Schwarze Flächen - Demenz

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Katharina
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Schwarze Flächen - Demenz

Beitrag von Katharina » Mo 12. Nov 2007, 16:03

Hallo zusammen!

Ich hab (mal wieder) eine Frage: Eine Kollegin hat in der Sendung "Genial Daneben" eine Frage mitbekommen, wo gefragt wurde warum in einer Einrichtung in einer Stadt schwarze flächen angebracht sind. (wobei ich jetzt gestehen muss, weiss ich nicht mehr genau ob diese auf dem Boden waren oder an den Türen). Die Lösung dazu war, dass man so Demenzerkrankte Bewohner/innen davon abhalten möchte, gewisse Räume zu betreten, Türen zu öffnen etc.

Nun die FRage: hat jemand da erfahrungen mit?

Wir möchten das gerne bei der PDL bzw. HL anregen, da wir den sog. Segregativen Wohnbereich haben, wo 13 Demenzerkrankte Bewohner/innen leben.
Um gefahren zu vermindern bzw. die gefahr zu mindern, dass bestimmte BW das Haus nicht verlassen oder in Räume gehen, wo sie "nichts zu suchen haben", möchten wir soetwas anbringen. Wie gesagt weiss ich nicht, ob es auf dem Boden war oder an Türen.

Es ging jedenfalls darum, dass man Schwarze Flächen angebracht hat, damit Demenzkranke "denken, da ist ein Loch, ich darf hier nicht weiter".

Also, wenn Jemand Erfahrungen hat....bitte antworten :)

Danke

P.S. ich hoffe es ist Verständlich was ich Fragen möchte bzw. was ich will, bin etwas in Eile.


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wuselchen
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AW: Schwarze Flächen - Demenz

Beitrag von wuselchen » Di 13. Nov 2007, 17:08

Ich hab die Sendung damals auch gesehen....ob es bei allen funktioniert kann ich nicht sagen, ich weiß nur das ich mit einer BW mal bei nem Arzt wieder, die BW musste auf die Toilette, das Problem für sie war das der Toilettenboden dunkel war und sie hatte Angst und wollte nur mit mir gemeinsam da rein.
Manchmal beobachte ich auch das die BW erst in ihr Zimmer gehen wenn dort Licht an ist.
Ich hab das in meinem Heim auch schon angeregt, wollte es einfach mal ausprobierten....bis jetzt hat mein Heim aber noch nicht darauf reagiert.

Sollte es bei jemanden von euch funktionieren würde es mich auch interessieren.



Katharina
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AW: Schwarze Flächen - Demenz

Beitrag von Katharina » Di 13. Nov 2007, 17:27

Was mir wohl immer wieder auffällt ist, dass bei uns eine Bewohnerin (schon schwerst dement) "Probleme" mit dem Bodenbelag hat. Die haben auf dem Weg, den sie täglich mehrfach auf und ab geht 4 verschiedene Farben.

(wobei damit die Frage nach erfahrungen mit den Schwarzen Folien oder Klebedingern - hab mir den Ausschnitt angesehen, danke für den Link- noch immer im Raum steht)

Vielleicht hat ja doch jemand erfahrungen damit. Ansonsten hoffe ich einfach drauf, dass wir die Chance bekommen dieses auzuprobieren.


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\\..PaPerDolL_<3
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AW: Schwarze Flächen - Demenz

Beitrag von \\..PaPerDolL_<3 » Mi 14. Nov 2007, 06:02

Ich hatte schon eine Erfahrung die dieser bissl ähnelt vllt.
Ich hatte eine Bewohnerin, die auch Demenzkrank war.
Und da hatte ich mal den Deckel des Nachstuhls im Badezimmer gegen die Wand gelehnt gehabt sodass es sozusagen auch ein schwarzes Quadrat an der Wand gab.
Und dann fragte mich die Bewohnerin :"Was ist das für ein schwarzes Loch?"



Noctem
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Beitrag von Noctem » Do 15. Nov 2007, 20:15

Hallo,

grundsätzlich ist zu Sagen das Farben bei Fortgeschrittener Demenz eine wichtige rolle Spielen. Da natürliche Formen, oder Gegenstände ihre Form verlieren und somit bestimmte Farben eine Signalwirkung haben.

Wie Gelb, dunkelfarben oder Schwarz,
und können Gezielt in Wohnbereichen von Demenz kranken eingesetzt werden.
Mit einem Schwarzen Breiten strich unten am Boden könnte mann zum beispiel einen Ausgang Kaschieren.

Ein gutes beispiel bietet auch der Demenz verlauf vom Maler Carolus Horn
der in selbst gemalten Bildern seinen Demenz verlauf darstellt in Farben und Formen.

Carolus Horn (PDF)



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*Angie*
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AW: Schwarze Flächen - Demenz

Beitrag von *Angie* » Do 15. Nov 2007, 23:38

Nun ja - es läßt sich darüber streiten ...

Sicher sollen die dunklen Flächen die Demenzkranken davon abhalten wegzulaufen bzw in Räume zu gehen, wo sie nicht sollen.

Ziel der teilweisen dunklen Bodenanbringung:

Der demente Bewohner soll denken, dort ist ein Loch.

Nun arbeite ich ja im Schwerstdementenbereich und wir haben da so unsere Erfahrungen machen müssen.
Die "Löcher" erzeugen Erschrecken und auch teilweise Angst bei den dementen Bewohnern ... sie verlieren das Gleichgewicht weil sie plötzlich innehalten, fangen an zu schwanken und stürzen dadurch.

Wir haben die Belege gleich wieder entfernt (nach ca 2 Wochen) da die Sturzhäufigkeit sich extrem erhöhte - überall dort, wo dieser Belag war (es war sehr dünne - 1 mm -, kleinflächig aufgeklebte Folie über die Stürzen oder Stolpern selbst nicht möglich war)

Da passen wir doch lieber auf unsere Lieben mehr auf und die Knochen bleiben heile!

LG,A.


» Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in einer Garage steht. « (Albert Schweitzer)

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atari
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AW: Schwarze Flächen - Demenz

Beitrag von atari » Fr 16. Nov 2007, 13:38

Ich frage mich momentan auch, ob es eine sinnvolle ("pädagogische") Maßnahme ist, demente Menschen mit "Bodenlöchern" und "Abgründen" zu konfrontieren, um sie in bestimmten Territorien zu halten. Demente Menschen erschrecken und beängstigen, um sie vor etwas zu schützen??



wuselchen
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AW: Schwarze Flächen - Demenz

Beitrag von wuselchen » Fr 16. Nov 2007, 17:03

Mir ist klar das es nicht die schönste Lösung ist und wenn jemand andere und "humanere" Möglichkeiten kennt, dann ruhig her damit.

Das "Problem" ist, ich bin auf einem offenen Bereich für demente, es sind 11 BW und ich bin die einzige...Nun haben wir eine Bewohnerin die aus dem WB und teilweise auch nach draussen läuft. Da ich es eben nicht schaffe jede Minute nach der Bewohnerin zu schauen, suche ich halt nach Alternativen. Ich habe auch schon den Gedanken angebracht eine Fototapete an die Ausgangstür zu kleben um den Ausgang zu kaschieren.

Mir ist klar das es auch Beschäftigungsmöglichkeiten gäbe welche die Bewohnerin vll dazu bewegt sich "daheim" zu fühlen und nicht aber auch das is bei mir im Heim sehr schwierig.



Katharina
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Beitrag von Katharina » Sa 17. Nov 2007, 14:53

Natürlich würden wir uns auch lieber mit den Bewohnern beschäftigen damit sie garnicht erst auf die Idee kommen, den WB zu verlassen.

Aber das geht leider nicht aufgrund des Personalschlüssels.

In der Spätschicht sind von 13.30 bis 18 Uhr 2 MA allein zuständig für 12 "nicht demente", die schellen wenn sie Hilfe benötigen und 14 Demenzerkrankte (davon 1 Bettlägerig).

Da läuft das bei unserem Konzept nicht, dass wir auf jeden einzelnen aufpassen..


herzlich willkommen in der Realität!!
In diesem Punkt kann man wohl die Ambulante PFlege nicht wirklich mit der stationären vergleichen.

p.S.: (vorsicht böse) wir werden diese schwarzen flächen wohl bekommen um die Sturzgefahr der BW zu erhöhen, die dementen zu verkohlen.

Es ist doch nur ein versuch ob es funktioniert. an dem Personalschlüssel können wir nichts ändern!
aber illusionen, dass wir uns einfach mehr kümmern sollen, nützen da nix!


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Beitrag von atari » So 18. Nov 2007, 14:11

[quote=""Katharina""]

aber illusionen, dass wir uns einfach mehr kümmern sollen, nützen da nix![/quote]

Ich gehe mal davon aus, dass so ziemlich jeder Anwesende hier über das Problem des Personalschlüssels informiert ist. Es wird dich bestimmt jeder verstehen, bzgl. der Zeitprobleme.

Was mich nochmal interessiert, was sind das für Räume, in denen Demente nichts zu suchen haben? Das Konzept eines segregativen Wohnbereichs mag ja bestimmt (irgendwo) seinen Sinn haben und vielleicht auch zum Stationsklima beitragen. Aber berichte doch mal etwas genauer, bspw. über die Problematik, wenn Demente in die Bereiche kommen, in denen sie "nichts zu suchen haben".



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Beitrag von wuselchen » So 18. Nov 2007, 14:22

@ atarie

kannst du mir mal die Definition von "segregativer WB" nennen?

Bei uns geht es darum das beim Bau des Hauses wohl nicht nachgedacht wurde, sodass der dementenbereich im EG liegt und wenn die Menschen diesen WB verlassen kommen sie automatisch an der Ausgangstür vorbei und da liegt das Problem



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atari
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Beitrag von atari » So 18. Nov 2007, 14:41

Es steht hier für eine räumliche Trennung dementer und nicht-dementer Bewohner, um ein homogenes Umfeld zu schaffen.



Katharina
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Beitrag von Katharina » So 18. Nov 2007, 14:55

Die "Probleme" die wir so lösen wollen:

Die Küche: einige unserer Bewohner "besuchen" regelmäßig unser Küchenpersonal. Da nicht immer jemand der MA sich in der Küche aufhält, bestehen hier potentielle Gefahren, die ich denke ich nicht aufzählen muss.

Die HVW: an unseren WB grenzt eine Tür zu den Heimverbundenen Wohnungen. Gesichert durch 2 Türen. Eine Tür ist von aussen und innen frei zu öffnen, die zweite Tür (von uns aus gesehen) muss durch 2 Schalter gleichzeitig bediehnt werden. Bislang ist da keiner unserer Bewohner hinter gekommen, dass man beide Schalter gleichzeitig drücken muss. An sich kein Problem, nur: es gehen auch Besucher durch diese Türen, die dann nicht drüber Nachdenken, dass unsere Bewohner hinterher laufen. Die Bewohner der HVW achten da immer drauf, aber was wenn man es vergisst.......

Die Treppenhäuser: mittlerweile ein beliebtes Mittel, um auszubüchsen.
Wir können nicht ständig die Treppenhäuser (2 in unserem Fall) bewachen um aufzupassen. Eines ist durch eine Glastür gesichtert wie auf allen WBen. Das hört man schon wenn die auf und zu geht, aber nicht immer können wir zuhören und beobachten wer da rein und raus geht. Dann das 2. Treppenhaus, ist von allen Seiten frei zugänglich, ohne jegliche Türen. Dazu noch für uns MA, wenn wir uns im Dienstplatz aufhalten schwer einzusehen bzw. garnicht aufgrund der baulichen Strukturen.

Der Diensplatz "Schwesternzimmer": hier gehen einige der Demenzerkrankten BW ein und aus. Okay, könnte man abschliessen, wird in der Spätschicht auch oft so praktiziert. Aber dennoch gehen da einige ein und aus ohne abzuschliessen z.b. wenn man schnell auf das WC muss. Dort liegen ab und an "vertrauliche" informationen auf Papier herum, die durch die dementen auf den WB gelangen können, oder es verschwinden dinge durch demenzkranke.

Das sind nur ein paar Beispiele warum wir das gerne ausprobieren möchten.
Wegen dem Abschliessen: einerseits find ich es gut, anderer seits nicht gut wenn z.b. ein NOtfall ist und ich schnell rein muss muss ich den schlüssel erst holen etc. Wegen dem Papierkram der da so offen herumliegt: es hat sich viel gebessert durch die EDV umstellung, aber machen wir uns nix vor: mal eben schnell abheften oder an einen für BW und Besucher unzugänglichen Ort..... schnell ist hier eine schelle oder da etwas passiert...da sind wir wieder bei den illusionen. und alle Räume abschliessen geht mal garnicht...sind nicht im knast!

Klar werden einige vllt denken: wieso? Dementenverkohlen ist auch knast, aber es geht mir um die Sicherheit der Bewohner, ob dement oder nicht.

Das wars


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Soleille
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AW: Schwarze Flächen - Demenz

Beitrag von Soleille » Mi 2. Jan 2008, 13:20

Wir haben an beiden Ausgangstüren einen elektrischen Öffner außerhalb der normalen Reichweite.
Man muß auf den Schalter und gegen die Tür drücken , um rauszukommen.
Das ist für uns eine gute Lösung gewesen : wer in der Lage ist, die Tür zu öffnen, findet sich im Allgemeinen auch draußen zurecht.
Ab und zu gibt es jemanden , der das trotz Demenz herausfindet.
Da es sich um einzelne Personen handelt und sehr selten ist , passen wir dann eben auf.



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