Problem mit pflegebedürftiger Verwandten

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doedl
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Beitrag von doedl » Mi 21. Sep 2005, 19:51

Hallo DP

die entscheidende Frage ist- was möchte die alte Dame selbst- bzw. wenn sie nun dement ist- wovon ich ausgehe- wie hat sie sich früher geäußert.

Ist sie wirklich pflegebedürftig- sprich, hat sie eine Pflegestufe, oder ist es Deine Einschätzung.

Nicht alles- von dem wir Betrachter glauben, es sei "das Beste" ist letztendlich auch das beste für einen alten Menschen. Eine 90-jährige demente Frau in ein Pflegeheim über zu siedeln, ist enorm belastend für die alte Dame. Schon Nicht-Demente haben riesige Probleme, sich mit dem neuen Umfeld und einem völlig anderen Tagesablauf bekannt zu machen; um so mehr ein Mensch, der nicht begreift, wo er nun eigentlich ist.

Eine Lösung könnte eine Haushaltshilfe sein, die täglich für einige Stunden der Seniorin Gesellschaft leistet. Ein ambulanter Dienst kommt nur für bestimmte Zeit zur Pflege und würde das Problem des Alleine-Seins nicht sehr verändern.

Tagespflegeeinrichtungen wären eine gute Möglichkeit- sie holen Senioren zu festen Zeiten ab und bringen sie wieder nach Hause.

Die besagten Möglichkeiten müssen allerdings finanziert werden.

Sehr schön wäre auch, würden sich die Verwandten bereit erklären, an vorher abgesprochenen Tagen für einige Stunden im Wechsel zu kommen- somit würden auch die Kinder entlastet, denen der momentane Zustand sicherlich auch nicht besonders gefällt, und die alte Dame kann zu Hause bleiben, wo sie sich am wohlsten fühlt.

Rechtliche Schritte einzuleiten- dafür brauchst Du gute Begründungen: Wenn die alte Frau sich oder andere nicht gefährdet, warum sollte dann ein Richter eingreifen? Eine Aufenthaltsbestimmung ist ein sehr einschneidender Schritt in das Grundrecht jedes Bürgers auf Freiheit- und wird von den Vormundschaftsgerichten dementsprechend geschützt.

Hoffe ich konnte Dir helfen

Gruss Doedl


Wir müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen wollen- Mahatma Gandhi

claridge
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Registriert: Sa 6. Aug 2005, 17:06

Beitrag von claridge » Fr 23. Sep 2005, 12:41

Mal zum Thema Blickwinkel:
Nicht jedem ist es gegeben sich mit Krankheit und Gebrechen auseinandersetzen zu können. Gerade in der Verwandtschaft ist es besonders schwierig. Das Problem für Aussenstehende ist auch oftmals das sie nicht wissen was alles in einer Familie abgelaufen ist.
Ich hatte vor 18 Jahren ein Erlebnis wärend meiner Ausbildung an das ich noch oft denken muß: Praktikum in der häuslichen Pflege. Jeden Tag mußte ich einen Patienten versorgen. Hatte dabei immer das Gefühl das er von den Angehörigen vernachlässigt wird, konnte das aber nicht wirklich begründen. Irgendwann gingen die Krankenunterlagen zur Neige. Habe die Tochter darauf aufmerksam gemacht und sie versprach Abhilfe aber nichts geschah. Als ich die letzte Unterlage aufbrauchte sagte ich der Tochter bescheid und sie wollte bis zum nächsten Tag neue besorgen. Am nächste Tag traf mich bald der Schlag. Zur Begrüssung zeigte mir die Tochter Unterlagen die sie halbiert hatte. Bei näherer Betrachtung stellte ich fest das es alte gebrauchte waren die sie über der Heizung getrocknet hatte. Mittags habe ich mich dann mit meiner Stationsleitung kurzgeschlossen. Diese erzählte mir dann das der Vater über Jahrzehnte die ganze Familie tyrannisiert hat und ausgesprochen geizig gewesen ist. Jetzt in seiner Pflegebedürftigkeit konnten sich die Kinder gegen ihn zur Wehr setzen.
Das mag vielleicht ein besonders krasser Fall sein. Und man kann ja oftmals nur Vermutungen anstellen. Ob man damit dann richtig liegt?
Ich bin jetzt schon lange in der Pflege tätig, habe so einiges an Erfahrung gesammelt und alles verarbeiten können. Nur in einem Punkt bin ich meiner Schwester unendlich dankbar: Sie hatte die Pflege meiner Mutter übernommen. Ich weiß nicht ob ich das geschafft hätte.
Ich habe eine große Hochachtung vor pflegenden Angehörigen. Das ist die schwerste Aufgabe.
Wenn es mir in der täglichen Arbeit mit Bewohnern o. Patienten zu dumm wird mach ich einfach die Schotten dicht und lasse nichts mehr an mich heran. Das ist im Umgang mit Angehörigen nicht oder nur sehr schwer möglich.
Bei allem Verständnis für die pflegenden Angehörigen finde ich es aber gut wenn auch Nachbarn ein Auge auf solche Situationen haben. Das ist in unserer heutigen Gesellschaft eher selten der Fall.
Ansonsten stimme ich doedl zu. Will aber noch hinzufügen das, wenn man den Eindruck gewinnt das die entsprechende Situation kritisch ist, man sich an das Jugend-o. Sozialamt oder sogar direkt an das Vormundschaftsgericht wenden kann.



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