müssen Angehörige lernen bei Besuchen mit den Krankheiten umzugehen??

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andrea
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müssen Angehörige lernen bei Besuchen mit den Krankheiten umzugehen??

Beitrag von andrea » Fr 27. Jun 2003, 08:00

Hallo,
Ich hatte auch ein Erlebnis mit einer Angehörigen was mich bis heute beschäftigt.Es handelt sich um einen Ehemann in der gschlossenen Gerontopsychiatrie und seiner Ehefrau.Er ist in seiner Demenz weit fortgeschritten und saß am Tisch beim Essen.Wie immer lief ihm die Nase und seine Frau gab ihm ein Taschentuch.Es lagen aber noch ein Einmalwaschlappen und Zellstoff an seinem Platz.Er legte das Taschentuch zur Seite nahm eines der anderen und das immer wieder.Je länger das andauerte umso böser wurde die Ehefrau und er reagierte auf das Schimpfen auch mit Schimpfen.Die Situation eskalierte und versetzte seiner Frau eine Ohrfeige die sie ihm postwendend wieder gab.Ein exa.Krankenpfleger kam herbeigeeilt tröstete die Ehefrau und schimpfte mit dem Mann.Ich würde gern eure Meinung zu dieser Geschichte hören da ich selbst der Meinung bin dass die Ehefrau durch ihr provozieren diese Ohrfeige herausgefordert hat und es sicher abzusehen war dass die Situation so endet.War es richtig ihn auszuschimpfen(ich habe in der Schule gelernt dass man die Leute noch mehr verwirrt und man das nicht tun sollte)hätte man statt die Ehefrau nur zu trösten ihr nicht auch in Ruhe erklären können???Ich war in dieser Situation ziemlich geschockt und habe dem Kollegen gesagt was ich denke. Er war gekränkt weil er der Meinung war ich als Schüler würde meinen schlauer zu sein als er.Er ging damit aber erst zum Chef der mir unmißverständlich klar machte dass die Situation angemessen behandelt sei und dass der Ehemann nicht schlagen dürfe die Provokationen seitens der Ehefrau seien Privatsache der Beiden.
Vielleicht seh ich das falsch und brauch noch ein paar Erklärungen um diese Situation "richtig"einzuordnen.
liebe Grüße Andrea


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andrea
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Danke für deine Antwort

Beitrag von andrea » Fr 27. Jun 2003, 22:16

hi Fibula
:lol bin ich froh dass ich mit meiner Meinung nicht allein da steh,aber das Ausschimpfen des Herrn war einfach überflüssig.Es war passiert und ich denke es hätte gereicht wenn er nur die Gattin getröstet hätte,ich hatte kurz danach mit ihr geredet und verstehe auch was du sagst, sie war wirklich völlig fertig und weinte aber sie war nicht böse als ich ihr sagte dass sich ihr Mann durch diese Krankheit so verändert hat und das, wenn er gesund gewesen wäre, sicher nicht so gemacht hätte.(sie sicher auch nicht)Ich denke so ein Gespräch hätte es auch getan.In manchen Praxiseinsätzen hat es ein Schüler echt schwer wenn ex.meinen sie müßten sich nicht einmal die Mühe machen über das was sie tun nachzudenken oder über das was Schüler sagen und denken sondern sich auf den Schlips getreten fühlen. :wave liebe Grüße und danke


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Hachi
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RE: müssen Angehörige lernen bei Besuchen mit den Krankheiten umzugehen??

Beitrag von Hachi » Sa 28. Jun 2003, 10:19

Angehörigenarbeit...jaja...schwierige Kiste.
Ein Hauptgrund, warum so viele Pflegekräfte in die Nachtwache wechseln. Da haben sie dann kein Theater mit Angehörigen und gehen elegant möglichen Konfliktsituationen aus dem Weg.

Zum Thema Examinierte, die sich nix sagen lassen, sich auf den Schlips getreten fühlen usw....Peinlich! Eigene Kritikfähigkeit zeichnet eine gute Pflegekraft aus und gehört zum Handwerkszeug im Beruf. Ich finde, daß die Personalkompetenz genau den gleichen Stellenwert hat, wie z.B. Sozial- und/oder Fachkompetenz! Fehler sehen, eingestehen und korrigieren, ständiges Lernen...dabei springt einem doch kein Zacken aus der Krone! Auch nicht bei Kritik/Anregungen von Schülern, ob nun berechtigt oder nicht...Hülfeeeeeee vor so selbstherrlichen Fachkräften :eek



andrea
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RE: müssen Angehörige lernen bei Besuchen mit den Krankheiten umzugehen??

Beitrag von andrea » Sa 28. Jun 2003, 13:24

X( Na ja in dieser Einrichtung wird es aber von Teamleitung vorgelebt.Sie hält sich selbst für Gott und andere Ideen werden nur aufgegriffen wenn es der Teamleitung passt.Wie sollte dann sein Team auf Schüler reagieren,da sind sie dann eben die Großeren.
Folgendes Beispiel damit du verstehst was ich meine.Ich hatte ja erwähnt dass besagter Pfleger zur leitung gegangen ist weil er sich gekränkt gefühlt hat.Ich bin zwei Tage später zu ihm gegangen weil er immer so fies geguckt hat.Höflich an die Tür geklopft und gefragt ob er kurz Zeit hätte.Nach der Klärung meiner Frage bekam ich zum Schluß noch den Satz:"Ich in meiner Schülerlaufbahn hätte es mich nie getraut an die Tür meines vielbeschäftigten Chefs zu klopfen und um ein Gespräch zu bitten.Er fände ´das schon sehr eigenartig dieses Verhalten. :rolleyes: Eben Gott :eek Diese leitung hat tolle Ideen für die Bewohner tut sehr viel Gutes,auch für das Pesonal aber er läßt keine anderen Meinungen als seine zu,und die Mitarbeiter wissen das und können mehr oder weniger gut damit umgehen.Also kein Wunder dass die Pflegekräfte sich in einer Situation mit einem Schüler nicht selbst reflektieren wollen.Das war eine völlig neue Erfahrung für mich die mich im ersten Moment so geschockt hat dass ich selbst nicht mehr genau wußte ob ich in Bezug mit dem Ehepaar richtig liege und völlig falsch gehandelt habe.Deshalb war mir die Meinung von anderen auch sehr wichtig.
:wave und lieben Gruß :yo


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Beitrag von doedl » Mo 30. Jun 2003, 09:19

Hallo Andrea,

Du hast recht........

gerade in der Gerontopsychiatrie ist es unendlich wichtig, dass Angehörige mit dem Krankheitsbild vertraut gemacht werden. Wenn heute ein Mensch ein gebrochenes Bein hat, und mit einem Gips auf Krücken geht, nimmt es ihm jeder ab, dass er damit nicht Wettrennen laufen kann.

Anders bei Erkrankungen der Psyche..... hier wird von den Angehörigen vieles hineininterpretiert, was nicht stimmt- der macht das weil

er mir was heimzahlen will
weil der boshaft ist
aus Trotz etc etc etc

Dazu kommen noch viele nicht ausgelebte Konflikte aus der Vergangenheit, oft der Anlass dazu, es nun dem Pflegebedürftigen "heimzuzahlen".

Hilfreich sind Angehörigenabende, in denen erklärt wird, wie das Krankheitsbild Demenz beschaffen ist und welche Ausfallerscheinungen es gibt. Wissen Angehörige erst mal um die Fakten, so ist es leichter für sie, mit der Erkrankung umzugehen.

Ich habe so einen Vortrag mal vor Angehörigen gehalten und die Reaktion war äusserst positiv. Auch der validierende Umgang mit Dementen löste einen "Aha-Effekt" aus- so nach dem Motto, dann haben wir ja viel falsch gemacht in der Vergangenheit.

Es bringt nach meiner Erfahrung sehr viel, die Angehörigen "mit ins Boot" zu holen, obgleich auch dann nicht alle Konflikte gelöst werden können- aber der Umgang ist einfacher, da es ein Miteinander und nicht Gegeneinander ist.

Für die Leitungskräfte ist es nicht so leicht, von aussen festzustellen, geäusserte Kritik am Pflegepersonal gerechtfertigt ist oder nicht. Leider ist auch bei Pflegekräften oft die Meinung vorhanden, dass Angehörige nix mitzureden haben in der Pflege- dann ist eine Intervention der Leitung natürlich nötig. Andererseits gibt es genug Situationen, in denen Angehörige absolut überspitzt reagieren, wenn sie sich über Pflegekräfte beschweren.

Wichtig ist immer rauszufinden, was die Motivation der Angehörigen ist..... sind es Schuldgefühle, Angst, finanzielle Aspekte, ein gestörtes Verhältnis zu den pflegebedürftigen Eltern usw. Natürlich sind auch viele pflegerische Massnahmen, die für Profis selbstverständlich erscheinen, für Angehörige erstmal unverständlich- also auch hier Aufklärung und Transparenz in dem, was beim Pflegebedürftigen geleistet wird.

Lieben Gruss

Doedl

http://www.temporaire.info


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Re

Beitrag von doedl » Di 1. Jul 2003, 23:14

Huhu Fibula,

den Begriff Sprengel kenne ich aus der Theologie; damit wurden früher die einzelnen Pfarrgemeinden bezeichnet- hier stehts wohl eher für Gegend oder Bereich.

Gruss Doedl


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