fr 3. Jun 2011, 20:06, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: was vergessen...



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Beitrag von Suse2 » Fr 3. Jun 2011, 20:09

dann muss das Pflegeheim einen solchen Pflegerollstuhl vom Hausarzt rezeptieren lassen.


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Anton-68
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Beitrag von Anton-68 » Fr 3. Jun 2011, 20:58

[quote=""Analir""]Lieber Opa Anton :D

hat Ihr Bruder die Pflegestufe 3?

~~~ gekürzt ~~~

Was mir noch eingefallen ist - vielleicht ist es hilfreicher, wenn Ihr Bruder für sich spricht. Überzeugen Sie ihn dass er sich trauen soll etwas zu sagen. Allerdings sollten sie auch akzeptieren, dass Ihr Bruder vielleicht (noch) nicht gewillt ist, sich in den Rollstuhl setzen zu lassen. Auch Brüder sind unterschiedliche Wesen und vielleicht denkt er ja ganz anders, als Sie? Ist aber nur meine zw. Ihren Zeilen rausgelesene Vermutung.[/quote]

Analir, mein Bruder hat die Pflegestufe 2.

Ja, ich würde drei Kreuze machen, wenn mein Bruder die Dinge einfordern
würde, die ihm zustehen und die er braucht.
Dann bräuchte er auch keinen amtlichen Betreuer mehr.
Aber ich hatte vergessen zu schreiben, daß er auch an einer Störung seines
Sprachzentrums (Wernicke-Aphasie) leidet und von Haus aus sehr gutmütig
und duldsam ist.
Wenn ich ihm sage: "Du, hier sind doch viele hübsche Pflegeschwestern.",
dann sagt er doch deutlich und prompt: "Aber nicht für dich!" und nach einer
kleinen Denkpause setzt er dann noch einen drauf: "Die hab ich schon alle!"

Wenn er aber möchte, daß ich die Gardine zu mache, weil ihn die Sonne blendet,
dann bringt er kein einziges Wort zustande und sagt nur:
"Du machst das . . . und dann das . . . und anders." und gestikuliert dabei mit der
linken Hand umher.

Auch seinen Laptop rührt er nicht an . . . er hat verlernt für sich selbst zu sprechen.
Dabei habe ich aber das Wort Empathie nicht vergessen.
Es geht mir nicht darum, was mich glücklich und zufrieden macht.
Wenn ich dann doch einmal versehentlich daneben tapse, dann weiß er schon sich
zu wehren. Da kommt dann schon einmal ein ganz klarer Satz wie:
"Das bist Du. Ich bin anders!"
Nur bei Fremden schweigt er lieber oder sagt "Ja", wo er eigentlich "Nein" sagen möchte.

Deinen Worten entnehme ich, daß ihr alles tut, was euren Pflegling fördert.
Wenn es in meiner Macht läge würde ich meinen Bruder gerne zu euch bringen.

In diesem Sinne
Anton

PS:
Du darfst nur Opa zu mir sagen, wenn Du mindestens 60 Jahre jünger bist als ich,
oder wenn Du mindestens ein Enkelkind vorzeigen kannst! :D


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Analir
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AW: Bett -> Rollstuhl -> Bett, wie oft am Tag für Pflegepersonal zumutbar?

Beitrag von Analir » Sa 4. Jun 2011, 05:24

Guten Morgen,

Ihre Zeilen klingen traurig und machen mich betroffen. Ich finde es erschreckend, dass es Pflegeheimbewohner gibt, die nachfragen, ob so und soviel Transfers erwartet werden dürfen. :confused:

Wirklich helfen kann ich aber leider nicht, nur alles Gute wünschen und das ihr Bruder lernt von seinem Selbstbestimmungsrecht gebrauch zu machen!

Alles erdenklich Liebe, A.



sophie
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AW: Bett -> Rollstuhl -> Bett, wie oft am Tag für Pflegepersonal zumutbar?

Beitrag von sophie » Sa 4. Jun 2011, 11:26

Hallo,

nimm den Betreuer mehr in die Verantwortung. Schliesslich ist er dafür verantwortlich, dass es deinem Bruder gut geht. Es ist seine Aufgabe, die Pflege im Sinne deines Bruders zu regeln.

Bzgl. des Rollstuhls: Hier müsstet ihr vom Hausarzt einen Multifunkionsrollstuhl rezeptieren lassen, dieser lässt sich in viele verschiedene Positionen verstellen. Er wird von den Kassen für Pflegeheimbewohner oft abgelehnt, mit der Begründung, dass das Pflegeheim diese vorhalten müsste. Das ist aber ehrlich gesagt Schwachsinn, da solche Stühle an den BW angepasst sein müssen. Ein Widerspruch hat nach meiner Erfahrung immer Erfolg.

Suchen sie das Gespräch mit der Pflegedienstleitung/Heimleitung. Sprechen sie mit ihr ab, wann ihr Bruder mobilisiert werden soll. Sollte die Pflegestufe 2 dafür nicht ausreichen, dann sollte er in die Pflegestufe 3 eingstuft werden. Dazu muss der Pflegebedarf genau ermittelt werden. Dieses Gespräch sollten sie protokollieren und auch unterschreiben lassen.

Sollte es kein Erfolg haben, gibt es genügend andere Pflegeheime.


Wichtig ist allerdings, dass du das ganze mit der Rückendeckung deines Bruders startest.

Sophie


An den Fragen die sich dir stellen erkennst du das Leben, an den Antworten die du findest erkennst du dich selbst.

wenn ein Mensch und ein Hund sich im Himmel begegnen, muss sich der Mensch vor dem Hund verneigen (sibirisches Sprichwort)

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Beitrag von Suse2 » Sa 4. Jun 2011, 11:34

Bzgl. des Rollstuhls: Hier müsstet ihr vom Hausarzt einen Multifunkionsrollstuhl rezeptieren lassen, dieser lässt sich in viele verschiedene Positionen verstellen. Er wird von den Kassen für Pflegeheimbewohner oft abgelehnt, mit der Begründung, dass das Pflegeheim diese vorhalten müsste. Das ist aber ehrlich gesagt Schwachsinn, da solche Stühle an den BW angepasst sein müssen. Ein Widerspruch hat nach meiner Erfahrung immer Erfolg.
Puh,
da geht es uns ja richtig gut - Verordnung Pflegerollstuhl, Diagnose
Sani Haus, RS Vermessen, von VO bis Lieferung ohne Rückfrage 2 1/2 Wochen, eine Ablehnung hab ich diesbezüglich schon seit Jahren nicht gesehen. :D


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AW: Bett -> Rollstuhl -> Bett, wie oft am Tag für Pflegepersonal zumutbar?

Beitrag von Anton-68 » Sa 4. Jun 2011, 12:18

[quote=""sophie""]
Wichtig ist allerdings, dass du das ganze mit der Rückendeckung deines Bruders startest.

Sophie[/quote]

Tscha Sophie,
an diesem letzten Punkt hapert es am meisten.
Der alte Knabe ist inzwischen so demotiviert, daß er sich gern in sein Schneckenhaus
zurückzieht und nur noch seine Ruhe haben will.
Bloß kein Streit, ist seine Devise.
Dabei wird von ihm auch schon die kleinste Diskussion oft als Streit empfunden.

Gespräche mit der Pflegedienstleitung waren mehrmals erfolglos.
Der Betreuer bleibt nach Telefonaten oder eMails hinter seinem Schreibtisch
versteckt und selbst seine Pflegekasse zeigt sich uninteressiert.

Wenn ich nur den wunden Punkt bei meinem Bruder fände, der ihn sich wehren läßt.

@All
Ich möchte euch allen für eure Antwort danken, auch wenn ich nicht auf jede Antwort eingehen kann.

In diesem Sinne,
Anton
Zuletzt geändert von Anton-68 am Sa 4. Jun 2011, 12:42, insgesamt 1-mal geändert.


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Beitrag von Anton-68 » Mo 6. Jun 2011, 03:28

[quote=""johannes""].....[/quote]

Johannes, dein Text ist dank moderner Kommunikationstechnik vollständig
bei mir angekommen. :eek:

Genau . . . nur leider bin ich nicht der entscheidende Betreuer.
Die Bezeichnung "Seniorenresidenz" bitte ich nicht so genau zu nehmen.
Das Haus betreut alles, was nicht mehr im eigenen Haushalt zurecht kommt
und hat auch eine sogenannte Schwertspflege- und REHA-Abteilung.
Heute haben diese Häuser ja oft phantasievolle Bezeichnungen . . .

Grüße aus dem Norden,

Anton


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Beitrag von schnitte » Mo 6. Jun 2011, 23:48

hallo anton,

also ganz klar höherstufung beantragen wegen erschwernisfaktoren (wahrscheinlich größe und gewicht... muss ja einen grund haben, dass er so schwer zu mobilisieren ist) und dann kann niemand was sagen wegen zumutung!! hallo kunde ist könig! du sprichst ja nicht von stündlichem transfer (sowas gibts ja auch). dann kriegt das heim mehr geld für personal.
möchte aber mal einwerfen, dass zur mobilisation, also ob und wie oft und wie lange von vielen anderen faktoren abhängt. z.b.:
hat er einen katheter? wenn ja besteht geringeres dekubitusrisiko und er könnte länger im rollstuhl bleiben.
hat er einen pflegerollstuhl (also kippbar)? dann könnte er länger im rollstuhl bleiben und bequem im stuhl liegen zwischendurch. das übernimmt bestimmt auch pflegepersonal mit arzt und die kasse und ist kein aufwand für den betreuer.
gehts nur um die kreislaufanregung? dann wäre doch auch akzeptabel, dass er mehrmals an die bettkante gesetzt wird.



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