Menschen mit Demenz - Duzen?

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Würdest du einen Menschen mit Demenz duzen?

Ja
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52%
Nein
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45%
Kein Kommentar
9
4%
 
Abstimmungen insgesamt: 255

andrea
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Beitrag von andrea » Mo 14. Feb 2005, 16:10

Noch mal ich,
ich arbeite auf einem WB bei verwirrten Menschen. Bei uns wird niemand geduzt und alle werden mit " Sie" evtl. mit Vor- und Nachnamen angesprochen und sind irgendwann auch erreichbar. Klar, das geht nicht wenn ich einem BW Medi reichen will und beim Erklären schon die Medi in den Mund befördere. Wenn ich den BW informiere, egal ob dement oder nicht, ihm Zeit genug lasse zu realisieren ( ist oft nur ein Minütchen) reagiert er auch auf mich das Siezen und seinen Namen. Ich glaube ganz wichtig ist der Blickkontakt, so dass der Mensch weiß ich meine ihn. Auf diese Weise kann ich ihm helfen sich zu orientieren und nicht indem ich ihn beim Vornamen nenne und meine nur dadurch würde ich ihn erreichen können. Am Anfang meiner Ausbildung lernte ich eine ältere behinderte Dame kennen, die nur unter Obhut ihres Vaters und deren Geschwister gelebt hatte. Sie hätte mit ihrem Nachnamen sicher nichts anfangen können weil sie ihn kaum zu hören bekommen hat, so dass hier anhand der Biographie offensichtlich wurde, dass hier besser mit dem Vornamen angesprochen werden sollte. Ich habe auch hier mit dem Vornamen und Sie angesprochen und trotzdem Kontakt zu ihr bekommen.


„Rechthaben ist erst eine Kunst; wenn auch die anderen glauben, dass mans hat!”

petit
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ob blödsinn oder nicht

Beitrag von petit » Di 15. Feb 2005, 07:39

das zitat: "es ist leichter jemanden mit du arschloch als mit sie arschloch zu beschimpfen" drückt eigentlich genau das aus, was ich mit angemessener distanz gemeint habe.

es darf eben nicht passieren das der respektvolle umgang durch das duzen (damit schließe ich übrigens das nennen mit vornamen mit ein!) verloren geht.

grüße petit



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DrRinderwahn
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Beitrag von DrRinderwahn » Di 15. Feb 2005, 12:01

Ich Duze auch so keine Patienten und schon gar nicht Demenz Kranke Pat.


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Hohenstein
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RE: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von Hohenstein » Di 15. Feb 2005, 17:37

würde ich nie machen. Egal welche Krankheit der Patient hat.



andrea
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RE: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von andrea » Di 15. Feb 2005, 21:29

Original von Uli
Bei fortgeschrittener Demenz gehe ich zum Du über, da der Bewohner sich mit Sie nicht angesprochen fühlt!!! Der Bewohner retardiert und darauf sollte man sich einstellen!! Es macht den Umgang für beide Seiten leichter, also warum nicht!!!
Original von Uli
Aber ich lasse den Dementen auch mit den Fingern essen, wenn er es mit Messer und Gabel nicht mehr kann!!!!
uli
ich finde auch das kann man nicht pauschalieren, bei uns fühlen sich alle angesprochen beim Siezen auch die BW die in ihrer Demenz schon weiter fortgeschritten sind. (Wie oben schon beschrieben)

solange du ihm auch versuchst die nötige Orientierung anzubieten damit er mit Besteck essen kann spricht nichts dagegen.


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DrRinderwahn
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Beitrag von DrRinderwahn » Do 17. Feb 2005, 11:24

In der Psychatrie würde ich ebenfalls keine Patienten duzen, aber auf Stationen wo die Pat. vielelicht länger als 6 Monate liegen kann das manchmal auch ganz hilfreich sein!


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Dirk Höffken
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Pflegetheorien

Beitrag von Dirk Höffken » Fr 18. Feb 2005, 13:54

Hallo.

Mein Verhältnis zu Pflegetheorien ist eher ambivalenter Natur. Zudem bin ich auf dem Gebiet wahrlich kein Experte. An der Stelle scheint mir ein Rückriff aber sinnvoll.

Die Frage der Anrede zwischen Patient (Bewohner) und Pflegekraft scheint mir insgesamt eher eine Phantomdiskussion.

Die folgenden Textstellen sind der Arbeit „Professionelle Pflege zwischen Bedürfnisorientierung und Sinnfindung - die Pflegetheorien von Virginia Henderson und Joyce Travelbee im Vergleich“ von Dorothee Kiefer entnommen.

...„Virginia Hendersons berühmte Definition über die einzigartige Funktion der Pflege sagt aus, dass die Aufgabe der Pflegekraft darin besteht, ,,dem kranken oder auch gesunden Individuum bei der Verrichtung von Aktivitäten zu helfen, die seiner Gesundheit oder Wiederherstellung (oder auch einem friedlichen Sterben) förderlich sind und die er ohne Beistand selbst ausüben würde, wenn er über die dazu erforderliche Stärke, Willenskraft oder Kenntnis verfügte. Sie leistet ihre Hilfe auf eine Weise, dass er seine Selbständigkeit so rasch wie möglich wiedergewinnt" (Henderson 1997, 42).“...

....„Wichtig ist ihr, dass das gesamte therapeutische Team im Patienten den Mittelpunkt ihres Handelns sieht und dass die Pflege nicht durch andere nichtpflegerische Aufgaben wie zum Beispiel bürokratische oder administrative Tätigkeiten vom Patienten und ihrer Hauptaufgabe abgehalten werden darf. Henderson gesteht der Pflegekraft zu, in Notsituationen für den Arzt, falls er noch nicht zur Stelle ist, einzuspringen, doch dies entspricht nicht ihrer Auffassung der eigentlichen Funktion der Pflege und beeinträchtigt die Pflegekräfte in ihrer Wahrnehmung (Henderson 1997, 50).
Die Pflegekraft muss gemäß Henderson ihre Hauptaufgabe in der Unterstützung des Patienten sehen, ihr Streben muss dem Wiedererwerb der Selbständigkeit gelten mit dem Ziel der Gesundheitsförderung oder Heilung ( Kirkevold 1997, 52).“....

...„Das folgende Zitat verdeutlicht, in welchem Maße die Pflegekraft sich in den Patienten hineinversetzen muss:
,,Sie ist eine Zeitlang für den Bewusstlosen sein Bewusstsein, für den Selbstmordgefährdeten die Liebe zum Leben, für den Amputierten das Bein, für den gerade Erblindeten seine Augen, für das Kleinkind das Fortbewegungsmittel, für die junge Mutter Wissen und Zuversicht, für diejenigen, die zu schwach oder zu kontaktarm sind, um sich mitzuteilen, das ,,Sprachrohr" und so weiter" (Henderson 1997, 43).
Henderson betont allerdings auch, dass der Patient Mitarbeit leisten muss, soweit es ihm möglich ist, da dies den Heilungsprozess beschleunigt. Dies setzt voraus, dass der von der Pflegekraft entworfene Plan mit dem Patienten besprochen wird, denn nur dann kann er die Maßnahmen auch verstehen und unterstützen. Der Patient muss informiert und angeleitet werden, damit er nachvollziehen kann, warum welche Behandlung notwendig ist und eventuell Teilaufgaben selbständig durchführen kann
(Henderson 1997, 42).“...


Das Feststellen und die Befriedigung der Bedürfnisse (soweit möglich und zumutbar!) ist ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste, Teil der Profession Pflege. Die Bedürfnisse eines an Demenz erkrankte Menschen sind andere als die eines Menschen mit Polytrauma und unterscheiden sich von denen eines suizidgefährdeten Jugendlichen oder einer Frau die einen Schwangerschaftsabbruch vor sich hat.

Auf dieser Basis sollte jede Pflegekraft für sich entscheiden, welche Anrede sie für angemessen hält. Vorschreiben lassen sollte sie es sich auf keinen Fall! Denn dies wäre ein massiver Eingriff in die Beziehungsarbeit zum Patienten (Bewohner) und erschwert pflegerische Arbeit zusätzlich.

MfG DH

Zitat:
Jeder Narr kann eine Regel aufstellen, und jeder Narr wird sich danach richten. - Henry David Thoreau



ilios1966
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RE: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von ilios1966 » Sa 26. Feb 2005, 23:08

Hallo,habe über 2o Jahre Erfahrung in Dementenpflege und bin seit 2 Jahren an einem Projekt beteiligt (DCM) Meiner Meinung nach sollte jeder Mensch mit dem wir zu tun haben gesiezt werden.Ich halte dies auch so,wenn ein BW der nicht verwirrt ist mir das Du anbietet,denn diese Menschen können es nachvollziehen wenn ich dies begründe.Bei Dementen habe ich die Erfahrung gemacht,dass wenn jemand neues an Personal auf die Station kommt und hört wenn jemand geduzt wird,er dies oft auch automatisch tut.DAS IST NICHT IN ORDNUNG,vor allem nicht,wenn er nicht hinterfragt warum wer geduzt wird.Ich glaube nämlich auch,dass in dem Fall,wo ich keinen anderen Zugang bekomme zu dem BW oder ich sehr positive Reaktion sehe bei ihm,halte ich duzen für legitim.Wichtig ist dabei zu beachten,dass ich nicht jeden Dementen duze nur weil er dement ist.Es gibt auch demente BW die sehr wohl auf ihren Nachnamen hören,es kommt immer darauf an wie der Mensch sich identifiziert


Ich bin nicht nur für das verantwortlich was ich sage,sondern auch für das was ich nicht sage!

ilios1966
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Beitrag von ilios1966 » So 27. Feb 2005, 11:07

wir sind selbverständlich nicht die Familie der Dementen!wir mögen eine Bezugsperson sein,aber bleibt den Dementen eine Eahl?Ich denke nicht!Es sollte immer zu begründen sein warum ein BW geduzt wird und das Duzen sollte immer reflektiert und hinterfragt werden


Ich bin nicht nur für das verantwortlich was ich sage,sondern auch für das was ich nicht sage!

Snoopy77
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RE: Menschen mit Demenz - Duzen?

Beitrag von Snoopy77 » Mo 28. Feb 2005, 17:14

hallöle,meine meinung dazu ist:bew.nur dann duzen wenn sie es ausdrücklich wollen!demenzkranke?wenn dieser bew.nur auf seine vornamen hört und mit einverständnis aller beteiligten dann sehe ich keine problem darin.so haben wir es in der schule gelernt.aber es gehen da die meinungen auseinander.gruss


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miron
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Beitrag von miron » Fr 4. Mär 2005, 23:02

Also ich habe gelernt, Bew. zu Siezen , aber bei manchen Bew. ist das nicht möglich zum Beipiel bei manchen Dementen (NICHT bei allen).
Diese wi4ederum reagieren auf ihren vornamen und werden in manchen Agressiven Situationen auch wieder ruhiger, und "lassen mit sich reden".
Also meine Meinung erst Siezen, solte das keinen Erfolg haben mit dem Du "probieren".
Trotzdem die Würde beachten!!!


Rofl du hast Lol gesagt

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