Wie erlebt Ihr als Professionelle Pflege?

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schnitte
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Beitrag von schnitte » So 27. Nov 2005, 20:30

Aggression ist eine der vielen unproduktiven Bewältigungsmöglichkeiten, wenn einer Person keine anderen Handlungsoptionen mehr zur Verfügung stehen. Empathie, dies sei noch angemerkt, endet nicht beim Pflegebedürftigen und seinen Angehörigen! Vielleicht benötigen manchmal auch die Kollegen und Schüler etwas Unterstützung.
das mag wohl wahr sein. aber irgendwie funktioniert teamfähigkeit nun mal nur unter denen, die sich bereits verstehen. wenn ich jemanden unterstütze oder helfe, der zuvor aggressiv oder besserwisserisch war, hält mir der auch dann vor, was ich falsch mache. dabei werden kleine fehler so hochgeputscht, dass die ganze übernommene arbeit überhaupt keine beachtung mehr bekommt.



Dirk Höffken
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Lösungsoptionen

Beitrag von Dirk Höffken » Mo 28. Nov 2005, 02:41

Hallo schnitte,

professionelle Pflege funktioniert nur im Team! Jeder muss innerhalb des Teams seine Rolle finden und die Rolle der anderen Teammitglieder akzeptieren. Das ist in der Pflege ein Problem! Hohe Personalfluktuation, unregelmäßige Dienste, unterschiedliches Wissen, verschiedene Leistungsfähigkeit und -bereitschaft etc. haben großen Einfluss auf die Beziehungen der Teammitglieder untereinander. Dies Problem vervielfacht sich wenn die Führungskräfte nicht akzeptiert wird.

Das von dir beschriebene Verhalten lässt sich über Minderwertigkeitskomplexe erklären. Vielleicht will die betreffende Kollegin (oder Kollege) einfach nur die eigenen Fehler vertuschen. Oder die Ursache liegt an ganz anderer Stelle.

Wie reagieren die meisten Menschen auf solche Vorwürfe? Mit verbalen Gegenschlägen, Rechtfertigung und Ausgrenzung.

Sollen das konstruktive Lösungen sein?

Bei kleineren Dingen lässt sich durch kleine Veränderungen im eigenen Verhalten viel Spannung aus dem Team nehmen. Wieso muss jeder Fehler zur Staataffäre hochstilisiert werden? Wenn beim Tabletten stellen mal ein Fehler passiert, kann man ihn beseitigen. Kommt das bei einem Kollegen öfters vor ist ein Gespräch unter vier Augen eine Möglichkeit. Muss hinter dem Rücken über die Unfähigkeit gelästert werden? Muss es in endlosen Diskussionen die berufliche Qualifikation in Frage gestellt werden? Müssen immer die Leitungskräfte hinzukommen?

Du hast ein Paradebeispiel angeführt. Wenn du jemanden unterstützt oder hilfst, erst mal ohne Betrachtung seines Verhaltens oder ob er um Hilfe gebeten hat, bringst du etwas zum Ausdruck. „Ich halte dich für unfähig!“, „Du schaffst das nicht alleine“, „Schau, meine Arbeit ist schon erledigt. Deine nicht!“ oder mal was positives „Du bist ein Teil vom Team und wir unterstützen uns gegenseitig“. Was du nun ausdrücken willst und was ankommt ist situationsabhängig.

Lösungen für solche Probleme im Team müssen spezifisch erarbeitet werden. Es gibt eine große Zahl von Interventionsmöglichkeiten. Leider sind sie oft unbekannt und/oder werden zu selten genutzt.


Mit freundlichen Grüßen

Dirk Höffken



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schnitte
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@dirk höffken

Beitrag von schnitte » Mo 28. Nov 2005, 13:18

deine argumente des letzten abschnitts sind mir wohl bekannt. diese gedanken hatte ich auch schon.
am anfang stand auch, dass grund für aggression unregelmäßige dienste sind. glaub ich gern und ich bin froh, dass auf meiner station mir ermöglicht wird, hauptsächlich früh zu arbeiten. mich würde aber mal interessieren ob du eine möglichkeit siehst, einen dienstplan zu schaffen, womit alle zufrieden sind und regelmäßige dienste haben. denn irgendwer müsste dann immer nachtdienst machen oder was? gibt es wirklich eine möglichkeit alle zufridenzustellen und somit auch die pflege zu verbessern....?



Dirk Höffken
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Gesamtkonzept

Beitrag von Dirk Höffken » Mo 28. Nov 2005, 16:04

Hallo schnitte,

man wird sicher nie alle Pflegekräfte zu einhundert Prozent zufrieden stellen können. Trotzdem gibt es, bei begrenztem Personal und eingeschränkten finanziellen Ressourcen, Möglichkeiten in einem Gesamtkonzept die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu erhöhen.

Mal ein paar unsortierte Gedanken und Vorschläge zum Dienstplan.

Ein Grundproblem bei der ganzen Dienstplangestaltung ist doch immer die Unwissenheit über die Wünsche und Bedürfnisse aller Kollegen. Einige artikulieren ihre Wünsche deutlich, der Rest sagt nichts und ist dann vielfach unzufrieden. Wichtig ist somit erst mal im Team zu klären wer den wie arbeiten möchte. Hier tauchen dann schon die ersten Hürden auf. Es ist nicht möglich ohne Emotionen über die Dienstplangestaltung zu diskutieren. Natürlich ist z.B. die Situation einer alleinerziehenden Mutter eine andere als die eines Single. Der alleinerziehenden Mutter, um bei dem Beispiel zu bleiben, stehen bei der Gestaltung des Dienstplanes Vorrechte zu. Das darf aber nicht zu einer ständigen Benachteiligung des Single führen. Nimmt man dann die Wünsche der anderen Kollegen hinzu, ist der Dienstplanschreiber in einer wenig beneidenswerten Situation.

Das darf aber nicht zu einer Vermeidung dieses Konfliktes führen! Sonst schwellt er unter der Oberfläche weiter. Interessanterweise ist mir eine solche Diskussion noch nie begegnet! Die Führungskraft schreibt den Dienstplan (meist) unter Berücksichtigung der rechtlichen Vorgaben. Einige Wünsche werden berücksichtigt, aber eine Einarbeitung der Gesamtsituation findet nicht statt. Sicher, man ist an der Arbeit und nicht bei „Wünsch dir was“, es gibt jedoch viele Spielräume die nicht genutzt werden. Es gilt hier auch Verständnis im Team zu schaffen.

Letztendlich wird diese Maßnahme isoliert nicht zum Ziel führen. Vielmehr bedarf es umfassender Maßnahmen. Die Arbeits- und Organisationspsychologie stellt, neben anderen wissenschaftlichen Disziplinen, eine breite Palette an Ergebnissen und Möglichkeiten bereit. Genutzt werden sie selten und dann nur sporadisch. Die freie im internationalen Wettbewerb stehende Wirtschaft ist da weiter. Unzufriedene Mitarbeite bringen schlechte Leistung und das kostet Geld.

Es wird sich an manchen Stellen zuviel und an anderer Stelle zu wenig Gedanken gemacht. Größere Häuser richten z.B. immer mehr Funktionsstellen ein. Neben dem Wundmanager, über den Ernährungsberater, einer Hygienefachkraft bis zum Diabetesteam gibt es nichts was nicht eine eigene Stelle rechtfertigt. Hat sich schon mal jemand darüber Gedanken gemacht, welche Wirkung das auf die am Patienten tätigen Pflegekräfte hat?

Arbeitszufriedenheit und -motivation ist, gerade im Dienstleistungssektor, Kapital. Leider gibt es Hindernisse, die einen langen Atem erfordern. Meine beruflicher und privater Lebenslauf ist bisher sehr Facettenreich gewesen und wird es bleiben. Die Erfahrung lehrt mich das Veränderungen in Teams respektive wenn andere Menschen beteiligt sind oft genug eine Menge Zeit brauchen. Selbst wenn sich alle Beteiligten einig sind! Das ist ein Grund warum ich gerne und sooft wie möglich alleine arbeite!


Mit freundlichen Grüßen

Dirk Höffken



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DollscheVita
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Dienstplan

Beitrag von DollscheVita » Mo 28. Nov 2005, 18:22

Hallo Schnitte,

wir haben bereits jetzt einen Wunsch-Dienstplan für Januar ausliegen, welcher zum großen Teil realisiert wird. PDL versucht ihn gerecht und mit viel Verstänsnis hinzukriegen, da sie von zufriedenen Mitarbeitern ja auch profitiert.
Ich bedaure allerdings auch bei einigen Kollegen den fehlenden Teamgeist. Sie waren wohl in der Vergangenheit immer Einzelkämpfer. Dieses ist keine Entschuldigung für egoistisches Verhalten, diese Kollegen bekommen von Zeit zu Zeit ihre Grenzen aufgezeigt. Damit sie merken, dass man mit Rücksichtslosigkeit und Egoismus in der Pflege/ Arbeitswelt nicht durchkommt

Wunschplan ist natürlich viel mehr Arbeit als stupider Schichtwechsel.

Moin, Moin

( Carpe diem ) Anhang von mir ( delecta noctem )


LG - DollscheVita -

Dirk Höffken
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Team funktioniert!

Beitrag von Dirk Höffken » Mo 28. Nov 2005, 20:57

Hall Gast,

deine Erfahrungen zeigen das gemeinsame Dienstplangestaltung funktioniert. Als Führungskraft würde ich sogar noch weiter gehen. Aus welchem Grund sollen die Teams, unter Aufsicht der Stationsleitung, den Dienstplan nicht selber schreiben? Das mag am Anfang Schwierigkeiten mit sich bringen, dürfte am Ende aber den Zusammenhalt im Team fördern.

Sinnvoll erscheint im weiteren die gemeinsame Verantwortung für die Schüler. Aus welchem Grunde werden die Gespräche am Anfang, in der Mitte und am Ende nur mit dem Mentor bzw. Praxisanleiter geführt?

Auf der einen Seite lernen Pflegekräfte ihre Patienten bzw. Bewohner als Ganzes zu sehen, auf der anderen Seite zerlegen Führungskräfte Teams in Einzelteile. Da ist der eine für den Notfallkoffer, der Nächste für den Medikamentenschrank und der Letzte für die korrekte Reihenfolge der Ordner im Schrank zuständig ;-) .

Quintessenz: Teamfähigkeit wird gefordert, aber nicht gefördert!


Mit freundlichen Grüßen

Dirk Höffken



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johannes
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RE: @dirk höffken

Beitrag von johannes » Fr 16. Dez 2005, 21:33

es ist geschafft. Der Dienstplan für das Jahr 2006 steht, von Januar bis Dezember. Gleichzeitig ist die Gesamtjahresarbeitszeit für jeden Mitarbeiter dokumentiert. Gleichzeitig ist der Nachweis vorhanden, wieviel Mitarbeiter in jeder Schicht tätig sind. Gleichzeitig ist erkennbar, wieviel examinierte Kräfte wann eingesetzt sind.

Jeder Mitarbeiter hat jetzt Gelegenheit, seine Urlaubswünsche für 2006 einzuplanen. Hoffe, daß dies bis Mitte Januar 2006 auch über die Bühne geht.

Vorteil: Jeder Mitarbeiter weiß jetzt bereits, wann er arbeitet und wann er frei hat. So kann er auch sein Privatleben vernünftig planen. Und das trägt auch wieder zur allgemeinen Zufriedenheit bei.

Abweichungen vom Jahresdienstplan?

Ja, kommt auch mal vor. Krankheit zum Beispiel oder persönliche Gründe. Hier gilt der Grundsatz: examinierte Kraft wird mit examinierter Kraft ersetzt, ungelernte Kraft wird mit ungelernter Kraft ersetzt. Abweichungen vom Dienstplan sind ausschließlich auf diese kurzfristigen Veränderungen begrenzt. Danach geht es automatisch wieder in den vorgegebenen Rythmus zurück.

Ab 2006 gibt es für Betriebe jetzt endlich auch die Gleichbehandlung im Krankheitsfall. Wird eine Fachkraft künftig krank, erhält ein Betrieb mit bis zu 30 Mitarbeitern über eine Umlageversicherung einen Teil der Lohnfortzahlung erstattet und kann mit dem erstatteten Geld eine Ersatzkraft beschäftigen, ohne daß damit das Butget überfordert wird. Es gibt also auch mal was Gutes.


Ein Mensch existiert nicht - er lebt!
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Ich vertrete nicht immer die herrschende Meinung - aber ich habe eine Meinung!
Einer sucht für ein Problem eine Lösung - ein Anderer sucht für eine Lösung ein Problem

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schnitte
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RE: wie erlebt ihr als professionelle pflege

Beitrag von schnitte » Fr 16. Dez 2005, 21:57

@ steffi

bedenke mal bitte, dass es hier darum geht mit einem kritischen blick durch die welt zu gehen. mein beruf macht mich unheimlich glücklich und du wagst dich ja ganz schön weit den mund zu öffnen, wenn du meinst , dass alle hier unzufrieden mit sich sind und gestresst.
wenn du hier redest von deinen 12 bewohnern und etwas überforderung, les dir mal die anderen texte durch. ich hab täglich 14, samt grundpflege, essen machen, reichen, küche, wäsche, medizinische versorgung ... und das in der ausbildung!
und da bin ich nicht die einzige! andere meiner klasse triffts noch schlimmer. und dennoch bin ich stets gern auf arbeit und immer glücklich, bereue nicht meine berufswahl.

es geht bei dieser diskussion darum, diese bedingungen und auch andere arbeitsbedingungen zu verändern..............


liebe grüße
schnitte



Rasputin
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Huhu...

Beitrag von Rasputin » Sa 17. Dez 2005, 17:52

ich denke auch, die Angst den Arbeitsplatz zu verlieren ist sehr gross und das schlimme ist, man weiß wirklich nicht was morgen passiert und was sich der staat noch ausdenkt....
Das Burn-Out-Syndrom ist mir glücklicherweise noch nicht begegnet....
Mir ist jedoch begenet, wie Kollegen und Freunde, die in der Altenpflege arbeiten, oft nur das Arbeiten und die privaten Pflichten kennen.... wenn ich jetztmal Pausengespräche mitverfolge, geht es eigentlich stets um Bewohner und der Private Haushalt, was noch zu erledigen ist...
Gut ich muss aber noch dazu sagen, dass ich keine Kinder habe...
Ich finde z.b. stets zeit, mich sehr viel mit musik zu beschäftigen, das ist also mein Ausgleich wenn ich merke, mir werden Dinge zu viel...
Ich glaube manchmal ist es sehr wichtig, sich mit dingen zu beschäftigen, die absolut *komisch* sind....
Als ich noch in der ausbildung war, bin ich einfach abends in den Wald gefahren und habe richtig laut gesungen oder einfach nur geschrien... nachher gings mir leichter, ich war wieder offen für den neuen Tag und das war wunderschön...
Man darf nie verlernen über ich zu lachen....Man darf nie verlernen einfach mal *scheiße* zu sein....
Oh mein gott, total thema verfehlt, macht aber nix, oder????
lg Rasputin
Schönes wochenende euch, macht was draus...


Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können

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