Zuzahlungen ab 2004

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johannes
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Zuzahlungen ab 2004

Beitrag von johannes » Mo 24. Nov 2003, 20:26

An alle Heimbewohner, deren Angehörige und Betreuer

Zuzahlung zu medizinischen Leistungen

Nach Auskunft des Bundesministeriums für Familie, Jugend und Senioren ist die Zuzahlung bei medizinischen Leistungen wie folgt vorgesehen:

1. Hat ein Krankenversicherter eigenes Einkommen, sind von diesem 2 % als Eigenleistung (Zuzahlung) für seine gesundheitliche Versorgung zu entrichten.

2. Hat ein Krankenversicherter kein eigenes Einkommen, wird der Regelsatz der Sozialhilfe zu Grunde gelegt. Davon sind 2 % als Eigenleistung (Zuzahlung) für seine gesundheitliche Versorgung zu entrichten.

Für die Bewohner unseres Hauses bedeutet dies nach Auskunft des Bundesministeriums, dass im Jahr ca. 60 € vom einzelnen Bewohner von seinem Barbetrag (Taschengeld) zu bezahlen sind, wenn er nicht zu den chronisch Kranken zählt. Für chronisch Kranke gilt ein Satz von 1 % (ca. 30 €). Wer dazu zählt, wird bis 31.03.2004 von einer speziellen Kommission noch festgelegt. In diesem Zuzahlungsbetrag werden berücksichtigt:

Die vierteljährliche Praxisgebühr, Zuzahlung für den Aufenthalt im Krankenhaus, für Hilfsmittel und für Fahrten zum Arzt. Der Betreuer ist verpflichtet, diese Beträge vom Taschengeld an Arzt/Krankenhaus oder Apotheke/Taxi auszuzahlen, so dass diese nicht mehr für persönliche Annehmlichkeiten zur Verfügung stehen!

Für Fahrtkostenübernahme ist zwingend vorgeschrieben, dass jedes Mal vorher das Einverständnis der Krankenkasse eingeholt wird. Sagt die Krankenkasse, dass sie die Fahrtkosten nicht übernimmt, sind diese vom Barbetrag (Taschengeld) zu bezahlen!

Diese Information wurde direkt vom BMfFJS, Bürgerinformation, Tel. 08001515159 übermittelt
Heddesbach, 24.11.2003


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Dirk Höffken
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RE: Zuzahlungen ab 2004

Beitrag von Dirk Höffken » Mo 24. Nov 2003, 22:02

Hallo Johannes.

Mit Informationen, auch oder besser insbesondere von Behörden, muss man Vorsichtig umgehen. Ich besitze noch nicht allzu viele Informationen über die geplanten Änderungen, aber schon bei den Fahrtkosten sehe ich bei meinem jetzigen Kenntnisstand einige Probleme.

Zur Zeit zahlt man einen Eigenanteil von 13 Euro für Fahrten zur ambulanten oder stationären Behandlung. Ab 1. Januar 2004 sollen Fahrtkosten nur noch übernommen werden, wenn zwingende medizinische Gründe vorliegen. Selbst dann zahlt man noch einen Eigenanteil von 10 Prozent je Fahrt. Mindestens jedoch fünf Euro, höchstens aber 10 Euro. Den Ausnahmefall, also die zwingenden medizinischen Gründe, muss die Krankenkasse vorher genehmigen.

Wie gesagt, ich habe mich mit dieser Regelung noch nicht näher Auseinandergesetzt. Wenn es allerdings keine weitergehenden Regelungen gibt dürfen sich die Sozialgerichte im nächsten Jahr mit Sicherheit über noch mehr Arbeit freuen. Denn was bitte sind zwingende medizinische Gründe? Die neunzig jährige Dame mit einem schlecht sitzenden Gebiss, welches ihr das Essen erschwert und die sich aus eigener Tasche keine Fahrt zum Zahnarzt leisten kann. Sind das zwingende medizinische Gründe oder soll sie sich einfach auf Milchbrei beschränken?

MfG DH

Zitat:
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johannes
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RE: Zuzahlungen ab 2004

Beitrag von johannes » Mo 24. Nov 2003, 23:49

nun, dirk, für fahrtkosten mußte ein heimbewohner keinen pfennig zuzahlen, wenn er denn befreit war! ist in baden-württemberg jedenfalls seit mindestens 13 jahren so. künftig (ab 2004) wird es das natürlich so nicht mehr geben, siehe meine ausführungen. dies nur zur klarstellung.

gruß

johannes


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Dirk Höffken
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RE: Zuzahlungen ab 2004

Beitrag von Dirk Höffken » Di 25. Nov 2003, 00:38

Hallo Johannes.

Die Befreiung habe ich oben schlicht vergessen. Im Prinzip ging es mir aber sowieso um die Neuerungen ab 2004. Und da gibt es diese Befreiung nicht mehr.

Die Fahrten zur ambulanten Behandlung übernimmt die Kasse dann nur noch nach vorheriger Genehmigung und in besonderen Fällen. Dazu werden wohl wieder irgendwelche Richtlinien erstellt (Wobei ich die Richtlinien bisher noch nicht Endecken konnte.).

Das ändert aber an dem von mir geschilderten Problem relativ wenig. Und die Heime werden diese Probleme zu spüren bekommen.

Was macht ein Heim mit einem Bewohner der sich die Fahrt zu ambulanten Behandlung aus eigener Tasche (ab 2004) nicht leisten kann und die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht? Wer kümmert sich um eventuelle Rechtsmittel? u.s.w..

MfG DH

Zitat:
Eine selbstbewusste Gesellschaft kann viele Narren ertragen. (John Steinbeck)



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doedl
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Beitrag von doedl » Di 25. Nov 2003, 22:21

Na dann überlegt mal fleissig, wie ihr diesen zusätzlichen Aufwand an Bürokram schaffen wollt, hm.......... arme Heime, arme ambulante Dienste- an denen wirds doch letztendlich wieder hängen bleiben, der ganze Krempel.......

Gruss Doedl


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Dirk Höffken
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Beitrag von Dirk Höffken » Di 25. Nov 2003, 23:35

Hallo Doedl.

Genau da liegt das Problem. Letztendlich die gleiche Problematik wie z.B. in der Pflegeversicherung. Viele Pflegebedürftige werden in eine zu niedrige Pflegestufe eingestuft. Leistungen werden verweigert u.s.w.. Die Verfahren vor den Sozialgerichten nehmen stetig zu. Dabei wehren sich die meisten Menschen noch nicht mal gegen einen Bescheid der von den Betroffenen als Falsch angesehen wird. Dies mag unterschiedliche Gründe haben, das Ergebnis bleibt das Gleiche: Ein zu geringer Leistungsumfang.

Die Heime und ambulanten Pflegedienste sind doch schon aus zeitlichen Gründen gar nicht in der Lage diese Situation adäquat zu Lösen. Letztendlich ist das auch nicht ihre (primäre) Aufgabe. Ebenso überfordert sind die meisten Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen. All das trotz der oft recht markigen Versprechungen der Sozialversicherungen in ihren Prospekten und der Werbung.

Tja, ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

MfG DH

Zitat:
Viele versprechen Berge und machen dann Maulwurfshügel. (Griechisches Sprichwort)



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