Wesensprüfung ? in der Pflege?

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country232
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Wesensprüfung ? in der Pflege?

Beitrag von country232 » Di 5. Apr 2005, 16:06

Ich habe mich gerstern in der Schule mit einigen meiner mitschüler unterhalten , und wir sind der Meinung , das es so was wie einen Wesenstest für die Altenpflege geben müsste .
Wir sind darauf gekommen , weil wir einige in der Klasse haben , die nicht in der Lage sind für sich und ihr leben Verantwortung zu übernehmen .
so jemand kann doch auch keine Verantwortung für andere Menschen tragen , ich finde das unferantwortlich , wenn ich bedenke das die später Examiniert sind und auf die menschheit los gelassen werden!

Viele von unseren Mitschülern sind auch noch sehr kindlich und machen sich ehr über die erkrankungen der Bew. lustig ! ich finde das nicht gut , und wäre für einen Test !
Was haltet ihr davon ?



Dirk Höffken
Beiträge: 2083
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In aller Kürze

Beitrag von Dirk Höffken » Di 5. Apr 2005, 18:17

Hallo country232,

ob der Begriff “Wesensprüfung” in diesem Zusammenhang angebracht ist zweifle ich an.

Ausbildung bedeutet in der Gegenwart mehr als die Vermittlung von Fachwissen. Diese Tatsache ist in den meisten Altenpflegeschulen noch nicht angekommen. Auch die Lehrpläne berücksichtigen den individuellen Entwicklungsstand, insbesondere der jüngeren Schüler, kaum. Einer meiner Hauptkritikpunkte am derzeitigen Ausbildungskonzept.

Die Schuld ausschließlich bei euren Mitschülern zu suchen und ihnen die notwendige Reife abzusprechen verkennt das Problem.

MfG DH

Zitat:
Einfachheit ist das Resultat der Reife. - Johann Christoph Friedrich von Schiller (1759 - 1805), deutscher Dichter und Dramatiker



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Rüdiger
Beiträge: 97
Registriert: Fr 29. Okt 2004, 15:57

Beitrag von Rüdiger » Di 5. Apr 2005, 21:24

Hallo country 232!
Deine Idee ist nicht schlecht. Aber wie soll Deiner Meinung nach so ein Test aussehen? Ich sehe auch an unserer Schule Schüler, bei denen bekommt man ein komisches Gefühl, wenn man bedenkt, sie könnten dich auch mal in Zukunft pflegen.

Für eine Prüfung kannst Du lernen bis es nicht mehr geht. Du gehst rein und weißt alles. Kommst wieder raus und hast (meist) alles vergessen. So einen Wesenstest könnte man auch mit dieser Methode bestehen.

Trance hat Recht, wenn sie sagt, dass das Ausdruck eigener Hilflosigkeit ist. Die Hormone fahren in der Pubertät Achterbahn und das muss für die Jugendlichen ein Horrortrip sein. Manche trifft es mehr, manche weniger. Da gab es mal eine Reportage auf VOX (ist schon eine Weile her). Da wurde die Entwicklung des Lebens von der Zeugung bis zum Ende der Pubertät gezeigt. Da wurde mir Angst und Bange, dass ich das auch mal durchgemacht habe.

Schönen Abend noch
Rüdiger


Die Sachsen haben sich zur Unterscheidung den Titel "Freistaat" zugelegt. Als wenn man die nicht an der Sprache unterscheiden könnte. Lothar de Maiziere, Jurist und Politiker

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Lena V.
Beiträge: 307
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RE: Wesensprüfung ? in der Pflege?

Beitrag von Lena V. » Di 5. Apr 2005, 22:39

Ja ich verstehe sehr sehr gut was du meinst, bei mir in der Klasse gibt es au viele Idioten, die hocken sich rein, passen net auf, sin ständig krank, sind total respektlos den Lehrern gegenüber, zeigen kein Interesse... und das obwohl die au schon älter als 20 sin und ich dei jüngste aus der Klasse! Ich frag mich dann au immer wie die wohl auf der Arbeit sin, son Test wäre echt gut, obwohl wenn ich ehrlich bin, wenn ich lehrer wäre würde ich dei schon längst rausgeschmissen haben. Hört sich evtl. doog, aber ich denk es kann keiner nachvollziehn, wenn er net in der Klasse is.

Arme alte Leute....


Lebe Liebe Strahle :D

Dirk Höffken
Beiträge: 2083
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Individuelle Lernkonzepte

Beitrag von Dirk Höffken » Di 5. Apr 2005, 22:42

Hallo.
@Rüdiger
...“Ich sehe auch an unserer Schule Schüler, bei denen bekommt man ein komisches Gefühl, wenn man bedenkt, sie könnten dich auch mal in Zukunft pflegen....
Wenn Menschen (meist Jugendliche), die aufgrund sozialer Benachteiligungen, psychischer Belastungen oder intellektueller Schwächen bereits Probleme in den allgemeinbildenden Schule hatten, in die nächste Lebensphase, das Berufsleben, eintreten, kann die Gesellschaft sie nicht wegen ihrer Schwächen bestrafen, indem man sie von bestimmten Berufsausbildungen ausschließt.

Vielmehr sind Qualifizierungskonzepte zu entwickeln, die zukunftsfähig sind und Erfolgschancen für diese Jugendlichen bereithalten. Sie müssen die Chance erhalten aus einer sozial negativ stigmatisierten Situation herauszukommen.

Die Ausbildungen in den Pflegeberufen bieten in dieser Hinsicht vielfältige Chancen. Das Ziel kann somit nicht der Ausschluss der o.g. Personengruppe aus der Pflegeausbildung sein, sondern deren Integration und Förderung.

Konkreter:
Sind z.B. die kommunikativen Fähigkeiten der Auszubildenden wenig ausgeprägt, nutzt das theoretische Erlernen ausgewählter Kommunikationsmodelle im Unterricht (z.B. Schulz von Thun) kaum etwas. Erforderlich ist ein individuelles Lernkonzept.

Nichts anderes gilt für das von country232 angesprochene lustig machen über die Erkrankungen der Bewohner. Mit dem verurteilen solcher Äußerungen ist es nicht getan.

MfG DH

Zitat:
Dass irgendein Mensch auf Erden ohne Vorurteil sein könne, ist das größte Vorurteil. - August von Kotzebue (1761 - 1819), deutscher Jurist und Dramatiker, von 1816 - 1819 russischer Staatsrat



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Rüdiger
Beiträge: 97
Registriert: Fr 29. Okt 2004, 15:57

Beitrag von Rüdiger » Mi 6. Apr 2005, 08:21

Hallo Dirk!
Ich möchte niemanden von einer Ausbildung ausschließen, aber unsere Gesellschaft selektiert die sozial Schwachen schon irgendwie aus. Wenn man sich anschaut, wer im späteren Berufsleben eine leitende Position hat, sind es doch meist Leute, die studiert haben. Ein Studium kostet Geld und das können sich doch oft nur vermögende Eltern leisten. Es gab mal eine Studie dazu. Darin wurde untersucht, wieviel Kinder aus sozial benachteiligten Schichten ein Studium gemacht haben und wieviel Kinder aus der sozialen Oberschicht ein Studium gemacht haben. Der Prozentsatz der ersten Gruppe war sehr gering. Also werden doch Kinder und Jugendliche von bestimmten Ausbildungen durch gesellschaftliche Umstände schon von vornherein ausgeschlossen.

In der ehemaligen DDR wollte man das lösen, in dem man allen Kindern die Chance geben wollte, sich zu verwirklichen. Da waren einige Ausbildungen aber an bestimmte Erwartungen (z.B. Verpflichtung zum längeren Wehrdienst, Eintritt in die SED) der Gesellschaft geknüpft. Ich meine damit, dass es heute oft darauf ankommt das richtige Parteibuch oder die richtigen Beziehungen zu haben und früher war das nicht anders.
@Dirk Höffken
..."Nichts anderes gilt für das von country232 angesprochene lustig machen über die Erkrankungen der Bewohner. Mit dem verurteilen solcher Äußerungen ist es nicht getan."
Dazu müssen aber die Schüler für alte Menschen und deren Krankheiten sensibilisiert werden. Vielleicht könnte man das durch ein Pflichtpraktikum erreichen, damit die Schüler sehen, was sie in der Ausbildung erwartet und ob es die richtige Ausbildung für sie ist. Damit sie nicht hinterher aus allen Wolken fallen.
Siehe auch diesen Thread showthread.php?t=2672

MfG Rüdiger

Zitat:
Wefrt euer Vertrauen nicht weg - welches eine große Belohnung hat. - Hebr. 10/35


Die Sachsen haben sich zur Unterscheidung den Titel "Freistaat" zugelegt. Als wenn man die nicht an der Sprache unterscheiden könnte. Lothar de Maiziere, Jurist und Politiker

t-rex
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RE: Wesensprüfung ? in der Pflege?

Beitrag von t-rex » Di 19. Apr 2005, 09:39

Kurzum - nicht alle die in der Altenpflege arbeiten, sollten dies auch wirklich tun.
Denke ich an einige aus meiner Klasse, kann ich mich nur wundern wie sie ihr Examen geschafft haben ( total kindisch und scheißegal Einstellung ).
Ich bin der Meinung, man sollte sich vor der Ausbildung Gedanken machen, warum Altenpflege und wie gehe ich degenerativen Erkrankungen wie M. Alzheimer um. Was erwartet mich und welche Anforderungen werden an mich gestellt.
Aber in unserer Gesellschaft haben Alte und Kranke keine Lobby, warum auch, denn nur die Leistung zählt und nicht das menschliche.. leider!!! Und das spiegelt sich in der Auswahl der Schüler irgendwie wieder. Leider auch im Verhalten so mancher Dozenten.

In diesem Sinne
:eek siese 8)


:liebe verliebt und verheiratet :evil:

Dirk Höffken
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Starke Persönlichkeiten in der Pflege?

Beitrag von Dirk Höffken » Do 21. Apr 2005, 23:18

Hallo Marie.
@Marie
„Ich habe mich schon oft gewundert , wer allelse so aus anderen Bewrufen in die Altenpflege gerutscht ist. Das sind oft starke Persönlichkeiten, die sich nicht gerne etwas sagen lassen, die glauben, dass man Altenpflege nicht lernen muß und gerne Macht aus üben.“....
Hm. Starke Persönlichkeiten in der Pflege? Da solltest du noch mal genau hinschauen! In der Pflege, insbesondere der praktischen Pflege, arbeiten nur wenige starke Persönlichkeiten. Im Rückblick auf meine nun 11 Jahre fallen mir ganz spontan Vier ein.

Auf dem Gebiet steckt die Pflege noch in den Kinderschuhen.

MfG DH

Zitat:
Persönlichkeit ist richtig Selbstempfindung… - © Hans-Christoph Neuert (*195 8) und Elmar Kupke (*1942), deutsche Dichter, Essayisten und Aphoristiker / Quelle : »Lyricon 1«



Dirk Höffken
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Persönlichkeit

Beitrag von Dirk Höffken » Fr 22. Apr 2005, 23:09

Hallo Marie,

mir war schon klar, was du mit starken Persönlichkeiten meinst.

Menschen die andere Menschen demütigen müssen um sich die eigene Stärke zu beweisen bezeichne ich nicht als starke Persönlichkeit, sondern als arme Wichte.

MfG DH

Zitat:
Menschen sind ersetzbar; eine Persönlichkeit nicht. - Unbekannt



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