Stationär kontra ambulant!?

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johannes
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Stationär kontra ambulant!?

Beitrag von johannes » Mi 11. Mai 2005, 20:35

Ein Vergleich von häuslicher Pflege und stationärer Pflege zeigt, daß in der Gesellschaft einiges übersehen wird:

Für Wohnung (ca. 50 qm), Strom, Wasser, Heizung, Kabelfernsehen, Warmwasser und Müll, tägliche Wäschereinigung, tägliche Reinigung der Wohnung sowie täglich drei Mahlzeiten, zahlen Sie im Pflegeheim im Monat € 972,00.

Für die Pflege über 24 Stunden zu jedem von Ihnen benötigten Zeitpunkt kommen € 2.145,00 hinzu. Das macht im Pflegeheim zusammen € 3.117,00.

Bei einer Kaltmiete für die eigene Wohnung von € 250,00, allgemeine Nebenkosten von € 30,00, Heizkosten von € 30,00 und Strom für € 25,00, täglich 3 vollwertigen Mahlzeiten € 375,00, Putzen der Wohnung 3 x 2 Std. wöchentlich € 240,00, Wäschepflege - waschen, bügeln und zusammenlegen einschließlich Waschmittel monatlich weitere € 80,00 wenden Sie zu Hause im Monat € 1.030,00 auf.

Wünschen Sie zu Hause wie im Heim 24 Stunden Sicherheit und pflegerische Versorgung, zahlen dafür einer Pflegekraft bei nur € 8,00 in der Stunde € 2.400,00 monatlich. Damit liegen die Kosten in der häuslichen Pflege bei € 3.430,00. Diese Pflegekraft verfügt dann - wenn sie selbständig arbeitet - über ein vergleichbares Bruttoeinkommen von ca. € 1.890,00! Ein jeder weiß, daß Putzfrauen bereits häufig € 10,00 pro Stunde netto erhalten, und Babysitter nicht mehr unter € 5,00 zu bekommen sind,um nur zwei Vergleichswerte anzuführen.

Sie sehen, bei ehrlicher Betrachtungsweise heben sich die Unterschiede zumeist auf. Professionelle, stationäre Pflege ist also bei ehrlicher Betrachtung nicht teurer als häusliche Pflege.

Als weiteres gilt zu bedenken:

1. pflegende Angehörige müssen nicht selten ihren Arbeitsplatz aufgeben ohne die Gewissheit, ihn nach der Pflege wieder zu erhalten. Den wirtschaftlichen Verlust mag ich nicht beziffern!
2. pflegende Angehörige verzichten auf sehr viel persönliche Entfaltung, Freizeit, Freizügigkeit
3. pflegende Angehörige sind oft 24 Stunden gefordert
4. pflegende Angehörige sind oft moralisch in der Schraubzwinge mit allen psychischen Belastungen.
5. pflegende Angehörige bekommen oft genug die Unzufriedenheit des Pflegebedürftigen ab, müssen sich beschimpfen lassen.

Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt.


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ferdi
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RE: Stationär kontra ambulant!?

Beitrag von ferdi » Do 12. Mai 2005, 22:54

:wave Johannes,

mit Zahlen in Deiner Art möchte ich nicht gegenkontern.
Ambulant vor stationär weil mein Pflegekunde sich nur das "kauft" was er meint zu benötigen. Das wird im Pflegvertrag festgelegt und nur das bezahlt er, egal welche Pflegestufe. Die Vergütung im ambulanten Bereich liegt weit unter dem stationären. Noch gehört die Genaration unserer "Alten" zu dem Bäumen die sich im Alter nicht so leicht verpflanzen lassen. Was heißt es denn ins Altenheim umziehen? Keine eigene Wohnung mehr, kein gewohntes Umfeld, die Freunde und Bekannten wenden sich ab.
Wenn man die ambulante Pflege mit der Teilstationären sinnvoll kombiniert liegt beides noch weit unter den Kosten eines Heimplatzes.
Statt die ambulante Pflege schlecht zu machen solltest Du mit den KollegInnen kooperieren.
Wenn Du freie Kapazitäten hast mach doch eine teilstationäre Abteilung auf. Oder Kurzzeitpflege. Diese Kombinationen haben hier viele Altenheime. :smile

:liebe ferdi



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johannes
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RE: Stationär kontra ambulant!?

Beitrag von johannes » Fr 13. Mai 2005, 00:15

Dieser Beitrag, liebe ferdi, soll lediglich einmal aufzeigen, daß das Argument vom angeblich so teuren Pflegeheim nicht zutreffend ist. Lediglich dann, wenn die vergleichbaren Kosten in der häuslichen Pflege nicht berücksichtigt werden, schneidet diese günstiger ab.

Keinesfalls ist dies aber eine Aufforderung, häusliche Pflege aufzugeben! Wenn du meine Seite aufmerksam liest, wirst du feststellen, daß ich sehr ausführlich die Möglichkeiten einer häuslichen Pflege und die möglichen Unterstützungen beschreibe. Ich bin also durchaus für Kooperation und nicht für Konfrontation!

Aus den weiteren Ausführungen kannst du auch erkennen, daß es mir bei einer Bewertung der verschiedenen Möglichkeiten auch darum geht, möglichst alle Faktoren in die Beurteilung einfließen zu lassen. Du siehst, es geht um Information. Vielleicht denkst du einmal darüber nach, daß es nicht immer um "schlecht machen" geht.

In diesem Sinne Grüße von

Johannes


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ferdi
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RE: Stationär kontra ambulant!?

Beitrag von ferdi » Fr 13. Mai 2005, 20:25

Hallo Johannes,
wenn Altenheim so billig ist warum zieht das Sozialamt dann die ambulante Pflege vor? Obwohl die Leistungen der Pflegkassen gravierent von einander abweichen.
Pflegestufe I ambulant 384 €
- stationär 1023 €
alle Leistungen der ambulanten Pflege die 384 € übersteigen,plus Tagespflege plus Miete werden vom Sozialamt übernommen. Warum ??? wenn Heim nach Deiner Schilderung doch so billig ist???

ferdi



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johannes
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re: stationär vs ambulant

Beitrag von johannes » Sa 14. Mai 2005, 03:49

Hallo ferdi,

ist das so schwer zu verstehen?

Ein Vergleich von häuslicher Pflege und stationärer Pflege zeigt, daß in der Gesellschaft einiges übersehen wird:

wenn ich sage, daß etwas in der Gesellschaft übersehen wird, dann steht eine Behauptung dahinter! Die Behauptung, daß ein Heim doch sooooooooooo teuer sei! Ich glaube, selbst du kannst das nachvollziehen, oder?

Mit dieser vergleichenden Rechnungen wird einmal eine 1:1 Gegenüberstellung der Kosten gemacht, die ich noch nirgends gefunden habe. Von billig kann gar keine Rede sein. Aber wenn dir andere Zahlen bekannt sind, die einen realen Vergleich anders aussehen lassen, bitte, ist doch kein Problem.

Zum anderen werden gesellschaftliche Probleme in der häuslichen Pflege aufgezeigt, die nicht nur Kosten verursachen, sondern zwischenmenschliche Probleme schaffen, die zu viel Leid führen. Leider wird vieles immer wieder unter den Tisch gekehrt und dadurch zum einen ein verzerrtes Bild von der Wirklichkeit gezeigt und zum anderen Chancen vertan, die ein menschlicheres Miteinander fördern könnten.

Wie Krypto schon schrieb, hängt die Qualität, ein ganz anderes Thema, immer von den beteiligten Menschen ab, sowohl Pflegekräften als auch Pflegebedürftigen und Angehörigen. Doch das steht hier nicht zur Debatte. Im Übrigen plädiere ich selbst schon immer für die Pflege zu Hause, so lange das vertretbar ist. Mit der bisherigen Diffamierung der Heime wurde lediglich ein Horrorszenario für alle jene entwickelt, die doch eine stationäre Pflege benötigten. So konnte es zu der reißerischen Überschrift kommen: "Lieber tot als ins Heim!"

Du siehst, deine Argumentation geht einfach am Thema vorbei.

Gruß

johannes


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t-rex
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RE: Stationär kontra ambulant!?

Beitrag von t-rex » Sa 14. Mai 2005, 09:10

Ich weiß nicht in Welchem Heim du arbeitest, aber es muß das Paradies sein.
Ein Beispiel: Essen im Heim; es gab Matjes - eine Bew. hatte Probleme mit ihrer Zahnprothese - sie mag aber Matjes für ihr Leben gern- also bin ich zur Küche und habe freundlich darum gebeten den Fisch zu passieren - ich wurde angebrüllt und es wäre zu teuer usw. Dieses Heim kostet pro Monat ca. 4500,-€
und da ist es wohl möglich Essen nach Wunsch herzurichten.

Anderes Beispiel: Grundpflege morgens, 32 Bew. davon 20 Pflegestufe 3, und wenn wir gut mit Personal waren ( was selten vorkam) waren wir zu viert.
Zum einen bleibt da keine Zeit für zwischenmenschliches und du leistest Fließbandarbeit. Was bitte erklärt dann diesen hohen Preis? Und wo bitte bleibt die hochgelobte Qualität? Oder sieht man nur zu alle Betten voll und Rest ist nicht so wichtig?

Hier im Kreis gibt es alleine in der Stadt 6 Heime, in der naheren Umgebung dann nochmal 5. Von diesen Heimen gibt es eines, das recht angenehm ist, alle anderen sind nicht empfehlenswert!!
Denk doch da mal drüber nach, denn zuhause ist zuhause. und bedenke die Einschränkungen im Heim, kaum eigene Möbel , feste unflexible Zeiten, manchmal wie Knast, und teuer!
Wer kann sich das denn noch leisten!
Dann doch lieber zuhause, ambulanter Pflegedienst und Betreuung und das ist meiner Meinung nach fairer und gerechter.

Ich habe mich erst gestern mit meiner besseren Hälfte über unser Rentnerdasein unterhalten, und wir sind beide der Meinung, unpersönlicher und zum Teil auch würdeloser geht es bald nicht mehr.

Ich möchte in gut 25 Jahren nicht in ein Heim.

Schönes Pfingstfest
8) siese 8)


:liebe verliebt und verheiratet :evil:

ferdi
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was mich zu diesem Thema wütend macht

Beitrag von ferdi » Sa 14. Mai 2005, 22:56

Vorweg muß ich was zu meinen Berufsjahren sagen: 11 Jahre stationär, vor der Pflegeversicherung. Ambulant war für mich keine Altenpflege, bis ich dann mit der Arbeitszeit im heim nicht klar kam und doch wechseln mußte. Nebenbei im Ambulanten kam die Pflegeversicherung ein Jahr eher.
Auch im Ambulanten habe ich 11 Jahre hinter mich gebracht und identifziere mich mit diesem Bereich der Altenpflege.
Jetzt bin ich im teilstationären Bereich = Tagespflege.

Zum Thema: Johannes hat das Thema eröffnet, ich und Ihr anderen hab mehr oder weniger dagegengehalten.
Das was hier an Antworten zu dem Thema kam ist nicht das Problem.
Das Problem ist die Pflegekasse.
Es kann doch nicht gerecht sein das ein Pflegebedürftiger der Stufe I mit ambulanter Versorgung 895 € weniger bekommt als ein Pflegbedürftiger im Heim.
In der ambulanten Pflege (ich sprechen von caritativen Einrichtungen, bei den Privaten ist das etwas anders) wird nach Leistungkatalog abgerechnet. LK 1 große Grundpflege, LK 2 kleine Grundpflege, es ist genau aufgelistet was dazu gehört. Weitere Posten sind: Essen mundgerecht zubereiten; Essen reichen; Toilettengang; usw; auch die hauswirtschaftliche Versorgung ist so unterteilt. Jede einzelne Leistung hat ihren Preis.
Wenn der Pflegebedürftige auch noch Gesellschaft braucht? Wer sich Zuhause pflegen läßt muß mit 384€ auskommen.
Für stationäre Pflege gibt es 1432€.
Das zur Ungerechtigkeit der Pflegeversicherung gegenüber der Pflegebedürftigen.
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ferdi



ferdi
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RE: was mich zu diesem Thema wütend macht

Beitrag von ferdi » So 15. Mai 2005, 00:51

Warum Ambulant kontra Stationär?
Warum nicht kooperativ?
Weil die Ungerechtigkeit der Pflegekassen auch unseren Beruf spaltet.
Wir sind AltenpflegerInnen uns steht allen das gleiche Gehalt zu.
Was muß ich in der amb. und was muß ich in der stat. Pflege leisten um auf mein Gehalt zu kommen?
Bisher, ich hoffe das es auch bis zur Rente so bleibt, hatte ich gemeinützige Arbeitgeber. Aber wie sieht es bei den KollegInnen aus, die bei profitgeilen privaten Arbeitgebern ihre Brötchen verdienen müssen???
Blüms Idee "Pflegversicherung" war aus dem Boden gestampft und umgesetz wie heute Hartz 4. Er wollte den Angehörigen einen Anreiz geben die Pflege selber zu übernehmen. Nur damals war noch Geld da und die Angehörigen konnten es sich leisten, der Staat zahlte ja zu, professionelle Hilfe in anspruch zu nehmen. Die Altenpflege boomte, vor allem im ambulanten Bereich. Pflegeversicherung auf 10 Jahre eingefroren.

Was ist in 10 Jahen geschehen?
Die Pflegekassen sind leer , weil
die Angehörigen das Angebot genutz haben und sich Hilfe/Entlastung gekauft haben.
Die Lebenhaltunskosten sind gestiegen.
Die Arbeitslosigkeit ist stetig gestiegen, jetzt Hartz 4.
Blüms Idee hat sich erst mit der steigenden Arbeitslosigkeit umgesetzt.
"Wir haben doch noch die Besenkammer, Oma/ Opa reicht sie und wir kassieren das Pflegegeld".
Was wir im Amb. zusehen kriegen und Ihr im Stat. dann aufnehmen müßt lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.
Ich muß Schluß machen, schreibe morgen weiter.
Was fällt Euch noch dazu ein?
ferd



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doedl
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Beitrag von doedl » So 15. Mai 2005, 17:45

Heisse Diskussion...........

Nachdem ich, wie Ferdi, in beiden Bereichen gearbeitet habe, kenne ich die Vor- und Nachteile beider Versorgungsformen.

Bestimmte Formen der Pflegebedürftigkeit sind zuhause nur schwer oder garnicht mehr adäquat zu bewältigen. Hier ist die stationäre Versorgung der bessere Weg. Vereinsamen Menschem im häuslichen Umfeld, so würde ich auch das Heim anraten. Sind keine Angehörigen vor Ort, ist der häuslichen Pflege auch schnell ein Endpunkt gesetzt, ebenso bei Überforderung der Angehörigen.

Allerdings zeigt uns die Entwicklung, dass ambulante Pflegedienste sich sehr professionialisiert haben, so dass durchaus auch Menschen mit schwierigen Krankheitsbildern zu Hause verbleiben können. In einigen Regionen gibt es zum "normalen " Pflegedienst bereits Spezialdienste, die Heimbeatmung o. ä. leisten können.

Ob nun ein Heim gut oder schlecht ist, hängt von anderen Faktoren ab, als von der bloßen Tatsache- wir sind ein Heim...!! Natürlich sind bei der ambulanten Pflege ein individuelleres Eingehen auf den Kunden möglich- schließlich ist es dessen gewohntes Lebensumfeld und der Kunde bestimmt, was wie gemacht wird.

Das ist im Heim nicht so ohne weiteres möglich; auch wenn mir die Kollegen versichern, dass sie individuell pflegen. Die Organisation Altenheim ist bei weitem nicht so flexibel, wie es die ambulante Pflege sein kann. Lachen könnte ich oft, wenn mir Pflegekräfte erzählen, bei uns kann jeder ins Bett, wie er möchte. Frage ich nach dem Spätdienst und der geht grad mal bis 20 Uhr, dann erübrigt sich jede weitere Frage.

Auch der Dienstleistungsgedanke ist noch relativ neu im Heim- etwas, was im ambulanten Dienst schon lange verinnerlicht wurde. Kundenorientierung heißt eben nicht, dass die alte Dame mit Prothese ihren Hering als Ganzes vorgesetzt bekommt, sondern bedeutet, dass Speisen angeboten werden, die auch gegessen werden können, bzw. Wahlmöglichkeit besteht.

Beruhigend finde ich die Tatsache, dass mittlerweile die Senioren die Wahl haben, in welches Heim sie gehen. Beim früheren Mangel an Pflegeplätzen konnten sich auch qualitativ schlechte Häuser gut belegen- hier gibt es nun eine echte Marktsituation, die minderwertige Anbieter sehr schnell verschwinden lassen wird.

Was die sogenannte Ungerechtigkeit der Finanzierung angeht- sorry Ferdi, aber das ist falsch gedacht. Die höheren Zahlungen der Pflegekassen im stationären Bereich resultieren aus anderen vertraglichen Leistungen. Der Pflegesatz im Heim besteht ja nicht nur aus Pflegekosten, sondern auch aus Kosten, die aus dem Bau und dem Unterhalt der Immobilie entstehen, sowie den Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Des weiteren muss ja auch eine 24- Stunden Pflege gewährleistet sein- also völlig andere Anforderungen an den Vertragspartner Heim als an ambulante Dienste.

Wo Ferdi recht hat- leider werden schon seit Jahren die über SGB V abrechenbaren Leistungen mehr und mehr in die Pflegeversicherung verschoben (wo sie ja letztendlich vom Pflegebedürftigen aus dem Pflegegeld finanziert werden müssen). Diese Praxis ist durch nichts zu rechtfertigen! Viele ambulante Anbieter haben dadurch Konkurs gemacht.

Hm Ferdi- den Vorwurf der geldgeilen Privatanbieter mag ich so auch nicht stehen lassen; das ist mir zu sehr schwarz- weiss gemalt. Ich komme ja in viele Einrichtungen und kenne genügend Betreiber, egal ob stationär oder ambulant. Die sogenannte Gemeinnützigkeit ist beim genaueren Hinsehen doch auch nur Augenwischerei. Jeder Betriebswirt kennt genau die Möglichkeiten, auch als gGmbH Gewinne als Rückstellungen etc. zu deklarieren und somit genau soviel Geld zu verdienen, wie es Privatanbieter tun.

Was die Rente angeht, da hast im öffentlichen Dienst halt die Zusatzversicherung; allerdings haben auch schon private Betreiber Rentenzusatzversicherungen für ihre Angestellten.

Wo ich Dir voll und ganz zustimme - warum nicht kooperativ?

Allerdings denke ich da weniger an die Pflegekassen, als an die konstruktive Zusammenarbeit von stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen. Hier tun sich Möglichkeiten auf, gegenseitig voneinander zum Wohl der Kunden zu profitieren, die leider viel zu wenig genutzt werden. Aber- wie gesagt, der Gedanke an den "Pflegemarkt" ist leider noch neu und nicht in den Köpfen. Andere Branchen leben uns sehr enge Kooperationen vor und fahren nicht schlecht damit.

Sodale, nun muss auch dieses Statement mal ein Ende haben.

Lieben Gruss

Doedl

http://www.temporaire.info


Wir müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen wollen- Mahatma Gandhi

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johannes
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warum nicht cooperativ?

Beitrag von johannes » So 15. Mai 2005, 20:49

Hallo ferdi,

wenn du genau hingeschaut hast, steht hinter meiner Überschrift ein "!" und ein "?". Und das hat eine Bedeutung.

Mit meinem Beitrag wollte ich auch mit darauf aufmerksam machen, daß die gegenseitigen Anfeindungen nicht gerechtfertigt sind.

1. Es ist eben nicht so, daß ambulant billiger ist als Heim, sondern von der finanziellen Seite her in etwa gleich kostenintensiv.

2. Es ist auch nicht so, daß ambulant eine bessere Pflege gemacht wird wie im Heim. Ich denke, da hat doedl sehr ausführlich den Nagel auf dem Kopf getroffen.

3. Die Gleichbehandlung bei den Leistungen der Pflegeversicherung siehst du meines Erachtens aus einer falschen Perspektive. Bei den Leistungen der Pflegeversicherung ging es darum, den Pflegebedürftigen möglichst einen Abstieg in die Sozialhilfe zu ersparen. Dein Vergleich mit den € 384 zu Hause und den € 1.432 ist nicht richtig! Du vergleichst Pflegestufe 1 mit Pflegestufe 3, das ist der falsche Ansatz. Meine Gegenüberstellung geht in beiden Fällen von Pflegestufe 3 aus! Und da erhält ein Pflegebedürftiger im häuslichen Umfeld genau die gleiche Leistung wie im Heim.

4. Dir wird bekannt sein, daß im häuslichen Umfeld zunächst einmal davon ausgegangen wird, daß Angehörige die pflegerische Leistung erbringen. Und da ist es doch wohl normal, daß die Angehörigen mit ihrer moralischen Verpflichtung nicht gleichgestellt werden können mit jenen, die beruflich diese Aufgabe übernehmen. Außerdem hast du vergessen, daß die Pflegekassen im häuslichen Umfeld weitere geldwerte Leistungen erbringen, die im Heim nicht erbracht werden: Schulungen für pflegende Angehörige, Rentenbeiträge für diese, Zuschüsse zu pflegeerleichternden Veränderungen in der Wohnung des Pflegebedürftigen, Übernahme der Behandlungspflege nach SGB V durch die Krankenkassen.

Bei deinen Überlegungen sind diese Werte einzubeziehen. In Pflegestufe 3 erhält damit ein Pflegebedürftiger im häuslichen Umfeld mehr Leistungen aus der Pflegekasse und der Krankenkasse, als ein solcher im Heim. Von Benachteiligung kann nun wirklich keine Rede sein.

5. Was die Qualität der Pflege angeht, schließe ich mich den Ausführungen von doedl an. Die Pflege wird immer nur so gut sein, wie die pflegenden Personen bereit sind, sich persönlich zu engagieren. Und da gibt es sowohl im ambulanten, wie im stationären Vorbilder im Guten wie im Schlechten.

Im Übrigen steht für mich die Kooperation durchaus im Vordergrund. In diesem Sinne.


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RE: warum nicht cooperativ?

Beitrag von ferdi » Mo 16. Mai 2005, 18:31

Berichtigung:

Pflegestufe I ambulant 384 € - stationär 1023 €

Pflegestufe II ambulant 921 € - stationär 1279 €

Pflegestufe III ist gleich beide 1432 €

ferdi



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