Pflegequalität und Pflegekompetenz 2005?

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benny34
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Pflegequalität und Pflegekompetenz 2005?

Beitrag von benny34 » Mo 28. Feb 2005, 23:41

Hallo!
Ich denke, das ich die Themenbeschreibung ganz gut getroffen habe.

Ich möchte hier gerne mal eine Diskussion starten, deren Inhalt mir momentan tgl. "um die Ohren fliegt".
Einführung:
Ich selber bin Altenpfleger (seit 1984), Zusatzqualifikation als Fachpfleger geriatrie/Reha, jahrelange Praxis in Rehakliniken (Schwerpunkt Apoplex ;) , die letzten 2 Jahre Heilpraktikerausbildung gemacht (mit Prüfung).

Wie erwähnt, hatte ich 2 Jahre Pause und arbeite seit 2 Monaten wieder in einem Altenheim. Was ich dort in den 2 Monaten erlebt habe, ist zu großen Teilen eine katastrophe.

Dabei meine ich den Zustand des Personals, sowohl fachlich als auch psychisch. Was sich natürlich auch auf die Versorgung der bewohner niederschlägt.

Genauer:
- es gibt, wie vor jahren auch schon, die immer gleichen "Kämpfe" unter Kollegen (...schlimmer als kleine Kinder..)
- irgendwie hat jeder eine fachliche Meinung, wie etwas "sein könnte", konkrete Fakten kann aber niemand nennen (warum macht er was)
- die Kritikfähigkeit ist eine katastrophe
- das Selbstbewußtsein des Pflegepersonals ist absolut am Boden (...Nein, wir dürfen bei einem Harnverhalt keinen Einmalkatheter legen, das macht der Arzt// Nein, du kannst doch keinen NA rufen bei einem Puls <40/seit 24h, das ist doch kein Notfall// Nein, die bettlägerigen werden nicht angezogen....usw)
- die Fähigkeit, defizite bei anderen Menschen (hier auch die Bewohner) zu erkennen, fehlt komplett
- allgemein miserables Fachwissen (Anatomie;Physiologie, Pathologie..), was soweit geht, das absinkende Vitalfunktionen z.B. nicht in Verbindung mit evtl. medikamentenüberdosierung in verbindung gebracht werden.

Und so weiter...ich könnte das jetzt noch ewig weiter treiben.
Poitiv ist, das im Haus die leitungspositionen ausgewechselt wurden und nun Platz für "frischen Wind" ist.

Nun , was Pflegequalität angeht, kann ich nur hoffen, das sie nur in wenigen Häusern miserabel ist, aber meine berufserfahrung, meine Intuition beim gespräch mit Leuten anderer Einrichtungen sowie das, was ich bei meinen Vorstellungsgesprächen (und Schnuppertagen) erlebt habe, gibt ein ganz anderes Bild:
- Ja, es gab sogar ein Haus, da lagen vormittags ALLE Bewohner im bett, die Türen zum Flur standen offen und an JEDEM Bett hing ein Katheterbeutel!!
das hat mit mangelnder pflegequalität schon nichts mehr zu tun.

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das sich im Grunde in der Pflege in den letzten Jahren kaum etwas geändert hat - okay, ein paar Expertenstandards mehr, aber die liegen auch gut in den Schubladen !



Über was ich nun diskutieren möchte:
- Wie sieht es in euren Häusern (egal ob Klinik, Altenheim oder...) aus, bezogen auf die obigen Punkte?
- Springt ihr auch schon mal über euren Schatten (v.a. in Kompetenzdingen) oder rennt ihr blind eurer "Leitung" hinterher (...Betaisodonna wird aber draufgeschmiert...)
- Was haltet ihr von der Pflegequalität im allgemeinen im Jahr 2005?

Her mit euren Meinungen - denn iauch dieses gefühl werde ich nicht los:
Das dieses Thema immer gerne übergangen wird!!

Gruß
benny



Inatz
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RE: Pflegequalität und Pflegekompetenz 2005?

Beitrag von Inatz » Di 1. Mär 2005, 07:21

Hallo Benny,
dass ist ja fürchterlich was Du da erlebst. Du rennst ja den ganzen Tag nur gegen die Wand und wirst mit Deiner Meinung garantiert bei den anderen Mitarbeitern ganz unten sein,oder? Ich arbeite in einem ambulanten Pflegedienst und muß sagen, dass bei uns 90 % ex. Pflegepersonal eingestellt ist und wir untereinander immer an einem Strang ziehen, sonst würde ja vieles überhaupt nicht funktionieren. Diese Punkte die Du genannt hast könnten wir uns gar nicht erlauben, da könnten wir die Bude zu machen. Das ist ja der Hammer!!!!!! Wie fühlst Du Dich denn dabei?Irgendwann wirst auch Du müde sein vom ganzen kämpfen.Ich wünsche Dir ganz viel Mut und auch Durchsetzungsvermögen um die anderen Mitarbeiter in Dein Boot zu bekommen, es wird nicht einfach weden.

Gruß Inatz



Sunflower
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RE: Pflegequalität und Pflegekompetenz 2005?

Beitrag von Sunflower » Di 1. Mär 2005, 18:24

Hallo Benny!
Zu deinem Thema hab ich erst kürzlich ne Reportage angekuckt (in der Schule) Mit Fussek und co....war teils schon recht krass aber teils (wie üblich) gerechtfertigt. Dort wurde auch gesagt das sich in den letzten Jahren nicht wirklich was getan hat in der Pflege. Nun zu meinen Erfahrungen....also in unserem Haus iss das Verhältnis unter Kollegen wirklich gut. Von Kämpfen oder so keine Spur...aber es iss schon so das oft unterschiedliche Meinungen herrschen, und die dann auch von PK zu PK unterschiedlich am Bew. gehandhabt werden. Also einer machts so....einer so....Einer hilft dem Bew. nur unterstützend...andere übernehmens dann doch ganz weil's "dem Bew. es doch so schwer fällt" (oder natürlich auch weils schneller geht) .Unsicherheit was bestimmte Maßnahmen betrifft gibts allerdings schon, und vor allem muss ich dir recht geben dass das allgemeine medizinische Wissen wirklich nicht gerade umwerfend ist. Medizinische Fachausdrücke kennen die wenigsten....wenn man da manchmal Gespräche von AP's mit Ärzten lauscht....peinlich. Da wunderts einen nicht das Ärzte oft keine allzu gute Meinung von Apflegepersonal haben (muss ich nur an meine Ex-Chefs denken hehe)
Ich bin ja Azubi insofern fällt das "Kompetenzding" flach...aber z.B. meine Anleiterin iss Kinderkrankenschwester die ihr Examen vor 30 Jahren gemacht hat, die hat schon sehr andere Ansichten teils als ich. (Sie schmiert auch seeehhhr gerne hehe) und das mach ich dann halt nicht.
Insgesamt denke ich iss die ganze Sache relativ schwierig. Gibts nich irgendwo ein Land wo's richtig gut klappt mit der AP so dass wir s uns abgucken könnten? Glaub nicht. Ich finde die 3jährige Ausbildung hilft schon die Pflegequalität insgesamt längerfristig aufzupeppen. Und, es gibt schliesslich auch richtig tolle Heime! Das darf man ja auch nicht vergessen. Aber ich glaube diese sind leider doch die Ausnahme und nicht die Regel!? AP's sind schon recht wenig kritikfähig oft glaub ich, denn kaum wird was schlechtes über AH und Pflege geredet wird an die Decke gesprungen....andererseits auch wieder verständlich.....weil in letzter Zeit einfach SEHR viel davon rüberkam. Hmm. Wie genau des rätels lösung aussehen könnte, weiss ich auch nicht...Mehr Personal? Weniger Geld? Höhere Preise? Wer soll das bezahlen und wer will dann noch AP sein? Kann also auch ned sein....naja soviel zu meiner Meinung......Roman Ende ;)



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benny34
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Beitrag von benny34 » Di 1. Mär 2005, 22:55

"gegen eine Wand rennen" kann ich so nicht sagen, eher gegen eine alte, krumm gewachsene Hecke.
Da muss man schon das eine oder andere Werkzeug (Argumentation, Fakten usw.) ansetzen, um etwas zu erreichen.
Aber so nach und nach kann was daraus werden.

Mit meiner meinung ernte ich natürlich oft Kopfschütteln oder krumme Gedanken, was man den gesichtern durchaus ansehen kann.
Das stört mich aber nicht sonderlich, denn ich habe gelernt, "mir selbst bewußt zu sein" und das auch freundlich rüberzubringen.

Natürlich bin ich auch nach dem Dienst müde, manchmal etwas abgenervt oder hab mal keinen richtigen Antrieb. Dann nehme ich mir während des Dienstes aber auch mal 5min, um mich wieder neu "auf 0 zu stellen", wie ich es nenne.
Danach gehts wieder.

Warum oft schlecht von Altenpflege geredet wird? Nun, weil sich viele einfach zu uneinig sind, es nicht gelernt haben, nach einem festen Schema zu arbeiten und...diese Arbeit immer noch nicht als ihre Arbeit ansehen. Schließlich haben sie sich diesen Beruf ausgesucht, also sollte man davon ausgehen, das er einem Spaß macht. Ist aber bei vielen genau anders herum.
Ich habe auch schon in teams gearbeitet, wo man sich blind verstanden hat.
Die Arbeit lief dann auch entsprechend ab und hat sich letztendlich positiv auf die Bewohner niedergeschlagen.

Ein anderer Punkt, der bei der Masse des Personals einfach nicht bewußt ist, ist der Kostenfaktor in der Pflege.
Es ist nun mal eine unabänderliche Tatsache, das ein Haus nur dann gut wirtschaften kann, wenn z.B. die Bewohner von Seiten des MDK richtig eingestuft sind.
Wenn aber Personen, die vom Pflegeaufwand PS3 sind, immer noch in PS1 eingestuft sind, kann natürlich auch kein zusätzliches, qualifiziertes Personal eingestellt werden.
Und einen Anteil an diesem Vorgehen hat nunmal auch das Pflegepersonal, das die Dokumentation führt und Pflegeplanungen schreibt (wenn sie denn wissen, warum überhaupt..).
Diese Hintergründe sind den meisten gar nicht klar (geschweige denn, wie Wirtschaft überhaupt funktioniert).
das gehört für mich aber auch dazu.

Wie läuft das denn in den Schulen? Wird das Thema dort eigentlich behandelt?
Mehr Personal kostet logischerweise mehr Geld, aber auf Dauer gesehen wird sich das in einer erhöhten Zufriedenheit widerspiegeln, mit dem Effekt, daß mehr Bewohner ins Haus kommen.



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wundmentor
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Beitrag von wundmentor » Mi 2. Mär 2005, 20:58

hallo benny 34,
die Probleme in deinen Beiträgen geschildert sind tatsächlich.
Aber mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen oder Hecken zu stürmen braucht es nicht.
Verkrustete und altgewachsene Strukturen lassen sich einfacher aufweichen.
Überzeugungsarbeit.
Lege dich auf ein Fachgebiet fest, bilde dich darin weiter .
Danach Nadelstichtaktik.
Vielleicht ist ja aber auch der Heilpraktiker das Problem.
Du wirst m.E als überqualifizert betrachtet.
Nix für ungut
wundmentor


Alt zu werden,
ist nun mal die einzige Methode, um lange zu leben!!

ilios1966
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RE: Pflegequalität und Pflegekompetenz 2005?

Beitrag von ilios1966 » Sa 12. Mär 2005, 19:13

Hallo Benny,bin seit 20 Jahren im Beruf und ich muss sagen,dass sich einiges getan hat.Was ich als sehr wichtig erachte ist die Leitungsebene,sie ist unter anderem mit dafür verantwortlich wo es langgeht.Bei uns ist es Gottseidank so,dass im Team offen KRitik geübt wird,auch schon mal in heftigster Art gezankt wird,aber es muss alles begründet werden.Ausserdem werden Entscheidungen vom ganzen TEam getragen.Es zählt nicht das Wort der WBL,ganz im Gegenteil,sie steuert solche Diskussionen,weil es die MA zum nachdenken bringt.Sie hasst sozusagen Ja sager und Radfahrer. [img]http://[/img]Sie möchte ,dass jeder eigenverantwortlich und reflektiert arbeitet.Recht hast DU allerdings was das Thema Fachkompetenz angeht,bei uns haben das die wenigsten,unsere WBL Gottseidank schon.Witzig ist,dass oft die nicht examinierten mehr Fachwissen besitzen oder nenn es Gespür für bestimmte DInge und Situationen,auch unterlaufen den Examinierten mehr Fehler als den nicht examinierten.Ich betrachte das Ganze aus 2 BLickwinkeln,da ich bis vorletztes Jahr als Schwesternhelferin gearbeitet habe und nun mitten in der Ausbildung stecke.Oft frage ich mich wie einige das Examen geschafft haben und überhaupt arbeiten dürfen.Einige sind nicht mal in der Lage eine Notsituation einzuschätzen geschweige denn adäquat zu reagieren....Nun meine WBL kennt ihre Schäfchen und gestaltet den Dienstplan so,dass immer verlässliche Leute dabei sind.Auch die nicht so fitten haben ja ihre stärken.......Aber ich glaube ganz fest:ES TUT SICH WAS aber wie bei allem dauert es natürlich auch seine Zeit.Lieber Gruss Ilios


Ich bin nicht nur für das verantwortlich was ich sage,sondern auch für das was ich nicht sage!

ilios1966
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RE: Pflegequalität und Pflegekompetenz 2005?

Beitrag von ilios1966 » So 13. Mär 2005, 15:26

Schuld auf andere schieben,so war das nicht gemeint,aber trotzdem hängt viel von der Leitung ab und wenn diese inkompetent ist oder meint z.B.den "Kumpelstil" als Führungsposition zu vertreten und überhaupt nicht konfliktfähig ist und lieber friede freude eierkuchen will,so halte ich das für eher Kontraproduktiv.Ausserdem,wenn die Leitung nicht offen ist für innovative Konzepte oder neuerungen,wer will sowas dann denn umsetzen?eine Schwesterhelferin die keine Lobby hat?Natürlich gibt es überall Probleme wo mehr als 2 Frauen zusammen arbeiten,aber das weiss man ja nun,das ist nicht nur in unserem Beruf so Gruss ilios


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youngold
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RE: Pflegequalität und Pflegekompetenz 2005?

Beitrag von youngold » So 13. Mär 2005, 16:47

Hallo,

um Benny und das Thema zu bestärken möchte ich hier
von von PflegeschülerInnen notierte Pflegemissstände
aufführen, die mir die Sprache verschlagen:

- zwei oder mehreren Pflegebedürftigen gleichzeitig das Essen reichen
- Essen auf dem Toilettenstuhl
- während des Toilettengangs auf der Toilette geduscht
- pro Pflegebedürftigen weniger als 10 min Zeit zur Ganzkörperpflege
- Druck auf Pflegebedürftige ausgeübt (schnell, schnell)
- Pflegebedürftige werden bereits nachts ab 4 Uhr oder noch früher gewaschen
- Verbände werden mehrfach benutzt (einfach wieder draufgeklebt)
- kaum Hygiene beim Harnblasenkatheterismus (keine Handschuhe, keine Desinfektion,
keine vorherige Intimpflege)
- dem Pflegebedürftigen werden viele Dinge abgenommen, die er noch selbst könnte
(denn so läuft es schneller)
- Leitbilder sind Leidbilder (Trugbilder), es ist kaum Zeit für Menschlichkeit und Gespräche
- Pflegende trauen es sich (wegen der Angst vor Arbeitsplatzverlust) nicht, etwas zu sagen
- 1 Pflegekraft auf ca. 60 Pflegebedürftige (Nachtwache)
- Rollstuhlgurte als Sturzprophylaxe (keine Beaufsichtigung, Pflegebedürftige könnten die
die Treppe hinunter stürzen...
- Missbrauch der Bedarfsmedikation
- kaum Zeit für psychische Betreuung
- Einsparmaßnahmen bei Hygieneartikeln (1 Waschlappen für mehrere Tage)
- Inkontinenzvorlage statt Toilettengang
- keine Beschäftigung während des Tagesablaufes (auch nicht bei schönem Wetter raus)
- Pflegefälle züchten anstatt Pflegebedürftige zu aktivieren
- Zubettbringen von Pflegebedürftigen bereits um 16 Uhr (nach dem Kaffee); beschweren
sich dann ggf. die Angehörigen, wird gesagt, der Pflegebedürftige hätte Fieber gehabt.
- Praktikanten werden ohne Anleitung in den Arbeitsablauf integriert.

Das soll uns aber nicht entmutigen, weiter zu machen. Wer den Kopf in den Sand steckt, bzw. stecken lässt, der hat schon verloren! :-)

Mit besten Grüßen
Friedhelm Henke
...http://www.gutes-alter.de...



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benny34
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Beitrag von benny34 » Mi 30. Mär 2005, 23:16

Hallo!
ich habe leider im Moment dermassen viel um die Ohren, das ich gar nicht dazu komme, was zu schreiben.
Aber jetzt gehts weiter.
ich greife jetzt einfach mal die zuletzt aufgestellte Liste der Pflegefehler auf. Überall dort, wo ein + sitzt, trifft auf meinen Arbeitgeber zu:
----------------

+ während des Toilettengangs auf der Toilette geduscht
+ pro Pflegebedürftigen weniger als 10 min Zeit zur Ganzkörperpflege (je nach besetzung - Pflege im marathonlauf)

+ Druck auf Pflegebedürftige ausgeübt (schnell, schnell) (..oder Klingel rausziehen; Bewohner werden "erzogen", das zu tun, was die Schwester will)

+ dem Pflegebedürftigen werden viele Dinge abgenommen, die er noch selbst könnte
(denn so läuft es schneller)
+ Leitbilder sind Leidbilder (Trugbilder), es ist kaum Zeit für Menschlichkeit und Gespräche
+ Pflegende trauen es sich (wegen der Angst vor Arbeitsplatzverlust) nicht, etwas zu sagen (sehr extrem; Pflegekräfte haben regelrecht Angst, den Mund aufzumachen; ..springen sofort vom Pausentisch auf, wenn mal "der Chef" kommt)

+ 1 Pflegekraft auf ca. 60 Pflegebedürftige (Nachtwache) (kommt hin...)
+ Rollstuhlgurte als Sturzprophylaxe (keine Beaufsichtigung, Pflegebedürftige könnten die
die Treppe hinunter stürzen...

+ kaum Zeit für psychische Betreuung (..geschieht so im Vorbeigehen)
+ Einsparmaßnahmen bei Hygieneartikeln (betrifft eher Bettwäsche, Wäschesäcke, teilweise Rationierung, am WE waschen mit Einmalwaschlappen)
+ Inkontinenzvorlage statt Toilettengang (bei sehr vielen, weil keine zeit zum Toigang da ist )
+ keine Beschäftigung während des Tagesablaufes (auch nicht bei schönem Wetter raus); findet von ehrenamtlichen "besuchern" statt, für die Dementen ist aber z.B. viel zu wenig Zeit
+ Pflegefälle züchten anstatt Pflegebedürftige zu aktivieren (ich glaube, die Kontraktur wurde hier erfunden..)
+ Zubettbringen von Pflegebedürftigen bereits um 16 Uhr (nach dem Kaffee)
( zumindest aber schonmal Nachthemd an)

+ Praktikanten werden ohne Anleitug in den Arbeitsablauf integriert jepp, wie es in vielen Häusern der Fall ist.

Weitere Punkte, die mir persönlich gegen den Strich gehen:
- das Aussehen der Betten ist wichtiger als die psychische Verfassung des Bewohners
- wenn "Herr Doktor" kommt, wird augenblicklich alles fallengelassen (..jetzt aber schnell, der Doc ist da...)
- ist "Herr Doktor" aber da, findet kein kompetentes Gespräch statt (z.B. mal den Vorschlag machen, einem 45kg schweren Pflegebedürftigen die Dosis von 3x30Tr. Novalgin + 3x20Tr. tramal zu reduzieren!!!
- Qualität wird gemessen an der Anzahl der gebadeten bewohner und bezogenen Betten pro Woche!!

Und die allgemeine Organisation der einzelnen Stockwerke (Stationen gibt es keine, ein haus wird aufgeteilt in seine Stockwerke - 1 Stationszimmer und 2 exam. PK für das ganze haus pro Schicht) ist ziemlich chaotisch.

es gibt zwar schon den einen oder anderen Lichtblick, aber im großen ist es ein absolut chaotischer Zustand. Und...wer sich selber schon einmal Gedanken darum gemacht hat, wie er später im Alter versorgt werden will (wenn es denn soweit kommt), der würde hier die Krise kriegen.
Auch als mobiler alter Mensch bekommt man hier gesagt, man habe im Speisesaal zu essen, solange man es kann (man kann ja froh sein). Bleibt man auf seinem Zimmer, so bekommt man auch z.B. keinen Nachmittagskaffee ( das man einem bewohner Extraleistungen auch extra berechnen könnte, der Gedanke existiert gar nicht - Servicewüste total).

Wenn ich nun mal ganz grob schätze, so behaupte ich mal, das ca. 60 (etwa mehr??) % der Häuser im D unter ähnlichen Zuständen zu leiden haben.
Das behaupte ich alleine aufgrund meiner Intuition, denn das Thema Altenpflege ist in D größtenteils immer noch ein Tabuthema.

So langsam manifestiert sich bei mir der Gedanke, mal ein "Tabuthema-Buch" zu schreiben über die Zustände in der Pflege ( ..welche hier keiner wegdiskutieren kann...).

Soweit erst mal für heute!
benny



Dirk Höffken
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Provokative Frage

Beitrag von Dirk Höffken » Do 31. Mär 2005, 00:39

Hallo Friedhelm.
@youngold
...“um Benny und das Thema zu bestärken möchte ich hier von von PflegeschülerInnen notierte Pflegemissstände aufführen, die mir die Sprache verschlagen:”...
Bitte missversteh die Frage nicht!

Wie sieht es mit den Missständen in der schulischen Altenpflegeausbildung aus (mit der Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege habe ich mich lange nicht mehr beschäftigt), die sicher auch ihren Beitrag zur derzeitigen Situation in der Altenpflege leistet?

Zwei Stichpunkte: Theoretische Leistungsbewertung, Vorbereitung auf die (leider vorhandene) Kluft zwischen Theorie und Praxis

MfG DH

Zitat:
Alles hat zwei Seiten, damit man die wählen kann, die uns nicht in unserer Ruhe stört. - Charles Joseph Fürst von Ligne (1735 - 1814), österreichischer Feldmarschall und Diplomat



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country232
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Beitrag von country232 » Do 31. Mär 2005, 12:07

bei uns im Haus sind immer genug Pfleger und Pflegerin anwesend, so das wir genugend Zeit für unsere Bewohner haben .
wir arbeiten teilweise zu 3 auf einem Flur , so das jeder nur 3 oder 4 Bwohner waschen muss morgens . auch am Vormittag ist genug Zeit für unsere Bewohner da . Wir gehen mit ihnen Spazieren , einkaufen , und freitags wird mit ihnen gekocht . dieses Jahr im April fahren wir sogar mit einigen Bewohnerinin und Bewohnern nach Dänemark. den Test lauf haben wir letztes Jahr gemacht , und ist Prima verlaufen .
wir nehmen uns eigentlich immer Zeit für unsere Bewohner ,.

es ist zwar nicht jeden Tag so viel los, aber wir machen das beste daraus .

unsere PDL und unsere Heimleitung achten sehr auf so was .

und wir sprechen uns untereinander auch immer ab. es gibt bei uns keine Machtkämpfe in der Pflege.
unser Motto lautet nur gemeinsam sind wir stark .

was auch prima zu dem Motto unseres hauses past : gemeinsam sind wir mitten drin .






es ist nicht immer alles möglich , aber wir tun unser bestes , nur zufriedene Bewohner sind gut gelaunt !



t-rex
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RE: Pflegequalität und Pflegekompetenz 2005?

Beitrag von t-rex » Do 31. Mär 2005, 13:07

Nun während meiner Ausbildung habe ich zwei Heime kennengelernt. Im ersten war ich auf dem beschützten Wb, war ganz angenehm, weil man noch Zeit für die Bew. hatte.
Im zweiten hat mich das kalte Grausen gepackt, der Frühdienst war so eingeteilt:1 ex. Ap, 2 Aushilfen ( die selten da waren) und 1 Schülerin und 32 Bew. davon aber 20 Schwerstpflegefälle. Hatte ich eine Frage, "komm später wieder". Und unter den Kolleginnen ein Gehacke und Neid, das ich jedesmal mit Magenkrämpfen zum Dienst bin. Und die Krönung war, das man eine sehr kompetente Fachkraft von Station geekelt hat, nur weil sie fast alle Bew. kannte und ein gutes Verhältnis zu ihnen hatte.
Als ich dann krank wurde und mich deswegen ins zweite Ausbildungsjahr zurückversetzen ließ, habe ich zur Ambulanten Pflege gewechselt.
Und da konnte bzw. kann ich selbstständig arbeiten habe eine kompetente Anleitung und wenn ich Fragen habe werden diese gut beantwortet.
Für mich kommt auch nichts anderes mehr in Frage, zumal ich reichlich aus den Heimen von meinen Mitschülern gehört habe, was ziemlich haarsträubend ist.

Lieben Gruß Siese


:liebe verliebt und verheiratet :evil:

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youngold
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RE: Provokative Frage

Beitrag von youngold » Do 31. Mär 2005, 19:06

Hi Dirk,

deine Frage lässt sich tatsächlich mehrdeutig verstehen...

Ich versuche mal darauf zu antworten:

a) Zur Theoretischen Leistungsbewertung:
Mit der Einführung der Lernfelder ist es an den meisten Pflegeschulen so,
dass theoretische Leistungen weniger punktuelle Abfragetests sind, als
viel mehr umfassende Fallbearbeitungen. Ich finde, damit kann schon ein
Stückchen Praxisnähe mehr "mit ins Boot" genommen werden. Ich schreibe
aber bewusst kann, denn es gibt immer noch die Möglichkeit der Mogel-
packung, wenn die einzelnen (früher fächerorientierten) Klausurfragen
nur anders zusammen gestellt werden. Das wäre dann keine gelungene
Lernfeldklausur... Die Kultusministerkonferenz hat in den Berufen ja ab-
sichtlich die Lernfeldstruktur vorgesehen, damit nicht fächerorientiert,
jeder Lehrer sein Fach heilig spricht und der Schüler vor lauter Wichtig-
tuerei nichts mehr versteht, sondern, damit die Praxis im Auge behalten
wird.

b) Zur Kluft zwischen Theorie und Praxis
Hier schließe ich direkt an das unter a) gesagte an! Ich kann im
Unterricht immer nur ein kleines Fenster der realen Pflegewelt (der Praxis)
öffnen... und ob der vielen Individualitäten, muss ich mich oft auf einen
kleinsten gemeinsamen Nenner beschränken, damit man mich versteht...
Deduktives Unterrichtsvorgehen (vom Speziellen ins Allgemeine) sind aber
auch gerade durch die Lernfeldorientierung vorgesehen.... Die gelungene
Umsetzung ders Lernfeldkonzeptes befasst sich z.B. eine ganze Unterrichts-
woche mit einem speziellem Praxisthema wie z.B. Pflege von Schlaganfall-
patienten.... Während dieser Woche findet rund um diese Thema der
sonstige Fächerorientierte Unterricht nun THEMEN/- oder genauergesagt
LERNFELDORIENTIERT statt... Das halte ich ebenso für eine vernünftige
Lösung für uns Lehrenden, um etwas vom Sesselfurzer-Image wegzukommen.

c) Zur Vorbereitung auf die Kluft zwischen Theorie und Praxis:
Ja, dazu kann ich nur mein NACHWEISHEFT FÜR DIE PRAKTISCHE
AUSBILDUNG IN DER GESUNDHEITS- UND KRANKENPFELGE
sowie mein Buch AUSBILDUNGSPLAN- UND NACHWEISHEFT FÜR
DIE PRAKTISCHE ALTENPFELGEAUSBILDUNG (INCL. APH) wärmstens
empfehlen. Darin ist z.B. ein Einarbeitungsbogen, ein Vor- und
(bes. wichtig (!) auch ein Zwischengespräch vorgesehen. Es ist
immer die Frage, wie mit den ganzen Arbeitshilfen umgegangen
wird.... Ich bekomme aber viel positives Feedback über die
praktikalbe Nutzbarkeit und kann mich oft über engagierte
KollegInnen (Praxisanleiter) freuen, die sich sehr für die Qualität der
Ausbildung Ihrer Pflegeschüler/innen einsetzen....

Außerdem hat in der Altenpflege der Arbeitgeber, insbes. bei Erstazubis
aber auch hinsichtlich des neuen Altenpflegegesetz wesentlich mehr
Möglichkeiten die Ausbildung mitzugestalten als führer (wo z.b. die Schule
nach dem Gesetz festlegte, in welchen Praxisbereich die Praktika statt-
finden). Ob nun der Arbeitgeber dabei wirklich immer den theoretischen
Ausbildungsstand des Azubis berücksichtigt, kann ich mir nur wünschen.
Ein bisschen Pessimismus sei mir aber gestattet, vielleicht weil ich Angst
habe, dass Schüler/innen sich denoch ausgenutzt fühlen und letztlich
wieder die Finanziellen Aspekte entscheiden.

Soweit erstmal...

Viele Grüße
Friedhelm Henke

-----------------------------www.gutes-alter.de-----------------------------------



Dirk Höffken
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Unterschiedlicher Ansicht

Beitrag von Dirk Höffken » Fr 1. Apr 2005, 14:09

Hallo Friedhelm,

die Ambiguität war so ein bisschen beabsichtigt. Entschuldige! Es ist aber in meinem Sinne bei dir angekommen. Ich freue mich über die ausführliche Antwort und versuche dir nun meine Sicht der Dinge etwas näher zu bringen.

Zu a)

Die Mentoren bzw. Praxisanleitern sowie die praktisch Pflegenden (wenn sie sich denn mit Schüleranleitung beschäftigen) dürften nur wenig bis gar kein Interesse an der Form der schulischen Ausbildung entwickeln. Anders: Es spielt für sie keine Rolle, ob die Schüler nun durch punktuelles Abfragen oder umfassende Fallbearbeitungen vorbereitet (geprüft) werden. Wichtig ist der Erfolg. Unter Erfolg ist an dieser Stelle ein für die Praxis nutzbares Grundwissen zu verstehen, welches während der Einsätze gefestigt, vertieft und erweitert, also mit Leben gefüllt, wird. Gerade an diesem Grundwissen fehlt es nur allzu häufig. Dieses Grundwissen stellt aber nun mal die wichtigste Schnittstelle Schule - Station (Wohnbereich) dar und wird für die Schüler häufig zum Erlebnis Theorie versus Praxis. Es setzt sich nicht nur der Eindruck fest in der Praxis läuft alles anders, sondern auch die Einstellung “Ich lerne für Klausuren/fürs Examen, nicht für meine spätere Berufstätigkeit”. Ich zweifele etwas daran, dass die Lernfelder etwas ändern. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Zu b)

An der Stelle schließt sich der oben geöffnete Kreis! Um das nächst größere Fenster (um bei deiner Metapher zu bleiben) in die Welt der praktischen Pflege zu öffnen benötigen die praktisch Anleitenden Schüler mit Basiswissen. Es ist im Rahmen eines regulären Stationsablaufes unmöglich erst theoretische Grundlagen zu vermitteln um dann zur Praxis zu schreiten. Wobei ich punktuelles und situationsbezogenes Abfragen als eminent wichtig erachte.

Ob die Lernfeldorientierung hilft die Lehrer von ihrem “Sesselfurzer-Image” zu befreien wird nur die Zeit zeige. Ich zweifle daran. Viel wichtiger ist eine verstärkte Interaktion zwischen den an der Ausbildung beteiligten Personen. Mein Eindruck: Ist der Schüler im Praxiseinsatz gilt für die Lehrer das Motto: “Aus den Augen aus dem Sinn”.

Zu c)

Nun muss ich mit hochrotem Kopf gestehen, dass ich kein einziges Buch von dir kenne (Zu meiner Verteidigung: Die Pflege ist nicht mehr meine berufliche Heimat) :-) . Insofern enthalte ich mich eines Kommentars. Gleiches gilt zur Einflussnahme des Arbeitgebers auf die Ausbildung.

Nach soviel Kritik wenigstens ein Vorschlag von mir:

Individuelle Förderung ist das Schlagwort. Anstatt sich auf Test-Rituale zu konzentrieren, die letztendlich zu nichts führen, sollte jedem Schüler eine konkrete, umsetzbare individuelle Förderung zugedacht werden. Schüler mit schneller Auffassungsgabe und guten praktischen Fähigkeiten benötigen andere Hilfestellungen als im entgegengesetzten Fall. Grundvoraussetzung ist die bereits oben erwähnte verstärkte Interaktion zwischen den Beteiligten. Aus welchen Gründen (lassen wir die juristischen Aspekte, z.B. Persönlichkeitsrechte und Datenschutz, außen vor) ist es nicht möglich zumindest dem Mentor bzw. Praxisanleiter einen schlechten Leistungsstand mitzuteilen, so das dieser (neben und mit der Schule) intervenieren kann. Statt dessen schweigen sich alle Beteiligten aus. Schlechte theoretische und/oder praktische Leistung als Tabuthema. Unterbewusst findet die Selektion in gute und schlechte Schüler dann in der Praxis statt, was wiederum zu noch größerer Frustration bei den leistungsschwachen Schülern führt, die häufig benachteiligt werden und dies auch so wahrnehmen. Pflegepädagogik Live! Mittelfristig dürften aus einem engen Zusammenspiel zwischen Theorie und Praxis sogar die examinierten Kollegen profitieren. Neue Erkenntnisse aus der Pflegeforschung könnten u.a. auf diesem Weg viel schneller die Basis erreichen und somit dem Patienten (Bewohner) zu Gute kommen. Vielleicht können sogar die Lehrer ab und an etwas von den Praktikern lernen.

Zudem sollten bereits von Beginn der Ausbildung an (in Theorie und Praxis) Auffangmechanismen greifen, um die großen psychischen und physischen Belastungen des Pflegeberufes abzufedern. Dem (vorzeitigen) Berufsaustieg könnte so evtl. vorgebeugt werden. Nebeneffekt wäre u.a. ein volkswirtschaftlicher Nutzen.

Ein enges Zusammenwirken von Schulen und praktischen Einsatzstellen sehe ich (beim jetzigen Ausbildungskonzept) als ein Primärziel. Hierfür müssen Module entwickelt werden, welche Theorie und Praxis verzahnen. Die Lernfeldorientierung wird hier nichts ändern. Beschäftigt sich die Schule eine Woche z.B. mit der Pflege von Schlaganfallpatienten und bekommen die Schüler nicht die Möglichkeit dieses Wissen (unter Anleitung) am Patienten (Bewohner) anzuwenden, sind wir genauso weit wie vor der Ausbildungsreform.

Zum Schluss ein kurzes Zitat aus dem Jahr 1994, welches (leider) auch noch im Jahre 2005 gilt und eine Brücke zum Ausgangsthema dieses Thread baut:

„Alle reden von Qualitätssicherung in der Pflege. Wer die Qualität der Pflege sichern will, muss zunächst für Qualitätsstandards in der Ausbildung sorgen, denn gut und sicher pflegen kann nur, wer gut und sicher ausgebildet ist. Mit anderen Worten: Qualitätssicherung in der Pflege setzt die Qualität der Pflegeausbildung voraus. Ein Anspruch, den viele Altenpflegeschulen derzeit nur schwer erfüllen dürften“.

(Stracke-Mertes, A., 1994. Altenpflege-Ausbildung ohne Profil. In: Forum Sozialstation, Nr.
69/August 1994, S. 24-35.)

MfG DH

Zitat:
Man muss Realist und Idealist zugleich sein, um jedes von beiden richtig zu sein. - © Dr. Carl Peter Fröhling (*1933), deutscher Germanist, Philosoph und Aphoristiker



ilios1966
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RE: Pflegequalität und Pflegekompetenz 2005?

Beitrag von ilios1966 » Fr 1. Apr 2005, 21:54

hallo,ich kann Dich zwar verstehen,aber leider ist es doch so,dass die engagierten Pflegekräfte leider nicht in den Heimen arbeiten wollen,provokativ gesagt :D as ist der Weg des geringsten Widerstandes....

Klar in der Ambulanz ist man alleine unterwegs...im Tagespflegehaus ist es noch,besser,kleine Gruppen nur zu betreuen,wenig Pflege.. psychosoziale Betreuung pur (die auch mir sehr liegt!!!)

Aber auch wenn ich in einem super Haus arbeite,die wirklich offen sind
für alles ,gibt es sicher auch dort noch Verbesserungsmöglichkeiten,daher ist es mein Ziel während der Ausbildung die Mitarbeiter zum Denken zu motivieren,animieren.

Wenn ich mal fertig bin,möchte ich die Ausbildung zur WBL machen und dann auch in der Lage sein Dinge zu ändern,auf Mitarbeiter einwirken zu können etc......

Ich glaube Verbesserungen müssen statt finden,aber wer soll sie denn initiieren wenn nicht die E :yo xaminierten?die Aushilfen???Ich glaube es ist ein schwerer Weg,aber er lohnt sich!!!


Ich bin nicht nur für das verantwortlich was ich sage,sondern auch für das was ich nicht sage!

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youngold
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RE: Unterschiedlicher Ansicht

Beitrag von youngold » Sa 2. Apr 2005, 01:07

Hi Dirk,

ich weiss nicht, wo mein Text von heute nachmittag gelandet ist...
und möchte ihn daher hier nochmal kurz zusammenfassen:

Die Frage um punktuelles oder fallbezogenes Wissen interessiert
den Praxisanleiterinnen durchaus. Wir treffen uns regelmäßig und
arbeiten gemeinsam. Die Praxisanleiterinnen kommen von der Pflege-
basis, arbeiten direkt mit den Schülerinnen in der Pflege... Das zu
der Praxisfernekritik, die oft am fehlenden Engagement beider
Seiten (Theorie wie Praxis) scheitert. Da bin ich deiner Meinung
und verstehe deine Überschrift ganz und gar nicht, denn
"Unterschiedliche Ansichten" kann ich nicht entdecken...
Vielleicht beziehst du dich ja aber auch damit auf die Unterschiedliche
Ansichten zw. Theorie und Praxis, die ich aber erfreulicherweise für das
Institut an welchem ich tätig bin, nicht teilen kann.

Ich möchte folgendes anschließen: Während meiner 1. Ausbildung
als Kaufmann habe ich in der Berufsschule so gut wie nichts praktisches
gelernt. In der Praxiseinrichtung (Baumarkt) habe ich Fliesen verkauft...
In der Schule konnte damals keine Warenkunde erfolgen, weil meine Kollegen
andere Waren verkauften (z.B. Kleidung, Blumen, Lebensmittell, Getränke...).
Um so mehr schätzte ich dann während der Krankenpflegeausbildung,
dass wir in der Schule über das Katheterwechseln sprechen, dass ich
noch tagszuvor auf der Station gesehen hatte.
Ich begrüße also 100%ig, dass Praxis und Theorie zusammen gehören....
und kann nur sagen, dass ich sehr viel Wert auf Praktikabilität lege, wenn
ich etwas theoretisch darstelle, weil ich mich den Sachen selbst immer
wieder als Lernender stelle und mir nicht zu schade bin, mir von Praktikern
etwas sagen zu lassen.... Die sind dann allerdings auch schon mal recht
wortkarg, kann ich hier vielleicht mal verlauten..... Nun bin ich zum Glück
sehr oft in der Praxis und sehe dabei genug von der Pflegebasis.

Über die Noten sind die Praxiseinrichtungen natürlich zu informieren,
das finde ich auch. Darum ist auch in meinem Buch AUSBILDUNGSPLAN UND
NACHWEISHEFT FÜR DIE PRAKTSICHE ALTENPFEGLEAUSBILDUNG ein
solcher Vordruck. Zudem besprechen wir mit den Pflegeanleiterinen
nicht nur Problemfälle.

Ebenso bin ich wie du auch sehr davon überzeugt, Schüler individuell
zu fördern.... Ja, ich entschuldige mich, wenn ich merke, dass meine
Strategie eher entmutigend für den Schüler war... So was passiert
leider im Eifer des Gefechts... Aber ich kann vielleicht berichten, dass
mir Runde-Tisch-Gespräche (nämlich niemals hinter dem Rücken über
einen, sondern insbes. bei Probelmen gemeinsam mit SchülerIn und
AnleiterIn zu sprechen. Ich mache dabei keinen Unterschied, wie
engagiert der Schüler/die Schülerin ist.... Extrem Engagierte werden
ebenso versucht weiter zu fördern, wie die (was auch vorkommt) eher
enttäuschten, ernüchterten und demotivierten.... Das ist mein Job
und das macht mir Spaß..... Hinsichtlichh deines abschließenden Zitats sage
ich aber auch immer: Qualitätssicherung ist wie fünfmal LEBENSLÄNGLICH!

Viele Grüße
Friedhelm Henke

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Dirk Höffken
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Unterschiedliche Perspektiven

Beitrag von Dirk Höffken » So 3. Apr 2005, 18:26

Hallo Friedhelm,

die Überschrift “Unterschiedliche Ansichten” trifft es vielleicht nicht so ganz, “Unterschiedliche Perspektiven” passt wohl besser. Wir betrachten die Altenpflegeausbildung aus verschiedenen Blickwinkeln.

Ich zweifele nicht daran, dass viele Dinge in deinem Einflussbereich in einem so positiven Sinne verlaufen. Die Regel stellt es sicher nicht dar. Ich verlasse mich hier neben meinen praktischen Erfahrungen sehr stark auf empirische Ergebnisse.

Mal zwei davon:

1. Bei einer Befragung von Muthny & Bermejo im Jahre1999 zur Zufriedenheit mit der Ausbildung gaben nur etwa zwei Fünftel der Altenpflegekräfte an, nach subjektiver Meinung gut ausgebildet zu sein.

2. Becker/Meifort (1997, S. 175 f) befragten anlässlich ihrer Längsschnittuntersuchung Altenpflegeschülerinnen auch zum Thema „Abbruch der Ausbildung“. Erstaunlicher weise antwortete etwa ein Drittel der Befragten darauf mit ja. Dies bedeutet, dass sich 1.180 Schülerinnen mit dem Gedanken an einen Ausstieg vor Beendigung der Ausbildung befasst hatten.

Dies deckt sich nicht nur mit meinen nun seit 1999 gemachten Erfahrungen (sei dem beschäftige ich mit der Altenpflegeausbildung) sondern auch mit der von mir durchgeführten (kleinen) Studie.

Aus dem ergeben sich für mich folgende Forderungen (Beispiele):

1. Engere Verzahnung von Theorie und Praxis (bereits angesprochen) - Stärkere Stellung des Mentors bzw. Praxisanleiters. Hierzu zählt konkret:

- Anwesenheit der Lehrer beim Vor-, Zwischen- und Abschlussgespräch

- Mindestens 50% der Arbeitszeit müssen Mentor bzw. Praxisanleiter und Schüler gemeinsam Dienst haben (An der Stelle fallen jetzt vermutlich die Hälfte aller Stations- respektive Wohnbereichsleitungen in Ohnmacht ;-) )

- Der Mentor bzw. Praxisanleiter ist (mit der Leitung) allein weisungsberechtigt gegenüber den Schülern. Damit könnten (so hoffe ich) solche Auswüchse verhindert werden, wie z.B. das Schüler hinter Kollegen herlaufen müssen um nach der Körperpflege Handtücher u.ä. einzusammeln.

- Ab und an sollte der Mentor bzw. Praxisanleiter mal für ein- oder zwei Stunden am Schulunterricht teilnehmen, um sich wenigstens ein etwas tieferes Bild vom Unterricht an der Schule machen zu können.

- Die Unterrichtmaterialien stehen auch dem Mentor bzw. Praxisanleiter zur Verfügung. Dies dient der Vereinheitlichung des Informationsstandes und damit der Vereinheitlichung der Ausbildung. Dieses “Jeder lehrt wie es ihm gerade passt” führt auch zur Distanz zwischen Theorie und Praxis.

- Die Information über den schulischen Leistungsstand soll in die Praxiseinrichtung. Hier sind wir uns einig. Allerdings muss nicht die gesamte Einrichtung die Noten der Schüler erfahren. Anleiter und evtl. noch die Leitung sind ausreichend.

- Die Funktion der Stations- bzw. Wohnbereichsleitung und des Mentors bzw. Praxisanleiters darf nicht durch ein und dieselbe Person wahrgenommen werden. Die aus beiden Positionen entstehenden Interessenkonflikte sind in vielen Fällen nicht zu überwinden.

2. Ausbildung des Mentors bzw. Praxisanleiters

Die angebotenen Ausbildungen für die praktisch Anleitenden erfüllen bestenfalls die Mindestanforderungen. In Anbetracht der Tatsache, das die Lehrer in Zukunft meist diplomierte Pflegepädagogen sein werden, bedarf auch die Ausbildung der praktisch Anleitenden einer Reform.

Zudem muss sich diese Aufgabe endlich in der Vergütung niederschlagen.

Ich will meine Aufzählung hier beenden.

Meinen kurzen Ausführungen kannst du entnehmen, dass ich im Mentor bzw. Praxisanleiter, neben und mit der Schule, eine Schlüsselfigur sehe. Individuelle Förderung, hierauf bin ich nun nicht weiter eingegangen, ist mehr als nur Gespräche zwischen Schule und Praxiseinrichtung. Die gesetzlichen Vorgaben, welche selbstverständlich zu berücksichtigen sind, lassen hier genügend Spielräume zur Umsetzung. Mir ist durchaus bewusst, das einige Schwierigkeiten zu überwinden sind. Neben ökonomischen Zwängen müssen lang gepflegte Traditionen berücksichtigt werden. So wird es sicher schwer Schüler nicht mehr zur Kompensation von Personalengpässen zu nutzen oder als “Hilfspersonal” zu missbrauchen, sondern sie als das zu sehen was sie nun mal sind: AUSZUBILDENDE!!!

Kurzfristig wird dies höhere Kosten verursachen. Mittel- und Langfristig resultiert aus gut ausgebildetem und motiviertem Personal eine Einsparung von Kosten sowie ein erheblicher Imagegewinn nicht nur für die Altenpflege sondern auch für die einzelnen Einrichtungen.

Ich möchte mir nicht anmaßen eine abschließende Lösung für alle Probleme der Ausbildung parat zu haben. Vielleicht stellt so manches gar kein Problem dar. Du hast in diesem Bereich wesentlich mehr Wissen und Erfahrung. Einige meiner Vorschläge sind evtl. nicht umzusetzen andere wiederum nicht zielführend. Aus Fehlern lernt man ja bekanntlich. Trotz alledem sollten die Defizite in der Altenpflegeausbildung viel öfter thematisiert werden ohne gleich einen “Glaubenskrieg vom Zaun zu brechen”. Kritischer Dialog ist leider (noch) keine Stärke der Pflegeberufe.

MfG DH

Zitat:
Die Grundlage eines jeden Staates ist die Ausbildung seiner Jugend. - Diogenes von Sinope (um 400 - 323 v. Chr.), altgriechischer Philosoph und Satiriker



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