Narkose bei Organentnahme

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Dirk Höffken
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RE: Narkose bei Organentnahme

Beitrag von Dirk Höffken » Mi 18. Feb 2004, 20:27

Hallo Micha.

Nein, der hirntote Mensch hat keine Gefühle mehr und spürt folglich auch keine Schmerzen.

Es ist allerdings möglich das es bei den operativen Maßnahmen am Organspender zu „physiologischen Reaktionen“ kommt, z.B. einer Steigerung der Herzfrequenz. Um dies zu Verhindern werden z.B. Schmerzmittel verabreicht.

Alle Maßnahmen nach der Feststellung des Hirntodes dienen ausschließlich der Erhaltung der Funktionsfähigkeit der zu entnehmenden Organe.

Edit: Ich möchte an dieser Stelle noch Anmerken, dass das Konzept des Hirntodes nicht ganz Unumstritten ist. Für mich ist ein hirntoter Mensch jedoch Tod.

MfG DH

Zitat:
Es gibt ein Leben vor dem Tod. - Drafi Deutscher (dt. Sänger)



Dirk Höffken
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Wann ist ein Mensch tot?

Beitrag von Dirk Höffken » Mi 11. Aug 2004, 21:50

Hallo.

Irgendwie bin ich über meine Antwort nicht mehr so ganz glücklich. Mag sie Objektiv und nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft auch noch so Richtig sein. Hier neige ich oft zu unangebrachter Sachlichkeit. Stecke in einem Zwiespalt.

Für die Angehörigen liegt da nicht der Patient, der Lebensretter eines ansonsten unheilbar Kranken oder gar ein „Ersatzteillager“. Sondern das Kind, der Partner, ein Freund oder ein Elternteil.

Zum Beginn des 21. Jahrhunderts sind es nicht mehr die Aspekte von Leiden und Tod, die Beachtung finden, sondern die pragmatischen. Die technischen Möglichkeiten haben neue Fragen entstehen lassen, ohne die alten gelöst zu haben. Die hier entscheidende Frage lautet: Wann ist ein Mensch tot? Wenn das EEG Null-Linien anzeigt? Oder keine Pupillen- und Schmerzreaktion mehr ausgelöst werden kann? Oder....?

Zumindest eines ist sicher: Alleine sind die Mediziner bei dieser Frage überfordert!

MfG DH

Zitat:
Die Organtransplantationen schaffen verzwickte theologische Probleme für den Tag der Auferstehung. - Gerard Hartley , Nähere Autorenangaben nicht feststellbar.



Dirk Höffken
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Menschenwürde

Beitrag von Dirk Höffken » Do 12. Aug 2004, 13:42

Hallo Joe.

Es gibt viele positive Berichte, die glauben machen, dass durch die Organtransplantation überwiegend positives bewirkt wird. Der Spender ist bereits Tod. Dem Empfänger wird die Möglichkeit gegeben weiterzuleben. Wir beruhigen unser Gewissen mit diesem Denkmuster. Wird den Angehörigen dann auch noch zeitlich unbegrenzte Hilfe zuteil, sind wir vollends von unserer Handlung überzeugt.

Ist es so einfach? Wohl kaum!

Im Blick auf das Sterben geht das Schutzrecht des einzelnen Menschenlebens vor jedem anderen Recht, also auch vor Anspruchsrechten eines ansonsten tot geweihten Kindes . Allein das freie persönliche Opfer kann dieses Schutzrecht außer Kraft setzen. Ohne es im Ganzen aufzuheben. Das ergibt sich schon aus dem Grundrecht der Menschenwürde. Einem Grundrecht, welches auch über den physischen Tod hinaus bestand hat.

Artikel 1 Grundgesetz (Schutz der Menschenwürde)
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.


Die Organtransplantationspraxis missachtet elementare Gebote der Menschenwürde. Die schuldige Würde wird dem „Hirntoten“ verwehrt, indem er sein Sterben nicht als ureigenes, von Interessen Dritter unbehelligtes Geschehen vollenden darf. Auch die den Angehörigen geschuldete Würde wird in der heutigen Organbeschaffungspraxis missachtet, indem den Angehörigen zugleich mit der Mitteilung vom (nahenden) Tod eines Angehörigen die Bitte vorgetragen wird, dem durch intensivmedizinische Maßnahmen am „Leben“ gehaltenen lieben Menschen Organe zum Zweck der Transplantation entnehmen zu können. Dass dabei mit großem moralischem Druck versucht wird, dem Tod des Sterbenden einen fremdbestimmten Sinn zu verleihen („Überlegen Sie: Die Organe Ihres Kindes können ein Menschenleben retten. Dann war der Tod wenigstens nicht Sinnlos!“), ist eine weiterer unverzeihliche Verletzung der Menschenwürde. Gegenüber dem Sterbenden (Toten), seinen Angehörigen und sogar gegenüber der Empfängerseite.

MfG DH

Zitat:
Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann etwas anderes als Äquivalent gesetzt werden; was dagegen über allen Preis erhaben ist, hat seine Würde. - Immanuel Kant (1724-1804), dt. Philosoph



Jutti
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Beitrag von Jutti » Do 12. Aug 2004, 13:44

Hi Joe
puhh... das ist aber lang geworden.... naja, is auch nen schwieriges Thema........
Herzlich Willkommen bei uns und ein dickes Kompliment für die Art und Weise, wie intensiv du von verschiedenen Seiten eine Problematik beleuchtet hast.
Ganz sicher kann sowas nie zu lang sein, denn es gibt nie nur schwarz oder weiß, ganz besonders bei so schwierigen Themen nicht.

viele Grüße
Jutti



Dirk Höffken
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Vertrauen

Beitrag von Dirk Höffken » Do 12. Aug 2004, 20:13

Hallo Joe.

Mal so am Rande: Auch wenn es nicht so aussieht bin ich ein Befürworter der Organtransplantation. Besitze einen Spenderausweis und meine Angehörigen sind für den Fall der Fälle über meinen Willen informiert. Ich rate jedem zu diesem Schritt.
@ Joe
...„Kein Empfänger lebt auf kosten eines anderen weiter, da der spender ja schon tod ist.....“...
An dieser Stelle schließt sich der Kreis. Denn Wissen wir ohne jeden Zweifel, dass der Patient Tod ist? Wissen wir ohne jeden Zweifel das er nichts mehr mitbekommt? Beantworten wir diese Frage mit einem Nein belügen wir potentielle Spender und/oder deren Angehörige. Denn die überwiegende Anzahl glaubt uns in der entscheidenden Stunde. Sie glauben uns wenn wir ihnen sagen der Patient ist Tod!

MfG DH

Zitat:
Vertrauen Sie denen, die nach der Wahrheit suchen, und misstrauen Sie denen, die sie gefunden haben. - Andrè Gide



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