Sichtweisen.. bitte lesen..Arbeitssorgen..? = nein

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Rasputin
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Sichtweisen.. bitte lesen..Arbeitssorgen..? = nein

Beitrag von Rasputin » Di 17. Aug 2004, 22:18

klar ist es nicht schön eine Station vorzufinden, die unaufgeräumt ist das sehe ich auch so. dies erlebe ich mal aber dann räume ich es halt weg. Man kann nicht immer 100% arbeiten. Wir arbeiten mit Menschen und sind keine Roboter(auch wenn der Staat es manchmal so sieht).
Vielleicht hat der eine oder andere Bewohner einfach mal jemanden zum reden gebraucht oder wollte mal die Hand halten lassen.
Wichtig ist doch,dass wir Bewohner orientiert arbeiten.
Und mal ehrlich,auch wir die nicht Bewohner sind, sind in unseren eigenen 4 Wänden immer super korrekt.
Neulich sagte eine Bewohnerin zu mir:" Ach Schwester, räumen sie noch nicht ab,vielleicht bekomm ich später noch Hunger." Ich lies es stehen und im nachhinein hatte ich keine Schwierigkeiten.
Klar,wenn mehrmals alles so verdreckt ist und die Bewohner nicht entsprechend versorgt sind, muss man das dringend ansprechen!! Keine Frage!!
Ich denke manchmal, das in der Altenpflege oft zu steril gedacht wird, wir sind aber nicht im Krankenhaus.
Wir betreuen Menschen,die mit größter wahrscheinlichkeit meistens bis zum Tod bei uns verweilen.
Ich habe es schon häufig erlebt,wie Kollegen Sich versuchen in den Übergaben hochzupushen. Jedesmal wurde versucht in den Schichten Fehler und "schlampiges Arbeiten" darzulegen.
Dies finde ich sehr traurig,denn vielleicht würde die Arbeit einem leichter fallen,wenn das Pflegepersonal und Pflegefachpersonal ein dickes Lob bekommt.
Dies erleben wir doch auch mit den alten Menschen. Jedes liebe Wort ist doch nicht verschenkt und die Seele fühlt sich nicht mehr so einsam und erweckt das Interesse am Mitgestalten. Bei Dementen z.b. sieht man es sehr deutlich
Ich würde mich freuen wenn ich Resonanz erhalte auf meinen Beitrag von euch.

Erzählt mir wie ihr das sieht! Danke im Vorraus
Gruß Rasputin : )


Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können

Dirk Höffken
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Registriert: Mi 18. Jun 2003, 20:00

Menschliches Verhalten

Beitrag von Dirk Höffken » Do 19. Aug 2004, 22:02

Hallo Rasputin.
@Rasputin
...„Ich habe es schon häufig erlebt,wie Kollegen Sich versuchen in den Übergaben hochzupushen. Jedesmal wurde versucht in den Schichten Fehler und "schlampiges Arbeiten" darzulegen.“...
...„Erzählt mir wie ihr das sieht!“...
Ich sehe das aus einer pragmatischen Perspektive.

Lassen wir einmal dahingestellt wie menschliches Verhalten entsteht. Halten wir einfach mal fest, dass die meisten Menschen überwiegend Irrational handeln.

Wer kennt sie nicht? Stationsleitungen die sich aufführen als ob sie einen international tätigen Konzern lenken. Praxisanleiter und Mentoren die Beurteilungen schreiben als würden sie einen Bericht für die UNO verfassen. Pflegekräfte die sich aufführen, als ob sie demnächst einen komplizierten neurochirurgischen Eingriff am Patienten (Bewohner) durchführen sollen. Die Liste könnte man ohne Probleme fortsetzen.

Letztendlich muss jeder lernen zwischen berechtigter und unberechtigter Kritik zu unterscheiden. Ebenso muss man sich im Klaren darüber sein, dass die Ursache für dieses „Hochpuschen“ oft genug nicht bei den Fehlern oder dem „schlampigen Arbeiten“ eines Kollegen bzw. einer Schicht zu suchen ist, sondern bei den Kritikern.

Insofern gilt hier die Devise: Gelassenheit!!!

MfG DH

Zitat:
In jeder Gesellschaft gibt es das sogenannte goldene Mittelmaß, das Anspruch auf den ersten Platz erhebt. Diese Leute der goldenen Mitte sind schrecklich von sich eingenommen. Sie sind diejenigen, die auf jeden Neuerer den ersten Stein werfen. - Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-81), russ. Schriftsteller



Jutti
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Beitrag von Jutti » Fr 20. Aug 2004, 08:13

Hi Rasputin und Hi Dirk

Ihr habt beide völlig recht, find ich.

Natürlich muss der Ablauf im Heim funktionieren, was ohne gewisses System, Oranisation und geregelte Abläufe wohl kaum möglich ist.
Aber wie oben so schön steht, wir sind im Heim, nicht im Krankenhaus und dieses Heim ist das Zuhause des Bewohners, in das er notgedrungen wegen Zustandsverschlechterung einziehen musste, nicht weil es die Altersresidenz ist, die er sich extra für die Zeit nach der Rente ausgesucht hat.
Mir mißfällt oft die Verschiebung der Prioritäten, Pflegekraft pflegt was das Zeug hält nach bestem Fachwissen - Bewohner ist zur Passivität verdammt. Stammt häufig aus einer Erziehung, die Bitten um etwas nicht zuläßt.
...Es fällt mir schwer, den Gedanken in meinem Kopf in Worte zu fassen, aber ich hoffe, ihr versteht auch so, was ich aussagen möchte-

Mal genau genommen, gäbe es diesen Bewohner nicht, wäre ich arbeitslos und er ist nicht der ach so arme Kranke, er ist ein "Kunde" und der Kunde ist immer noch König bei mir.
Fängt da schon an, wo Kollegen verweigern, mal ab und zu das Frühstück ins Zimmer zu bringen, weil Herr X heute mal später aufstehen mag. Na und? ich stehe auch am Sonntag mal später auf oder frühstücke mal im Bett. Pflegekraft dies aber verweigerte mit den Worten, sie sei nicht der Zimmerservice. Hallo, dies ist das Zuhause des Herrn X und my home is my castle und solange nicht aus anderer Perspektive die Gefahr des absoluten Rückzuges und Vereinsamung droht, bekommt der von mir das Frühstück aufs Zimmer gebracht. Ich breche mir keinen Zacken aus der PflegekraftKrone, wenn ich ein Tablett trage.
Ebenso aufräumen, gewiß, es geht nicht, das gehamsterte Nahrungsmittel in der Schublade vor sich hinschimmeln und die dreckige Wäsche im Bad ne Woche auf dem Boden leigt, nur weil der Klient das zuhause immer so machte. Aber wenn der eben stapelweise Bücher auf dem Tisch, die Jacke über dem Stuhl oder-was-weiß-ich-nun wünscht, fein, soll er machen, wie er /sie meint und sich wohlfühlt dabei.
Sein Zimmer ist seine "Wohnung" und da kann er in gewissem Rahmen machen was er will
naja, ich könnte glaub ich nun endlos ausholen mit Beispielen, das erspar ich euch mal besser.
Und ich habe das Gefühl, in meinem Umfeld lockert sich mittlerweile alles etwas, was den Kollegen vor Jahren undenkbar vorgekommen wäre.

viele nachdenkliche Grüße
Jutti



Dinahr
Beiträge: 9
Registriert: Sa 7. Dez 2002, 23:28

Beitrag von Dinahr » Sa 21. Aug 2004, 11:34

Ja es stimmt,

oft hab ich das Gefühl uns fehlt ein grosses Stück Gelassenheit. Ich hab´ja bei mir selbst schon gemerkt. Da waren die Standards wichtiger als die Individualität des Bewohners. Gut das ich in der Ausbildung bin (nebenberuflich, sonst APH), ganz krass fiel es mir im 2. Praktikum auf. Plötzlich war ich im Zuhause des "Kunden", verhalte mich dann auch entsprechend. Was für ein Blödsinn. Im Altersheim betrete ich doch auch das Zuhause des Bewohners. Nur da war es mir einfach nicht so bewusst. Es sind oft Kleinigkeiten woran ich gemerkt habe das da was schief läuft. Ich versuche es nun oft mit dem Gedanken: Das ist das ZUHAUSE des Bew. er hat hier das sagen, will der das überhaupt, muss das unbedingt so sein? Man bricht sich wirklich keinen Zacken aus der Krone wenn man demjenigen das Frühstück ans Bett bringt, ihn duscht (außerhalb der "Duschtage") wenn ers will. Oder wenn derjenige grad super mit nem Mitbewohner quatscht ihn dort auch Mittagessen läßt und ihn nicht "an seinen Platz schiebt". Ich merke jetzt wenn ich mehr auf die Bew., auf ihre Wünsche eingehe, hab ichs oft auch einfacher sie zu motivieren. Es ist einfach ein anderes Vertrauen da.
Gruss
Dinahr



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