nächtliche Pflege und deren Kosten

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youngold
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Die Prinzessin auf der Erbse

Beitrag von youngold » Sa 11. Jun 2005, 09:47

Hallo.

- Wechseldruckmatratzen auf denen mehr als ein
locker aufgelegtes (nicht eingespanntes Bettuch) liegt,
wirken nur bei der Prinzessin auf der Erbse.

Diese sagt am andern morgen, dass sie (obwohl der
Prinz sie auf 10 Matratzen gebettet hat) kaum geschlafen
habe, weil etwas gedrückt habe....

Nun bin ich kein Prinz und habe auch noch nie eine
Prinzession gepflegt "lol". Also musste ich trotz
Wechseldruckmatratze immer umlagern....

Das hat aber nicht nur Sinn zur Dekubitusprophylaxe,
sondern wie im nationalen Expertenstandard Dekubitus-
prophylaxe steht auch zur Mikrostimulation...

Im Vordergrund stehen also auch wie in obigen Antworten
oft genannt Kraft und Balance des zu Pflegenden. Wechsel-
druckmatratzen und fehlende Umlagerungen "passivieren".
Der Mensch ist noch mehr zum Dahindämmern verurteilt.
Was Pflegebedürftige brauchen ist in erste Linie menschliche
Zuwendung... gut, dazu muss er nicht nachts alles 2 Stunden
wachgerüttelt werden.

Jetzt sollen Mikrobewegungen tagsüber alle 15 min!!! und
nachts alle 60 min!!! erfolgen, so das KDA (Kuratorium
Deutsche Altenhilfe in Köln). Ich bin froh, dass es sich
durchgesetz hat 2-stündliche Lagerungspläne möglichst
einzuhalten. Mit den jetzt geforderten Mikrobewegungen
kann meiner Ansicht nach nur individuell (bei Bedarf)
interveniert werden, wennso etwas übehaupt die
derzeitige personelle Besetzung in den Einrichtungen
zulässt.

Mikrostimmulation hört sich aber gewiss schlimmer an
als es ist... Ein Beispiel: Schüttele ich dem Bewohner/
Patienten die Hand und sage guten Tag oder ziehe ich
nur ein bisschen an einem Lagerungskissen sei
(z.B. tagsüber) meine 15 minütige Mikrostimulation
bereits geleistet.... ;-) Na dann, ran an die Stimuli :-) ))

Viele Grüße
Friedhelm Henke
http://www.gutes-alter.de



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johannes
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Wechseldruckmatratze: ja oder nein wäre zu einfach

Beitrag von johannes » Sa 18. Jun 2005, 19:20

Zunächst einmal ist die Aussage, daß Pflegeheime die Wechseldruckmatratzen nicht einsetzen, weil sie dann eine höhere Pflegestufe erreichen können und mehr Kohle machen, nur als dumm zu bezeichnen. Zum Ersten setzen die meisten Pflegeheime Wechseldruckmatratzen häufiger ein, als man sich vorstellt, sonst wären die Hersteller dieser Systeme längst Pleite.

Zum Zweiten wird den Pflegeheimen vorgeschrieben, eine aktivierende Pflege zu praktizieren, wobei der Bewohner mobilisiert wird. Das heißt, er soll möglichst aus dem Bett heraus. Seine Fähigkeiten sollen erhalten werden und ggf. wiedererlangt werden. (SGB XI § 28 Abs. 4 Pflegeversicherungsgesetz) Und so wird bei uns gearbeitet! Es gibt nur wenige Situationen, die einen 24-stündigen Aufenthalt im Bett erfordern. Da vom Gesetzgeber an Heime andere Anforderungen gestellt werden, als an privat Pflegende, sind diese beiden Bereiche, wenn überhaupt, nur schwer vergleichbar.

Viele Hilfsmittel werden entwickelt, um die Arbeit zu erleichtern. Je nach Situation und Anwendungsbereich hat dann auch jedes Hilfsmittel seine Berechtigung.

Die Vorteile einer Wechseldruckmatratze, richtig angewandt, wären in der Hauptsache, daß
-regelmäßige Druckentlastung gegeben wäre
-die Druckentlastung in kürzeren Zeitabständen erfolgte, als dies realistisch auf manuellem Wege möglich ist
- eingesetzt, bevor ein Druckgeschwür entstanden ist, dieses meist verhindert wird
Dem stünden die Nachteile gegenüber, daß der Benutzer
- einer ständigen Schaukelei ausgesetzt ist ohne eine Chance, jemals Ruhe zu bekommen
- ununterbrochen die Geräusche des Pumpenmotors ertragen muss
- Immobilität gefördert wird
- vorhandene Druckgeschwüre oft länger zur Heilung benötigen
- die hieraus erwachsenden Möglichkeiten meist nicht ausnutzen kann, weil die richtige Handhabung nicht praktiziert wird. Der Benutzer wähnt sich in einer falschen Sicherheit.
- Prophylaktische Maßnahmen häufig unterbleiben und an Stelle eines Druckgeschwüres andere Probleme treten: Versteifung von Gliedmaßen (Kontrakturen), Lungenentzündung (Pneumonie), Muskelschwund, und verschiedene andere Probleme.
Es kommt halt zum einen auf den sachgemäßen Gebrauch dieses Hilfsmittels an und zum anderen darauf, ob die Nutzer ihre Verantwortung nicht an die Matratze abgeben und denken: "Ich hab ja jetzt eine WD und da brauch ich nicht mehr viel tun!" Schließlich ist es auch eine Frage der Toleranz gegenüber den Begleiterscheinungen einer WD. Ich für mein Teil möchte nicht 24 Stunden lang immer wieder hin und her geschaukelt werden. Und ich möchte auch nicht 24 Stunden lang das Gebrumme des Motors ertragen müssen. Darum ziehe ich auch im Bedarfsfall eine Weichlagerungsmatratze einer WD vor.


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