Wohin "geht" die Pflege ?

Alles zum Beruf Pflege was nicht mit der Pflege direkt zu tun hat.
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andreas79
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Wohin "geht" die Pflege ?

Beitrag von andreas79 » Mo 29. Nov 2004, 08:51

Im Gespräch mit pflegenden Kolleginnen und Kollegen wird "die gute alte Zeit" zurückgesehnt, als die Patienten und Bewohner noch im Mittelpunkt standen, als die Dokumentation sich auf zwei bis drei Blätter beschränkte, als "der Beruf noch richtig Spass machte".

War man motivierter, voller Tatendrang, als man sich entschied den beruflichen Weg in Richtung Pflege einzuschlagen, waren die Belastungen damals schon dieselben, nur sah man sie nicht in diesem Maße?

Oder ist es die Zeit, die Leistungsgesellschaf und es geht in allen anderen Berufen ähnlich - immer schneller, immer mehr Leistung...?

Gibt es Wege mit den Veränderungen umzugehen, nicht den Beruf verlassend, resignierend, aufgebend - dem Burn-out-Syndrom entgegen wirkend?

WOHIN GEHT DIE PFLEGE ?



Dirk Höffken
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Burnout

Beitrag von Dirk Höffken » Mo 29. Nov 2004, 16:55

Hallo Andreas.
@andreas79
...„dem Burn-out-Syndrom entgegen wirkend?“...
Da ich zum Burnout in der Altenpflege im Moment eine empirische Hausarbeit verfasse, ein paar kurze Gedanken.

Meine (vorläufige) These:
Die allgemeine Berufsmotivation und die Einstellung von Altenpflegeschülern zu den Bewohnern verändert sich Negativ mit dem Fortschreiten in der Ausbildung.

Da sich die Burnout-Symptomatik langsam entwickelt und bereits Altenpflegeschüler zu den Betroffenen zählen (KDA-Studie 1995) erscheint es sinnvoll präventive Ma0nahmen bereits in die Ausbildung zu integrieren. Dies ist mit der Ausbildungsreform nur unzureichend gelungen.

Zu hohe Motivation im Vorfeld der Ausbildung, ungenügende Vorinformation über die Berufsrealität, verschärfte Anforderungen im Berufsfeld und ungenügende Auffangmechanismen für diese Überforderungen seien als Beispiel für das Versagen der aktuellen Ausbildung genannt. Vergessen werden darf aber auch nicht die Qualitätsanforderungen, die bei einer personellen Unterbesetzung bzw. personellen Unterqualifikation kaum einzuhalten sind und die der Gesetzgeber dennoch im Rahmen seiner Qualitätssicherungsmaßnahmen gnadenlos fordert, egal ob die entsprechenden Situationen gegeben sind oder auch nicht.

Hier wären Anätze dem Burnout entgegenzuwirken. Am Anfang mit einfachsten und kostengünstigen Mitteln. Aber sowohl die Lehrkräfte in den Altenpflegeschulen als auch die praktischen Anleiter sind unterqualifiziert und den wachsenden Anforderungen, welche die heterogene Gruppe der Schüler an sie stellt, schon lange nicht mehr gewachsen (Verzeihung an alle Pflegelehrer und Anleiter, aber man muss die Realität sehen).

MfG DH

Zitat:
Es ist die Aufgabe des Managements, den Mitarbeitern Visionen zu geben; das ist die allerbeste Motivation. - Wendelin Wiedeking



Dirk Höffken
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Veränderungen

Beitrag von Dirk Höffken » Mo 29. Nov 2004, 19:34

Hallo Trance.
@Trance
...„Wenn, und das hoffe ich nicht, sich die Einstellung zu den Bewohnern/Patienten negativ verändern sollte, dann sind hier wirklich die Schulen gefragt und aufgefordert mal wirklich "Ross und Reiter" zu nennen, die für die Arbeitsbedingungen in der Pflege verantwortlich sind.“...
Die Schulen haben kaum Einfluss auf die Arbeitsbedingungen in der Praxis. Zumal die Frage nach Frustration, Belastung, Beanspruchung und letztendlich Burnout auch bei Pflegepädagogen nach einer Antwort sucht. Empirische Studien zum Burnout bei Lehrern z.B. an allgemeinbildenden Schulen gibt es. Für die spezifische Gruppe der Pflegepädagogen ist mir keine Studie bekannt.
@Trance
...„Ausserdem sind sie dafür verantwortlich die zukünftigen Altenpfleger (bzw. Pfleger generell) mit einem ausreichend ausgeprägten Ego in das Berufsleben zu entlassen.“...
Da drehen wir uns im Kreis. Pflegepädagogen, insbesondere in Altenpflegeschulen, haben eine fast unmögliche Aufgabe zu bewältigen. Das mit einer schlechten Ausbildung. Sie müssen Schüler unterschiedlichsten Alters, mit unterschiedlichen Vorkenntnissen und Motivationslagen in einem schwierigen Berufsfeld auf einen Nenner bringen. Zumal viele Altenpflegeschüler offensichtlich einige Probleme mit ins Berufsleben schleppen (Die Aussage ist unrepräsentativ und entstammt eigenen Erfahrungen). Vergleicht man diese Aufgabenstellung mit anderen Berufsbildern, scheint es in der Form einzigartig. Eine Aufgabe für Lehrer.

Theoretische und praktische Ausbildung müssen enger verzahnt werden.

Meine ersten Forderungen (die ich allerdings nur zum Teil belegen könnte und neben einer umfassenden Ausbildungsreform) sind:
1. Bessere Ausbildung für Anleiter in der Praxis
2. Engere Kooperation zwischen Schule und Anleiter
3. (Alleinige) Weisungsbefugnis der Anleiter für die Schüler. Hierzu gehört auch ein Mitspracherecht bei der Diensteinteilung
4. Im Einzelfall (falls eine Gefährdung des Ausbildungsziels zu vermuten ist, die auf mangelnde Fähigkeiten zurückgeführt werden kann ) intensivere Betreuung. Dazu zählt für mich auch ein fester Mentor (ggf. über die gesamte Ausbildungszeit), welcher auch bei Außeneinsätzen als Ansprechpartner fungiert.

Praktisch wird keiner der Vorschläge viele Anhänger finden. Es bedeutet Mehrarbeit, ökonomische Verluste und eine intensivere Auseinandersetzung mit den Schülern sowie deren Ausbildung.

Wozu? Sie zum Wäschewagen ausräumen schicken ist da viel einfacher.

MfG DH

Zitat:
Es kann nicht früh genug darauf hingewiesen werden, dass man die Kinder nur dann vernünftig erziehen kann, wenn man zuvor die Lehrer vernünftig erzieht. - Erich Kästner



andreas79
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Beitrag von andreas79 » Mi 1. Dez 2004, 11:18

Hallo!

... oft frage ich mich, wie hoch der Wert des Praktikums während der Ausbildung ist.

Für das Unternehmen besteht darin keine Frage: eine kostenlose Kraft, welche nicht zusätzlich eingeplant, sondern die Lücken im Dienstplan zu schließen, gekommen ist.

Für den Auszubildenden die Möglichkeit das "reale Leben" kennenzulernen, doch lernt er dabei unterrichts-; prüfungs-; pflegerelevantes... ?

Wohl ist es die Aufgabe der Dozenten, das Geheimnis den Schülern zu verraten, dass das umfangreich erworbene Wissen im Fach Gestalten und Beschäftigen im Alltag nicht jenen Platz einnimmt, wie es der Lehrplan vorlebt.

Oft kommen Praktikanten mit Illusionen - vielleicht würden viele den Beruf ohne eben diese nicht wählen - und sind erschrocken, enttäuscht und deprimiert, dass der Alltag fast nur aus Körperpflege und Nahrungsaufnahme besteht.

Einige bringen die Kraft auf, ihre Vorstellungen unbedingt und um jeden Preis umzusetzen, doch kann man diese Schlüsselqualifikation nicht vorraussetzen.

Die Dozenten und Praxisanleiter zu schulen ist ein wichtiger Ansatzpunkt, doch noch einmal möchte ich die Ausgangsfrage stellen: WOHIN GEHT DIE PFLEGE ???

andreas



Dirk Höffken
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Ohne Visionen

Beitrag von Dirk Höffken » Mi 1. Dez 2004, 16:32

Hallo Andreas.
@andreas79
...„doch noch einmal möchte ich die Ausgangsfrage stellen: WOHIN GEHT DIE PFLEGE ???“...
Fibula hat die richtige Antwort gegeben: Keiner weiß das!!! Es ist auch die falsche Frage!

Richtig wäre: Was ist das (vorläufige) Ziel der Pflege und wie gelangen wir (ihr) dorthin?

Es gibt zur Zeit keine Pflegekräfte mit Visionen. Es fehlen die Nachfolger von z.B. Florence Nightingale oder Sr. Dr. h.c. Liliane Juchli. Die Pflege hat kein Ziel und ihr gehen die meisten fähigen und motivierten Mitarbeiter verloren.

Du versuchst Antworten zu finden, ohne die Frage zu kennen! So wirst auch du scheitern!!!!

Zitat des Tages:
„Ich habe nichts gegen Flops. Ich habe nur was gegen leichtfertige Flops.”
(Das heutige Zitat des Tages stammt von Heinz Riesenhuber (*1935), dt. Politiker (CDU), 1982-93 Bundesmin. f. Forschung u. Technologie, s. 1993 stellv. Vors. Dt.-Amerik. Akadem. Konzil , der am 01.12.1935, also heute genau vor 69 Jahren geboren wurde.)



andreas79
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Beitrag von andreas79 » Mo 6. Dez 2004, 09:02

Hallo.

Ja! Die falsche Frage, die fehlende Antwort.

Immer mehr wird mir bewusst, dass ich momentan nicht darüber nachdenke wohin die Pflege geht, sondern eher, wohin die Pflege mit mir geht.

Viel zu lange ohne Urlaub gearbeit... viel zu oft eingesprungen... die Zeichen der Zeit anders zu deuten versucht, wo doch etwas Abstand vieles vereinfachen würden.

Dankeschön - ein Stück Erkenntnis aus dem Forum gewinnen zu können !

Anderas



Dirk Höffken
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Reicht das?

Beitrag von Dirk Höffken » Di 7. Dez 2004, 14:22

Hallo danih.
@danih
„Was heißt es gibt keinen Nachwuchs mit Visionen?Die meisten die in die Pflege gehen haben eine Vision zumindest ein Ideal.Sie wollen helfen.“...
Stellt sich die Frage: Reicht das für Veränderungen?

MfG DH

Zitat:
Ein Mensch, der sich ernsthaft ein Ziel gesetzt hat, wird es auch erreichen. - Benjamin Disraeli (1804-81), brit. Politiker u. Schriftsteller, 1868 u. 1874-80 Premiermin.



andreas79
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Beitrag von andreas79 » Di 7. Dez 2004, 15:09

Hallo.

Woraus kann man Optimismus schöpfen?

Natürlich aus dem Privatleben,
doch muss doch auch der Ort der Arbeit, welche ursprünglich einmal sehr viel Freude bereitete,
nun mit den vielen Einschränkungen, vielleicht auch mit dem realen Blick der Wirklichkeit,
etwas Positives den Mitarbeitern, welche kein Unwichtiger Bestandteil der Einrichtungen sind,
geben.

Andreas



milchbrei
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Beitrag von milchbrei » Di 7. Dez 2004, 20:00

Hallo Leute,

genaues weiß man nicht wie sich die Pflege entwickelt.

Fakt ist allerding das die Landesregierung von NRW Altenpflegeausbildungsplätze streichen will.

Es gibt auch gute Nachfoger von Florence Nigthinggale und CO.

Christel Bienstein zum Beispiel. Ich engagire mich im DBFK in einer Arbeitsgruppe für Altenpfleger.

Gemeinsam sind wir stark.

Seit einem Jahr bin ich Fachkraft, habe Höhen und Tiefen erlebt, bin manchmal auf dem Zahnfleisch gegangen. Ich habe sehr schnell gelernt das die Realität anders aussieht. Mittlerweile kann ich damit leben, das nicht alles so sein kann wie es in der Schule unterichtet wird.

Ich mache meine Arbeit gerne, mit der Arbeitskleidung bleiben auch die Sorgen und stressige Tage im Schrank.

Natürlich habe ich mir auch einen Ausgleich gesucht, ich gehe kegeln oder bald zu diversen Karnevalsveranstaltungen.
Wichtig finde ich auch ein Team das sich gegenseitig trägt.
Jeden Tag kommt mein Chef und fragt wie es den Mitarbeitern geht. Das find ich echt prima.

liebe Grüße Tina und die Heinzelmännchen :wave :wave :wave :wave :wave :wave :wave :wave :wave :wave :wave :wave :wave :wave :wave


Lächeln ist das Kleingeld des Glücks. ( Heinz Rühmann)


Wer fleißig ist wie eine Biene,
arbeitet wie ein Pferd,
abends müde ist wie ein Hund,
der sollte zum Tierarzt gehen,
es könnte sein das er ein Kamel ist.

Hohenstein
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Registriert: Fr 7. Jan 2005, 16:09

RE: Wohin "geht" die Pflege ?

Beitrag von Hohenstein » Sa 8. Jan 2005, 18:05

ich habe bei uns im KH das Gefühl, das die Patienten manchmal Nebensache sind, da sich so vieles um Dokumentation dreht. Man hat gar nicht mehr die Zeit sich intensiv um den Patienten zu kümmern. Das finde ich echt traurig, denn manche Patienten brauchen mehr Aufmerkasamkeit als andere udn die Zeit hat man einfach nicht.

Ich arbeite momentan auf einer Intensivstation, da geht es zu wie im Taubenschlag, da kommen ständig neue Patienten und alles geht nur schnell schnell. aber es ist nicht anders mäglich bei der Personalbesetzung in den Schichten.



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