Sterbebegleitung

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Dirk Höffken
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Individueller Prozess

Beitrag von Dirk Höffken » Fr 2. Jul 2004, 00:48

Hallo Nelle.

Ich finde ja immer noch das der Begriff Sterbebegleitung viel zu Enge gefasst wird. Meist beinhaltet er den Sterbenden. Die Angehörigen werden vergessen. Man verlässt sich auf altbewährte Rituale und Floskeln.

Sterbebegleitung ist aus meiner Sicht mehr. Man sollte nicht nur auf Rituale und Floskeln zurückgreifen. Sterben und Tod sind auch in Altenheimen und Krankenhäusern individuelle Prozesse. Auch die Sterbebegleitung muss sich dem stellen.

Wenn ich so auf die letzten 10 Jahre zurückblicke habe ich mehr junge als alte Menschen sterben sehen. Etwas auf das mich die Ausbildung in keiner Art und Weise vorbereitet hat. Genauso wenig wie auf den Umgang mit Angehörigen.

Aus dem Grunde entziehe ich mich auch meist der Sterbebegleitung. Beschränke mich auf den rationalen Umgang. Das mag sich jetzt für viele Herzlos anhören, aber für mich ist es die bessere Alternative.

MfG DH

Zitat:
Trauer kann man nicht sehen,
nicht hören, kann sie nur fühlen.
Sie ist ein Nebel, ohne Umrisse.
Man möchte diesen Nebel packen
und fortschieben, aber die Hand
fasst ins Leere..... - Unbekannt



Dirk Höffken
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Eine Frage des Blickwinkels

Beitrag von Dirk Höffken » Fr 2. Jul 2004, 22:32

Hallo Michi.

Wir betrachten Sterbebegleitung aus verschieden Blickwinkeln.

Du siehst den alten Menschen. Den Menschen der sein Leben gelebt hat. Den Menschen der den letzten Weg des Lebens antritt. Aber nach einem (hoffentlich) erfüllten Leben. Du siehst die Angehörigen die ihn auf diesem Weg begleiten. Den Menschen und seine Angehörigen die Frieden miteinander geschlossen haben.

Ich sehe meinen ersten schwerverletzten Unfallpatienten. Den 19-jährigen polytraumatisierten Patienten. Den Patienten der sein Leben noch vor sich hatte. Dessen Hoffnungen und Wünsche sich mit Sicherheit noch nicht alle erfüllt hatten. Der sich im Streit zum letzten Mal von seiner Mutter getrennt hat. Ich sehe einen der wenigen Patienten die ich nie vergessen werde.

MfG DH

Zitat:
…”There's a fog along the horizon,
A strange glow in the sky,
And nobody seems to know where you go,
And what does it mean?
Oh, is it a dream?”… -
Aus dem Lied Bright eyes von Art Garfunkel



Dirk Höffken
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RE: Eine Frage des Blickwinkels

Beitrag von Dirk Höffken » Fr 9. Jul 2004, 10:48

Hallo “Reiki150”.

Wir beide haben wohl selten eine Meinung.
@reiki150
...“Im Krankenhaus fehlt auch die soziale Kompetenz der Kommunikation. Die Menschlichkeit und die Würde des Menschen.“...
Pflegekräfte in Krankenhäusern haben die selbe soziale Kompetenz wie in Pflegeheimen. Wir sind bei dieser Thematik aufgrund der Umstände eben etwas benachteiligt. So ist die Beziehung zum Patienten eine ganz andere, z.B. da die Zeitspanne die wir ihn kennen erheblich geringer ist.
@reiki150
...“Fallbeispiel: Ein älterer Mensch (95 Jahre) liegt im Sterben und muss sich alle Untersuchungen unterziehen. Halbe Stunde später verstirbt dieser Mensch. Hat dieser Mensch es nicht verdient in Ruhe sein Leben zubeenden?“...
Zudem gilt in Krankenhäusern immer noch (zu meinem Bedauern) die Gesamtverantwortung des Arztes für den Patienten. Somit sind wir wesentlich mehr und öfter an ärztliche Anordnungen gebunden. Wenn der Doktor in deinem Fallbeispiel eine Untersuchung anordnet oder bei einem Herzstillstand „Reanimation“ schreit, kann ich nicht sagen „Herr Doktor, der Patient ist 95, hat Karzinome und 5 Schlaganfälle hinter sich. Lassen Sie´s gut sein.“ Dann müssen wir den Patienten eben zur Untersuchung fahren oder die CPR beginnen, EKG und Defibrillator heranschaffen, die Intubation vorbereiten, für einen i.v.-Zugang sorgen und 1 mg Adrenalin aufziehen. Bis der Doktor sagt „Danke. Das war´s“.

Das kann man in Pflegeheimen anders regeln. Ja, zugegebenermaßen wesentlich menschlicher. Aber das sind eben auch spezifische Probleme unterschiedlicher Einrichtungen.

MfG DH

Zitat:
Man kann ein Auto nicht wie ein menschliches Wesen behandeln - ein Auto braucht Liebe. - Walter Röhrl



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