Umgang mit aggressiven Bewohnern

Das Diskussionsforum für alle Themen, die die Pflege betreffen, Fragen Tipps, Anregungen etc alles ist willkommen...
Antworten
Benutzeravatar
RanchRider
Beiträge: 140
Registriert: Mi 13. Apr 2005, 11:25
Kontaktdaten:

Umgang mit aggressiven Bewohnern

Beitrag von RanchRider » Sa 23. Jul 2005, 07:04

Guten Morgen!

Seit einer Woche arbeite ich nun bei uns auf der "Männerseite", wo überwiegend männliche Bewohner sind.

Ich stehe nun seit drei Tagen zunehmend vor dem Problem, daß bestimmte Bew jeden Handgriff mit negativen Bemerkungen ("Das ist doch sowieso überflüssig, was Sie da machen"), Beleidigungen ("Sie sind schlimmer als die Nazis") und Beschimpfungen ("Sie sind so rücksichtslos") begleiten.

Mir ist bewußt, daß es gerade den Männern sehr schwer fällt, sich ihrer Pflegesituation zu stellen. Ich habe es (auch bisher bei den Männern) nur sehr selten erlebt, daß ich mit Bew nicht gut klar komme. Meistens kann ich mich mit allen Bew gut arrangieren und in den ganzen vier Jahren ist nicht einmal eine Situation aufgetaucht, wo meine Person und meine Pflege angegriffen wurde, weil ich mich immer bemühe, jedem Bew nach seinem Empfinden die Pflege angenehm zu machen.

Aber in den letzten beiden Tagen war mit zwei männlichen Bew so schlimm, daß einer sogar nach mir geschlagen hat. Der Vorwurf, ich würde nur kommen, um an seinem ... herumzuspielen, ist gefallen. Bei dem anderen landete die Vorlage in meinem Gesicht und ich sei schuld, daß es ihm so ginge. Und ich habe gemerkt, daß mir das sehr zugesetzt hat.

Ich überlege nun die ganze Zeit, wie ich mit diesen Bew professionell umgehe. Erziehung ist in dem Alter ja wohl kaum möglich, Diskussionen und freundliche Erklärungen bringen auch nichts. Trotzdem muß ich doch irgendwie eine Grenze setzen können, schon alleine, um mich zu schützen. Mir tut der Gedanke weh, daß der Bew tatsächlich denkt, es wäre schlimmer als in der Gefangenschaft.

Wie kann ich das professionell lösen? Wie macht ihr das?

Bye,
RR


***FORGET THE WHALES - SAVE THE COWBOYS***

Benutzeravatar
RanchRider
Beiträge: 140
Registriert: Mi 13. Apr 2005, 11:25
Kontaktdaten:

Beitrag von RanchRider » Sa 23. Jul 2005, 12:51

Die Bew sind hilfsbedürftig, können das Meiste nicht mehr selbstständig erledigen. Was sie können, lasse ich sie sowieso alleine machen.

Meine anderen Kollegen haben das Thema täglich und andauernd. Aber ganz ehrlich: was die teilweise so fabrizieren, das möchte ich mir gar nicht abgucken. Ich hatte das ja eben bisher nicht, weil ich mich sehr gut mit den Bewohnern arrangieren kann und man sowieso meist mir die ganz schwierigen Fälle überlässt.

Mit den Angehörigen hatte ich gestern gesprochen, und er meinte, daß er das vier Jahre so erlebt hat.

Mich würde eben eine direkte Anleitung interessieren: was mache ich, wenn der Bew nach mir schlägt. Darf ich seine Hand festhalten, wenn die Option "weggehen" nicht funktioniert, weil ich z.B. den Bewohner gerade hebe. Darf ich, wenn verbale Beleidigungen sehr schlimm werden und Diskussionen nichts bringen, einfach schweigend meine Arbeit verrichten.

Bye,
RR


***FORGET THE WHALES - SAVE THE COWBOYS***

Petra
Beiträge: 82
Registriert: So 7. Sep 2003, 20:59

Beitrag von Petra » Sa 23. Jul 2005, 13:15

Hallo Ranch Rider,

sind die beiden Herren dement? Hast du schon mal mit deinen Kollegen gesprochen, ob sie die gleichen Probleme haben wie du und wie sie mit den Männern umgehen?

LG

Petra



kubi
Beiträge: 16
Registriert: So 13. Feb 2005, 20:37

Beitrag von kubi » Sa 23. Jul 2005, 14:45

Hallo Ranch Rider,

gut wäre zu wissen, wann, in welcher Situation, ob bei bestimmten Pflegern, oder Mitbewohnern die Herren so aggressiv werden.
Vielleicht ließe sich über solche Beobachtungen Lösungsmöglichkeiten finden, benötigen sie evtl. mehr Aktivierung.
Auf jeden Fall müssen auch wir uns schützen. Wie klappt es denn mit männlichen AP bei der Grundpflege?
Solange es keine Lösung gibt, würde ich die GKP sicherheitshalber zu zweit durchführen.
Da wir auch dieses Thema gerade in der Schule bearbeiten bin ich ziemlich interressiert. Ich hoffe Ihr findet Lösungsmöglichkeiten.

Liebe Grüße
Kubi



Benutzeravatar
RanchRider
Beiträge: 140
Registriert: Mi 13. Apr 2005, 11:25
Kontaktdaten:

Beitrag von RanchRider » Mo 25. Jul 2005, 22:16

Hi Albi,

also erstmal vielen Dank für die ausführlichen Grundinformationen - das sind die Dinge auf die ich mich in der APS freue!

Warum die beiden Herren so reagieren, kann ich mir denken und ich finde meine Vermutung auch in deinen Ausführungen wieder.

Bew 1 hatte vor sechs Wochen einen Schlaganfall, war ein wenig verwirrt, aber noch sehr selbstständig und wohnte vor dem Schlaganfall mit einer anderen Bewohnerin (!!!) zusammen, die er hier im Heim kennengelernt hatte - total schöne Geschichte. Durch seine Einlieferung ins KH hat sich aber ihr Zustand derart verschlechtert, daß sie ihn nachher nicht mehr erkannte und aus seinem Zimmer geholt wurde. Das wiederum konnte er überhaupt nicht verstehen und nun wurde ihm ein anderer Bew dazugesetzt.

Bew 2 möchte einfach nicht bei uns sein. Er zeigt Anfänge von Demenz, aber der Hauptgrund ist wohl, daß er es einfach nicht erträgt, jetzt in einem Heim leben zu müssen. Und das kommt ab und zu durch. Und zurzeit ist es eben ganz schlimm.

Meine Frage zielte mehr auf eine direkte Handlunganleitung hin. Viele meiner Kollegen setzen auf Druck oder Strafe und werden selber wütend. Ich halte das für keinen Weg. Menschen in dem Alter sind meiner Meinung nach nur in einem sehr begrenzten Rahmen "erziehbar".

Ich setze oft auf Ablenkung, was aber manchmal durchschaut wird vom Bew und dann auch unangenehme Situationen ergibt. Wenn es mir persönlich zuviel wird (was bisher nur einmal vorgekommen ist), dann sage ich dem Bew, daß ich was holen muß und gehe kurz raus und atme durch.

Ich bin mir aber unsicher, ob ich die Hand des Bew festhalten darf, wenn er damit nach mir schlägt? Oder ist das schon Gewalt? Ist es Gewalt am Bew, wenn ich ihn dann erstmal im Bett (evtl. sogar eingestuhlt) liegenlasse, wenn er sich nicht versorgen lassen will?

Bye,
RR


***FORGET THE WHALES - SAVE THE COWBOYS***

ilios1966
Beiträge: 1622
Registriert: Do 26. Aug 2004, 21:13

Beitrag von ilios1966 » Do 4. Aug 2005, 19:39

Hallo,der gleichen Meinung bin ich auch,ausserdem gibt es vielleicht Kollegen die besser mit den BW zurecht kommen oder die diese Probleme nicht haben,vielleicht können diese ja dann zur Pflege dorthin.
Meiner Meinung nach,und das handhabe ich auch so,immer der Fall der BW ist nicht dement!Ich sage ganz klar und deutlich,dass ich weder Nazimanieren habe,noch werde ich dafür bezahlt mich schlagen zu lassen.Wenn es sein muss auch mal in einer lauteren Tonlage.
Hinterher versuch ich es natürlich mit einem Gespräch und entschuldige mich für meinen barschen Ton,begründe aber auch mein Verhalten.
Sicher meint der BW nicht unbedingt mich persönlich mit seinen Angriffen und vielleicht reagiert er so aus unbeholfenheit,aber wenn ich ihm nicht klar sage,dass er mich verletzt,wie soll er es denn wissen?
Ich fahre damit sehr gut und hatte bisher immer Erfolg damit.

Gruss ilios


Ich bin nicht nur für das verantwortlich was ich sage,sondern auch für das was ich nicht sage!

Nachteule
Beiträge: 90
Registriert: Fr 27. Aug 2004, 17:16

Beitrag von Nachteule » Fr 5. Aug 2005, 09:57

Ich finde, das die Aussage, BW war aggressiv teilweise zu schnell ausgesprochen wird.
Ich arbeite Nachts auf einer Geronto Station. Meine Kollegin schreibt regelmäßig bei 2 BW, BW war aggressiv bei der Versorgung und musste zu zweit versorgt werden. Für diese 2 BW muss man sich nur etwas mehr Zeit lassen. Schließlich kommen sie aus dem Schlaf und müssen erstmal merken, das man etwas von ihnen will. Wenn mir einer Nachts einfach die Bettdecke wegnimmt und anfängt mich zu entkleiden, würde ich auch ummich hauen. Ich nehme mir die Zeit und sprech die BW erstmal an, dann lege ich mir mein Matterial zurecht, wärend ich mit dem BW rede. Jeden Handgriff sage ich vorher an, klappt super bei den dementen. Gerade bei der Intimpflege haben die Senioren doch noch ein anderes Schamgefühl wie wir. Nur weil der BW nicht will, ist er doch nicht gleich aggressiv. Wenn man zu Zweit die Versorgung macht, finde ich es eher schon Gewalt von uns.
Nach einer Weile kennt man die BW und weiss wie man am besten auf die einzelnen eingehen muss.
Als ich vor 1 1/2 Jahren dort anfing wurde mir gesagt, Frau X muss man zu Zweit machen, die haut sonst um sich.
Besagte BW habe ich immer Alleine versorgt. Wenn sie garnicht wollte, was sehr sellten vorkommt, dann versuche ich es kurzezeit später nochmal.
Bisher hatte ich da keine Probleme. habe ich einfach nur Glück??

Ich will damit nicht sagen, das es keine aggressiven BW gibt, wollte nur mal sagen, das manchmal der Ausdruck, BW war aggressiv, zu schnell in den Mund genommen wird.
Oder ist eine Verweigerung schon Aggressivität??



claridge
Beiträge: 92
Registriert: Sa 6. Aug 2005, 17:06

Beitrag von claridge » Mo 8. Aug 2005, 11:42

Mit dem Begriff "aggressiv" wird in der Pflege leider sehr oft viel zu leichtfertig umgegangen.
Ansatzpunkte zur Fragestellung sind hier ja schon benannt worden.
Mich beschleicht nur das Gefühl das in der von RanchRider beschriebenen Situation die eigentlichen Ursachen in dem Haus selbst liegen. Ich habe es zu oft erlebt das die Belange u. Bedürfnisse der Bew. eine absolut untergeordnete Rolle im Stationsablauf spielen.
Wenn ich lese wie manche der "Kollegen" reagieren spricht das nicht gerade für eine gute Leitung. Es hört sich an als ob der Stressfaktor im Haus sehr hoch ist (z,B. anhaltender Personalmangel, schlechte Arbeitszeitgestaltung etc.).
In Häusern wo die Strukturen stimmig sind treten solche "Probleme" eigenartigerweise sehr selten auf.
Aber das alles hilft in der jetzigen Situation auch nicht wirklich weiter.
Was hier m.E. gebraucht wird ist viel Geduld. Es muß einfach erst einmal ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. Da scheints etliche vom Personal querschießen kann das lange dauern.
Was Albi geschrieben hat ist mit Sicherheit der richtige Weg. Wäre natürlich ideal wenn das ganze Team mitspielen würde.



andrea
Beiträge: 3406
Registriert: Di 16. Jul 2002, 19:15

RE: Umgang mit aggressiven Bewohnern

Beitrag von andrea » Di 9. Aug 2005, 10:40

Hallo,
bei uns hilft es sehr gut mit den betreffenden Bewohnern validierende Gespräche zu führen. Auf diese Art hat der BW die Möglichkeit seine Wut herauszulassen, sich von dir verstanden zu fühlen und wieder ruhiger zu werden ohne dass ihm die eigene Kompetenz abgesprochen wird.
Selbst Wutgefühle zu entwickeln ist immer der falsche Weg denn die BW meinen wohl in den seltensten Fällen uns persönlich.
Diese Methode kann man leicht während der Pflege anwenden so dass einem selbst und dem BW unangenehmes oft erspart wird und die Pflege nicht als notwendiges Übel betrachtet werden muß.
LG andrea


„Rechthaben ist erst eine Kunst; wenn auch die anderen glauben, dass mans hat!”

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste