Umgang mit suchtkranken Mitarbeitern

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andrea
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Beitrag von andrea » Mo 4. Aug 2003, 16:48

Hallo,
wir hatten jemanden im Kurs der alkoholabhängig war und mit schlechten Noten und schlechten Praxiseinsätzen zeigte dass er überfordert war. Eine Bekannte von mir arbeitet im Heim und ist seit Jahren Alkoholiker, sie trinkt den sogenannten "Spiegel" (hat also immer den gleichen Alkoholpegel) und ich bin der Meinung ihre Vorgesetzten merken das nicht einmal. Der Chef hatte ihr bei der Einstellung gesagt dass sobald dieses Alkoholproblem wieder auftaucht sie fristlos entlassen wird.( Sie hatte schon einen Entzug) Sie macht ihre Arbeit jedoch trotz des Alkohols gewissenhaft :( oh Wunder) Ich glaube Alkoholiker sind aber im allgemeinen nicht in der Lage ihre Aufgaben auf Dauer zu erfüllen und denke dass soetwas ein Kündigungsgrund ist. Diese Menschen sind selbst krank und wohl kaum in der Lage für andere die Verantwortung zu tragen.(zumindestens nicht auf Dauer) Mit meiner Bekannten habe ich vor dem Entzug auch deutlich meine Vermutung angesprochen und ihr klar gemacht dass sie ohne Hilfe nicht da raus kommt. Nach anfänglichem Abstreiten dachte sie aber nach und entschloß sich doch einen Entzug im Krankenhaus zu machen. Rede mit deiner Arbeitskollegin über das Problem bevor du zum chef gehst. :wave
liebe Grüße Andrea


„Rechthaben ist erst eine Kunst; wenn auch die anderen glauben, dass mans hat!”

Starbreeze
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Beitrag von Starbreeze » So 14. Sep 2003, 16:36

Bei mir in der Firma gibt es auch eine Kollegin die Alkoholikerin ist . . wir haben es ziemlich schnell bemerkt und sie daraufhin erstmal ne Weile beobachtet . .. die Patienten haben zum Glück nichts bemerkt . . Naja nach ner Weile hat die Chefin dann ein Gespräch mit ihr geführt, aber das brachte nix . . Wieder ne Zeit später erkrankte die Kollegin an Folgen ihres Alkoholproblems und gab es dann endlich zu . . Was ich persönlich klasse fand war die Reaktion meiner Chefin . . sie hat erstmal den Vertrag mit ihr gekündigt bzw. nicht verlängert, aber versprochen wenn sie trocken ist das sie wieder kommen kann . . :smile Und so ist es auch passiert und bis jetzt klappt es auch wunderbar . . . :D



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doedl
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Beitrag von doedl » So 14. Sep 2003, 22:30

Hallo Alle

also Alkoholismus ist kein Kündigungsgrund- so makaber das grad in unserem Beruf klingen mag. Es ist eine anerkannte Krankheit, und aus Krankheitsgründen ist jemandem nicht so einfach zu kündigen.

Ist ne knifflige Situation für die Leitungen- wenn jemand alkoholisiert zum Dienst kommt, musste suspendieren, aber kündigen kannst deshalb nicht.

Ich hatte eine neue Mitarbeiterin mal eingestellt, kam gleich am zweiten Tag besoffen an, hm, beim Vorstellungsgespräch wirkte sie völlig ok, ggg. Naja, da wars nicht schwierig innerhalb der Probezeit zu kündigen.

Schwierig wirds bei langjährigen Mitarbeitern- hm- auch aus Gründen der Verantwortung für den Mitarbeiter. Klaro- auf die Bewohner kannst ihn nicht mehr loslassen, also Gespräch, klares auf den Kopf zusagen- Angebot der Therapie wahrnehmen müssen etc. Nimmt man dem Mitarbeiter den Arbeitsplatz, so ist das womöglich der letzte Anstoss für den totalen Absturz, aber es muss eisenhart klar sein, dass man ihn nur dann weiterbeschäftigt, wenn er was gegen die Sucht tut.

In der Praxis sieht das dann so aus, dass der Mitarbeiter krankgeschrieben ist, irgendwann aus der Lohnfortzahlung rausfällt und derweil seine hoffentlich erfolgreiche Therapie macht. Tut er das nicht, dann gehts nur mit
knallharten Bandagen- Abmahnungen für jegliches Vergehen, damit man ihn wegen verhaltensbedingter Sachen kündigen kann. Das dürfte dann auch nicht so schwer fallen.

Es tut jeder Leitung gut, mal ein Seminar über Sucht am Arbeitsplatz zu machen; leider sind die Pflege- und Heilberufe die suchtgefährdetsten überhaupt. Leichter Zugang zu Medikamenten etc; überdurchschnittlich viele Raucher usw. Wenn man als Führungskraft ein gutes Auge für seine Mitarbeiter hat, erkennt man Anzeichen für Alkoholkonsum möglicherweise recht früh, wenns mit der Sucht noch nicht so weit fortgeschritten ist. In dem Stadium kann ein Hereinzitieren des Mitarbeiters noch was bewirken. Ich sage bewusst Hereinzitieren, weil da nicht kollegiales Verhalten angesagt ist, sondern Klartext - wenn du weitersäufst, dann........

Lieben Gruss

Doedl


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andrea
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Beitrag von andrea » So 14. Sep 2003, 22:59

hi doedl
wie ist das denn dann mit Schülern die alkoholabhängig sind. Wir hatten mal jemanden, ganz jung und so groß geworden. Der Partner war abhängig und der Schüler auch.Durch Gespräche viel Nachdenken und Überforderung wollte er von der Abhängigkeit los,versuchte es erst ambulant und dann weil es nicht ging, kündigte er(glaube ich) und ist nun in Langzeittherapie weit weg. Hätte es da nicht auch nur zur Krankschreibung kommen können so dass er die Schule zum späteren Zeitpunkt wieder besuchen könnte??? Der Schüler hätte bis zum Termin der neuen Verordnung wieder einsteigen können,war da aber noch nicht mal in der Langzeittherapie. Er hat nur einen Hauptschulabschluß, der ja nach der neuen Form nicht mehr reicht. Muß er jetzt erst die Fachoberschulreife machen um wieder einsteigen zu können ??(vielleicht kann er ja auch ohne einsteigen weil er ja schon die Schule besucht hat??) Wäre schön wenn einer von euch darüber Bescheid wüßte, denn man könnte das dann vielleicht an ihn weitergeben. :wave


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Triexi
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Beitrag von Triexi » Mo 15. Sep 2003, 13:40

Hallo Leute,

Mal ganz ehrlich in denn Medizinischen Beruf das heißt ob Arzt oder Altenpfleger/in jeder hat da ein Problem mit Alkohol im Beruf.

Entweder werden die Ärzte nicht mehr klar mit ihrem Beruf in dem sie unter Druck arbeiten ihr wisst schon 24 Stunden auf denn Beinen oder sie arbeiten 3 Tage hintereinander, viele arbeiten auch im OP. unter Alkohol.

Ich selber habe mal einen Bericht im Ferseh gesehen wo ein Arzt unter Alkoholeinfluss Operiert hat und ich würde mich auch nicht wundern wenn mich mal ein Arzt unter Alkohol Operiert hat.

Man sieht es dem Menschen nicht an das ist es ja, selbst ich hab ein paar Tage mit jemanden gearbeitet denn ich es nicht angesehen habe, ich hab es noch nicht mal gerochen das ist ja schon komisch aber als der Kollege weg war also gekündigt wurde kam die Sache heraus.

Er hatte sich Medikamente verabreicht und an denn Bewohnern hat er Medikamente verabreicht die ein anderer Bewohner haben sollte.

Ich muss ehrlich sagen ich könnte nie unter Alkohol einen Bewohner betreuen zumal es eine große Aufgabe ist und man hat eine verantwortung .

In diesem Sinne wünsche ich allen eine Gute arbeit ohne Alkohol.

LG

Triexi



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doedl
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Beitrag von doedl » Mo 15. Sep 2003, 14:01

Hallo Andrea,

das ist aber dumm gelaufen mit deinem Mitschüler........... Nun kenne ich die jeweiligen Bestimmungen der einzelnen Schulen nicht- ist ja überall unterschiedlich gewesen. Inwieweit eine Krankschreibung über mehrere Monate dann das neue Ausbildungsgesetz umgehen könnte, da bin ich leider überfragt. Da wäre die Altenpflegeschule, an der der Ex- Mitschüler war, die richtige Anlaufstelle.

Ich hoffe mal für deinen Mitschüler, dass er es dauerhaft schafft, mit der Sucht umzugehen. Sicherlich gibt es auch in NRW Möglichkeiten, über den Umweg des Altenpflegehelfers ohne mittlere Reife in die Altenpflege einzusteigen.

Lieben Gruss

Doedl

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Triexi
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Beitrag von Triexi » Di 16. Sep 2003, 12:15

Hallo Ceste,

Da gebe ich dir vollkommen recht und das hast du gut gemacht denn wenn dem Bewohner noch schlimmeres passiert wehre da hättest du ein schlechtes gewissen gehabt.

Das hast du gut gemacht :yo :yo :yo :yo

LG

Triexi



andrea
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Beitrag von andrea » Di 16. Sep 2003, 16:49

hallo celeste,
ich gebe dir auch recht und glaube wenn sich bei einem Pflegenden derartige Mängel zeigen darf man ihn nicht mehr decken sondern hätte schon viel früher reagieren müssen. Ob arme Seele oder nicht wenn man dieser Pflegekraft hätte helfen wollen hätte man am Anfang offen mit ihr darüber sprechen müssen und sie vor die Wahl stellen müssen. Entweder nüchtern zum Dienst oder Weitergabe dieses Problems. In der von dir beschriebenen Situation war es eh zu spät. Die Pk muß selbst erkennen wie weit sie ist und das konnte sie ja gar nicht weil sie gedeckt wurde. Nun ist sie gefeuert ,kennt ihre Situation und merkt vielleicht wo sie steht und will was ändern. Hier kann man sie dann hilfreich unterstützen aber auch nur dann wenn besagte PK ihr Problem erkennt und das ändern will. :wave


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andrea
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Beitrag von andrea » Di 16. Sep 2003, 21:45

könnte man dieser Pflegekraft nicht unter Umständen sogar die Anerkennung wieder wegnehmen? Ich denke bei Verstössen gegen das Gesetz ist das doch möglich warum nicht bei solch gröben Verstössen mit Gefahr im Blickfeld. ?(LG


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Jutti
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Beitrag von Jutti » Di 16. Sep 2003, 22:20

Hallo Celeste
Das war sicher eine ganz schwere Entscheidung für dich, sag ich was oder, grad als Schüler, nun nicht?!?
Ich finde es sehr mutig und sehr stark, das du dich für deine Ideale, für dein "Bauch-Gefühl" so kann das nicht gehen, eingesetzt hast.
Wir arbeiten, wie du, oder jemand anderes bereits gesagt hat, mit Menschen, nicht mit Akten, und das ist eine enorme Verantwortung. Uns geht es sicher auch mal schlecht dabei, wir sind überfordert, finden wenig Menschen, die uns dann auffangen, Menschen, die verstehen, was wir unter welchen Umständen manchmal leisten müssen, wie jeder hier weiß, aber die Flucht in eine Sucht, die kann nicht die Lösung sein.
Schade nur, dass so wenig für uns, für die, die tagtäglich Höchstleistung vollbringen, getan wird. Um so mehr ist zu bewundern, dass du dich da alleine durchgewusselt hast.
Bezüglich eines anderen Beitrages von dir: Ja, ich glaube, mit dir würde ich auch sehr gerne arbeiten. ich würde wissen, dass ich mich auf dich immer verlassen könnte..
liebe Grüße
Jutta



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