Würdet ihr es als Egotrip bezeichnen, wenn man das Wohl des Bewohners im Auge hat?

Alles zum Beruf Pflege was nicht mit der Pflege direkt zu tun hat.
Martin_83
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AW: Egotrip oder was.

Beitrag von Martin_83 » So 22. Jan 2006, 20:13

Bevor ich weiterhin wegen meiner Meinung kritisiert werde. Wenn dann arbeite ich meist nur eine Stunde "umsonst". Das Singen oder besser gesagt die betüddelung schaffe ich auch in der Arbeitszeit. Wieso muss ich mich eigentlich rechtfertigen?
Ich mache doch bloß das was mir beigebracht wurde, und darf man mir das verbieten?
Es ging mir nur darum das die Menschlichkeit insgesamt auf der Strecke bleibt, und das der Bew. nur noch eine Kostenstelle ist.
Gewinnorientierte Pflege im Sinne des Kapitalismus. Wer das Kapital hat, hat die Macht. Konkurrenzkampf auf Kosten der Bewohner.
Und wenn dann so ein Möchtegern "Betüddelungsbeauftragter" auf dem Parkett erscheint, meint man halt der Typ ist auf einem Alleingang oder Egotrip. Und warum sollte man sich anpassen? Haben wir das früher nicht auch alle gemacht, und was ist dabei rausgekommen?



Dirk Höffken
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Beitrag von Dirk Höffken » So 22. Jan 2006, 23:22

Hallo Masch21,

ich möchte mich mit einer letzten Bemerkung aus dieser Diskussion ausklinken:

Wenn du selbst fest davon überzeugt bist das Richtige zu tun, spielt es keine Rolle was deine Umwelt, einschließlich wir im Forum, für Meinungen vertreten. Zweifelst du, und mir scheint du zweifelst, musst du dich damit auseinandersetzen.
Stärke entspringt nicht physischer Kraft, sondern einem unbeugsamen Willen. - Mahatma Gandhi (1869-194 8) , ind. Rechtsanwalt, Führer d. ind. Befreiungsbewegung

Mit freundlichen Grüßen

Dirk Höffken



sophie
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AW: Egotrip oder was.

Beitrag von sophie » Mo 23. Jan 2006, 10:23

hallo Masch,

vielleicht kommt es ja auf deine zeitliche Organisation an. Ich bin jeweils einzige examinierte Kraft auf der Station was bedeutet ich habe neben meinen pflegerischen Tätigkeiten auch noch sehr viel anderes um die Ohren. Trotzdem finde ich Zeit, mit den Menschen zu singen, sie zu Validieren oder ihnen was aus der Basalen Stimulation anzubieten - ohne Überstunden machen zu müssen. Vielleicht solltest du dich selber mal reflektieren, wo du mit deiner Zeit bleibst. Zum Beispiel kann man nämlich auch während der Grundpflege validieren oder ein gutes Gespräch führen.

Und nun nochmal auf das angesprochene Helfer-Syndrom einzugehen. Ich denke du solltest dich da nochmal genau informieren. Es gibt ja verschiedene Arten wie sich ein Helfersyndrom zeigen kann--> ehrlich gesagt, so wie du schreibst, habe ich auch als erstes ans Helfer-Syndrom gedacht und das endet oft im Burn-out-Syndrom. Wie wir alle wissen hat gerade die Pflege eine sehr hohe Aussteigerquote weil der Spagat zwischen in der Schule gewonnenen Möglichkeiten und der in der Praxis verbleibenden Zeit für den einzelnen Bewohner oft ein grosser ist. Aber, ich denke, mit einem guten Zeitmanagement kann man einiges erreichen. Ausserdem musst du ja nicht jeden Tag allen Bewohnern was gutes tun sondern du kannst ja abwechseln.

Gruss Sophie ;)



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WhiteTara
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AW: Egotrip oder was.

Beitrag von WhiteTara » Mo 23. Jan 2006, 23:17

@ Dirk: Das Zitat ist wirklich treffend :)

Masch,

mir ist ehrlich gesagt ein Rätsel, wie jemand auf den Begriff "Egotrip" kommt, wenn du in deiner Freizeit Dinge tust, die eigentlich in deiner Dienstzeit stattfinden könnten.
Es ist deine Entscheidung, wie du deine Freizeit verbringst und wenn du sie gern mit den alten Menschen verbringen möchtest dann mach das doch auch einfach weiterhin.

Allerdings möchte ich mich den warnenden Stimmen anschließen: Pass auf dich auf, dass du nicht über ein unbeachtetes Helfersyndrom ganz flugs ins Burn out rutschst! Mach dir einfach noch mal klar, woher du deine Motivation für dein Handeln nimmst und schaue auch mal hinter deine eigene Fassade!

Außerdem möchte ich mal ganz klar sagen, dass ich es für völligen Unfug halte, wenn Altenpflegekräfte jammern, dass im Dienst keine Zeit bleibt für Menschlichkeit und schon gar nicht für andere Aktivitäten außer reiner Pflege. Wenn dem wirklich so ist, dann muss man ernsthaft seine eigene Arbeitsorganisation hinterfragen und auch den gesamten Ablauf auf dem Wohnbereich durchleuchten, wie man sich besser organisieren kann. Wir selbst - ich meine das ganze Team im Wohnbereich neben Pflegekräften auch andere Arbeitsbereiche müssen uns die Freiräume schaffen, Zeit zu haben für das menschliche Miteinander!
Die fianzielle/wirtschaftliche Situation spielt nur eine so große Rolle, wie wir es zulassen. Klar sind wir auch immer abhängig, von den Bedingungen unter denen wir arbeiten müssen. Aber so manches haben wir eben auch einfach selbst zu verantworten und da können wir uns nicht einfach herausreden, dass die Bedingungen eben blöd sind.



Martin_83
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AW: Würdet ihr es als Egotrip bezeichnen, wenn man das Wohl des Bewohners im Auge hat?

Beitrag von Martin_83 » Fr 3. Feb 2006, 00:00

Mmmh was auf speziellen Dementenabteilungen( geschlossene Abteilungen) Wirkung zeigt, sollte eigentlich auch auf "normalen" Pflegestationen anklang finden. Aber es ist anscheinend einfach ein Frage der persönlichen Einstellung was man aus seinem Job macht.
Mal aus dem fachlichen Standpunkt her gesehen, bevor die Bewohner endgültig im dunklen Loch der Vergessenheit versinken, oder völlig stupide, apathisch durch die Gänge laufen, sollte und muss man sogar verhindern das so etwas zustande kommt. Und wenn so etwas nur durch Gesang und menschliche Nähe zustande kommen kann. Ach ja und wegen der Distanz, während andere die Bewohner hemmungslos duzen und auf ein kindliches Miteinander( infantile Pflege?!) beschränken, muss es möglich sein auch einfach mal Sie zu sagen. Es ist immer eine Frage wie weit man geht, und ich kenne genug Leute die einfach zu weit gehen. Jeder Mensch ist ein Unikat, nur wird er des öfteren gerne auf eine Kostenstelle reduziert. Es geht auch anders, aber es muss gesagt werden gleiches Recht für alle. Müssen wird die Menschen erst "einsperren" damit wir hinter verschlossenen Türen "multiprofessionelle" Pflege durchführen können?
Ich spreche jetzt von den geschlossenen Abteilungen in der Gerontopsychatrie, dort scheint es zu klappen!Soweit ich das sehen konnte. Dort muss man manchmal unkonventionelle Wege gehen, um den eigentlichen Menschen zu erreichen.
Sonst gibt es irgendwann nur noch leere Hüllen die wir zu betreuen haben.
Na ja kein Wunder wenn Pflegekräfte irgendwann unweigerlich abstumpfen.
Zuletzt geändert von Martin_83 am Fr 3. Feb 2006, 16:58, insgesamt 1-mal geändert.



Martin_83
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AW: Würdet ihr es als Egotrip bezeichnen, wenn man das Wohl des Bewohners im Auge hat?

Beitrag von Martin_83 » Sa 4. Feb 2006, 21:31

So langsam riecht es etwas abgebrannt in meiner Umgebung , sind das die ersten Anzeichen von Burn-out. Oder sind meine Geruchsnerven im Arsch? :-) ))



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wundmentor
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AW: Würdet ihr es als Egotrip bezeichnen, wenn man das Wohl des Bewohners im Auge hat

Beitrag von wundmentor » Sa 4. Feb 2006, 22:13

Hallo.

Die Altenpflege gehört zu den Berufen, wo es wichtig ist Beruf und Freizeit zu trennen.

Deshalb sind wir im Forum.

Nix für ungut

wundmentor


Alt zu werden,
ist nun mal die einzige Methode, um lange zu leben!!

Martin_83
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AW: Würdet ihr es als Egotrip bezeichnen, wenn man das Wohl des Bewohners im Auge hat?

Beitrag von Martin_83 » Sa 4. Feb 2006, 22:41

Bitte wenn das so ist, dann löscht meine Beiträge. Wenn hier keine freie Meinung erwünscht ist.
Noch kann ich Beruf und Privates trennen, nur weil es mal etwas menschlich zugehen soll heißt es gleich man leidet an dem Helfer Syndrom. Danke.



Martin_83
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AW: Würdet ihr es als Egotrip bezeichnen, wenn man das Wohl des Bewohners im Auge hat?

Beitrag von Martin_83 » Sa 4. Feb 2006, 23:08

Das stimmt nun auch wieder. Is ja langweilig wenn wir alle gleicher Meinung wären.



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