Macheten und Pistolen im Pflegeheim

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doedl
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Macheten und Pistolen im Pflegeheim

Beitrag von doedl » Mi 8. Feb 2017, 18:15

http://www.spiegel.de/karriere/job-im-p ... 33559.html

Das ist ja nun doch allerhand- was denken die Kollegen über solche Bewohner?


Ist die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers da überhaupt vorhanden???

Das war so das erste, was mir dazu einfiel - kann ja irgendwo nicht sein, egal wie dement ein Bewohner nun sein mag.

Bin gespannt auf Eure Meinung und danke an Peagen für den Link

Gruß Doedl


Wir müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen wollen- Mahatma Gandhi

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johannes
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AW: Macheten und Pistolen im Pflegeheim

Beitrag von johannes » Mi 8. Feb 2017, 19:48

Das zeigt das Desaster der absoluten Selbstbestimmung auf, die immer und überall proklamiert wird. Die Menschen kommen nun mal nicht umhin, sich zu entscheiden, was sie wollen.

Wie war das mit dem Recht auf Selbstbestimmung, soweit es die absolute Verwahrlosung betrifft? Jeder darf, was er will.

Wie war das mit dem Recht auf Selbstbestimmung, soweit es die Befriedigung der sexuellen Gelüste geht, egal welder Art? Er darf und Pflegekräfte sollen den Pflegebedürftigen hierbei unterstützen.

Wie war das mit der Selbstbestimmung über das Auslöschen des Lebens? Ärzte und Pflegekräfte sollten verpflichtet werden, dabei zu unterstützen.

Warum dann nicht auch mit Macheten und Pistolen im Pflegeheim?

Entweder gibt es eine Ordnung, nach der sich alle auszurichten haben (übergordnete Institution legt diese fest) oder jeder kann machen, was er will. Da muss man sich wohl entscheiden!

Ich vertrete die Auffassung, dass die Freiheit des Einzelnen dort endet, wo die Freiheit des anderen beschnitten oder gar aufgehoben wird.


Ein Mensch existiert nicht - er lebt!
Keiner ist so blind wie der, der nicht sehen will.
Ich vertrete nicht immer die herrschende Meinung - aber ich habe eine Meinung!
Einer sucht für ein Problem eine Lösung - ein Anderer sucht für eine Lösung ein Problem

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AW: Macheten und Pistolen im Pflegeheim

Beitrag von doedl » Do 9. Feb 2017, 10:52

Die Aussage "wir können ja nicht kontrollieren, was die Patienten bei ihrem Einzug so alles mitbringen" halte ich für höchst fahrlässig!!!

Kaum ein Demenzkranker wird seine Sachen für das Heim selbst packen; da müssen doch wohl Angehörige helfen. Wie kann es dann sein, dass eine Waffe ins Heim kommt? Da muss man doch bei den Angehörigen genau nachfragen, ob gefährliche Gegenstände im Gepäck sind.

Irgendjemand, der mal den Schrank putzt oder die Wäsche einräumt, würde dann eine solche Waffe auch entdecken.

Bin immer noch fassungslos

Doedl


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Benutzer 10209 gelöscht

AW: Macheten und Pistolen im Pflegeheim

Beitrag von Benutzer 10209 gelöscht » Do 9. Feb 2017, 20:07

In der ambulanten begegnen wir häufiger Waffen und anderen verbotenen Gegenständen oder Substanzen.
Ich selber habe auch schon mal in den Lauf einer P.08 geschaut.
Der Patient (Demenz + C2H5OH) fand das witzig. Meine Beinbekleidung weniger.

Wir haben uns da für so etwas eine Kontaktliste (Netzwerk) zusammengestellt.
- Polizei : Kontaktpolizist, Beratungsstelle
- Schützenvereine & Jägerschaft (Die kennen ihre "alten Kameraden", und können sie ggf. besser zur Abgabe der Artellerie überreden.)



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agidog
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AW: Macheten und Pistolen im Pflegeheim

Beitrag von agidog » Fr 10. Feb 2017, 08:24

Kaum ein Demenzkranker wird seine Sachen für das Heim selbst packen; da müssen doch wohl Angehörige helfen. Wie kann es dann sein, dass eine Waffe ins Heim kommt? Da muss man doch bei den Angehörigen genau nachfragen, ob gefährliche Gegenstände im Gepäck sind.
Es ziehen ja aber nicht nur Demente in ein Heim ein, oder? Manche sind auch noch mobil, packen selber - ein und aus :)


Wer mein Schweigen nicht versteht, versteht auch meine Worte nicht


Viele Menschen sind zu gut erzogen, um nicht mit vollem Mund zu sprechen, aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun (Orson Welles) 8)

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doedl
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AW: Macheten und Pistolen im Pflegeheim

Beitrag von doedl » Fr 10. Feb 2017, 08:41

Moin adidog, nein natürlich nicht; aber der Bericht war halt aus einem Heim speziell für Demenzkranke.

Da kam mir schon die Frage, welcher Angehörige denn Waffen ins Gepäck legt.

Gruß Doedl


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überflüssig
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AW: Macheten und Pistolen im Pflegeheim

Beitrag von überflüssig » Fr 10. Feb 2017, 14:18

Grins...ich pack meiner Verwandtschaft auch immer ne Knarre ins Krankenhausköfferchen.
Aber Scherz beiseite...es ist wirklich erstaunlich, was die Angehörigen so alles (vielleicht auf dringlichen Wunsch?) einpacken und nicht „anmelden“.
Das schreit ja schon fast nach einer Gefahrenzulage, wie sie die PK teilweise in forensischen Abteilungen bekommen.
VG überflüssig



Bastian_Duhari
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AW: Macheten und Pistolen im Pflegeheim

Beitrag von Bastian_Duhari » Fr 10. Feb 2017, 21:48

*kicher* Es ist schon etwas erschreckend, dennoch Lustig. Die Frage die hier im Raume steht ist Gerechtfertigt. Es gibt tatsächlich naive Angehörige, die diese Waffen als "lebensechte Attrappe" abstempeln und dann kommt halt sowas raus. Diese Diskussion musste ich auch schon einmal mit einem Angehörigen führen bis ich ihm präsentiert habe (nach Feierabend sind wir extra auf dem Schießstand gegangen..) dass das Ding echt ist und tötlich. Seit dem schickt er mir jedes Jahr an meinem Geburtstag ein kleines Dankeschön :D (nicht auszumahlen was der kleine alte renitente Opi damit gemacht hätte >.<)

Aber nein, eine Gefahrenzulage - auch wenn es eine Gefahr für die Person, für das Umfeld und dem Personal ist - gibt es hier leider nicht, da das Auftreten doch relativ rar ist...Dann aber hinter her wundern wenn das "inaktive" Artilleriegeschoss, das bei Opi Zuhause übern Kamin oder im AH als nicht funktionierende Lampe getarnt dann doch mal losgeht....



Thanos

AW: Macheten und Pistolen im Pflegeheim

Beitrag von Thanos » Sa 11. Feb 2017, 11:51

Hallo,

Macheten und Pistolen im Pflegeheim.
Die einen kommen aus dem Staunen nicht mehr raus, Andere finden das lustig.
Dann kommt hier der Stichpunkt nach einer Gefahrenzulage, ebenso wie die Frage wie so eine Waffe ins Heim kommt.

Mal ganz ehrlich. Sowas ist teilweise Alltag. Kein einmaliges Erlebnis, kein Schwank aus der Ausbildung. Es ist teilweise echter Alltag im Pflegeberuf. Da wird man bedroht, beleidigt, beschimpft, sexuell belästigt, gedemütigt, körperlich angegriffen, geschlagen, getreten, bespuckt, verleumdet und so weiter. Wie es im ambulanten Dienst ist oder im Pflegeheim weiß ich nicht, ich kenne das nur aus dem Krankenhaus.

Es gibt Patienten die empfinden das als ihr Recht so zu handeln. Dann gibt es noch Angehörige die sehen das genauso. Sie sind der Meinung es sei das Recht von Mutti und Vati die Pflegenden zu schlagen, zu beleidigen oder zu bedrohen, man bekomme ja schlussendlich Geld dafür. Die Angehörigen machen dann gleich mit, beschimpfen die Kolleginnen mit "dumme Kuh" und geben den Ratschlag sich einen anderen Beruf zu suchen wenn man um ein paar blaue Flecken so ein Zirkus mache.
Dann gibt es die Schlimmsten: die lieben Kollegen - nicht jene die mit einem selbst das alles ertragen, nein die Außenstehenden. Man komme ja eine Gefahrenzulage von 20€ pro Monat, die vergelte die Gewalt. Ist das so? Ist es meine Pflicht mich würgen zu lassen für 20€ im Monat? Ist das einmalig zu sehen oder Flatrate? Dann gibt es die Pflegeexperten die den Patienten und Angehörigen Rechte einreden, die versuchen Gewalt schön zu reden, zu rechtfertigen.

Wo bleibt die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers? Die gibt es, zeitweise. Aber die wird in der Regel von der Gesellschaft nicht akzeptiert.
Was ist wenn ein Bewohner im Pflegeheim die Schwestern widerholt angreift? Er geht in die Psychiatrie, mit dem Notarzt, die Koffer gleich mit, er darf nie wieder kommen. Das Pflegeheim hat im Interesse seiner Mitarbeiter gehandelt? Aber eigentlich darf er den Bewohner ja nicht rauswerfen. In der Psychiatrie werden dann die Schwestern geprügelt, sedierende Medikamente dürfen nicht gegeben werden, weil die Angehörigen das nicht wollen. Er darf nicht fixiert werden, weil die Betreuung das nicht will. Hier stehen die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen höher als das Recht auf Unversehrtheit der Pflegenden. So ist das eben. Und einige Angehörige finden das richtig so, einige Pflegende auch. Sie geben sogar noch Tipps wie man den Krankenhausaufenthalt auf ein halbes oder ganzes Jahr verlängern kann. Das spart den Angehörigen erheblich viel Geld, kostet ja nur maximal 280€. Was soll der Arbeitgeber tun für sein Personal ohne dabei die Rechte anderer zu verletzten? Was bringen "psychologische Fortbildungen"? Nichts!
Was bringen Hausregeln wie die Durchsuchung von Gepäck wenn ein Patient neu ein Heim zieht oder in Krankenhaus kommt? Das vermeidet Zufälle, aber die Angehörigen können klagen und dann bekommen sie vom Gericht recht, der Angehörige darf Schusswaffe samt Munition mit ins Pflegeheim nehmen.

Wenn ich im EDEKA die Verkäuferin schlage, nimmt mich die Polizei mit. Wenn mich auf Arbeit jemand schlägt (egal ob dement oder nicht) bin ich noch daran schuld, weil ich bin ja die Pflegekraft und habe nicht professionell genug gehandelt. Und wenn ich nach einigen Besonderen Menschen geht, müsste ich mich nicht beim Patienten entschuldigen weil ich es zugelassen haben, dass die Situation sich so entwickelt hat.

Um mal das Thema von Johannes aufzugreifen, ob Demenz eine Krankheit sei. Falls es das nicht ist, dann handeln die betreffenden ja ohne eine Art von "Entschuldigung", dann könnten sie ja strafrechtlich voll belangt werden, weil sie ja in einem völlig normalen Zustand sind.

Johannes hat aus meiner Sicht recht wenn er schreibt, dass das Recht auf Selbstbestimmung teilweise zu sehr ausgereizt wird. Und zwar dann, wenn die Recht anderer dabei mit*Füßen getreten werden.

Das ganze ist aus meiner Sicht ein gesellschaftliches Problem, kein Problem der Heime oder des Verständnis von Krankheit und Gesundheit, es ist kein Arbeitsschutzproblem und es kann auch nicht die Schuld der Putzfrau sein - welche Waffen nicht im Schrank gesehen hat. Man kann das Problem nicht mit Fortbildungen lösen, sicherlich können sie zur Entspannung der Lage betragen, aber das Problem nicht lösen. Gewalt in der Pflege ist Alltag, es ist kein aufkommendes Problem.
Zuletzt geändert von Thanos am Sa 11. Feb 2017, 11:59, insgesamt 1-mal geändert.



überflüssig
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AW: Macheten und Pistolen im Pflegeheim

Beitrag von überflüssig » Sa 11. Feb 2017, 15:19

Hallo Thanos,
du hast komplett recht mit dem was du sagst. Gewalt in der Pflege war, ist und wird Alltag bleiben.
Ich möchte mich entschuldigen, falls es (bei dir?) so ankam, als würde ich meinen.... mit einer „Gefahrenzulage“ sei die Gefahr sich Gewalt auszusetzen abgegolten. Das ist natürlich nicht so. Hätte ich vielleicht deutlicher als Ironie kennzeichnen sollen.
Und natürlich wollte ich das „Dabeihaben“ von scharfen Waffen nicht bagatellisieren. Auch dazu hätte ich vielleicht besser geschrieben, dass es, bezogen auf das Problem, nicht herabwürdigend gemeint sein sollte.
VG überflüssig



Thanos

AW: Macheten und Pistolen im Pflegeheim

Beitrag von Thanos » Sa 11. Feb 2017, 22:30

Off-Topic:

Hallo überflüssig,

ich habe Dich so verstanden, dass Du für eine persönlich Zulage bist, damit die Pflegekraft die Maßnahmen des Arbeitgebers nach eigenen Ermessen ergänzen kann.
Ich denke, dass Du ausdrücken wolltest, dass Gewalt etwas alltäglich ist, etwas,*worüber man eigentlich schon gar nicht mehr erschrocken ist, sondern*man ja teilweise schon abgestumpft ist.



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