Menschen mit Demenz - Duzen?

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Würdest du einen Menschen mit Demenz duzen?

Ja
132
52%
Nein
114
45%
Kein Kommentar
9
4%
 
Abstimmungen insgesamt: 255

Jutti
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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von Jutti » Fr 20. Apr 2007, 16:54

Hallo zusammen

vielleicht mögt ihr nochmals was fachlich fundiertes zum Umgang mit Demenz vom KDA lesen? Ist ja nicht nur damit getan, das die Hälfte sagt, ja duzen, die anderen - nein - nicht duzen sondern, was für fachliches Wissen gibt es denn eigentlich schon dazu.
Tom Kitwood ist ja sicher jedem mit seinem personenzentrierten Umgang bekannt aus der Ausbildung?
http://209.85.129.104/search?q=cache:UF ... d=15&gl=de
Gruß

Jutti
PS: ist übrigens komplett sehr lesenswert und beim KDA zu beziehen



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*Angie*
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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von *Angie* » Sa 21. Apr 2007, 22:48

Respektvoller Umgang hängt für mich an keiner "Anrede-Bezeichnung"...

Pflege ich respektvoll, wenn ich auf den Bewohner eingehe, ihn in seiner individuellen Situation menschlich und pflegerisch sinnvoll behandele und ihn dabei duze???

ODER:
Pflege ich respektvoll, wenn ich an einem Bewohner rumzerre, seine Sorgen nicht ernst nehme, tue, als würde ich mich um seine Belange kümmern,aber hinter seinem Rücken zu den Kollegen sage: ach, der hat schon wieder Schmerzen, wie immer... Behandele ich einen solchen Menschen dann RESPEKTVOLL, weil ich die übliche Anrede SIE benutze???

... ich denke da erübrigt sich jegliche Diskussion ...

Man kann sich nur respektvoll verhalten im Umgang mit einem jeden Menschen.

Zu einem Menschen, den ich stets respektvoll behandele kann ich auch A....loch sagen und der lacht darüber, weil er fühlt, dass ich ihn respektiere um seiner selbst willen...

...Worte sind Schall und Rauch - erst recht bei dementen Menschen und Menschen die psychisch erkrankt sind...


» Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in einer Garage steht. « (Albert Schweitzer)

Thanos

Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von Thanos » So 22. Apr 2007, 16:32

Kitwood hat ja nun einiges für die Kommunikation getan.
Soweit ich weiß, nimmt Validation ein paar Punkte von Kitwood mit auf.
Da stellt sich mir sowieso die Frage, wie es denn aus der Sicht der Validation gemacht wird, das mit der Anrede. Da würde mich doch nun in der Tat die Meinung der validierenden Altenpfelgekräft interessieren, und wenn ich das Thema hier so recht überflogen habe, arbeiten viele auf Stationen mit dementen Bewohnern, also muss es ja auch irgendwo zwangsläufig einen Validations- Experten geben. Was sagen also diese dazu?



andrea
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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von andrea » Mo 23. Apr 2007, 23:01

Hi Thanos
meine Fortbildung in Validation bedeutete nicht in das Du hineinzufallen. Validation heißt Einfühlen, also auf das was der Betroffene empfindet eingehen zu können und ihm somit etwas von seinen Ängsten zu nehmen.
Beim Üben haben wir nur mit Sie angesprochen.
Ich denke sowieso dass dieses Sie nicht störend ist, wohl aber der Nachname ab und an. Ich hatte bisher niemals Probleme BW mit Mädchennamen oder Vornamen anzusprechen und beim Sie zu bleiben. Auch die behinderte alte Dame die wahrscheinlich niemals beim Nachnamen genannt wurde(weil von den Eltern versteckt um sie zu schützen) reagierte sehr gut auf den Vornamen und Sie. Meist sind es nicht die Worte die zum Zugang führen sondern Tonlage, Mimik, Gestik und vor allem der Augenkontakt.
Grüßli andrea



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*Angie*
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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von *Angie* » Di 24. Apr 2007, 00:24

Ja so ist es meiner Meinung nach auch. Das duzen ist bei mir, wie ich auch schon schrieb, das letzte Mittel der Wahl.

Im Großen und Ganzen müssen Mimik, Ton etc stimmig sein...denn gerade demente Menschen empfinde ich als Menschen mit ganz feinen Antennen, die auf Unstimmigkeiten, auch im Verhalten einer Person (zB überspielter Zeitmangel - man wirkt gehetzt, obwohl man es zu verbergen versucht) direkt reagieren.

Wie Andrea schon sagte bedeutet Validieren "sich einfühlen können"... in die Stimmung, die Ängste, die Sorgen, Gedanken und Gefühle des Dementen...und ist es einem gelungen, kann man den Dementen aus seiner jeweiligen Stimmung etc behutsam herausführen (meistens zumindest) - ihn also dort abholen, wo er sich gerade befindet....

...aber ob es einen Validations-Experten gibt???

Ich denke, ein wenig einfühlsamer Mensch oder besser -fähiger Mensch wird auch schlecht validieren können...

LG,A.


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Thanos

AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von Thanos » Di 24. Apr 2007, 18:25

Wenn Validation sich einfühlen können bedeutet, dann stellt sich ja immer noch die Frage, warum hier doch sehr viele das Du verwenden.
Wenn ich mir mal vorstellen, demente Patienten sind ja nun meist äöter, udn es wurde ja auch schon ausgeführt, dass diese Leute es nicht gewohnt waren zu duzen, warum wird es dann gemacht?
Ich habe mal mit alten Leuten so gesprochen, und auch mal direkt gefragt, und diese meinten ein normaler Krankenhausaufenthalt ist shcon schwer, aber z.B. dauerhaft in einer Pflegeeinrichtugn zu sein wäre noch schwerer, ein enormer Einschnitt ins Leben. Es werden bestimmte Leute in das eigene Leben gepresst, diese sind da, man kann sie sich nicht ausssuchen, und kann sie auch nicht merh entfernen, ist von ihnen abhänig. Die Leute meinten, es werden ihnen ja so schon etwas aufgedrückt, aber ein vordringen auf eine so persönliche Ebene würden sie nicht beführworten.

Ich habe hier im Forum gelesen, dass viel Biograpfhiearbeit geleistet wird, das ist ja auch bei Validation wichtig, weniger für die Anwender aber für die Experten. Geht denn bei so vielen Leuten aus der Anamnese hervor, dass sie geduzt werden wollen, von Wildfremden? Wie gesagt, dass kann ich mir schwer vorstellen.



altdorf
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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von altdorf » Mi 25. Apr 2007, 14:21

So habe diesen Thread net wirklich verfolgt aber ich bin dafür das man auch Leute mit Demz doch "siezen" sollte.. Einfach dem Anstand halber.
Es sind auch noch Menschen denne man mit Respekt entgegen kommen sollte ;)
weiß net ob das schon erwärtn worde :hehe



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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von Patty » Mi 25. Apr 2007, 16:48

Hallo Ihr Lieben!!!
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass einige Bewohner mit Demenz eher auf ihren Vornamen hören, als auf ihren Nachnamen, da sie diesen schlichtweg vergessen haben.Wir versuchen dann erstmal die Bewohner mit Vornamen und Sie anzusprechen, wenn das keinen Erfolg bringt, dann duzen wir die Bewohner. Natürlich alles in Absprache mit den Betreuern. Ich habe das Gefühl, dass einige Bewohner sich besser fühlen, wenn sie geduzt werden. Natürlich kann man nicht alle über einen Kamm scheren, so etwas kann man nur individuelle entscheiden und vorher sollte dies mit allen beteiligten ausführlich besprochen werden.
Liebe Grüße Patty



Jutti
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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von Jutti » Mi 25. Apr 2007, 18:21

Hallo
mir wurde in keiner Fobi gelehrt, jemanden zu Duzen und real habe ich es in all den Jahren nur einmal erlebt, das ich mit Erlaubsnis des Ehegatten tatsächlich mit Duzen und dem Vornamen Zugang bekommen habe.
Bei allen anderen Kontakten, bei denen der Familienname nicht half, kam man mit dem Vornamen und respektvollem Siezen genauso weit.

Weiterhin möchte ich auf die Senioreneigene Einstellung verweisen. Bei uns wohnen einige Personen seit fast 10 Jahren nebeneinander im Heim, sitzen an einem Tisch bei den Mahlzeiten - einige sind durchaus auch mehr oder weniger dement - und siezen sich gegenseitig immer noch.
Nur einige wenige mit reichlich fortgeschrittener Demenz duzen andere Mitbewohner und werden durch Unverständnis der Mitbewohner für deren Erkrankung von denen ggf deswegen auch angemeckert.

Beim KDA ist nachzulesen und steht auch zum kostenlosen Download bereit das Poster:
Türen öffnen zum Menschen mit Demenz
http://www.kda.de/german/download/detai ... d_dl_dl=15

Gruß
Jutti



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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von Bambine » Mi 25. Apr 2007, 23:32

Hallo
eine Episode aus meinem beschützendem WB:
Ich serviere die Getränke......
eine Bew (96) zu mir :
ZITAT
"Hallo bringst DU mir au was ? Oder muß ich Sie sagen?"
(Die Bew war sich offensichtlich unsicher,ob sie mit dem "DU" einen Fehler begangen hat)
Meine Antwort:
Ha noi "Vorname der Dame" mir kenne scho Du sage ; )
Ihre Antwort:
ZITAT:
Haja beim Heiland sacht ma ja au DU...........
Ich musste sehr schmunzeln über die Logig und ....naja wir duzen und siezen uns wies grad basst ; )RESPEKT natürlich immer vorrausgesetzt!!!!!!!
Immernoch grinsende Grüße
Bambine
Ps: es ist doch alles gar nicht soooooooo schwer
Zuletzt geändert von Bambine am Do 26. Apr 2007, 07:04, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: war gestern wohl zu spät für Rechtschreibung *g*


Wenn die Wellen über mir zusammenschlagen,tauche ich hinab um Perlen zu finden.
(Mascha Kaleko)

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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von waldelbe70 » Do 26. Apr 2007, 01:01

Ich denke immernoch, es kommt drauf an, was der Bew. selbst wünscht. Wir siezen auch alle, außer sie möchten geduzt werden. Ist immer eine Frage der Emphatie, ich muss ein Gefühl dafür haben, was richtig ist für den Bew.

Wir haben einige Bew. auf Station, die sich gegenseitig duzen (das sind so 6 Leute), die sind allesamt früher als Kinder miteinander zur Schule gegangen, einige dement, andere noch ganz klar. Und sie kümmern sich ganz süß umeinander. Ich finde das sooo schön. Aber von uns möchten sie gesiezt werden.

Andererseits haben wir eine Bewohnerin, 58 Jahre alt mit Alzheimer Typ Korsakoff, sie bekommt nie Besuch von ihrer Familie-was, wie ich finde, eine Schande ist- sie braucht sehr viel Wärme und Geborgenheit und so jemanden kann man duzen denke ich, sie mag es so, sie mag auch ganz oft in den Arm genommen werden.

Wenn ich sie siezen würde, würde Distanz entstehen und das ist etwas,was diese Frau überhaupt nicht braucht.

Wie gesagt, es ist eine Sache des Einfühlungsvermögens.

LG die Waldelbe



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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von Anit1975 » Di 8. Mai 2007, 15:46

Ohje ein Thema was sehr schwierig ist und wo man überall anecken kann.

Ich für meinen Teil sieze alle Bewohner, habe es aber umgedreht gerne, wenn sie du zu mir sagen. Also ich verlange das nicht, aber empfinde es als angenehm wenn sie es tun.

Ich habe mich viel mit Validation beschäftigt und setze mein erlerntes Wissen auch fast tgl. um .
Hin und wieder benutze ich dabei den Vornamen aber immer mit sie.

Ich gehe mal davon aus, das hier keiner das du im Zusammenhang mit respektlosen Aussagen gebraucht.
Ich denke man muß es individuell entscheiden, aus der Situation heraus.

Es gibt ja auch Bewohner, die das ausdrücklich wünschen und dies auch selbst entscheiden können, hier würde ich ir eine Unterschrift geben lassen, um allen Ärger seitens von Angehörigen oder der Chefetage aus dem Weg zu gehen.

L.G.



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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von Flo » Fr 11. Mai 2007, 23:11

Hallo!

Bei uns werden nur einige BW mit Sie und Vornamen direkt angesprochen!

Weil nutzen wir nur den Nachnamen kommt keine Reaktion vom BW.

Aber alle anderen BW werden mit Sie und Nachnamen angesprochen.

Lg


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psycho
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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von psycho » Sa 12. Mai 2007, 07:29

hi all,

ich sieze alle die mir begegnen, so habe ich meine erziehung genossen. gg außer hier im forum, komisch gg :smile
bisher bin ich auch recht gut damit gefahren und zolle auch meinem gegenüber einen gewissen respeckt, ansehen und achtung. mich stört es auch nicht wenn andere mich duzen, trotz dem sieze ich weiter. jüngere hingegen wiederum duze ich vermehrt und ich denke so machen bzw halten es auch die älteren erdenbürger mit uns, zum teil liegen ja auch einige mehrere jahrzente dazwischenn. man erliegt vielleicht zu schnell der versuchung seinen gegenüber dann auch zu duzen, doch in manchen situationen ist das nicht von vorteil und kann einem irgendwann mal zum verhängnis werden. "beispielsweise: nu hab dich mal nicht so und stell dich nich so an" das sind nur zwei solcher sätze die ich zu hören bekam und die ich nicht gut finde.


psycho

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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von mele2686 » Mo 14. Mai 2007, 08:37

Hi ihr,

habe mit ja udn nein geantworten, weil da meine Meinung auseinander gehen. Ich würde nein sagen, wenn ich den Bewohner noch nicht so lange kenne oder ich nur Praktikant oder so währe.Ja wenn ich Wohnbereichsleitung wäre oder den Bewohner schon seit Jahren kenne.

Gruss Melanie



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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von Anit1975 » Mi 16. Mai 2007, 14:44

Wie meinst Du das, wenn Du Wohnbereichsleiterin wärst?


;) Lache.....wenn es zum Heulen nicht reicht!

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Beitrag von mele2686 » Mi 16. Mai 2007, 16:50

Hi du,

ja wenn ich nicht nur schwester wäre sondern chef von meinem eigenen wohnbereich.

gruss



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AW: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von Anit1975 » Mi 16. Mai 2007, 20:28

Das verstehe ich nicht. Wo ist da diesbezüglich der Unterschied?(warum sollte/dürfte man als WBL duzen?)
Einem dementen Bewohner ist es wurscht, was oder wer Du bist.

L.G.


;) Lache.....wenn es zum Heulen nicht reicht!

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