Opa Erich

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johannes
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Opa Erich

Beitrag von johannes » Sa 16. Apr 2005, 00:44

was in einem Heim nie passieren kann, wurde mittels Videosignal einer Funkvideoüberwachungsanlage in einer Privatwohnung über den Äther gesandt und von einem Funkamateur aufgenommen:

Ein 91-jähriger Pflegebedürftiger wird hin und hergeschüttelt und geschlage von der Tochter seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Getränk und Nahrung wird ihm so schnell eingetrichtert, daß er nicht richtig schlucken kann und dabei ausgiebig beschimpft. "Mach's Maul auf du Sau, du Drecksau".

Beim frisch machen wurde er hin und hergeschubst und wieder aufs Wildeste beschimpft. Als die Polizei auf Grund der Videoaufzeichnungen des Senders RNF (Rhein-Neckar-Fernsehen) seinen Aufenthaltsort ausfindig machen, stehen sie vor unvorstellbaren Zuständen in der Wohnung. Noch im Haus muß der alte Herr notärztlich versorgt werden.

Bei einer Größe von 1,68 m wiegt er nur noch 48 kg. Nach einer Behandlung im Krankenhaus wurde er in ein Pflegeheim verlegt und beginnt wieder zu leben. Er lernt wieder lachen, reden und essen.

Warum fiel dies bei Kontrollbesuchen von Pflegediensten nicht auf? Während in stationären Einrichtungen die Kontrollen unangemeldet erfolgen, geschieht dies mit mehreren Wochen Voranmeldung. Wie hoch die Dunkelziffer solcher und ähnlicher Vorgänge in der häuslichen Pflege ist, ist nicht einzuschätzen.

Auch wenn viele Angehörige liebevoll mit ihren Pflegebedürftigen umgehen zeigt dieses Beispiel, daß auch anderes vorkommt. Mal ist es Überlastung, mal auch Geldgier oder schlichtes Unvermögen. Fest steht: Das, was hier über den Äther flimmerte, ist in einem deutschen Pflegeheim undenkbar.

So gesehen in der Reportage des RNF am 15.04.2005 um 23:30 Uhr mit Livebildern aus der Wohnung´


Ein Mensch existiert nicht - er lebt!
Keiner ist so blind wie der, der nicht sehen will.
Ich vertrete nicht immer die herrschende Meinung - aber ich habe eine Meinung!
Einer sucht für ein Problem eine Lösung - ein Anderer sucht für eine Lösung ein Problem

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country232
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Beitrag von country232 » Sa 16. Apr 2005, 11:40

Auch ich habe diesen Beitrag gesehen , und muss sagen das ich darüber sehr erschüttert war ,
So was Passiert leider viel zu oft.

So wie folgendes Beispiel :
eine Ältere Frau wohnt neben an im Haus des Sohnes , dieser ist in der Woche auf montage . Die Frau kann sich nicht selber versorgen , und wird (angeblich liebe voll) von der Schwiegertochter und deren Kindern versorgt.
in wirklichkeit wurde die Frau in ihrer Wohnung eingeschlossen , und es wurde ihr so gut wie alles ab genommen . Sie konnte sich noch nicht mal mehr einen Tee zuhause machen . Zwei mal am Tag brachte einer der Kinder ihr was zu essen und etwas zu Trinken .
da die alte Frau sehr auf ihr äusseres bedacht war , hatte sie bald keine saubere Kleidung mehr , und bat die Schwiegertochter etwas zu Waschen , aber diese weigerte sich , die Frau vereinsamte , sie konnte nicht raus da sie eingeschlossen war , und hatte keiner Lei kontakt nach aussen . Bis sich die Geschwister der Frau sorgen gemacht haben und da hinter gekommen sind .
Die alte Frau wurde um gehend in ein Pflegeheim gebracht!
Sie ist mittlerweile verstorben , hat aber auch nie wieder richtig vertrauen fassen können .

Das Passierte in meiner näheren Umgebung( genauer in meiner unmittelbaren Nachbarschaft ) Sie war so was wie meine Tante!
Keiner der Nachbarn hat etwas mit bekommen !

Mich ärgert so was , wie kann Jemand einen Menschen so unwürdig behandel , wir werden alle einmal älter. Wollen wir dann so Behandelt werden? also ich nicht!

Ich kann von mir sagen , das ich die Menschen in meiner Umgebung so behandele, wie ich selber auch behandelt werden möchte.



Triexi
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Beitrag von Triexi » So 17. Apr 2005, 13:23

Hallöchen ihr Lieben,

Mal ganz ehrlich das Pflegepersonal denkt manchmal die Oma die im Bett schreit das geht mir am Arsch vorbei und viele Familienangehörige machen nichts weil diese Angst haben das Pflegepersonal könnte die Oma oder denn Opa raus werfen und die Familie hat dann Oma oder Opa am Arsch also halten die Familien ihre klappe und fertig.

In der Häuslichen Pflege geht es heute so ab das die familie das geld ab kasiert und scheiß dreck auf Oma und Opa hauptsache das Geld stimmt und einmal im jahr fahren wir in denn Urlaub.

Dazu kann ich nur sagen Armes deutschland wenn ich mit älteren Personen im Kontakt trette und diese fragen mich ob ich helfen kann dann mache ich es weil ich mich freue von ihnen ein dankendes lächeln zu bekommen, das ist mir viel mehr wert als ein Blumenstrauß der verwelgt oder einen 10 Euro schein. Ein lächeln bleibt immer im Herzen der Menschen die denn älteren leuten geholfen haben und es sagt mehr als alle anderen Geschenke die man bekommt.

LG

Triexi



Roli-2002
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Beitrag von Roli-2002 » Mo 18. Apr 2005, 22:45

Die Menschen sind oft überfordert. Eine 24h Laienpflege mit einer Bezugsperson kann auf Dauer äußerst belastend sein. Meist finden diese Menschen keinen mit denen sie über ihre Belastung sprechen können. Die Gründe sind vielfältig : Erziehung, Finanzielle Abhängigkeit, Gesellschaftlicher Zwang oder Scham können solche Gefährlichen Situationen verursachen.

Es wird in den nächsten Jahren wichtig sein auch in diesem Bereich Aufklärung zu betreiben.



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Rüdiger
Beiträge: 97
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Beitrag von Rüdiger » Di 19. Apr 2005, 13:38

Hallo johannes!
Das ist ja ein erschütternder Bericht. Aber wieso kommst Du auf die Idee, dass so etwas nicht auch in einem Heim passieren kann?
Ich habe vor kurzem einen Bericht über ein Pflegeheim gesehen. Der Angehörige einer Bewohnerin hatte eine Kamera in dem Zimmer versteckt und da wurden auch ähnliche Bilder gemacht. Die Bewohnerin (bettlegerig und dement) hatte sich beim Drehen die Beine im Bettgitter verhakt und kam nicht mehr raus. Die Pfleger kamen und haben die Frau beschimpft und dann die Klingel außer Reichweite gehangen. Auch die Kontrollgänge des Pflegepersonals wurden bemängelt. Sie sollten die Bewohnerin alle 2h lagern (wg. Decubitusgefahr) und Inkomaterial wechseln. Lagern und Inkomaterialwechsel alle paar Stunden nur und nicht wie vorgeschrieben.

Die Folge war nicht etwa die Abmahnung oder Entlassung der Pfleger, sondern der Angehörige bekam eine Anzeige wegen der Aufnahmen (Verletzung des Rechtes am eigenen Bild).

Viele Leute, die eine 24h Betreuung bei ihren Angehörigen gemacht haben, werden das nicht noch einmal machen wollen.

@Triexi
Das Geld wird meist kassiert um in den Urlaub zu fahren. Wenn es um die Zuzahlung zur Pflege geht, dann ist oft kein Geld da. Es könnte ja etwas vom Erbe abgehen. Vielleicht beziehe ich dafür Prügel, aber ich habe ein Kreuz wie Eddi.

Liebe Grüße Rüdiger

PS: Eddi war eine Mücke


Die Sachsen haben sich zur Unterscheidung den Titel "Freistaat" zugelegt. Als wenn man die nicht an der Sprache unterscheiden könnte. Lothar de Maiziere, Jurist und Politiker

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Tani
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RE: Opa Erich

Beitrag von Tani » Fr 29. Apr 2005, 08:27

Hallo erstmal! Auch ich habe besagten Bericht gesehen....
Und auch ich weiß um die Probleme in der professionellen Pflege, sei es Zeit- oder Personalmangel.
Trotzdem gibt es leider immer noch Pflegekräfte, die ihr Berufsbild falsch verstehen. Pflege ist mehr denn je eine Dienstleistung, soll heißen nicht nur die Patienten/Bewohner sind auf uns angewiesen, sondern WIR sind auf die Patienten/Bewohner angewiesen. Das ist doch unser Job...
In der häuslichen Pflege (Angehörige) liegt die Sache sicher etwas anders. Es fehlt oft die Kompetenz und/oder die Geduld, sich mit der Pflege auseinanderzusetzen. Daraus resultiert die Überforderung und die Situation eskaliert (wie im Bericht). Aber auch ich kenne Angehörige, die pflegen liebevoller und professioneller als manche ausgebildete Pflegekraft.


Liebe Grüße von Tani und den wilden Kerlen Felix und
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doedl
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Beitrag von doedl » Fr 29. Apr 2005, 17:59

Hallo Alle

erstmal danke an Johannes für den Beitrag; ich habe das Video auch gesehen.

Gewalt passiert in deutschen Pflegezimmern- ob in der häuslichen oder der stationären Pflege. In Heimen wird sie schneller aufgedeckt, in der häuslichen Pflege können solche Taten jahreland unentdeckt bleiben.

Die Pflegeeinsätze der Pflegedienste müssen natürlich angemeldet sein; wie anders ist zu gewährleisten, dass auch jemand die Haustüre aufmacht. Ich habe selbst jahrelang solche Einsätze gemacht- und überwiegend gute Pflege attestiert. War dies nicht der Fall, so gab es eine Meldung an den Medizinischen Dienst. Wie Renate erzählte, hatten solche Meldungen bei ihren Einsätzen nicht den gewünschten Effekt, da der MDK nicht einschritt- auch das gibt es.

Omi beschreibt sehr gut, unter welchen enormen Druck sie steht- wir Profis wissen, dass nur der auf Dauer gut pflegen kann, dem es selbst gut geht. Meist versagt der Familienverband kläglich, wenn es darum geht, Pflege auf mehreren Köpfen zu verteilen. Einer muss dann herhalten und darf sich oft noch Vorwürfe anhören, wenn es dann zuhause wirklich nicht mehr geht und der Einzug ins Heim bevorsteht.

Was den Beitrag von Trixie angeht, so kann ich nur sagen, dass Pflege früher nicht grad besser war als heute.........hätte da ein paar Stories auf Lager.

Mir missfällt entschieden diese Schwarz- Weiss- Malerei und die Entwicklung von Feindbildern. Die Altenpflege heute ist das Ergebnis gesellschaftlicher Vorgänge; wir stehen vor der Tatsache, dass die Pflege bald nicht mehr bezahlbar sein wird. Ohne den Beitrag von Menschen wie Omi wären wir heute schon am finanziellen Kollaps des Pflegeversicherungssystems angelangt.

Danke an Tani für ihren sehr professionellen Beitrag; das was ich im QM als Kundenorientierung verstehe, hat die Heime schon längst erreicht. Gottlob gibt es genug Auswahl an Pflegeplätzen, so dass Einrichtungen mit schlechtem Ruf nicht mehr zwangsweise gewählt werden müssen.

Lieben Gruss Doedl

http://www.temporaire.info


Wir müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen wollen- Mahatma Gandhi

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