Pflegequalität und Pflegekompetenz 2005?

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youngold
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Beitrag von youngold » So 3. Apr 2005, 20:33

Hallo Dirk,

für einen kritischen Dialog, den die Pflegenden meiner Ansicht nach
führen, aber dem es oft an Selbsterkenntnis fehlt.. Vielleicht habe
ich diese Selbsterkenntnis nicht, wenn du von unterschiedlichen
Perspektiven sprichst.... Ich verspreche, mich weiter zu bemühen,
praxisnah zu denken, darf aber die Theorie dabei nicht ganz
vergessen (das ist nun mal mein Job und ich habe oft genug
schlechtes Gewissen, nicht genug Theorie vermittel zu haben,
weil es im Unterricht dann reichlich praxisfern und damit zu ein-
schläfend und eher entmutigend wäre)...

Alle deine Vorschläge kann ich nur fett unterstreichen... muss aber
manchmal auch resignierend daran denken, dass die so genannten
Qualtitätsstandards für Pflegeschulen erstmal auf Eis liegen, weil
noch nicht mal sicher ist, wie die Ausbildungen langfristig weiter-
finanziert werden.... In den Q-Standards stand z.B. das genügend
Pflegelehrer da sein müssen. Auch über die Qualifikation der Praxis-
anleiter/innen werden Angaben gemacht..., die deinen Vorschlägen
ähneln.....

Wenn es dich interessiert, findest du hier Infos über die Weiterbildung
zum/zur Praxisanleiter/in, die du aber evtl. auch schon kennst. Ich
hänge die pdf trotzdem mal.... Dort findest du ab Seite 108 den
Standard zur berufspädagogischen Weiterbildung zur Praxisanleitung
in der Altenpflege in NRW.

Was ich mir wirklch wünsche ist, dass es mehr engagierte Pflegende
wie dich gibt, die sich einbringen... Deine Studie ist sehr interessant,
ist gut, davon zu lesen...

Auch wenn ich verschrien werde, aber oftmals habe/hatte ich Auszu-
bildende, die froh waren, wenn sich niemand von der Schule blicken
lässt/ließ... Ich komme damit klar, weil ich mich davon nicht beein-
drucken lasse, sondern dann eher noch genauer hinsehe und mir
meine Gedanken mache und wenn ich ehrlich bin, manchmal die
Geduld verliere... Nicht auslassen möchte ich aber die vielen
engagierten Lernenden (auf beiden Seiten, bei den Anleitern, wie
bei den Schülern), von denen ich mir in Sachen Geduld dann einige
Scheiben abschneiden kann, und die mich immer wieder ermutigen
weiter zu machen.

Viele Grüße
Friedhelm Henke


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benny34
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Beitrag von benny34 » Mo 4. Apr 2005, 01:12

Hallo!
Wir wollen hier ja nicht vom Thema abweichen :-)

Hier mal ein paar "Nachtgedanken", die ich mir heute während des Frühdienstes notiert habe (alles reale Situationen):
1)
- Frage: "Wie haben sie denn heute nacht geschlafen?" (obwohl sich eine solche Frage in einem Altenheim generell erübrigt)
Antwort: " ich hab kaum geschlafen - mache ich sowieso selten, wenn überhaupt"
Frage: " warum?"
Antwort:" weil die Nachtschwestern so oft zu meiner nachbarin müssen ( Info: nachbarin ist Pflegestufe 3, betroffene Person ist PFLEGESTUFE 0!!!) )

Kommentar: was soll das? was hat eine geistig vitale person dort zu suchen?

2)
Kommentare zum Essen:
" das Essen ist immer kalt"
" es gibt ständig das gleiche" ( wo sie recht haben....5x die Woche Fleisch in diversen Variationen, aber immer das selbe Essen, keine Abwechslung)
" jeden Freitag: Spinat, Kartofelbrei, Rührei"
" jeden samstag: Suppe, Eintopf"
Kommentar: alleine dafür gehört der dortige Koch schon geprügelt !!
Das dürfte aber anderswo ähnlich sein - oder??

3) Folgendes stelle ich mit Schrecken fest:
Die Bewohner werden nach und nach "institutionalisiert", dem haus angepasst. Alle Funktionsbereiche (Küche, pflege usw. sind so ausgerichtet in ihren Arbeitszeiten, das die Bewohner sich diesen fügen müssten. dabei sollte es gerade anders herum sein!!

Mit diesen Dingen habe ich auch aus folgendem Grund ein Problem:
Obwohl ich gerade mal 42 jahre alt bin, mache ich mir doch Gedanken über mein Alter und wie ich es verbringen möchte. Und da habe ich keinerlei faule Kompromisse vorgesehen.
Wenn ich morgens um 10 erst aufstehen möchte, dann ist das so! Da brauch mir keiner kommen von wegen: "es gibt aber Frühstück!"
Dann frühstücke ich eben nicht. Und auch das geht dann niemanden etwas an .

Dabei belasse ich es erst mal.



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youngold
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Beitrag von youngold » Mo 4. Apr 2005, 18:55

hallo Benny,

ja danke, kehren wir zum Thema Pflegemissstände zurück:
Ich möchte versuchen, konkret zu deinen Punkten Stellung
zu nehmen:

1. "Geistig vitale Bewohnerin bei einer Schwerstpflegebedürftigen":

Du kennst die Lage vor Ort besser, denn mich würde interessieren,
ob die geistig vitale Bewohnerin, dieses ausdrücklich wünscht oder
gar nicht gefragt wurde. Letzteres macht es dann noch schlimmer...
und sollte der Heimaufsicht mitgeteilt werden, finde ich.

2. "Kaltes Essen, wenig abwechslungsreiches Essen":
Also, eigentlich dachte ich, dass sich das wenigstens mittlerweile
verbessert hat... Bereits 1989 musste ich z.B. den Milchreis aus
meinen Pötten kratzen, damit auch die Leute dieses Milchreis-
gericht und nicht den Kartoffelpürree und das pürrierte Fleisch
bekamen... Ich sehe heute noch die enttäuschten Blicke der
Bewohner, denen einfach immer Pürree bestellt wurde und die
erst gar nicht gefragt wurden und folglich keine Menü-Wahl hatten...
Ich finde das unter aller Würde... Essen ist für viele Bewohner,
wohl mit das einzige worauf sie sich noch freuen... Das sollte viel
ernster genommen werden... Dabei sind viele alte Menschen schon
zufrieden, wenn sie zwischen zwei Menü´s wählen können.... So
verwöhnt wie unsere Generation, wo jedes Möhrchen ungespritzt
und jedes Ei von Biobauer sein muss, sind die älteren Menschen ja
noch nicht....

3. "institutionalisierte Bewohner"
Es ist wahrlich himmelschreiend zu lesen, wie du das beschreibst...
Die oben erwähnte ältere Generation, passt sich tatsächlich an und
merkt wahrscheinlich gar nciht, wenn über sie verfügt wird. Gott sei
Dank verändert sich das aber, so dass ich auch davon ausgehe, dass
das Altenheim als Lebensform für das Alter zukünftig an Boden verliert
und stattdessen mehr und mehr Einrichtungen wie Betreutes Wohnen
und Alterswohngemeinschaften in Anspruch genommen werden... Altenheime
werden die reinsten Pflegestationen, befürchtete ich und hoffe, dass
die Pflegenden und sonstigen Verantwortlichen dort, damit umgehen
können.

Viele Grüße
Friedhelm Henke
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