Menschen mit Demenz - Duzen?

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Würdest du einen Menschen mit Demenz duzen?

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BlueWonder
Beiträge: 97
Registriert: Mi 30. Jun 2004, 14:45

Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von BlueWonder » Mi 9. Feb 2005, 22:57

Momentan machen wir in der Schule eine Analyse. Ich habe mir das Thema Demenzerkrankt - darf ich die Person duzen? Diese Analyse bezieht sich auf eine erlebte Situation im Altenheim.

Ich hatte eine Bewohnerin zur Betreuung, die an Demenz erkrankt ist. Die Pflege muss bei dieser Frau komplett übernommen werden. Das Problem: Spricht man sie mit dem Namen Frau Schiff (Name ausgedacht!) an, erfolgt sehr oft keine Reaktion, also nicht immer. Spreche ich sie an mit: "Maria, nun komm und setz dich auf die Toilette", wird dieses schnell ausgeführt.

Jetzt suche ich natürlich Artikel, Berichte, Expertenrat und eure Erfahrungen/Meinungen etc. diesbezüglich. Wo kann ich schnellstens an Informationen kommen? :music

Freue mich schon auf euere Antworten.



BlueWonder
Beiträge: 97
Registriert: Mi 30. Jun 2004, 14:45

RE: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von BlueWonder » Mi 9. Feb 2005, 23:49

Ich finde es klasse, dass ihr an meiner Umfrage teilnehmt. Allerdings würde ich auch gerne die Gründe erfahren, wieso eure Antwort wie gewählt ausfällt.

:D



Waltraud
Beiträge: 29
Registriert: Di 8. Feb 2005, 11:35

RE: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von Waltraud » Do 10. Feb 2005, 07:46

Hallo!!!

Nun ich habe sehr viel Erfahrung mit Demenz erkrankten Menschen.
Ich persönlich sprich die Bewohner nach Absprache mit deren Angehörigen mit DU an. Denn dies erleichtert die Pflege und Aktivitäten mit diesen Bewohner sehr. Die können sich so einfach besser orientiern als wenn ich sie mit dem Schreibnamen anspreche. Der Vorname ist ihnen vertrauter. Ich arbeite auch viel mit Biographie. Um einfach auf deren ebene zu gehen. Mich sprechen die Demenz erkrankten auch mit dem Vornamen an. So fühlen sie sich einfach vertrauter und es entsteht eine tolle Basis zwischen Bewohner und PflegerIn.
Jedoch ganz wichtig ist das du mit den Angehörigen dies abklärst nicht das sie es als nicht würdig empfinden. Es wär auch ganz vom Vorteil wenn dann alle am gleichen Strang ziehen. Nicht der eine spricht den Bewohner mit DU an und der andere mit SIE. So verlieren sie die Orientierung und sie können Anweisungen schlechter folgen.
Wenn du noch was dazu wissen möchtest meld dich ganz einfach!
Liebe Grüße Waltraud



aramaid
Beiträge: 64
Registriert: So 6. Feb 2005, 22:31

Beitrag von aramaid » Do 10. Feb 2005, 08:25

hallöchen

also bei mir im haus gibt es normalerweise folgende regel: bewohner werden nicht gedutzt und sie werden nicht mit namen wie süsse kleine maus usw angesprochen...

ich persönlich muss gestehen das ich manche bewphner bei mir asuif der station auch dutze einfacvh weil ich merke das da mehr kommt..

ich denke das das DU nichtbsoweit entfernt ist und sich die bew viel mehr angesprochen fühlen...

weil mal ne frage als anregung :d emenzkranke fallen gedanklich in ihre kinder-und jugendzeit zurück also nehmen wir uns mal folgende situation: 1 bew sagern wir maria heiratet mit 35 jahren und gibtg ihrfen mädchennamen ab und heitß nach der heirat nicht mehr maria XY sonbdern maria YY... wenn diese dasme jetzt in die demenz verfällt und ich sprech sie mit frau YY an..kann es da nicht sein das sie sich garnicht angesprochen fühlt einfach weil sie sich an den nachnamen den sie bei der heirat angenommen hat garnicht mehr erinnert????

der gedanke ist mir mal so gekommen wo ich denke das das mit ein grund sein könnte weshalb demenzkranke teilweise besser auf ansprache mit dem vornamen reagieren



andrea
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RE: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von andrea » Do 10. Feb 2005, 08:26

Hi Blue Wonder,
ich bin der Meinung dass man mit Menschen die an einer Demenz erkrankt sind nicht auf "Du" und "Du" sein sollte. ( außer man kannte sich schon vor der Erkrankung)
Das Siezen der betroffenen Menschen bietet ihnen gleichzeitig Orientierung und beugt Mißverständen unter Umständen vor.
Wir Pflegekräfte gehören nun mal nicht in die Liste der alten Freunde und Verwandten. Wenn ich die Menschen duze gebe ich ihnen unweigerlich das Gefühl ich wäre jemand aus seinem intimen Umfeld........... was doch falsch ist.
Wenn bei mir ein Bewohner nichts mit seinem Nachnamen anfangen kann, spreche ich ihn mit Vor- und Zunamen an und sieze ihn weiter. Wenn alle Pflegekräfte sich daran halten, wird man trotz des Siezens eine sehr gute Beziehung aufbauen. Nur weil Menschen an einer Demenz erkrankt sind, heißt das nicht, dass sie völlig verständnislos sind und wir als Pflegekräfte sollten sie doch wohl bei ihrer Orientierung unterstützen. Außerdem sollten wir jedem den nötigen Respekt entgegenbringen.- Das heißt für mich, ich sieze den Bewohner genauso wie ich andere fremde Menschen sieze und zeige damit auch meinen Respekt.
Es gibt sicher nicht so viele BW die den Pflegekräften bei klarem Bewusstsein das Du anbieten, vielleicht sollte man das beim Duzen von dementen Menschen beachten.
Ich spreche mit einem Ausländer der nicht richtig Deutsch sprechen kann auch keine Kauderwelschsprache nur weil er das macht.
In diesem Sinne
lieben Gruß andrea


„Rechthaben ist erst eine Kunst; wenn auch die anderen glauben, dass mans hat!”

Anja
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Beitrag von Anja » Do 10. Feb 2005, 12:30

auch bei uns gilt die Grundregel Bewohner werden mit ihrem Nachnamen und mit Sie angesprochen, allerdings gibt es auch bei uns Ausnahmeregelungen, wie oben schon jemand schrieb wenn der Bewohner es selbst wünscht geduzt zu werden oder wenn die Angehörigen sagen meine Mutter/ mein Vater oder wie auch immer hat es noch nie gemocht gesiezt zu werden.
Dann wird das in der Dokumentation vermerkt und entweder vom Bewohner oder den Angehörigen unterschrieben, dann ist man abgesichert und keiner kann was dagegen sagen!

Gruß Anja



andrea
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Beitrag von andrea » Do 10. Feb 2005, 15:15

Original von Anja
auch bei uns gilt die Grundregel Bewohner werden mit ihrem Nachnamen und mit Sie angesprochen, allerdings gibt es auch bei uns Ausnahmeregelungen, wie oben schon jemand schrieb wenn der Bewohner es selbst wünscht geduzt zu werden oder wenn die Angehörigen sagen meine Mutter/ mein Vater oder wie auch immer hat es noch nie gemocht gesiezt zu werden.
............entschuldigt bitte, wenn der Fall so liegt ist das Duzen logischerweise erlaubt.


Grundsätzlich hat ein an Demenz erkrankter BW das Recht auf Anstand und Respekt seiner Person gegenüber und dazu gehört unter anderem das Siezen, wenn nicht ausdrücklich etwas Anderes von ihm gewünscht ist lieben Gruß


„Rechthaben ist erst eine Kunst; wenn auch die anderen glauben, dass mans hat!”

schmidti
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Beitrag von schmidti » Do 10. Feb 2005, 18:12

8) Also ich persönlich finde das dutzen auch nicht so schlimm weil wir sind ja jetzt sozusagen deren Familie, wir sind rund um die Uhr für die Bew. da
Natürlich reden wir die Bew. auch mit ihen Nachnamen an das ist wirklich eine Frage des Respekts.Denn die Bew.sind ja inder Regel viele Jahre älter als wir.



BlueWonder
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Beitrag von BlueWonder » Do 10. Feb 2005, 19:05

Wir reden die Bewohner auch grundsätzlich mit Nachnamen an. Allerdings wurde mir von einem Kollegen gesagt, ich könne die demente Bewohnerin duzen, wenn niemand in der Nähe ist. Das klappt auch alles sehr gut.

Mir ist klar, dass es so nicht richtig ist. Spreche sie allerdings mit Fr. X an, blickt sie mich an, als würde sie durch mich durchsehen und es folgt keine Reaktion.

Die Theorie mit dem Namen nicht erkennen, durch das Vergessen des Nachnamens, womöglich durch die Hochzeit, ist mir auch schon lange in den Hinterkopf gekommen.

Auch wenn wir nicht die Freunde oder Bekanntes des Bew. sind, können wir doch versuchen, ein freundschaftliches gutes Verhältnis aufzubauen. Klar ist es einerseits nicht fair, den Bewohnern was vorzuspielen. Andererseits ist es aber auch nicht gut, wenn sie in einer solchen Scheinwelt leben, ihnen immer die knallharte Wahrheit zu liefern.



BlueWonder
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Beitrag von BlueWonder » Do 10. Feb 2005, 21:42

Leider finde ich zu diesem Thema nichts im Netz...

Interessant wäre mal ein Urteil, ein Bericht oder ähnliches...

Meine Meinung zum Duzen ist sowieso zweigeteilt. ?(



Dirk Höffken
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Duzen

Beitrag von Dirk Höffken » So 13. Feb 2005, 12:29

Hallo.

Die Diskussion läuft ja auf ein fast eindeutiges Ergebnis hinaus. Ich gehöre im beruflichen Leben zu den „Sie-Fetischisten“. Trotzdem bedarf das Thema aus meiner Sicht einer differenzierteren Betrachtung.
@Susane
...„Unsere Lehrerin sagte immer , bleiben sie beim Sie solange wie möglich. ein Du bedeutet sehr viel Nähe und Nähe ist oft nicht immer das wahr ,“...
Bei manchen Patienten benötigen Pflegekräfte aber genau diese Nähe mit all den daraus resultierenden Gefahren! Duzen bedeutet hier nicht Respektlosigkeit, sondern den Versuch Vertrauen zu schaffen. Vertrauen das Notwendig ist! Das Duzen reduziert die hierarchischen Strukturen zwischen Patient und Pflegekraft. Natürlich auf freiwilliger Basis! Hier ist Einfüllungsvermögen gefragt.

Wir dürfen an der Stelle nicht vergessen: Auch wenn es für uns eine professionelle Beziehung darstellt. Eine Beziehung für die wir bezahlt werden, sind wir oft genug, wenn auch nur für einen begrenzten Zeitraum, die letzten Bezugspersonen. Der letzte Halt des Patienten. Wir sind ihm viel näher als Ärzte, Psychologen, Therapeuten, etc..

Sind die Grenzen dieser Beziehung klar definiert, kann ich in solchen Fällen sehr gut mit dem du leben.!

MfG DH

Zitat:
Zuviel Vertrauen ist häufig eine Dummheit, zuviel Misstrauen immer ein Unglück. - Jean Paul



BlueWonder
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RE: Duzen

Beitrag von BlueWonder » So 13. Feb 2005, 13:48

Material zu diesem Thema gibts aber nirgends online, oder doch? :smile



Dirk Höffken
Beiträge: 2083
Registriert: Mi 18. Jun 2003, 20:00

Material online – Persönliche Entscheidung

Beitrag von Dirk Höffken » So 13. Feb 2005, 15:21

Hallo „BlueWonder“,

mir ist kein Material online bekannt, welches sich direkt mit diesem Thema beschäftigt.

Es ist und bleibt eine sehr persönliche Entscheidung, die von vielen Faktoren abhängt. Genannt seien hier als Beispiele:

1. Wie weit bist du als Pflegekraft bereit eine Beziehung zum Patienten aufzubauen?
- Selbst wenn bestimmte Grenzen auf gar keinen Fall überschritten werden dürfen, wird die Beziehung intimer. Das mag bei manchen Patienten und/oder Krankheitsbildern problematisch sein und bei manchen nicht. Klar sein muss: Wird die Grenze überschritten, bedarf es der Intervention!

2. Wie weit „eignet“ sich der Patient fürs du?
- Handelt es sich um einen an Demenz erkrankten Patienten und sieht er die Pflegekraft als Angehörigen spricht aus meiner Sicht prinzipiell erst mal nichts gegen das du. Zu beachten sind dann aber die Angehörigen. Es sollte nicht der Eindruck entstehen die Pflegekraft will sie als primäre Bezugsperson verdrängen.
- In etwa das selbe gilt für beziehungsgestörte oder beziehungsenttäuschte Jugendliche. Vertrauen ja! Aber es muss klar sein, dass die Pflegekraft nicht die Eltern, die Geschwister oder die Freunde ersetzt. Gibt es Personen aus dem privaten Umfeld, die versuchen innerhalb der Einrichtung wieder eine Beziehung aufzunehmen ist das du fehl am Platz.

3. Wie geht der Rest der Patienten und die Kollegen damit um?
Duzt sich eine Pflegekraft mit einem Patienten, gilt es auch auf die Reaktionen des Umfeldes zu achten.

Die Entscheidung liegt bei dir! Bist du dir unsicher, solltest du beim Sie bleiben. Selbst wenn du dich in manchen Fällen fürs du entscheidest, wird sich die Entscheidung später auch mal als Fehler herausstellen.

MfG DH

Zitat:
Die großen Tugenden machen einen Menschen bewundernswert, die kleinen Fehler machen ihn liebenswert. - Pearl S. Buck



petit
Beiträge: 36
Registriert: Mo 9. Feb 2004, 12:25

Beitrag von petit » Mo 14. Feb 2005, 07:19

hallo zusammen,

einen gesichtspunkt möchte ich in die umfrage noch einbringen:

wie wird über den bewohner gesprochen (z.B. in der Übergabe) wenn er im gespräch geduzt wird?

für micht gilt die regel, erreiche ich den bewohner nur oder besser über dessen vornamen dann muss es erlaubt sein ihn zu duzen. im gespräch über den bewohner bleibt er aber die Fr./ der Hr. xy und nicht wie in der realität erlebt die maria oder die liebe omi. da wirds mir wirklich schlecht wenn ich so etwas höre.

die gefahr beim duzen ist das ein angemessener distanzierter umgang verloren geht.

grüße petit



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